Biloxi (Volk)

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Stammesgebiet der Biloxi im 16. Jahrhundert.

Die Biloxi (Eigenbezeichnung Taneks haya: "Die ersten Menschen") sind ein Stamm nordamerikanischer Ureinwohner, deren Stammesgebiet sich im heutigen Bundesstaat Mississippi im Südosten der Vereinigten Staaten am Golf von Mexiko befand. Ihre in der Neuzeit ausgestorbene Sprache Biloxi war eine indigene Sprache aus den Sioux-Sprachen, die eng mit den Dialekten der Ofo und Tutelo verwandt war.

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während ihre Anzahl im 17. Jahrhundert rund 1.000 Stammesmitglieder betrug, gab es 1829 nur noch 105 und 1908 lediglich 6 bis 8 Überlebende. 1981 wurden deren Nachkommen zusammen mit denen der Tunica als Tunica-Biloxi Tribe of Louisiana von der US-Regierung anerkannt und hatten 1985 wieder 105 Mitglieder. Heute lebt der überwiegende Teil des vereinigten Stammes in einem Reservat bei Marksville in Louisiana.

Traditionelle Kultur und Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Biloxi sind Nachkommen der der Mississippi-Kultur, wie aus archäologischen Fundstätten hervorgeht. Sie sprachen früher einen Sioux-Dialekt und waren damit das südlichste aller Siouxvölker, umgeben von ausschließlich Muskogee-sprechenden Gruppen. Deshalb ist die Vermutung naheliegend, dass sie zu einem unbekannten früheren Zeitpunkt nach Süden gewandert sind.

Die Biloxi waren sesshafte Ackerbauern und Jäger. Der Anbau von Mais, Bohnen, Kürbis und Sonnenblumen war Frauenarbeit, während die Männer Bisons, Hirsche, wilde Truthähne und kleineres Wild mit Pfeil und Bogen oder Fallen jagten. Auch das Fangen von Fischen in Flüssen, Binnenseen und an der Meeresküste mit Speeren und Netzen war Männerarbeit. Sie waren sesshaft und lebten in Häusern mit Wänden aus mit Lehm abgedichtetem Rohrgeflecht, während die Dächer mit Baumrinde gedeckt wurden.[1]

Die Kleidung der Biloxi-Männer bestand aus einem Lendenschurz oder Leggings, während die Frauen eine Art von Wickelrock trugen. Beide Kleidungsstücke waren aus Hirschleder oder Pflanzenfasern gefertigt und wurden von einem ledernen Gürtel gehalten. Der Oberkörper war mit einem unterschiedlich langem Hemd aus Tierfell bedeckt, das im Winter aus Pelz gefertigt war. An den Füßen trugen Männer und Frauen Mokassins. Das Herstellen der Kleidung war Frauenarbeit. Bei Festen, Lacrosse-Spielen und auf dem Kriegspfad bemalten die Männer ihre Gesichter und Körper mit bunten Farben. Zum Transport auf dem Wasser benutzten sie Einbaum-Kanus.[1]

Die Sprache der Biloxi ist seit den 1930er Jahren ausgestorben, als die letzte bekannte Sprecherin Emma Jackson starb. Heute sprechen die Biloxi meist amerikanisches Englisch oder Französisch.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Den ersten Kontakt mit Europäern gab es 1699 durch den Franko-Kanadier und Entdecker Pierre Le Moyne d'Iberville, der dort die französische Louisiana-Kolonie errichten wollte. Als seine Flottille einen natürlichen Hafen östlich des Mississippi-Deltas anlief, stellten er fest, dass dieser Ort schon von Spaniern besetzt war. Der spanische Kommandeur verweigerte die Zufahrt zur Bucht von Mobile, erlaubte den Franzosen jedoch die Aufnahme von Wasser und Holz. D'Iberville wich 20 Meilen nach Westen aus und gründete in der Bucht von Biloxi eine Siedlung, die seinen Namen trägt. Von hier aus erkundete er die Umgebung und traf auch auf Angehörige der Biloxi. D'Iberville beschrieb ein verlassenes Dorf der Biloxi, dessen Bewohner zuvor an einer Pocken-Epidemie gestorben waren. Im Dorf fand er die Überreste von Hütten, die aus getrockneten Schlamm bestanden und Dächer aus Baumrinden besaßen. Die Krankheit, gegen die die Ureinwohner keine Abwehrkräfte hatten, wurde von Europäern eingeschleppt.[2]

Die überlebenden Biloxi zogen nach und nach von Mississippi nach Louisiana und Texas. Sie vermischten sich mit Angehörigen anderer Stämme, wie den Caddo, Choctaw und zuletzt mit den Tunica. Die westliche Migration, die auch zahlreiche andere indigene Gruppen von der Golfküste teilten, hatte ihre Ursache im wachsenden Druck durch europäische Einwanderer. 1828 gab es zwanzig Familien am Ostufer des Neches River im heutigen Angelina County in Texas. 1836 unterschrieben die Biloxi als Verbündete der Cherokee den Vertrag von Chief Bowl's Village. 1837 erwähnte ein Bericht an den Senat von Texas, dass die Biloxi und ihre Verbündeten im Nacogdoches County und Liberty County in Texas lebten und eine „Stärke von 150 Kriegern“ hätten. Als Albert Sidney Johnston und Präsident Mirabeau B. Lamar von Texas den Cherokee den Krieg erklärten und Häuptling Bowl töteten, wurde dieser Krieg kurzerhand auf andere Stämme in Ost-Texas ausgedehnt. Davon waren auch die Biloxi in Texas betroffen, von denen zahlreiche Angehörige im Juli 1839 nach Arkansas vertrieben wurden. 1843 unterzeichneten die Biloxi den Vertrag von Bird's Fort am Trinity River mit der Republik Texas. 1846 fanden Butler und Lewis ein Lager der Biloxi am Little River im Bell County. Andere Angehörige der Biloxi zogen noch weiter nach Westen und erschienen als Verbündete der Seminolen in Brackettville in Texas und in Nacimiento in Coahuila in Mexiko. Andere Biloxi fand man 1886 bei den Choctaw und Creek im Indianerterritorium.[3]

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Nachkommen der Biloxi verbanden sich mit den Tunica und den Überresten der Ofo, Avoyel und Choctaw und wurden 1981 unter dem Namen Tunica-Biloxi Indian Tribe bundesstaatlich anerkannt (federal recognized). Sie teilen sich eine kleine Reservation in Avoyelles Parish im östlichen Louisiana südlich der Stadt Marksville. Beim Zensus von 2010 wurden dort 951 Personen gezählt, davon 669 mit entweder Biloxi- oder Tunica-Angehörigkeit. Die beiden Hauptstämme stammen aus unterschiedlichen Sprachfamilien. Während die Biloxi einen Sioux-Dialekt sprachen, benutzten die Tunica eine isolierte Sprache. Heute sprechen die Stammesangehörigen entweder Englisch oder Französisch. Der Tunica-Biloxi Indian Tribe betreibt seit 1994 das Spielkasino Paragon Casino Resort in Marksville.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Biloxy Indians. Abgerufen am 5. Februar 2017.
  2. Klaus Harpprecht/Thomas Höpker: Amerika - Die Geschichte der Eroberung von Florida bis Kanada. GEO im Verlag Gruner&Jahr, Hamburg 1986, ISBN 3-570-07996-1, S. 264–265.
  3. Biloxy Indians in Texas. Abgerufen am 5. Februar 2017.
  4. Tunica-Biloxi Tribe of Louisiana. Abgerufen am 5. Februar 2017.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste nordamerikanischer Indianerstämme

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]