Bauwirtschaft

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Bauhandwerk)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Deutschlandlastige Artikel Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.
Hochbau als Teil der Bauwirtschaft

Die Bauwirtschaft (auch das Baugewerbe) ist ein Wirtschaftszweig, der Planungs-, Ausführungsleistungen und Veränderung an Bauwerken erbringt. Maßgeblicher Träger der Bauwirtschaft sind die Bauunternehmen der verschiedenen Gewerke. Nicht Teil der Bauwirtschaft sind die Baustoffindustrie, Baubehörden und Bauforschungsinstitute sowie Bauträgergesellschaften. Der Bauwirtschaft kommt eine bedeutende Rolle für die Gesamtwirtschaft zu.

Einteilung (bis 1993)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachstehende Einteilung ist für statistische Zwecke durch eine EU-Verordnung 1993 abgelöst worden, wird jedoch vielfach noch heute verwendet und wird in verschiedenen deutschen gesetzlichen Bestimmungen weiterhin verwendet. Die amtliche Statistik unterteilte die Bauwirtschaft in folgende Gruppen:

Bauhauptgewerbe
Unternehmen, welche dem Bauhauptgewerbe zugerechnet werden, beschäftigen sich überwiegend mit der Ausführung des Rohbaus in Hoch- und Tiefbau sowie dem Straßenbau. Auch das Stuckateurgewerbe und die Zimmerei gehören zum Bauhauptgewerbe. In Deutschland gibt es eine Legaldefinition des Bauhauptgewerbes in § 1 Abs. 2 Baubetriebe-Verordnung.
Baunebengewerbe
Zum Baunebengewerbe (auch Ausbaugewerbe) zählen alle Gewerke, welche sich mit dem Ausbau von Bauwerken beschäftigen. Das sind beispielsweise Haustechnik, Maler und Tapezierer sowie Bauschlosser, und Schreiner.
Bauhilfsgewerbe
Unternehmen des Bauhilfsgewerbes sind nicht direkt an der Errichtung von Bauwerken beteiligt, schaffen jedoch die Voraussetzungen, um ein Bauwerk zu errichten. Zu diesem Gewerbe zählen etwa Bautransporte oder die Baureinigung beziehungsweise Bauentsorgung.

Einteilung (ab 1996)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die oben genannte Einteilung ist seit 1996 im Zuge der Systematisierung und Harmonisierung von Wirtschaftszweigen in der Europäischen Gemeinschaft neu gegliedert worden (EU-Systematik). Die für die Bauwirtschaft relevante Kategorie (Vorziffer 45) besitzt fünf Abteilungen. Folgende Abteilungen sind in der Verordnung aufgeführt:

Vorbereitende Baustellenarbeiten
Abbruch, Spreng- und Enttrümmerungsgewerbe, Erdbewegungarbeiten, Test- und Suchbohrungen
Hoch- und Tiefbau
Hochbau, Brücken- und Tunnelbau u.Ä., Dachdeckerei, Abdichtung, Zimmerei, Straßenbau, Eisenbahnbau, Sportanlagenbau, Wasserbau, Spezialbau und sonstiger Tiefbau
Bauinstallation
Elektroinstallation, Dämmung gegen Kälte, Wärme, Feuer, Schall und Erschütterungen, Klempnerei, Gas-, Wasser-, Heizungs- und Lüftungsinstallation
Sonstige Baugewerbe
Stuckateurgewerbe, Gipserei, Verputzerei, Bautischlerei, Fußboden-, Fliesen- und Plattenlegerei, Tapetenkleberei und Raumausstattung, Maler- und Glasergewerbe, Fassadenreinigung, Ofen- und Herdsetzerei
Vermietung von Baumaschinen und -geräten mit Bedienpersonal

Handwerk, Industrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland wird die Bauwirtschaft außerdem unterteilt in das Baugewerbe (handwerkliche Betriebe, die Mitglied der Handwerkskammer sind), und die Bauindustrie (mittelständische und große Unternehmen, die Mitglied der Industrie- und Handelskammer sind).

Im Jahr 2011 erzielten die Betriebe des deutschen Bauhauptgewerbes einen Umsatz in Höhe von 106,99 Milliarden Euro. Im Jahr 2012 erfolgten rund 17.000 Betriebsneugründungen. Zum Stichtag 30. Juni 2012 waren 9,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im deutschen Bauhauptgewerbe Frauen. Im Jahr 2013 gab es 2,48 Millionen Erwerbstätige mit Arbeitsort in Deutschland.[1]

Verbände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie ist der Interessenvertreter und Arbeitgeberverband der Bauindustrie. Die Interessen der baugewerblichen Unternehmen werden durch den Zentralverband des Deutschen Baugewerbes wahrgenommen.

Die Interessen der Arbeitnehmer werden, für Industrie und Handwerk von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) in Frankfurt am Main wahrgenommen.

Die Interessen der Einzelunternehmer im Baugewerbe werden durch den iveb Interessenverband Einzelunternehmer im Baugewerbe vertreten.

Arbeitskreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 wurde der Arbeitskreis der Professoren für Bauwirtschaft, Baubetrieb und Bauverfahrenstechnik (BBB) an den deutschsprachigen Technischen Universitäten und Technischen Hochschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz von Claus Jürgen Diederichs gegründet. Er leitete den Arbeitskreis bis 2004.

Branchenzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 2015 wurden die folgenden Zahlen für 2014 in Deutschland veröffentlicht und Prognosen für 2015 angegeben.[2]

Umsätze im Bauhauptgewerbe, Beschäftigte
Kategorie Absolutwerte (2014) Veränderung zum Vorjahr Prognose 2015
Veränderung zu 2014
Umsätze Wohnungsbau 29,3 Mrd. Euro +5,5 % +2,0 %
Umsätze Wirtschaftsbau 27,7 Mrd. Euro +4,8 % +1,5 %
Umsätze Öffentlicher Bau 21,3 Mrd. Euro +1,6 % +2,5 %
Umsätze Gesamt 78,3 Mrd. Euro +4,2 % +2,0 %
Beschäftigte 760.000 +0,5 %[3]

Von der Gesamtzahl der Beschäftigten im Baugewerbe waren 11,8 % Arbeitskräfte mit ausländischem Pass, eine Änderung um 10,3 % zu 2013. Für den Wohnungsbau stehen die Angaben für 2014 als Änderung gegenüber 2013. Es wurden 130.000 (Einheiten) Mehrfamilienhäuser (+9 %) und 107.000 Ein- und Zweifamilienhäuser (+2,2 %) genehmigt. Der geschätzte jährliche Bedarf an Wohnungen ist auf 272.000 geschätzt, sodass zwischen Bau und Bedarf eine Lücke von 35.000 Wohnungen besteht.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Baugewerbe – Ein Überblick Abgerufen am 27. Januar 2014.
  2. nach VDI-nachrichten Nr. 22, 29. Mai 2015, Technik & Wirtschaft, Seite 23
  3. Vergleich zu 2013