Bathonea

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Bathonea war eine antike und byzantinische Siedlung in Thrakien, die nur aus den Quellen bekannt ist. An der Lagune von Küçükçekmece westlich von Istanbul wurde eine ausgedehnte Grabungsstätte versuchsweise mit Bathonea identifiziert.

Plinius erwähnt einen thrakischen Fluss namens Bathynias[1], Theophanes [2] nennt den Fluss „Bathyrsos“, Appian nennt ihn „Bithyas“[3], auch erscheint er bei Claudius Ptolemäus.[4]

Erste Grabungen durch Ernest Mamboury[Bearbeiten]

Zwar wurden die Ruinen bereits in den 1920er Jahren von dem Schweizer Archäologen Ernest Mamboury besucht, doch identifizierte er sie mit dem gleichfalls aus den Quellen bekannten Rhegion, das seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. bekannt ist.[5]

Die seit ihrem Untergang stets sichtbaren Ruinen der Stadt wurden ab 1938 (nach anderen Angaben ab 1937) von Mamboury archäologisch untersucht.[6]

Hypothetische Identifikation mit einer Stadt an der Lagune von Küçükçekmece[Bearbeiten]

Im August 2009 wurden am Marmarameer, etwa 20 km westlich von Istanbul, Ruinen einer Stadt von der seit 2007 dort tätigen Ausgrabungsleiterin Şengül Aydıngün von der Kocaeli-Universität versuchsweise mit Bathonea in Verbindung gebracht.[7]

Die Stätte liegt an der Lagune von Küçükçekmece, deren Tiefe zwischen 4 und über 25 m lag, die aber in jedem Falle schiffbar war. Bathonea umfasste nach bisherigen Erkenntnissen eine Fläche von beinahe 8 km², seine Seemauern waren halb so lang wie die von Konstantinopel. Die Vermögenden der Hauptstadt errichteten hier Villen und Paläste.

Funde aus oströmisch-byzantinischer Zeit[Bearbeiten]

In der Mitte der Lagune fanden Unterwasserarchäologen Überreste eines Leuchtturms, eines der wenigen römischen, außer denen von Alexandria und Patara in Lykien, sowie eines Hafens.[8] Zudem fanden sich Hunderte von Ziegeln mit dem Stempel „Konstans“, die sich auch in hauptstädtischen Bauten wie der Hagia Sophia belegen lassen. Der Fernhandel zeigt sich anhand von Tonwaren, die aus Syria und Palaestina stammten.

Bathonea war eine Phyle im Sinne einer von Byzantion, der Vorgängerin Konstantinopels, abhängigen Siedlung. Die Hauptfunde stammen aus der Zeit zwischen dem 2. Jahrhundert v. Chr., aus der ein zweiter Hafen am Ostrand der Halbinsel stammt, und dem 6. Jahrhundert n. Chr. Dazu zählen der römische Hafen mit Docks, Anlegestellen und umgebenden Gebäuden, Hafenmauern, eine riesige Zisterne von 120 × 30 m Fläche mit mehreren hundert Meter langen Wasserleitungen und Überreste von Straßen, sowie ein Friedhof mit Überresten von 20 Individuen.

Bis 2011 hatte man bereits etwa 70 Gräber entdeckt. Untersuchungen ergaben, dass die Männer im Schnitt 1,65 m groß waren, die Frauen 1,50-1,55, und dass viele unter Arthritis, Rheuma, Rachithis gelitten hatten, zeitweise auch unter Fehlernährung und überharter Arbeit. In mindestens einem Fall wurde eine Scädeloperation durchgeführt, die der Patient sehr lange überlebt haben muss.[9] Zudem fand man 440 nur 10 bis 20 mm hohe Terrakotta-Fläschchen von „unguanterium“, eine Mischung von Substanzen, die als Rauch inhaliert schmerzlindernd wirkt. Wahrscheinlich handelte es sich bei dem Haus, in dem man die Flaschen fand, um ein Vorratshaus für Medizinalien. Mindestens eine Frau wies starke Abnutzungserscheinungen an den Schneidezähnen auf, sogar ein Loch, was wagrscheinlich auf Nadeln als Werkzeuge verweist.[10]

