Bavaria Yachtbau

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Bavaria Yachtbau GmbH

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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1978
Sitz Giebelstadt, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Erik Appel, Ralph Kudla, Michael Müller, Peter Rindler
Mitarbeiterzahl ca. 600 (2006)
Umsatz 124 Mio. Euro (2010/11)[1]
Branche Schiffsbau
Website www.bavariayachts.com

Die Bavaria Yachtbau GmbH ist die größte Sportboot-Werft für Segel- und Motorboote in Deutschland mit Sitz in Giebelstadt, Bayern. Das Unternehmen beschäftigt in Giebelstadt rund 600 Mitarbeiter, wovon 150 in der Verwaltung arbeiten. Auf einer Grundfläche der Werft von 200.000 m² mit einer überdachten Hallenfläche für die Produktion von 70.000 m² werden jährlich insgesamt 1200 Motor- und Segelboote gefertigt.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen wurde 1978 vom Fensterfabrikanten Winfried Herrmann und dem Yachtcharter-Vermittler Josef Meltl gegründet. Im Jahr 2006 beschäftigte es 600 Mitarbeiter und produzierte rund 3500 Segel- und Motoryachten. Damit war die Bavaria Yachtbau eines der größten Yachtbauunternehmen Europas und die größte Serienwerft Deutschlands. Im Bereich Yachten von 30 bis 55 Fuß zählt das Unternehmen zu den drei Weltmarktführern.[2]

Im Juni 2007 übernahm der US-Finanzinvestor Bain Capital das Unternehmen von den Gründern. Über den Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht, laut Presseberichten lag er bei 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro und wurde zu Lasten des Unternehmens weitgehend fremdfinanziert. Im Zuge der Wirtschaftskrise ging der Umsatz des Unternehmens in den Jahren 2008 und 2009 von über 250 Millionen Euro auf rund 90 Millionen Euro zurück. Bain Capital gab im Oktober 2009 nach einem Entschuldungsschnitt die Kontrolle an die US-Hedgefonds Anchorage Advisors und Oaktree Capital Management ab, die jeweils 45 Prozent der Anteile übernahmen.[3]

Im August 2010 nahm der von den neuen Eigentümern bestellte, ehemalige Auto-Manager Jens Ludmann seine Arbeit als Sprecher der Geschäftsleitung auf, der zuvor als Chief Engineer bei Ford tätig gewesen war. Im Dezember 2010 wurde ein Vertrag zur Übernahme der italienischen Werft Cantiere del Pardo mit den beiden Marken Dufour und Grand Soleil unterzeichnet. Dies sollte zusätzliche Standbeine in Italien und Frankreich schaffen.[4] Im April 2013 wurde Constantin von Bülow, ein Angestellter des Miteigentümers Oaktree, Geschäftsführer von Bavaria. Ludmann und der Marketingchef Haico van der Luyt verließen das Unternehmen.[5] Trotz unter Ludmann eingeführter neuer Modelle war die Produktionskapazität zu diesem Zeitpunkt nur zu 30 Prozent ausgelastet, als Jahresziel wurde eine Fertigung von 1200 Booten angegeben. Angekündigt wurde auch, die zwei Jahre zuvor übernommene Marke Grand Soleil wieder zu verkaufen.[6] Im Juli 2014 übernahm Bavaria Yachtbau den französischen Katamaranhersteller Nautitech Catamarans. Damit erweiterte der heute zweitgrößte Hersteller der Welt für Segel- und Motoryachten Bavaria sein Produktportfolio von Einrumpf-Yachten auf den wachsenden Markt für Katamarane.[7]

Am 1. Februar 2015 wurde Lutz Henkel Geschäftsführer der Bavaria Yachtbau GmbH und löste damit Constantin von Bülow ab, der als Sprecher des Beirates in das Aufsichtsgremium von Bavaria wechselte.[8] Er wurde im April 2018 durch Tobias Brinkmann abgelöst.[9]

Am 20. April 2018 beantragte das Unternehmen die Insolvenz, wobei die Produktion zunächst im Rahmen einer vorläufigen Eigenverwaltung weiter geführt wurde.[10][11]

