Białystok

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Białystok
Wappen von Białystok
Białystok (Polen)
Białystok
Białystok
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Podlachien
Powiat: Kreisfreie Stadt
Fläche: 102,12 km²
Geographische Lage: 53° 8′ N, 23° 9′ OKoordinaten: 53° 8′ 0″ N, 23° 9′ 0″ O
Höhe: 120–160 m n.p.m
Einwohner: 295.401
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 15-001
Telefonvorwahl: (+48) 85
Kfz-Kennzeichen: BI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E 67: PragWarschauTallinn
Schienenweg: WarschauHrodna
Białystok–Ełk, Bielsk Podlaski–Białystok
Nächster int. Flughafen: Warschau
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 102,12 km²
Einwohner: 295.401
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 2893 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2061011
Verwaltung (Stand: 2015)
Stadtpräsident: Tadeusz Truskolaski[2]
Adresse: ul. Słonimska 1
15-950 Białystok
Webpräsenz: www.um.bialystok.pl



Białystok

Białystok (bʲaˈwɨstɔk anhören?/i; weißrussisch Беласток, jiddisch ביאליסטאק) ist die Hauptstadt der polnischen Woiwodschaft Podlachien. Die Stadt bildet das Zentrum einer weißrussischen Minderheit, besitzt mehrere Hochschulen und ist auf den Eisenbahnstrecken von Warschau Richtung Kaunas/Vilnius (Rail Baltica) bedeutendster polnischer Verkehrshalt. Białystok liegt in einer ertragreichen ländlichen Region, hat aber auch Bedeutung im Bereich des Maschinenbaus und der Elektro-, Metall- und Bierindustrie. Von Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts existierte hier auch eine zahlenmäßig bedeutsame deutsche Minderheit.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Białystok liegt rund 180 km nordöstlich der Landeshauptstadt Warschau nahe der weißrussischen Grenze an dem kleinen Fluss Biała, der im Nordwesten der Stadt in den Supraśl mündet, der sich wiederum einige Kilometer weiter westlich in den Narew ergießt. Durch die Stadt verlaufen die Droga krajowa 8, 19 und die 65.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Białystok
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) -2,2 -0,6 4,4 12,0 18,4 21,5 22,6 22,1 17,4 11,5 4,6 0,2 Ø 11
Min. Temperatur (°C) -7,7 -6,8 -3,4 1,9 7,0 10,2 11,7 11,1 7,6 3,6 -0,1 -4,6 Ø 2,6
Niederschlag (mm) 35 26 31 36 56 74 80 70 52 46 46 40 Σ 592
Sonnenstunden (h/d) 0,9 1,8 4,0 4,7 6,2 8,1 7,2 6,4 5,4 3,0 0,9 0,6 Ø 4,1
Regentage (d) 9 7 8 8 10 10 10 9 9 8 10 10 Σ 108
Luftfeuchtigkeit (%) 87 85 81 75 73 77 79 80 84 86 89 90 Ø 82,2
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10,2
22,6
11,7
22,1
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11,5
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0,2
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Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Białystok wurde im 16. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt. Ab 1665 gehörte es der Familie Branicki, die es zur Residenzstadt ausbaute. Auf Betreiben von Stefan Branicki erhielt Białystok 1692 das Stadtrecht, das 1749 von August III. erneuert wurde. Białystok und sein Umland kamen 1796 unter preußische Herrschaft und fielen nach dem Frieden von Tilsit (1807) als Белосток/Belostok an Russland. Dieser Umstand und die Errichtung einer Zollgrenze zwischen Kongresspolen und Russland im Jahr 1831 sorgten für einen Aufschwung der Stadt. Die Zollgrenze sorgte dafür, dass Betriebe aus Polen ihren Sitz nach Białystok verlagerten, um weiter für die russische Armee produzieren zu können.[3] Durch die Eröffnung der Warschau-Petersburger Eisenbahn, die durch Białystok führte, wurde die Stadt zu einem industriellen Zentrum.[4] Mit der Industrialisierung Mitte des 19. Jahrhunderts bildete sich eine bedeutende deutsche Minderheit, die 1885 ca. 12.000 Menschen umfasste, in den folgenden Jahrzehnten jedoch wieder abnahm: 1913 gab es nur noch 5.000 Deutsche in Białystok, 1935 noch 2.500.[5] Im Jahre 1900 waren 63 % der Einwohner Juden, sodass sich die Stadt auch als ein bedeutendes jüdisches Zentrum entwickelte. Im Ersten Weltkrieg erfolgte am 20. April 1915 ein deutscher Luftangriff auf Białystok, welcher 13 Tote und 34 Verletzte zur Folge hatte. Schwere Schäden richteten die russischen Truppen an, als sie sich am 13. August 1915 vor den heranrückenden deutschen zurückzogen.[6] Die Stadt blieb von da an bis zum 19. Februar 1919 unter deutscher Kontrolle.[7]

