Bitterer Reis

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Filmdaten
Deutscher Titel Bitterer Reis
Originaltitel Riso amaro
Produktionsland Italien
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1949
Länge rund 104 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Giuseppe De Santis
Drehbuch Corrado Alvaro
Carlo Musso
Ivo Perilli
Produktion Dino De Laurentiis
Musik Goffredo Petrassi
Kamera Otello Martelli
Schnitt Gabriele Varriale
Besetzung

Bitterer Reis ist ein italienischer Film von Giuseppe De Santis aus dem Jahr 1949, der dem italienischen Neorealismus zugeordnet wird. Er schildert nicht nur die amourösen Verwicklungen zwischen zwei Paaren, sondern zeigt vor allem auch ein Beispiel für den Klassenkampf in einer Gesellschaft, die durch weit verbreitete Armut geprägt ist und sich noch lange nicht vom Zweiten Weltkrieg erholt hat. Der Film kam am 27. Oktober 1950 in die deutschen Kinos.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Regisseur Giuseppe De Santis vermischt in seinem Spielfilm die Arbeitswelt der italienischen Arbeiterinnen auf den Reisfeldern und ihren Klassenkampf mit Elementen des Gangsterfilms und der Melodramatik. Dabei spielen die Musik (der Film enthält einige Boogie-Woogie-Tanzszenen) und der Gesang der Frauen bei der Feldarbeit eine wichtige Rolle, um einen Bezug zur Realität herzustellen. (Das berühmte Partisanenlied „Bella Ciao“ hat seinen Ursprung in den padanischen Reisfeldern.[1]) Dabei fiel die Wahl nicht zufällig auf die Reisarbeiterinnen, die mit ihren harten Arbeitsbedingungen zu kämpfen hatten, denn die realen Vorbilder mussten oft über mehrere Monate im Wasser in der heißen Sonne stehend arbeiten, um am Ende schlecht entlohnt ihre Heimreise anzutreten. Diese sogenannten „Mondinas“ nahmen zudem eine Vorreiterrolle in der italienischen Arbeiterbewegung ein, da sie bereits in einer Gewerkschaft organisiert waren und einen Acht-Stunden-Tag eingeführt hatten. Diese Solidargemeinschaft nahm De Santis sich zum Vorbild, um sie in seinem Film besonders herauszustellen.[2]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Juwelendieb Walter ist mit seiner Beute auf der Flucht vor den Gesetzeshütern. Er bittet seine Freundin Francesca, diese für ihn zu verstecken und sich unauffällig unter die Saisonarbeiterinnen zu mischen, die auf dem Weg zu einer Reispflanzung in der Poebene sind. Unter diesen befindet sich auch Silvana, die von einem Leben im Luxus träumt und lieber Tänzerin wäre, als die harte Arbeit auf den Feldern auszuführen. Silvana findet bald heraus, dass Francesca etwas zu verbergen hat. Walter folgt den Frauen in den Norden und wird von Francesca abgewiesen, die sich inzwischen in den Unteroffizier Marco verliebt und sich mit den Arbeiterinnen solidarisiert hat. Walter gewinnt Silvana mit falschen Versprechungen als Komplizin für seinen Plan, den für die Bezahlung der Arbeiterinnen vorgesehenen Reis zu stehlen.[2]

Francesca wird eifersüchtig auf Silvana und verrät Walter an die Polizei. In einem Schlachthaus siegt Walter schließlich über den Polizisten und versucht ihn zu töten. Da erkennt Silvana seinen wahren Charakter und schießt auf ihn, und Walter wird im Fallen von einem Fleischerhaken aufgespießt.[3] Danach nimmt sie sich durch einen Sprung von einem hölzernen Gerüst das Leben.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Eines der bekanntesten Werke des italienischen Neorealismus, das 1949 zu einem Skandal führte, weil es die leidenschaftlichen Verwicklungen realistisch einfing. Der in der Schauspielerführung miserable Film enthält sich jeder geistig-moralischen Bewertung; er überzeugt jedoch immer noch durch seine exemplarisch schöne Bildgestaltung.“

„Seinen großen Publikumserfolg verdankte der Film indessen eher Äußerlichkeiten – den leichtgeschürzten Arbeiterinnen, der erotischen Ausstrahlung seiner Hauptdarstellerin. In der Umgangssprache in der Bundesrepublik galt ‚Bitterer Reis‘ geraume Weile als Synonym für überproportionierte Busen. So geriet in den Ruch des Spektakels, was trotz mancher Kolportage-Elemente im Ansatz ein realistisches Stück Sozialkritik war.“

Reclams Filmführer[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Originalgeschichte von Giuseppe De Santis und Carlo Lizzani, auf der das Drehbuch beruht, wurde 1951 für den Oscar nominiert.[5]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Schenkel-Skandal

Die Arbeiterinnen im Reisfeld raffen ihre Kleider, um sie nicht mit Schlamm zu beschmutzen. Dadurch sind in etlichen Szenen weibliche Oberschenkel zu sehen, was 1949 noch als unerhört galt.[6][7] Silvana Mangano wurde dadurch jedenfalls zu einem der ersten Sexsymbole der Nachkriegszeit.[8]

Irrtum

Viele Beschreibungen des Films geben an, dass der Film während der Reisernte spiele.[6] Tatsächlich findet die Handlung jedoch während der Pflanzung[9] im Mai statt. Der im Lager vorhandene Reis stammt aus dem Vorjahr und ist zur Bezahlung der Frauen vorgesehen. Jede Arbeiterin soll davon 1 kg pro Arbeitstag erhalten.

Filme nach dem Vorbild von Bitterer Reis

In den 1950er Jahren versuchte man in Italien mit ähnlich gelagerten Filmen wie Die Frau vom Fluß (1955) und Das Reismädchen (1956) an den Erfolg von Bitterer Reis anzuknüpfen. In die Fußstapfen von Silvana Mangano traten Sophia Loren und Elsa Martinelli.

1956 drehte der deutsche Regisseur Hans Heinz König den Film Heiße Ernte. In der Nähe von Tettnang während der Hopfenernte angesiedelt, lehnt sich das als Heimatfilm angelegte Leidenschaftsdrama deutlich an Bitterer Reis an. König-Schwägerin Edith Mill war in der Rolle der Landarbeiterin Auschra zu sehen. Produzent war Richard König.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die wundersame Reise eines Liedes – Kampf um Würde und Respekt auf oe1.orf.at, abgerufen am 3. September 2013.
  2. a b Bitterer Reis auf moviepilot.de, abgerufen am 3. September 2013.
  3. Bitterer Reis auf wissen.de, abgerufen am 3. September 2013.
  4. Reclams Filmführer. 2.A. Reclam, Stuttgart 1973, ISBN 3-15-010205-7.
  5. Nominierung Oscar 1951 auf zelluloid.de, abgerufen am 3. September 2013.
  6. a b Bilder zum Film Bitterer Reis; cinema.de
  7. Szenenfoto: Silvana Mangano (Memento vom 28. September 2007 im Internet Archive)
  8. Nachruf auf Giuseppe De Santis – Er schickte die Kamera auf die Straße auf berliner-zeitung.de, abgerufen am 3. September 2013.
  9. Szenenphoto: Reispflanzung