Bernhard Lauer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Politiker siehe Bernhard Lauer (Politiker)

Bernhard Lauer (* 1954 in Britten) war bis 2014 Leiter des Brüder Grimm-Museums Kassel. Er ist Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft in Kassel.

Lebenslauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauer besuchte die Volksschule in Britten und machte 1973 sein Abitur am Staatlichen Realgymnasium Merzig (Saar). Von 1973 bis 1983 studierte er in Marburg, Gießen, Moskau, Belgrad und Bukarest Slawische und Romanische Philologie und promovierte in Marburg über den russischen symbolistischen Dichter Fedor Sologub. Anschließend wurde er durch Vermittlung des Marburger Slawistik-Professors Hans-Bernd Harder (Präsident der Brüder Grimm-Gesellschaft) Mitarbeiter der Veranstaltungsgesellschaft 200 Jahre Brüder Grimm, die für Ausstellungen, ein vierbändiges Katalogwerk und weitere Projekte im Zusammenhang mit den zweihundertsten Geburtstagen der Brüder Grimm (4. Januar 1985 und 24. Februar 1986) zuständig war. Zwischenzeitlich nahm er eine Hochschulassistentur an der Philipps-Universität Marburg wahr. Im August 1989 wurde Lauer als Nachfolger von Dieter Hennig Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft in Kassel und ungefähr zur selben Zeit, ebenfalls als Nachfolger von Hennig, Leiter des Brüder Grimm-Museums Kassel.

Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lauer wirkt an vielen verschiedenen internationalen Aktivitäten und Ausstellungen zu den Brüdern Grimm mit, unter anderem in Belgien, Bulgarien, Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Kroatien, Litauen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Schweiz, Spanien, Taiwan, Tschechien und den Vereinigten Staaten. Unter ihm als Geschäftsführer der Brüder Grimm-Gesellschaft wurden unter anderem auf Antrag des Vorstandes die Handexemplare der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen zum Weltdokumentenerbe der UNESCO erklärt, das historische Palais Bellevue, in dem das Brüder Grimm-Museum untergebracht war, saniert und die kritische Edition von Werken und Briefwechseln der Brüder Grimm in der „Kasseler Ausgabe“ begonnen. Außerdem ist er als Autor und Herausgeber wissenschaftlicher und populärer Publikationen (siehe Linkverzeichnis) zu den Grimms im In- und Ausland und in vielen Sprachen aktiv.

Im Sommer 2005 gründete Bernhard Lauer „in Anlehnung an Johann Gottfried Herders ‚Kritische Wälder‘ in Kassel den Verlag ‚Neue Kritische Wälder‘, der sich besonders mit kulturellen Grenz- und Übergangsräumen in Europa beschäftigen will.“ [1]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte der 2000er Jahre wurde Kritik an den Nutzungsbedingungen des von Lauer geleiteten Brüder Grimm-Museums laut. Es kam zu Zerwürfnissen mit namhaften Wissenschaftlern, u. a. dem Nestor der Grimm-Forschung, Ludwig Denecke, oder dem Wuppertaler Germanisten Heinz Rölleke. Nach Lauers Versuch, im November 2005 gleichzeitig das Amt des Präsidenten und Geschäftsführers der Brüder-Grimm-Gesellschaft zu übernehmen, wurde die bis dahin wissenschaftsintern vorgetragene Kritik öffentlich gemacht. Namhafte Germanisten und Vertreter des kulturellen Lebens (neben Rölleke z. B. Claudia Brinker-von der Heyde und Andreas Gardt von der Universität Kassel, Alan Kirkness von der Universität Auckland, Neuseeland, oder der Kommunikationswissenschaftler und Kulturberater Klaus Siebenhaar) forderten die Brüder Grimm-Gesellschaft und die Stadt Kassel zu Veränderungen auf. Lauer wurde unter anderem vorgeworfen, noch nicht erschienene Publikationen angekündigt zu haben[2]. Ein weiterer Vorwurf lautete, Lauer habe mit der Bezeichnung eines Schreibsekretärs aus der Familie des Grimm-Schwagers Ludwig Hassenpflug aus den Beständen des Brüder Grimm-Museums Kassel als Die „Märchenwerkstatt“ der Brüder Grimm u. a. auf der EXPO in Hannover und in einer Veröffentlichung suggeriert, dieser sei von den Brüdern Grimm genutzt worden [3]. Ebenso wurde ihm unterstellt, die Überlieferungs- und Eigentumsverhältnisse der Kasseler Handexemplare Grimmscher Werke falsch dargestellt zu haben[4]. Zu den Eigentumsverhältnissen hat die Grimm-Gesellschaft ein Gutachten des Vorsitzenden Richters am Hessischen Verwaltungsgerichtshof Eckehart Blume veröffentlicht; die Stadt Kassel, die Universität Kassel und das Land Hessen haben jeweils eigene Rechtsstandpunkte erarbeitet, deren Argumentation bisher nicht im Einzelnen veröffentlicht wurde. Zu allen Vorwürfen und Kritikpunkten gibt es gegensätzliche Standpunkte der Brüder Grimm-Gesellschaft, insbesondere ihres Wissenschaftlichen Rates, dem bedeutende Grimm-Forscher (u. a. der Germanist Heinz Rölleke und der Literaturwissenschaftler Hans-Jörg Uther) angehören. Auf Veranlassung der Stadt Kassel befinden sich die Handexemplare seit Anfang 2007 in einem Banktresor.

Veröffentlichungen in Presse[5], Funk und Internet sind auf die kritischen Diskussionen eingegangen.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das lyrische Frühwerk von Fedor Sologub. Weltgefühl, Motivik, Sprache und Versform, Schmitz, Gießen 1986.
  • (mit Wilhelm Bleek): Protestation des Gewissens. Die Rechtfertigungsschriften der Göttinger Sieben (= Schriften der Brüder Grimm-Gesellschaft. Neue Folge, Band 36). Brüder Grimm-Gesellschaft, Kassel 2012, ISBN 978-3-940614-29-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Homepage des Verlags „Neue Kritische Wälder“.
  2. Liste der diskutierten Titel
  3. Weitere Informationen zum Thema „Märchenwerkstatt“ der Brüder Grimm
  4. Dokumentation zur Überlieferungs- und Eigentumsgeschichte
  5. Matthias Schulz: Ammenmärchen aus Kassel. In: Der Spiegel. Nr. 18, 2006, S. 178–180 (online).