Blauzungenvirus

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Blauzungenvirus
Bluetongue virus.gif

Blauzungenvirus

Systematik
Klassifikation: Viren
Realm: Riboviria[1][2]
Reich: Orthornavirae[2]
Phylum: Duplornaviricota[2]
Klasse: Resentoviricetes[2]
Ordnung: Reovirales[2]
Familie: Reoviridae
Unterfamilie: Sedoreovirinae
Gattung: Orbivirus
Art: Blauzungenvirus
Taxonomische Merkmale
Genom: dsRNA linear, segmentiert
Baltimore: Gruppe 3
Symmetrie: ikosaedrisch
Hülle: keine
Wissenschaftlicher Name
Bluetongue virus
Kurzbezeichnung
BTV
Links
Rekonstruktion eines Blauzungenvirus-Partikels, Kapsid-Untereinheiten A (blau) und B (gelb)
Blauzungenvirus-Partikel im Querschnitt mit Kapsidproteinen VP1 bis VP7

Das Blauzungenvirus (engl. Bluetongue virus, kurz BTV) ist eine Virusspezies aus der Familie der Reoviridae und die Typusspezeis der Gattung Orbivirus. Es ruft bei Wiederkäuern die Blauzungenkrankheit hervor.

Beim BTV handelt es sich um einen unbehüllten Viruspartikel mit einem Durchmesser von 80 nm. Das Genom besteht aus linearer doppelsträngiger RNA, welche in zehn verschieden große Segmente unterteilt ist. Vom BTV sind 24 verschiedene Serotypen mit typspezifischen Antigenen bekannt. Bei dem 2006 erstmals in Deutschland nachgewiesenen Virus handelt es sich um den Typ 8 (BTV-8).

Das Virus wird durch Mücken aus der Familie der Gnitzen vom Frühjahr bis zum Herbst übertragen. Eine Temperatur von 25 bis 30 °C ist für die Virusvermehrung in den Gnitzen optimal. Im infizierten Tier bleibt das BTV etwa 40–80 Tage aktiv, kann danach aber noch längere Zeit (Schaf 100, Rind 240 Tage) mittels der Polymerase-Kettenreaktion nachgewiesen werden.

Das Blauzungenvirus ist relativ fragil – die Infektiosität geht im leicht sauren Milieu verloren.

Replikationszyklus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schematische Darstellung des Replikations­zyklus des Blauzungen­virus (BTV) und des Afrikanischen Pferde­pest­virus (AHSV).[3]
TEM-Aufnahme von Blauzungenvirus-Partikeln

Die Virionen gelangen in die Wirtszelle durch die Bindung von des Kapsidproteins VP2 an Sialinsäur-Rezeptoren und entweder durch Clathrin-vermittelte Endozytose oder Makropinozytose. Der saure pH-Wert im Endosom bewirkt den Verlust von VP2 und bewirkt, dass die aus dem Kapsidprotein VP5 gebildete Membran durchlässig wird. Der Viruspartikel verliert so seine Kapsidschichten und der das Innere (mit demsegmentierten Genom) wird in das Zytoplasma der Wirtszelle freigesetzt. Die Transkription und Translation der Virus-Proteine findet unter Ausnutzung der Wirtszellmaschinerie statt. Im weiteren Verlauf werden die zusammengesetzten (assemblierten) Kernpartikel mit den Kapsidhüllen (Proteine VP5 und VP2) versehen, so dass reife Virionen entstehen. Die Partikel werden durch Knospung oder durch Lyse der Wirtszelle freigesetzt.[3]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ICTV Master Species List 2018b v1 MSL #34, Feb. 2019
  2. a b c d e ICTV: Bluetongue virus, EC 51, Berlin, Germany, July 2019; Email ratification March 2020 (MSL #35)
  3. a b Susan J. Dennis, Ann E. Meyers, Inga I. Hitzeroth, Edward P Rybicki: African Horse Sickness: A Review of Current Understanding and Vaccine Development, in: MDPI Viruses, Band 11, Nr. 9, Special Issue Equine Viruses, 11. September 2019, 844, doi:10.3390/v11090844