Bojanowo

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Bojanowo
Wappen von Bojanowo
Bojanowo (Polen)
Bojanowo
Bojanowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Rawicz
Fläche: 2,34 km²
Geographische Lage: 51° 42′ N, 16° 45′ OKoordinaten: 51° 42′ 0″ N, 16° 45′ 0″ O
Einwohner: 2952
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 63-940
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: PRA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E261 BreslauPosen
Schienenweg: Breslau–Leszno
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 17 Schulzenämter
Fläche: 123,50 km²
Einwohner: 8864
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 72 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3022013
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Maciej Dubiel[2]
Adresse: Rynek 12
63-940 Bojanowo
Webpräsenz: www.gminabojanowo.pl



Bojanowo [bɔja'nɔvɔ] (deutsch ebenfalls Bojanowo, früher Bajanowe) ist eine Stadt in Polen in der Woiwodschaft Großpolen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 8,8 °C bei einer jährlichen durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 650 mm.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bojanowo südlich der Stadt Posen und nordwestlich der Stadt Glogau auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Am 16. April 1638 erhielt Stefan Bojanowski auf Bärsdorf von Władysław IV. Wasa die Genehmigung zur Anlage einer Stadt nach Magdeburger Recht mit der Verpflichtung, eine evangelische Kirche zu errichten. Die Kirche wurde 1640 fertiggestellt. Bogusław Bojanowski, Sohn des Stadtgründers, legte 1663 eine neue Stadt neben der alten an und nannte sie nach seinem Namen Bogusławowo; für sie erhielt er am 20. August desselben Jahres von König Johann II. Kasimir das Stadtrecht.

Durch die Zweite Teilung Polens kam der Ort von 1793 bis 1807 vorübergehend an Preußen, wurde dann aber nach dem Frieden von Tilsit als Teil des Herzogtums Warschau wieder polnisch.

Aufgrund der Beschlüsse des Wiener Kongresses wurde Bojanowo 1815 erneut preußisch und wurde dem Kreis Kröben zugeteilt. Im Zuge des Großpolnischen Aufstands 1848 und der geplanten Teilung der Provinz in einen deutschen und einen polnischen Teil verlangten die Bürger der Stadt Bojanowo und anderer deutschsprachiger Städte der Region den Anschluss an Schlesien und somit an den Deutschen Bund.

Am 12. August 1857 zerstörte ein Brand die gesamte Stadt, 440 Häuser wurden zerstört und etwa 2000 Menschen verloren ihr Obdach. 1860 wurde der Bau der neuen evangelischen Kirche, heute katholisch, fertiggestellt. 1881 wurde eine Brauerei mit einer Kapazität von 2000 Hektolitern pro Jahr eröffnet. 1887 wurde der Kreis Kröben aufgelöst und Bojanowo wurde dem neugegründeten Kreis Rawitsch zugeteilt. 1900 wurde die Bahnstation errichtet.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges kam die Stadt trotz seiner überwiegend deutschen Bevölkerung im Januar 1920 erneut zu Polen. Die Grenze zu Deutschland verlief in etwa drei Kilometern Entfernung.

Am 5. September 1939 wurde die Stadt von deutschen Truppen besetzt und am 8. Oktober 1939 vom Deutschen Reich annektiert. Mit der Anordnung über Ortsnamensänderung im Reichsgau Wartheland vom 18. Mai 1943 wurde die Stadt nach ihrem Ehrenbürger Heinrich Schmückert in Schmückert umbenannt.[4] Am 20. Januar 1945 flüchteten die Deutschen aus der Stadt vor der Roten Armee, die am 23. Januar einrückte und Bojanowo an Polen zurückgab. Die verbliebenen Deutschen wurde in der Folgezeit aus Bojanowo vertrieben.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landwirtschaftsschule

Bis zum Ersten Weltkrieg waren über 90 Prozent der Einwohner Deutsche. Nach Kriegsende und dem Wechsel der staatlichen Zugehörigkeit Bojanowos sank die Einwohnerzahl und die Bevölkerungsstruktur veränderte sich. 1921 zählten sich nur noch 55,2 Prozent der Einwohner zu den Deutschen und 43,6 Prozent zu den Polen[5].