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Białystok Teil der Zweiten Polnischen Republik. Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt im Rahmen des Polenfeldzugs Mitte September 1939 von deutschen Truppen eingenommen, nach der geheimen Absprache im deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt jedoch am 22. September 1939 den Truppen der Sowjetunion übergeben[8] (amtlicher Name Беласток/Belastok). Im Zuge des am 22. Juni 1941 begonnenen deutschen Angriffs auf die Sowjetunion wurde Białystok erneut von der Wehrmacht besetzt; am 27. Juni 1941 brannten die Nationalsozialisten die Große Synagoge von Białystok nieder, in welcher sich Hunderte Juden befanden. Die neuen Machthaber errichteten hier den Bezirk Bialystok und das Ghetto Białystok. Die meisten der damals circa 43–60 Tsd.[9] jüdischen Einwohner wurden in die Vernichtungslager Treblinka und Auschwitz verbracht und dort ermordet. Białystok war Amtssitz des Chefs der Zivilverwaltung und des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD, der die unterstellten Kommandeure (KdS) und Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD befehligte.

Ende Juli 1944 wurde die Stadt von der Roten Armee eingenommen. Es war zunächst vorgesehen, die Stadt zusammen mit dem westlichen Teil der vormaligen Woiwodschaft in die Sowjetunion einzugliedern. Seit 1945 gehört sie zu Polen und ist seit der Reform der öffentlichen Verwaltung Polens (1999) Hauptstadt der Woiwodschaft Podlachien (województwo podlaskie).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Branicki–Palais
Lubomirski–Palais
Marktplatz
Polnisch-orthodoxe Kirche in Białystok
Gedenktafel für die 1941 niedergebrannte Synagoge
Römisch-katholische Kirche des Heiligen Wojciech (bis 1944 evangelische St. Johannis-Kirche)

Sehenswert sind das barocke Rathaus (barokowy ratusz miejski), der Branicki-Palast (Pałac Branickich), heute Medizinische Universität, das Dom-Ensemble (alte Kirche aus dem 16. Jahrhundert mit prachtvoller Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert sowie der in neugotischem Stil gebaute Dom aus den Jahren 1904 bis 1915 – dort befinden sich mehrere Kunstwerke wie der Hauptaltar und die Kanzel). In Białystok befinden sich auch mehrere orthodoxe Kirchen, von denen die St.-Nikolai-Kathedrale und die Haghia Sophia die schönsten sind.

Etwa 80 km von der Stadt entfernt befindet sich der Białowieża-Nationalpark, wo viele seltene Tiere leben, darunter auch Wisente.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historisch war Białystok lange ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen. Zur Wende des 19. zum 20. Jahrhundert lebte in Białystok eine gemischte Bevölkerung. 1897 hatte die Stadt rund 66.000 Einwohner. Dabei gaben 62 % der Bevölkerung Jiddisch als Muttersprache an, 17,2 % Polnisch, 10,3 % Russisch, 5,6 % Deutsch und 3,7 % Weißrussisch.[10] Daneben gab es noch einige hundert Lipka-Tataren in der Stadt.