Aus dem 4. Jahrhundert stammt ein Kloster, dessen Werkstätten ausgegraben wurden. Dort entstand Schmuck, ebenso wie Metall- und Glasobjekte. Außerdem fand man eine Kirche aus dem 5. oder 6. Jahrhundert, die auf einem griechischen Tempel erbaut worden war. Die Kirche wurde von einem Erdbeben im Jahr 557 schwer beschädigt, war jedoch bis zum Einsturz im Jahr 1037 in Gebrauch. Die Überreste von drei Männern, die dabei von einstürzenden Mauern erschlagen worden waren, konnten geborgen werden. Es scheint, als habe sich die Stadt von dem Erdbeben nie erholt, das möglicherweise eine Stärke von 8,0 aufwies.

Möglicherweise stellte die Stadt einen Nebenhafen von Konstantinopel dar, doch ist unterwasserarchäologische Forschung sehr schwierig, da die Lagune stark von Industrieabwässern belastet ist. Erst nach der Errichtung einer vorgesehenen Kläranlage können die Unterwasserarbeiten intensiviert werden.

Hethitische und zypriotische Funde[Bearbeiten]

Şengül Aydıngün berichtete von hethitischen Figurinen und Keramik aus der Zeit um 2000 v. Chr. Aus der gleichen Epoche stammt Keramik von der Insel Zypern. Insgesamt fand man bis 2011 etwa 50.000 Keramikstücke.[11]

Neolithische Funde[Bearbeiten]

2007 fanden die Ausgräber etwa 7000 Jahre alte, frühneolithische Flintstücke,[12] die damit zu den ältesten jungsteinzeitlichen Artefakten in Europa zählen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Oğuz Tekin: Byzantion'un Etnik Yapılanması ve bir Örnek: Bathonea. Bir Lokalizasyon Önerisi Üzerine Düşünceler. In: Arkeoloji ve Sanat 132, 2009, S. 139-141 (Volltext).
  • Şengül Aydıngün: Küçükçekmece Gölü Havzası (Bathonea?) Kazıları (2009‒2012): In: İstanbul Araştırmaları Yıllığı 2 2013, S. 41-53 (Volltext).

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Naturalis historia 4, 47; siehe Bathynias. In: William Smith: Dictionary of Greek and Roman Geography. London 1854..
  2. Bd. V, S. 340, ed. Bonn.
  3. Mithridatius 1.
  4. Tetrabiblos 3, 11, 6.
  5. Vgl. Jonathan Bardill: Brickstamps of Constantinople, Oxford University Press, Oxford 2004, S. XXXII, 301 u.a.
  6. Belleten 17 (1953), S. 399 ff.
  7. Gegen diese Identifikation: Oğuz Tekin: Byzantion'un Etnik Yapılanması ve bir Örnek: Bathonea. Bir Lokalizasyon Önerisi Üzerine Düşünceler. In: Arkeoloji ve Sanat 132, 2009, S. 139-141 (online).
  8. Sirma Ramazanoğullari Turgut, Eda Cactas Ceylan: In the Wake of a Local Government Initiative. Istanbul - Küçükçekmece, Ayazma-Tepeustu Urban Regeneration Project, WIT Press, Southampton 2012, S. 16-18.
  9. Evidence of successful brain surgery and ancient pharmaceutical warehouse found in Turkey, in: Ancient Origins, 20. Dezember 2014.
  10. Bin yıl önce beyin ameliyatı yapılmış, TRT Haber, 13. Dezember 2014 und Thousands-year-old bones come to surface in Istanbul, in: Hürriyet Daily News, 13. September 2011.
  11. Bathonea excavations shed light on Istanbul’s history, in: Hurriyet Daily New, 13. September 2011.
  12. Sengül Aydingün: Early Neolithic discoveries at Istanbul.