Diözese Gurk-Klagenfurt

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Diözese Gurk-Klagenfurt
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Basisdaten
Staat Österreich
Kirchenprovinz Salzburg
Metropolitanbistum Erzdiözese Salzburg
Diözesanbischof Sedisvakanz[1]
Apostolischer Administrator Werner Freistetter
Fläche 9.533 km²
Dekanate 23 (2016 / AP 2017)
Pfarreien 336 (2016 / AP 2017)
Einwohner 557.641 (2016 / AP 2017)
Katholiken 381.000 (2016 / AP 2017)
Anteil 68,3 %
Diözesanpriester 239 (2016 / AP 2017)
Ordenspriester 46 (2016 / AP 2017)
Katholiken je Priester 1.337
Ständige Diakone 58 (2016 / AP 2017)
Ordensbrüder 57 (2016 / AP 2017)
Ordensschwestern 206 (2016 / AP 2017)
Ritus Römischer Ritus
Liturgiesprache Latein, Deutsch
Slowenisch
Kathedrale Klagenfurter Dom
Konkathedrale Gurker Dom
Website www.kath-kirche-kaernten.at
Kirchenprovinz
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Die Diözese Gurk (lateinisch Dioecesis Gurcensis, slowenisch Krška škofija, heute auch als Katholische Kirche Kärnten auftretend) ist eine römisch-katholische Diözese, die zur Kirchenprovinz Salzburg (Österreich) gehört. Der Bischofssitz befindet sich in Klagenfurt am Wörthersee. Ihr Territorium umfasst heute das Bundesland Kärnten. Der südliche Teil des Diözesangebiets wird neben einer deutschsprachigen Mehrheit auch von Kärntner Slowenen besiedelt. Aus diesem Grund sind die zentralen Diözesanstrukturen zweisprachig (Deutsch, Slowenisch) angelegt. So gibt es beispielsweise neben der Kärntner Kirchenzeitung auch ein Pendant in Slowenisch, die Nedelja (Sonntag). In 69 Pfarren Südkärntens ist Slowenisch neben Deutsch Liturgiesprache.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausdehnung nach 1131 (grau)
Wappen eines Fürstbischofs mit fürstlichen und bischöflichen heraldischen Würdezeichen.
Kärntner Pfarren mit zweisprachiger (deutsch-slowenischer) Liturgie

Das Bistum wurde 1072 als erstes der Salzburger Eigenbistümer gegründet. Sitz des Bischofs war Gurk in Kärnten. Als materielle Basis diente ein von Erzbischof Gebhard aufgelassenes Nonnenkloster (Stift Gurk), das einst die Gräfin Hemma von Gurk gestiftet hatte. Hemma gilt daher als eine der Gründerinnen des Bistums. Als erster Bischof wurde Günther von Krappfeld geweiht. Der Gurker Bischof sollte voll von Salzburg abhängig sein und für den Erzbischof als Vikar fungieren. Erst 1131 erfolgte die Zuteilung einer kleinen Diözese. Durch großangelegte Urkundenfälschungen wurde versucht, aus der Umklammerung Salzburgs zu kommen, was aber misslang. Ein langwieriger Prozess um das Bistum wurde auf dem Konzil von Basel ausgetragen.

Sitz der Bischöfe von Gurk war jahrhundertelang Schloss Straßburg (bis 1783), danach für kurze Zeit Schloss Pöckstein. Im Rahmen der josephinischen Kirchenreformen wurde 1787 der Bischofssitz nach Klagenfurt verlegt und das Bistum erheblich vergrößert: von Salzburg wurden 96, von Görz 56, von Laibach 5 und von Lavant eine Pfarre abgetreten. Als 1859 der Lavanter Bischofssitz nach Marburg an der Drau verlegt wurde, kam das Lavanttal zum Bistum Gurk; seitdem decken sich die Diözesangrenzen Gurks mit jenen des Bundeslandes Kärnten. Zu keinem Zeitpunkt jedoch wurde der Name der Diözese zugunsten von Klagenfurt verändert, der offizielle Name bleibt Diözese Gurk.

