Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes

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Ein Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes (abgekürzt Berück) war ein territorialer Befehlshaber der Wehrmacht im Krieg gegen die Sowjetunion. Der Berück übte im Operationsgebiet einer Heeresgruppe die vollziehende Gewalt aus und stützte sich in diesem Gebiet auf eine militärische Verwaltung. Im rückwärtigen Armeegebiet, das direkt hinter der Gefechtszone errichtet wurde, übte dagegen das Oberkommando der jeweiligen Armee (AOK) die Exekutivfunktionen aus.

Zu den Hauptaufgaben eines Berück in seinem Gebiet gehörten die „Sicherstellung von Ruhe und Ordnung“, der Schutz der Versorgungsstützpunkte mit den Nachschubwegen zur Front, Erfassung von Versorgungsgütern im besetzten Gebiet und Bewachung sowie Abtransport der Kriegsgefangenen. Gegenüber diesen militärischen Aufgaben hatten alle anderen Aufgaben zurück zustehen.

In zweiter Linie hatten Berücks die Aufgabe, eine Verwaltung aufzubauen und das Land unter kriegswirtschaftlichen Aspekten auszunutzen. Unter den zweiten Punkt fielen z. B. Inganghaltung bzw. Ingangsetzung von kriegswichtigen Betrieben in ihren Gebieten.

Auf eine wirksame Bekämpfung von Partisanen waren die Berücks nicht vorbereitet, da die Wehrmacht nicht mit einer breiten Partisanenbewegung rechnete und den Sieg noch im Jahr 1941 erwartete. Planungen für einen längeren Krieg im Osten lagen nicht vor.

Um ihre Sicherungsaufgaben zu erfüllen, wurden von der Wehrmacht nur neun Sicherungsdivisionen aufgestellt. Bei den Soldaten der Sicherungsdivision handelte es sich um ältere und schlecht ausgebildete Soldaten. Die Verbände waren zudem schlecht bewaffnet, meist mit Beutewaffen, und ausgerüstet. Ihre Kräfte reichten in den besetzten Gebieten der Sowjetunion für ihre Aufgaben wegen der bald zunehmenden Partisanentätigkeit nicht aus. Deswegen mussten sie durch Hilfstruppen und Soldaten von verbündeten Truppen, insbesondere ungarische Truppen, verstärkt werden und mit dem zuständigen Höheren SS- und Polizeiführer (HSSPF), dem die Einheiten der Ordnungspolizei und des SD unterstellt waren, zusammenarbeiten. Als die Kämpfe in den rückwärtigen Gebieten zunahmen, erhielten die Berück ab April 1942 die zusätzliche Bezeichnung Kommandierender General der Sicherungstruppen.

Die dem Berück außer den direkt unterstellten Einheiten zugeordneten Dienststellen waren die jeweiligen Kommandanturen des rückwärtigen Armeegebietes (Korück), die zuvor vom Armeeoberbefehlshaber eingerichtet worden waren.

Zwischen dem Einmarsch der Wehrmacht 1941 und Ende 1942 fand ein Großteil der Morde an den sowjetischen Juden durch die Einsatzgruppen in Berück-Befehlsgebieten statt. Die Sonderkommandos und Einsatzkommandos der Einsatzgruppen waren je einem Berück zugeordnet, jedoch nicht unterstellt. Nicht nur Liquidierungen, auch Erforschung und Bekämpfung reichsfeindlicher Bestrebungen war Aufgabe der Sicherheitspolizei. Praktisch wurden die Befugnisse, die der Sicherheitspolizei im Reich zustanden, auf die besetzten Ostgebiete ausgedehnt.

Die ersten Befehlshaber der rückwärtigen Heeresgebiete mit ihren Stäben wurden im März 1941 aufgestellt, offiziell wurde die Anordnung zur Aufstellung am 25. Juni 1941 per Führerbefehl erteilt.[1] Die Vorverlegung des jeweiligen rückwärtigen Heeresgebietes beim Vormarsch nach Osten sollte das OKH auf Vorschlag der Heeresgruppen beschließen. Als sicher geltende Gebiete des rückwärtigen Heeresgebietes sollten an die jeweilige geplante politische Verwaltung übergeben werden. Adolf Hitler behielt sich aber die endgültigen Entscheidungen vor. Damit sich die Heeresgruppen auf ihre Kampfoperationen konzentrieren konnten, wurden Anfang 1941 jeweils ein Generalkommandostab pro Heeresgruppe gebildet. Die Berücks hatten die vollziehende Gewalt in ihren Gebieten nach Weisungen des Oberbefehlshaber der Heeresgruppe auszuüben. Spätestens mit dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Zuge der Operation Bagration Mitte 1944 verloren die Befehlshaber der rückwärtigen Heeresgebiete ihre Funktion; ihre Stäbe wurden aufgelöst und verbliebene Sicherungstruppen anderweitig unterstellt.

Berück-Gebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nord[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes Nord, im Gebiet hinter der Heeresgruppe Nord:

Mitte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes Mitte, im Gebiet hinter der Heeresgruppe Mitte:

Süd[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Befehlshaber des Rückwärtigen Heeresgebietes Süd, im Gebiet hinter der Heeresgruppe Süd:

Noch 1941 trat das Heer Gebiete an eine Zivilverwaltung ab: im August 1941 kam das Gebiet von Białystok unter einem Chef der Zivilverwaltung zur Provinz Ostpreußen, von Juli bis September 1941 wurde das Reichskommissariat Ostland errichtet, von September bis November 1941 das Reichskommissariat Ukraine. Mit der Aufteilung der Heeresgruppe Süd im Sommer 1942 in Heeresgruppe A und Heeresgruppe B (sowie Heeresgruppe Don) entstanden zusätzliche Berück-Stellen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörn Hasenclever: Wehrmacht und Besatzungspolitik in der Sowjetunion – die Befehlshaber der rückwärtigen Heeresgebiete 1941–1943. Schöningh, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-76709-7. (Dissertation an der Universität Münster 2007)
  • Dieter Pohl: Die Herrschaft der Wehrmacht: Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941–1944. Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-59174-3.
  • Hans Umbreit: Auf dem Weg zur Kontinentalherrschaft. In: Bernhard R. Kroener, Rolf-Dieter Müller, Hans Umbreit: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg: Organisation und Mobilisierung des deutschen Machtbereichs. Band 5/1: Kriegsverwaltung, Wirtschaft und personelle Ressourcen 1939 bis 1941. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988, ISBN 3-421-06232-3, S. 3–348.
  • Jürgen Kilian: Wehrmacht und Besatzungsherrschaft im Russischen Nordwesten 1941 - 1944. Praxis und Alltag im Militärverwaltungsgebiet der Heeresgruppe Nord, Schöningh, Paderborn 2012, ISBN 978-3506776136.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erlaß des Führers über die Ernennung von Wehrmachtsbefehlshabern in den neu besetzten Ostgebieten vom 25. Juni 1941. In: Martin Moll (Hrsg.): „Führer-Erlasse“ 1939–1945. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-06873-2, Dokument 92, S. 178–179.