Am 17. Oktober 2018 übernahm Capital Management-Partners GmbH (CMP) offiziell als neuer Finanzinvestor Bavaria.[12] Seit April 2018 hatte Tobias Brinkmann von Brinkmann & Partner aus Hamburg als Insolvenzverwalter einen neuen Investor für die Bavaria Yachtbau GmbH und Bavaria Catamarans Srl. (Rochefort / Frankreich) gesucht. Erst im letzten Moment vor dem endgültigen Aus für die Werft wurden am 17. September der Kaufvertrag mit der CMP unterschrieben.[13]

Zum neuen Management Team der jetzigen Bavaria Yachtbau GmbH gehören als Geschäftsführer Ralph Kudla (Kaufmännisch), Michael Müller (Verkauf und Vermarktung), Erik Appel (Operatives Geschäft, Forschung & Entwicklung).

Modellprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Modellprogramm umfasst sowohl Segelyachten, Motorboote als auch seit dem Jahr 2014 Katamarane. Obwohl Bavaria Yachtbau als Segelboothersteller begonnen hat, sind heute auch die Motorboote sehr zahlreich verbreitet. Bavariayachten sind als typische Charteryachten im Segment der Mittelklasse aufgrund ihrer gutmütigen Segeleigenschaften[14] und des kostengünstigen Bereitstellungspreises für Fahrtensegler weit verbreitet.

Kielverlust einer Bavaria Match 42[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2005 verlor eine Bavaria Match 42 in der Adria den Kiel. Dabei kam eine Person ums Leben. Über die technische Ursache des Unfalls herrscht bis heute Unklarheit. Bavaria Yachtbau ging gegen Teile der Berichterstattung über den Vorfall im Magazin Der Spiegel und in der Fachzeitschrift Yacht gerichtlich vor. Die entsprechenden Verfahren konnte die Werft aber nur zum Teil für sich entscheiden. Zusätzlich wurde die Zeitschrift Yacht mit einem Anzeigenboykott der Werft belegt.[15]

Im Nachgang wurde bei Schiffen des gleichen Typs auf Initiative und Kosten der Werft die Konstruktion der Kielaufhängung verstärkt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bavaria Yachten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Konzernumsatz 2010/11 der Bavaria Holdings GmbH, Giebelstadt; Konzernabschluss bei www.unternehmensregister.de hinterlegt
  2. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  3. Millionenverzicht: US-Hedge-Fonds entschulden Bavaria Yacht. Presseartikel vom 4. Oktober 2009. FTD, archiviert vom Original am 6. Oktober 2009; abgerufen am 18. April 2013.
  4. Bavaria Yachtbau übernimmt Dufour und Grand Soleil; motorboot24.com, 8. Dezember 2010
  5. Jochen Rieker: Bavaria-Investoren bauen Spitze um, Yacht.de vom 17. April 2013
  6. Dieter Wanke / Walter Wille: Viel investiert, kräftig verspekuliert, FAZ.net vom 17. August 2013.
  7. Bavaria & Nautitech, yacht.de, 28. Juli 2014.
  8. Lutz Henkel übernimmt Ruder bei Bavaria (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.yachtfernsehen.com, yachtfernsehen.com, 31. März 2015.
  9. Philipp Habdank: Hedgefonds lassen Bavaria Yachtbau fallen, auf finance-magazin.de vom 24. April 18, abgerufen am 30. April 2018
  10. http://www.yacht.de/aktuell/panorama/bavaria-yachtbau-vor-dem-aus/a116720.html
  11. Fränkischer Bootsbauer Bavaria Yachts beantragt Insolvenz, Süddeutsche Zeitung, 20. April 2018
  12. Die neue Linie bei Bavaria. Abgerufen am 12. Februar 2019.
  13. Insolvenz ist abgewendet. Abgerufen am 16. September 2018.
  14. Testbericht zur Bavaria 50. (pdf) In: Seglerzeitung 4/2005. Archiviert vom Original am 29. September 2007; abgerufen am 18. November 2015.
  15. Bavaria nimmt Stellung zum Kielverlust. 6. Mai 2005. Abgerufen am 14. Januar 2017.