Die Bischöfe von Gurk trugen im Heiligen Römischen Reich den Titel eines Fürstbischofs. Der Gebrauch dieses Titels sowie die Verwendung der damit verbundenen weltlichen Würdezeichen (wie Fürstenhut und -mantel) wurde 1951 durch Papst Pius XII. auch formell abgeschafft.[2]

Über die Kirchengeschichte hinaus bekanntgeworden ist von den Gurker Bischöfen vor allem Kardinal Franz II. Xaver von Salm-Reifferscheidt, Organisator der Erstbesteigung des Großglockners. Balthasar Kaltner war der letzte Gurker Bischof, der als Virilist im Kärntner Landtag gesprochen hat.

Forstwirtschaft im Gurktal

Situation der Diözese nach dem Weggang von Bischof Alois Schwarz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alois Schwarz, seit 2001 Bischof von Gurk-Klagenfurt, wurde am 1. Juli 2018 als Bischof von St. Pölten eingeführt. Nach seinem Weggang wurde im Bistum Gurk-Klagenfurt die Frage aufgeworfen, ob der Bischof in Kärnten seine Befugnisse wirtschaftlich und personell „missbraucht“ habe. Schwarz war als Kärntner Bischof treuhänderischer Verwalter des größten Mensalgutes Österreichs.[3][4] Im Zusammenhang mit der Causa Alois Schwarz gab die Erzdiözese Salzburg am 20. Dezember 2018 bekannt, dass der Salzburger Erzbischof Franz Lackner von Papst Franziskus zum Apostolischen Visitator für die Diözese Gurk ernannt worden ist.[5]

Ende Dezember 2018 leitete die Staatsanwaltschaft Graz ein Ermittlungsverfahren gegen Altbischof Schwarz wegen Verdachts der Veruntreuung ein. Erstere hatte den Fall wegen möglicher Befangenheit der Staatsanwaltschaft Klagenfurt übernommen.[6]

Nach Beendigung seiner Visitation erklärte Erzbischof Franz Lackner im März 2019 kritisch, die Diözese befinde sich in einer „Ausnahmesituation“; er habe während seiner Visitation viel zerrüttetes Vertrauen und Ängste bei Gläubigen und Mitarbeitern in Kärnten gespürt. Dem Bischof seien durch das Domkapitel fragwürdige Personalentscheidungen sowie undurchsichtige Vorgänge im Amts-, Führungs- und Lebensstil vorgeworfen worden; weitere Schritte und Konsequenzen lägen nun bei der zuständigen vatikanischen Bischofskongregation.[7]

Ab 2. Juli 2018 war zunächst auf Grundlage einer Wahl des Domkapitels der Domprobst Engelbert Guggenberger als Diözesanadministrator der Diözese Gurk-Klagenfurt tätig.[8] Am 28. Juni 2019 ernannte Papst Franziskus Militärbischof Werner Freistetter zum Apostolischen Administrator der Diözese.[9] Eine Entscheidung über die Ergebnisse der Visitation sei weiterhin offen, erklärte der Heilige Stuhl.[10] Die Ablöse von Engelbert Guggenberger stieß auf Kritik. Als Anlass wurde publiziert, dass es eine Konfrontation mit Rom gegeben hätte oder auch, der Administrator nach Ablauf eines Jahres größere Rechte erworben hätte.[11][12][13]