Die deutsche Minderheit verfügte bis 1928 über eine deutsche Volksschule (Schulleiter war zuletzt Wilhelm Migulski)[11] und eine protestantische Gemeinde St. Johannis, welche 1912 in der damaligen Alexandrowska (Alexanderstraße), nach dem Ersten Weltkrieg Ulica Pierackiego und spätestens ab 1932[12] Ulica Warszawska genannt) eine steinerne Kirche im neoromantischen Stil errichtete, die heute als Kościół św. Wojciecha der polnischen katholischen Gemeinde dient.[13]

Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust kam der Großteil der Juden von Białystok ums Leben, und die demografische Zusammensetzung der Stadt änderte sich radikal. Ende 1945 lebten nur noch 1.085 Juden in der Stadt, deren Zahl sich in den nächsten Jahren durch Emigration noch weiter verringerte.[9] Auch die deutsche und die russische Minderheit der Stadt hatten nach Ende des Krieges Białystok weitgehend verlassen.

Von den heute rund 295.000 Einwohnern sind etwa 97 % Polen, daneben gibt es noch eine kleine weißrussische Minderheit von etwa 2,5 %. Sie ist durch einige Kulturzentren in der Stadt vertreten und betreibt unter anderem den Radiosender Radyjo Razyja.

Hochschulen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erfolgreichste Fußballverein der Stadt ist Jagiellonia Białystok und spielt im Stadion Miejski.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten, die am Ort gewirkt haben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Schwalbe: Die Leistungen der deutschen Einwanderer bei Aufbau und Entwicklung der Tuchindustrie in Bialystok und Umgebung (18. bis 20. Jahrhundert) (= Schriftenreihe des Archivs der Deutschen aus Mittelpolen und Wolhynien 8, ZDB-ID 2459558-5). Archiv der Deutschen aus Mittelpolen und Wolhynien, Mönchengladbach 2007.

TV-Dokumentationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thomas Gaevert, Martin Hilbert: "Ausgelöscht – Bialystok und seine Juden", Dokumentarfilm, 43 Minuten, Produktion: WDR/RBB 2007; Erstsendung: 22. November 2007, Das Erste

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Białystok – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 25. Dezember 2014.
  2. Website der Stadt, Prezydent Miasta, abgerufen am 3. März 2015.
  3. Manfred Alexander: Kleine Geschichte Polens (= Reclams Universal-Bibliothek 17060). Aktualisierte und erweiterte Ausgabe. Reclam, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-017060-1, S. 207.
  4. Paul Robert Magocsi: Historical Atlas of Central Europe (= A History of East Central Europe. Bd. 1). Revised and expanded edition. University of Washington Press, Seattle WA 2002, ISBN 0-295-98193-8, S. 109.
  5. Nikolaus Creutzburg: Das Schicksal der deutschen Volksgruppe im Industriebezirk von Bialystok, aus: Mitteilungen des Vereins der Geographen an der Universität Leipzig (1936), Heft 14-15.
  6. Białystok unter deutscher Besatzung (auf Polnisch). Abgerufen am 22. August 2015.
  7. Białystok in der Zwischenkriegszeit (polnisch). Abgerufen am 22. August 2015.
  8. Geschichte von Stadt und Garnison – September 1939 (auf Polnisch) auf den Seiten der Parafia Wojskowa. Abgerufen am 9. September 2015.
  9. a b Demografia – Społeczność żydowska przed 1989 – Białystok. Wirtualny Sztetl. Abgerufen am 10. September 2015.
  10. http://demoscope.ru/weekly/ssp/rus_lan_97_uezd.php?reg=354
  11. „Aus der Bialystoker deutschen Volksschule“, in: Der Heimatbote, Mitteilungsblatt für die Glieder der ev.-augsb. Kirche, Heft September 1966, S. 5.
  12. Szkoła Nr. 10 in der ul. Warszawska 46 (Rubrik „Powszechne szkoły publiczne w Białymstoku“ im Adressbuch von Białystok 1932, S. 53 (auf Polnisch). Abgerufen am 7. April 2016.
  13. Parafia Pw. Św. Wojciecha Biskupa i Męczennika w Białymstoku (Internetpräsenz der Gemeinde des Hl. Wojciech, auf Polnisch) – 100 lat kościoła (100 Jahre Kirchengebäude). Abgerufen am 9. September 2015.