Benutzer:Herr P. schreibt/Arminia Dorpatensis

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Korp! Arminia Dorpatensis (Dp)
Wappen Zirkel
Basisdaten
Hochschule/n: Universität Tartu
Gründung: 24. Oktober 1850
Gründungsort: Tartu
Korporationsverband: Wingolfsbund
Farben: schwarz-weiß-altgold mit silberner Perkussion[1]
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: nichtschlagend
Wahlspruch: Jumal, Vabadus, Isamaa! (estnisch: Gott, Freiheit, Vaterland!)[1]
Website: arminia.ee

Die Arminia Dorpatensis (estnisch: Korporatsioon Arminia Dorpatensis bzw. Korp! Arminia Dorpatensis) ist eine nichtschlagende christliche Studentenverbindung in Tartu in Estland. Innerhalb des Wingolfsbundes hat sie damit die nördlichste Lage und auch die weiteste Anfahrt zum Wartburgfest.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1845 entstand an der Universität Tartu ein „Erbaulicher Abend“, bei dem sich Studenten „an jedem Samstag Abend“ vereinigten, „indem sie ein Lied sangen und eine Predigt vorlasen“.[2] Dieser Erbauliche Abend legte den Grundstein für den Wingolf, der sich mit Gründungsdatum 24. Oktober 1850 erst zum „Theologischen Abend“ weiterentwickelte und anschließend mit dem an Turnvater Jahn angelehnten WahlspruchFrisch, fromm, fröhlich, frei!“ zur christlichen Studentenverbindung. Ab 1859 folgte die Annäherung an den Wingolfsbund, 1860 die Umbenennung in Arminia Dorpatensis sowie im Oktober auch die Anerkennung seitens der Universität durch den damaligen Prorektor Georg von Oettingen und 1862 beim 7. Wartburgfest die Aufnahme in den Wingolf.[3][4][5][6]

Zu den Grundsätzen der Arminia Dorpatensis gehörten daher u.a. das Bekenntnis zum Christentum wie auch die Ablehnung der Mensur, weshalb die Verbindung auch für Theologen – wie beispielsweise Traugott Hahn als bekanntestes Mitglied der Arminia – als geeignet angesehen wurde.[7]

Nach der Umfirmierung zu „Arminia Dorpatensis“ beantragten die 25 Studenten die Aufnahme in den Chargierten-Convent der Universität, was aufgrund der Ablehnung von Duell und Mensur sowie der Betonung einer christlichen Moral zu längeren Auseinandersetzungen und scharfem Widerspruch der etablierten Korporationen „Curonia“ und „Estonia“ führte. Erst am 3. März 1865 erfolgte die Aufnahme und damit die Anerkennung. Die Mitgliedschaft dauerte aufgrund der erstmaligen Vertagung jedoch nur ein Jahr.[8][9][10] In personeller wie programmatischer Hinsicht kann der 1867 gegründete Theologische Verein (Societas Theologica) als Nachfolgeorganistation angesehen werden.

Als christlich-überkonfessionelle Verbindung hatte die Arminia gegenüber den deutschbaltischen und urestnischen Verbindungen in Tartu trotz der Neustiftung 1870 jedoch einen schweren Stand, was 1883 zu einer langjährigen Vertagung der Aktivitas führte. Dennoch blieb die Tradition grundsätzlich ungebrochen gewahrt: Erst hielten die Philister die Verbindung am Leben, verliehen Bänder und beteiligten sich über die Stipendiumskasse am studentischen Leben, dann übernahm der 1923 gegründete Danziger Wingolf die Tradition und die Philister gründeten 1925 erstmals einen Philisterverein. Unterbrechungen gab es lediglich – äquivalent zu faktisch allen anderen Studentenverbindungen auch – während der Zeit im Dritten Reich, als der Danziger Wingolf suspendiert wurde und in Tartu während der ersten sowjetischen Besetzung 1940 auch der Theologische Abend und Arminia Dorpatensis seitens der neuen Verwaltung geschlossen wurde. Der Grund dafür war die Weigerung, die Namen und die Aufenthalte der Mitglieder weiterzugeben. Nach Kriegsende übernahm der Darmstädter Wingolf die Traditionspflege für die Arminia Dorpatensis und auch der Philisterverein rekonstituierte sich. Als letzterer 1970 aufgelöst wurde, wurde die Tradition von der Arminia Dorpatensis Toronto fortgeführt, eine Art Altherrenzirkel, in dem Dorpater Bandträger, andere Korporierte und „normale“ Deutschbalten vereint waren.[11][12][13][14]

