Kultusministerium

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert den deutschen Begriff, französisch Ministère des Cultes steht für Religionsministerium.

Als Kultusministerium wird in Deutschland traditionell die oberste Verwaltungsbehörde eines Bundeslandes für den Bereich Schule und Bildung – sowie teilweise auch für die Hochschulen und kulturelle Angelegenheiten – bezeichnet. Der Wortstamm Kultus (von lat. cultus) bedeutet das Ressort der Religiösen Angelegenheiten, die früher (vor der Trennung von Staat und Kirche) europaweit traditionell zusammen mit dem Ressort Bildung in einem Bildungs- und Kultusministerium zusammengefasst waren.[1] Als erstes Ministerium dieser Art wurde 1817 das Preußische Ministerium der geistlichen-, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten gegründet. Heute wird der Begriff Kultus in diesem Zusammenhang entgegen seiner eigentlichen Bedeutung meistens als Synonym für Bildung (Schulwesen und -unterricht, teilweise auch Universitätswesen) verwendet.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden die Bereiche Bildung und Wissenschaft ab 1934 zentral durch das Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung gelenkt. 1949 erneuerte das Grundgesetz jedoch die Kulturhoheit der Länder und wies den Ländern somit auch die Zuständigkeit in der Schul- und Hochschulpolitik zu.

Heute wird der Begriff Kultusministerium noch in einigen Bundesländern (Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt) offiziell verwendet; oft sind die Aufgabenbereiche aufgrund ihres gewachsenen Umfanges auch auf mehrere Ministerien mit wechselnden Bezeichnungen aufgeteilt.

Situation in anderen Ländern[Bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich sind die Kultusangelegenheiten anders als in Deutschland traditionell Bundesaufgabe, und werden überwiegend vom Bildungsministerium (heute Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur) wahrgenommen. Daneben existiert seit 1970 ein von Bruno Kreisky geschaffenes (wieder 2007) ein eigenständiges Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, einschließlich Hochschulbildung, womit sich das Bildungsministerium auf ein „Unterrichtsministerium“ für Schulbildung verschlankte (2000–2007 gab es wieder ein Gesamtministerium für Bildung und kulturelle Angelegenheiten). Außerdem hat sich auch das Portefeuille der Kunstangelegenheiten seit Viktor Klima eigenständig entwickelt (heute wieder am Unterrichtsministerium), und auch das Portefeuille der Sportpolitik geht seit Franz Vranitzky eigene Wege und befindet sich heute am Verteidigungsministerium.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist das Bildungswesen wie in Deutschland im Wesentlichen auf der Ebene der Gliedstaaten, mithin der Kantone, angesiedelt. Den deutschen Kultusministerien entsprechen Behörden, die je nach Kanton Bildungsdirektion, Bildungsdepartement, Erziehungsdirektion oder Erziehungsdepartement heißen (Direktion und Departement sind in der Schweiz die Bezeichnungen für „Ministerium“).

Zur Koordination auf Bundesebene besteht zum einen die Schweizerische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) sowie zum anderen das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) im Geschäftsbereich des Eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kultusministerium – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kultusministerium in Meyers Großem Konversations-Lexikon, Leipzig 1907.