Diözesanheilige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Landespatron von Kärnten ist der Heilige Josef (19. März), der Schutzheilige der Diözese ist Johannes der Täufer (24. Juni), die Heilige Hemma von Gurk (27. Juni) ist die Landesmutter.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jakob Obersteiner: Beiträge zur Gurker Bistumsgeschichte aus der Zeit der Reformation und Gegenreformation. In: Carinthia I. Band 145, 1955, S. 575 f.
  • Jakob Obersteiner: Die Bischöfe von Gurk. 1072–1822 (= Aus Forschung und Kunst. 5, ISSN 0067-0642). Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, Klagenfurt 1969.
  • Jakob Obersteiner: Die Bischöfe von Gurk. 1824–1979 (= Aus Forschung und Kunst. 22, ISSN 0067-0642). Verlag des Geschichtsvereins für Kärnten, Klagenfurt 1980.
  • Peter G. Tropper: Verleumdet? Verfolgt? Vertrieben? – Zur Stellung des slowenischen Klerus in Kärnten zwischen den Jahren 1914 und 1921. In: Werner Drobesch, Avguštin Malle (Hrsg.): Nationale Frage und Öffentlichkeit (= Kärnten und die nationale Frage. Bd. 2). Heyn u. a., Klagenfurt u. a. 2005, ISBN 3-7084-0015-1, S. 249–264.
  • France M. Dolinar: Kärntens katholische Kirche aus der Sicht der Slowenen – Vom Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie bis zur Verselbstständigung Sloweniens. In: Werner Drobesch, Avguštin Malle (Hrsg.): Nationale Frage und Öffentlichkeit (= Kärnten und die nationale Frage. Bd. 2). Heyn u. a., Klagenfurt u. a. 2005, ISBN 3-7084-0015-1, S. 291–307.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Roman Catholic Diocese of Gurk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zwölf Fragen und Antworten rund um die Zeit der Sedisvakanz. Abgerufen am 1. Juli 2018.
  2. Franz Gall: Österreichische Wappenkunde. Handbuch der Wappenwissenschaft. 2. Aufl. Böhlau Verlag, Wien 1992, S. 219, ISBN 3-205-05352-4.
  3. Diözese Gurk: Größtes Vermögen an Mensalgütern. In: religion.orf.at. 16. April 2014, abgerufen am 29. Dezember 2018.
  4. Mensalgut von Bischof Schwarz wird nachgeprüft. In: kaernten.orf.at. 16. Juli 2018, abgerufen am 21. Dezember 2018.
  5. Erzbischof Lackner zum Visitator für Gurk ernannt. In: religion.orf.at. 20. Dezember 2018, abgerufen am 20. Dezember 2018.
  6. Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bischof Alois Schwarz. In: kurier.at. 28. Dezember 2018, abgerufen am 29. Dezember 2018.
  7. Apostolischer Visitator resümiert Lage Gurk-Klagenfurt. In: domradio.de. 15. März 2019, abgerufen am 29. Juni 2019.
  8. Pressestatement von Dompropst Msgr. Dr. Engelbert Guggenberger. In: kath-kirche-kaernten.at. 28. Juni 2019, abgerufen am 29. Juni 2019.
  9. Nomina dell’Amministratore Apostolico sede vacante et ad nutum Sanctae Sedis di Gurk (Austria). In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 28. Juni 2019, abgerufen am 28. Juni 2019 (italienisch).
  10. Dichiarazione del Direttore “ad interim” della Sala Stampa della Santa Sede. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 28. Juni 2019, abgerufen am 28. Juni 2019 (italienisch).
  11. Schwarz-Kritiker in Kärnten abgelöst. In: noe.orf.at. 27. Juni 2019, abgerufen am 29. Juni 2019.
  12. Werner Freistetter: Militärbischof soll Kärnten befrieden. Papst setzt Freistetter als Apostolischen Administrator ein. Guggenberger auf Konfrontation mit Rom. In: kurier.at. 27. Juni 2019, abgerufen am 29. Juni 2019.
  13. Die Ablöse eines Administrators hat es so noch nie gegeben. Ablöse von Diözesanadministrator ist kirchengeschichtlich einmaliger Vorgang. Engelbert Guggenberger hätte in Kürze mehr Kompetenzen gehabt. In: kleinezeitung.at. 27. Juni 2019, abgerufen am 29. Juni 2019.