Im Mai 1994 erfolgte die Neustiftung vor Ort in Tartu, auch wenn in der Literatur gelegentlich fälschlich von einer Gründung gesprochen wird,[15] und 1997 beim Wartburgfest die Wiederaufnahme in den Wingolfsbund. Der älteste Korporationsverband Deutschlands akzeptierte damit die vor allem über Philister gepflegte Traditionslinie, so dass die Verbindung gemäß Gründungsdatum an siebter Stelle geführt wird.[16] Mit der Neustiftung wurde auch der ursprüngliche Wahlspruch in „Jumal, Vabadus, Isamaa!“" (estnisch: Gott, Freiheit, Vaterland!) geändert.[1]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das historische Wapppen war geviertelt. Es zeigte im ersten, schwarzen Feld ein goldenes lateinisches Kreuz, im Feld darunter den Zirkel der Verbindung in einem Lorbeerkranz, im dritten Viertel eine Lyra und darüber einen Stern; im vierten Feld schräggestellt die Farben der Verbindung schwarz-weiss-gold.

Das heutige Wappen zeigt einen schwarz-weiß schräg geteilten Schild mit einem goldenen Jerusalemkreuz. Das Kreuz ist belegt mit einem weiß bordierten roten quadratischen Feld, das darin ein weißes Stadttor mit zwei gezinnten Flankentürmen enthält. Die Dächer der Türme sind mit goldenen Kreuzen besteckt, im Stadttor ist – als Hinweis auf den Bischof von Tartu – ein sechsstrahliger weißer Stern zu sehen und über dem Tor bzw. zwischen den Türmen kreuzen sich – als Reminiszenz an das Wappen der Stadt Tartu – ein Schwert und ein Schlüssel.[1]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Haus der Arminia Dorpatensis liegt direkt an einem Park, vor einem kleinen See.

Die Form der Kopfcouleur ist laut des Geschichtsmuseums der Universität Tartu identisch zu den Formen der Deckel der Korporation Baltica (1850–1856) und der zionistischen Korporation Hasmonaea (1923–1940) – beide ebenfalls aus Tartu.[17][18]

Gegen Ende der 1860er Jahre wurde die „Stipendienkasse des theologischen Abends und der Arminia Dorpatensis“ eingerichtet, die jedoch erst 1910 eine offizielle Registereintragung erfuhr. Die Höhe des Stipendiums hing dabei von der wirtschaftlichen Situation des jeweiligen Studenten ab und konnte zwischen 25 und 300 Rubel pro Jahr liegen.[6]

Nach der Vertreibung der Balten-Deutschen und dem Ende der sowjetischen Besetzung ist die Verbindung die einzigen mit deutschbaltischem Ursprung, die sich im Baltikum rekonstituiert hat.[19] Aufgrund des deutschen Ursprungs wurde die Arminia im Jahr 2012 daher auch in einem offiziellen touristischen Werbeflyer der Stadt Tartu erwähnt.[20]

Das Korporationshaus der Verbindung wurde 1995 Traugott Hahn gewidmet. Anwesend bei der Zeremonie war auch dessen Sohn Wilhelm Hahn, u.a. ehemaliger Kultusminister Baden-Württembergs.[21]