Im Jahre 1938 wurden 2994 Einwohner gezählt, davon 86,9 Prozent Polen, 12,5 % Deutsche und etwa 0,6 Prozent Juden. Im Jahre 1946 lebten 1984 Einwohner in Bojanowo.

Jahr Einwohner Anmerkungen
Ende 18. Jh. 2.451 379 Wohnhäuser, 1 evang. Kirche, 37 Mühlen, 144 Juden, 80 Katholiken[6]
1816 2.692 [6]
1819 2.613 1 lutherische Kirche, 1 lateinische Schule, 410 Häuser, 200 Juden. Eine "ziemlich bedeutende Stadt" mit 334 Arbeitern in Tuchfabriken.[7]
1837 2.299 [6]
1843 2.204 [6]
1858 1.765 [6]
1861 2.026 [6]
1885 2.216 davon 1.812 Evangelische, 310 Katholiken und 93 Juden in 283 Wohngebäuden (122 aktive Militärpersonen)[8]
1905 2.106 davon 1.610 Evangelische, 429 Katholiken und 66 Juden (177 Polen, 3 Tschechen)[9]


Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde hat etwa 9000 Einwohner auf einer Fläche von 123,5 km². Zur Stadt- und Landgemeinde Bojanowo gehören die Ortschaften:

Name Deutscher Name
(1815–1919)
Deutscher Name
(1939–45)
Bojanowo Bojanowo Schmückert
Czechnów Zechen Zechen
Gierłachowo Gerlachowo
1905–1919 Gerlach
Gerlach
Giżyn Geischen Geischen
Golina Wielka Lang Guhle Langguhle
Golinka Alt Guhle Altguhle
Gołaszyn Bärsdorf Bärsdorf
Gościejewice Gußwitz Gußwitz
Kawcze Kawitsch Langendorff
Pakówka Pakowko
1901–19 Wiesenrode
Wiesenrode
Parłowice Porlewitz Porlewitz
Potrzebowo Potrzebowo
1905–19 Neulände
Neulände
Sowiny Sowiny Eulau
Sułów Mały Klein Saul Klein Saul
Szmezdrowo Schlemsdorf Schlemsdorf
Tarchalin Tarchalin Tarche
Trzebosz Triebusch Triebusch
Wydartowo Drugie Harte Harte
Wydartowo Pierwsze Wydartowo Langgußwitz
Zaborowice Saborwitz
1936–45 Waffendorf

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt an der Europastraße 261 zwischen Breslau und Posen, wo sich jeweils ein internationaler Flughafen befindet. Weiterhin befinden sich auf der Straße 20 Kilometer nördlich Leszno und 15 Kilometer südlich Rawicz.

Der Bahnhof Bojanowo liegt an der Bahnstrecke Wrocław–Poznań, hier begann einst die Bahnstrecke Bojanowo–Głogów.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 271–272.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bojanowo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Website der Stadt, Burmistrz, abgerufen am 16. Februar 2015
  3. POŁOŻENIE GEOGRAFICZNE I KLIMAT (Memento vom 7. August 2004 im Internet Archive)
  4. Anordnung über Ortsnamenänderung im Reichsgau Wartheland im Verordnungsblatt des Reichstatthalters im Warthegau vom 18. Mai 1943 (pdf; 1,9 MB)
  5. CZASY NAJDAWNIEJSZE (Memento vom 14. Oktober 2007 im Internet Archive)
  6. a b c d e f Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 271-272.
  7. F. W. Heidemann: Handbuch der Post-Geographie der Königl. Preußischen Staaten in Verbindung mit einer Post-Charte der K. Preuß. Monarchie, welche die Course der ordinären fahrenden und Extra-Posten enthält. Weimar 1819, S. 110.
  8. Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Heft V. Provinz Posen. Berlin 1888, S. 122–123.
  9. Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen. Heft V. Provinz Posen. Berlin 1908, S. 132–133.