Bettina Rheims

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Bettina Rheims: Selbstporträt, 2013

Bettina Rheims [ʀɛ̃s] (* 18. Dezember 1952 in Neuilly-sur-Seine) ist eine französische Fotografin. Die provokant-erotischen Inszenierungen in ihrer Akt- und Glamourfotografie machten sie weltweit bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bettina Rheims ist das älteste von drei Kindern des Schriftstellers, Mitglieds der Académie Française, Kunsthistorikers und Auktionators Maurice Rheims (1910–2003), der auch Nachlassverwalter von Pablo Picasso war, und der Deutschen Lili Krahmer (1930–1996), einer Nachfahrin von Amschel Moses Rothschild, die vor den Nationalsozialisten aus Deutschland flüchtete. Die Schriftstellerin und Filmproduzentin Nathalie Rheims (* 1959) ist ihre Schwester.

Bevor sie Karriere als Fotografin machte, arbeitete Rheims als Fotomodel. 1973 spielte sie eine kleine Rolle in der Gangsterkomödie La bonne année (Frankreich/Italien 1973, Regie: Claude Lelouch).

Rheims’ erste Ehe mit Pierre Martinet (* 1949) wurde 1971 geschlossen und 1977 geschieden. 1978 heiratete sie den Kunsthistoriker und Schriftsteller Serge Bramly, mit dem sie einige Bücher veröffentlichte. Mit ihm hat sie einen Sohn, Virgile Maurice Bramly (* 1980). Die Ehe wurde ebenfalls geschieden, was die künstlerische Zusammenarbeit jedoch nicht beendete. Ihr dritter Ehemann war der Künstler Stéphane Coutelle, von dem sie sich ebenfalls scheiden ließ. Im Jahr 2001 heiratete sie den Pariser Anwalt Jean-Michel Darrois (* 1948).

Bettina Rheims lebt und arbeitet in Paris.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1970 begann Rheims mit dem Fotografieren. Ihre ersten Modelle waren Pariser Stripperinnen und Akrobaten.[1] Das Thema des weiblichen Körpers in erotischen und voyeuristischen Situationen zieht sich seither durch ihr ganzes Werk.

1987 drehte sie das Video von Desireless Voyage, Voyage.

Sie arbeitete für Modemagazine, Plattenfirmen und Werbeagenturen. Anders als viele der anonymen Auftragsfotografen in dieser Branche stellte sie jedoch auch regelmäßig unter ihrem Namen aus. Ihr erster Bildband Female Trouble erschien 1991.

Weite internationale Bekanntheit erreichte sie 1992 mit dem Band Chambre Close (deutsch: „abgeschlossenes Zimmer“). Rheims’ Fotografien zeigen junge Frauen in halb nackten Posen, die wirken sollen , als hätten sie in schäbigen Hotelzimmern oder Fluren spontan für einen (männlichen) Fotografen ihre Geschlechtsteile entblößt. Tatsächlich handelt es sich um Inszenierungen. Serge Bramly verfasste den Begleittext, das fiktive Tagebuch eines Amateur-Erotikfotografen.

Zusammen mit der Transsexuellen Kim Harlow publizierte sie 1992 das biografische Buch Kim. Harlow starb 1992 in Paris an AIDS. Sie war eines der Models, die Rheims für die Serie Modern Lovers fotografiert hatte.

1995 erhielt Rheims den Auftrag, das offizielle Porträt des neu gewählten Präsidenten von Frankreich, Jacques Chirac, anzufertigen.[1]

Ebenfalls eine Zusammenarbeit mit Bramly ist die Serie I.N.R.I., die zum ersten Mal 1999 in Berlin im Deutschen Historischen Museum ausgestellt wurde. In 200 farbigen und einigen schwarzweißen Fotografien stellten Rheims und Bramly Szenen aus dem Leben Christi nach. Die Veröffentlichung in Frankreich zog heftige Kritik von Christen auf sich. Von Rechtsradikalen gab es antisemitische Ausschreitungen gegen einige Buchhandlungen, die Rheims’ Fotoband verkauften.

Im Jahr 2008 wurde sie wegen Plagiats eines Werkes des deutschen Künstlers Jakob Gautel, das sie für eine Montage verwendete, zu einer Geldstrafe von 30.000 Euro verurteilt.[2]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Ich bin eine Frau, ich bin auch Feministin. Ich mache Fotos mit Frauen und für Frauen. Nie würde ich meine Modelle zu etwas zwingen, von dem ich nicht wollte, dass man es mit mir täte. Mein Blick auf Frauen ist nicht voyeuristisch und nicht männlich. Es sind übrigens vor allem Frauen, die meine Bilder mögen. Vermutlich, weil auf ihnen das Sexuelle verbunden ist mit Vergnügen und nicht mit Schmerz wie sonst oft in der Kunst.“

Bettina Rheims: Interview mit Berliner Zeitung, 27. November 1999[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994: Ihre Heimatstadt Paris verlieh ihr den Grand prix de la photographie.
  • 2002: Jacques Chirac verlieh Bettina Rheims den Orden Chevalier de la Légion d’Honneur für ihr Lebenswerk.[1]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Bettina Rheims (französisch, geb. 1952), Biografie bei Artnet
  2. diepresse.com
  3. Von Wirklichkeit, die nichts mit dem Leben zu tun hat. In: Berliner Zeitung, 27. November 1999; Interview