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Pfeil: Album des theologischen Abends und der Arminia, 1850-1900. Mattiesen, Jurjew (Dorpat) 1902. (Digitalisat)
  • Anatol Kasperowitsch: Arminia Dorpatensis und die Pflege studentischer Tradition, in: Historical Society of Mecklenburg Upper Canada (Hrsg.): German-Canadian Yearbook, Vol. 3, 1976, S. 279–281.
  • Arminia Dorpatensis Toronto (Hrsg.): Arminia Dorpatensis Toronto 1850-2000 (nichtschlagende Verbindung in Dorpat-Toronto). Toronto 2000.
  • Lauri Hussar: 10 Jahre nach der Neustiftung der Arminia Dorpatensis. Die Entstehung einer europäischen Studentenverbindung, in: Wingolfsblätter, Heft 1 (2004).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Reinke Eisenberg, Uli Steiger: Wappenbuch des Wingolfs, 2. Aufl. Edition Piccolo, Hannover 2017, ISBN 978-3-931892-07-4, S. 124 f.
  2. Hans Waitz: Geschichte des Wingolfsbundes aus den Quellen mitgeteilt und dargestellt. 2. Auflage. Darmstadt 1904, S. 93 (Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Hans Waitz: Geschichte des Wingolfsbundes aus den Quellen mitgeteilt und dargestellt. 2. Auflage. Darmstadt 1904, S. 163 f. (Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Gunnar Auth (Hrsg.): Alemannia sei's Panier! Alte Leipziger Alemannen erinnern sich an ihre Burschenschaft (1861 - 1935). Books on Demand, 2006, ISBN 3-8334-5068-1, S. 30 (Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche).
  5. August Winkler (Hrsg.): Vademecum Wingolfiticum, 7. Aufl. Wingolfsverlag, Wolfratshausen 1925, S. 12.
  6. a b Sirje Tamul: ‘‘Eraalgatuslikest Stipendiumidest Tartu Ülikoolis 1802–1918‘‘. Tartu Ülikooli Ajaloo ja Arheoloogia Instituut, Tartu 2007, S. 160 f. (estnisch, ut.ee [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 15. Mai 2018]).
  7. Cord Aschenbrenner: Das evangelische Pfarrhaus. 300 Jahre Glaube, Geist und Macht: Eine Familiengeschichte. Siedler Verlag, München 2015, ISBN 978-3-8275-0013-7, S. 144 (Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Ilmar Tõnisson: Üliõpilaskond Tartu saksa ülikoolis 1802—1889. In: kirjandusarhiiv.net. 14. Dezember 2009, abgerufen am 17. Mai 2018.
  9. Die Hauptmomente in der Geschichte des Chargirtenconvents, in: Baltische Monatsschrift 36, S. 402
  10. Toomas Hiio: Baltisaksa korporatsioonid Tartus, in: Helmut Piirimäe (Hrsg.): Spes Patriae – Üliopilassetsid Ja Korporatsioonid Esestis, Olion, Tallin 1996, ISBN 5-460-00217-6, S. 32 (Issuu).
  11. Herbert Prenzlau: Erlebnisse eines deutschbaltischen Kurländers, Bd. 1., 1934 bis 2008. Prenzlau Construction, Frankfurt / Langeoog 2011, ISBN 978-3-00-024693-7, S. 543–554.
  12. Herbert Prenzlau: Erlebnisse eines deutschbaltischen Kurländers, Bd. 2, bis 2012. Prenzlau Construction, Frankfurt / Langeoog 2012, ISBN 978-3-00-037803-4, S. 372–407.
  13. Suleti 467 ühingut – Baranduste üleandmiseks ja no udmiste esitamiseks aega 1 kuu, Postimees, 14. Januar 1940, S. 7.
  14. Paulgerhard Gladen: Gaudeamus igitur: Die studentischen Verbindungen einst und jetzt. Callwey, München 1986, S. 58.
  15. Toivo Miljan: Historical Dictionary of Estonia. Scarecrow Press, Lanham (Maryland) 2004, ISBN 0-8108-4904-6, S. 430 (Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche).
  16. Wingolfsblätter, Ausgabe 2/1997
  17. Tartu University History Museum (Hrsg.): Annual Report 1998. Tartu 1998, S. 157 (Vorschau in der Google-Buchsuche).
  18. Eesti Juutluse Arhiiv: Hasmonea (Tartu Zionist student organization 1923-1940) (Memento vom 14. September 2010 im Internet Archive)
  19. Janeli Ojatamm: Saksa, baltisaksa ja eesti üliõpilasterminoloogia sõnastik, Tartu Ülikool – Filosoofiateaduskond Germaani, romaani ja slaavi filoloogia instituut, Tartu 2011, S. 12 (PDF).
  20. Visit Tartu: Tartu- die Stadt der guten Gedanken! (PDF), Tourismusbroschüre der Stadt Tartu, 2012, S. 9.
  21. Gunter Faure, Teresa Mensing: The Estonians; The long road to independence. Lulu.com, Raleigh 2012, ISBN 978-1-105-53003-6, S. 198 (Volltext/Vorschau in der Google-Buchsuche).
  22. August Winkler (Hrsg.): Vademecum Wingolfiticum, 7. Aufl. Wingolfsverlag, Wolfratshausen 1925, S. 302.
  23. Karl Dienst: Protestantische 'Ikonen' und das Bilderverbot, in: Journal of Religious Culture, Nr. 191 (2014), ISSN 1434-593, S. 43 (PDF).
  24. August Winkler (Hrsg.): Vademecum Wingolfiticum, 7. Aufl. Wingolfsverlag, Wolfratshausen 1925, S. 278.
  25. Liina Raudvassar: Tartus mälestati kommunismiohvreid, in: EEsti Kirik, 17. Januar 2007, S. 1 (PDF).
  26. Verband Alter Wingolfiten e.V. (Hrsg.): Vademecum Wingolfiticum, 25. Aufl. Hannover 2012, S. 102.
  27. Peter Riegelmeyer: Carl Gunther Schweitzer' (H 10, Bo 62), in: Wingolfsblätter, Ausgabe 4/2015, S. 251.
  28. BBL digital – Vierhuff, Carl Wilhelm Gotthard. In: bbl-digital.de. Abgerufen am 14. Mai 2018.
  29. Karl Dienst: Zwischen Wissenschaft und Kirchenpolitik: zur Bedeutung universitärer Theologie für die Identität einer Landeskirche in Geschichte und Gegenwart. Peter-Lang-Verlagsgruppe, 2009 ISBN 978-3631583654, S. 49

Koordinaten: 58° 22′ 29″ N, 26° 42′ 57″ O

Kategorie:Baltische Corporation Kategorie:Wingolfsverbindung Kategorie:Universität Tartu Kategorie:Gegründet 1850