Leszno

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Leszno (Begriffsklärung) aufgeführt.
Leszno
Wappen von Leszno
Leszno (Polen)
Leszno
Leszno
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Kreisfreie Stadt
Fläche: 31,90 km²
Geographische Lage: 51° 52′ N, 16° 34′ O51.86666666666716.566666666667Koordinaten: 51° 52′ 0″ N, 16° 34′ 0″ O
Einwohner: 64.612
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 64-100 bis 64-110
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: PL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BreslauPosen
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 31,90 km²
Einwohner: 64.612
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 2025 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3063011
Verwaltung (Stand: 2015)
Stadtpräsident: Łukasz Borowiak[2]
Adresse: ul. Karasia 15
64-100 Leszno
Webpräsenz: www.leszno.pl



Leszno ( [ˈlɛʃnɔ]?/i) (deutsch Lissa, früher auch Lissen, nicht zu verwechseln mit Deutsch-Lissa) ist eine kreisfreie Stadt in Polen, die der Wojewodschaft Großpolen angehört und rund 70 km südwestlich von Posen sowie etwa 90 km nordwestlich von Breslau liegt. Sie bildet auf der Strecke Posen–Breslau einen bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt.

Geschichte[Bearbeiten]

Lissa südwestlich der Stadt Posen und nordöstlich der Stadt Glogau auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Rathaus von Leszno (2013)

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1393 als Lesczno, entstanden ist die Siedlung vermutlich bereits im 13. Jahrhundert.[3] Im 14. Jahrhundert war der Ort Sitz einer Pfarrei und es besteht eine dem Heiligen Nikolaus geweihte Ziegelsteinkirche. Die Einwohner des Ortes kamen neben Einwohner Großpolens aus der Lausitz und Schlesien. 1516 kamen die ersten Böhmischen Brüder in den Ort.[3] 1547 erhielt Leszno von König Sigismund I. dem Alten das Stadtrecht nach Magdeburger Recht verliehen.[4] Ab 1565 begann die Dominanz der Böhmischen Brüder in der Stadt.[3] Anfang des 16. Jahrhunderts hatte Leszno etwa 1500 Einwohner. Der Dreißigjährige Krieg brachte einen enormen Bevölkerungszuwachs. 1628 flüchtete ein weiterer Teil der in Böhmen und Mähren religiös verfolgten Böhmischen Brüder in die tolerantere Stadt, die fast nur von Evangelischen bewohnt war,[5] darunter auch Johann Amos Comenius, zuvor Prediger in Fulnek (Mähren).[3] In Leszno arbeitete er an der schon seit 1555 bestehenden Lissaer Schule und übernahm etwa 1636 das Rektorat des Gymnasiums (später königliches Comenius-Gymnasium zu Lissa). Durch ein Privileg König Sigismunds III. Wasa wurde Leszno 1631 den größten Städten des Landes rechtlich gleichgestellt.[6] Leszno war in dieser Zeit eine der bedeutendsten Städte Großpolens. Wirtschaftlich waren unter anderem der Handel, die Tuchproduktion und das Müllereiwesen von Bedeutung.[3] Auch intellektuell war Leszno von Bedeutung. So wirkten hier neben Amos Comenius auch der Kirchenlied-Dichter Johann Heermann, die Dichterin Anna Memorata und der Mathematiker Maciej Głoskowski.[3]

1639 wurden die Befestigungsanlagen der Stadt erneuert.[3] Unterbrochen wurde der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt während des Zweiten Nordischen Kriegs, als sie vorübergehend von drei Schwadronen schwedischer Reiter besetzt war. Am 28. April 1656 wurde die fast nur von Protestanten und Böhmischen Brüdern bewohnte Stadt von einem von polnischen Edelleuten angeführten polnischen Heer belagert. Die schwedischen Besatzer wollten sich ergeben, doch Amos Comenius forderte sie und die Bürgerschaft der Stadt auf, sich mit allen Kräften gegen die Angreifer zur Wehr zu setzen.[5] Zwar konnten die Angreifer zunächst zurückgeschlagen werden, doch am darauffolgenden Tag verließ die Verteidiger der Mut, und sie flohen, soweit möglich mit Hab und Gut, über die schützenden Grenze ins benachbarte Schlesien. Auch die Schweden begaben sich aus der Stadt. Die nun weitgehend menschenleere Stadt wurde anschließend zur Plünderung freigegeben und dann niedergebrannt. Viele Flüchtlinge wurden eingeholt und entweder ermordet oder grausam behandelt und ihrer Habe beraubt.[5][7] Nach dem Krieg wurde die Stadt wieder aufgebaut.[3]

Im Jahre 1707, während des Großen Nordischen Kriegs, wurde die Stadt von den Russen niedergebrannt.[8] Eigentümer der Stadt war jahrhundertelang das Adelsgeschlecht der Leszczyński, bevor Stanislaus I. Leszczyński sie 1738 an den polnischen Magnaten Aleksander Józef Sułkowski veräußerte.

1793 kam Leszno infolge der Zweiten Polnischen Teilung unter preußische Herrschaft und wurde fortan als Lissa bezeichnet. Nach dem Wiener Kongress gehörte Lissa zum preußischen Kreis Fraustadt in der Provinz Posen, Regierungsbezirk Posen. 1834 wurde die Ortschaft Grzybowo in die Stadt Lissa eingegliedert. Während der polnischen Erhebung in der preußischen Provinz Posen im Frühjahr 1848 verlangte die Stadt, ihre weitere Zugehörigkeit zum Deutschen Bund eventuell durch Beiordnung zur angrenzenden Provinz Schlesien sicherzustellen.[9]

1887 trat die Stadt zum neuen Kreis Lissa und wurde Kreissitz. Sie war auch Sitz des Distriktkommissars für den Polizeidistrikt Lissa. 1920 wurde die Stadt aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags der Zweiten Polnischen Republik zugeteilt.

Beim Überfall auf Polen 1939 wurde Leszno im Rahmen des Reichsgaues Wartheland annektiert und wurde am 21. Mai 1941 in Lissa (Wartheland) umbenannt. Die Stadt wurde Sitz des Landkreises Lissa (Wartheland). Am 26. Oktober 1941 – zwei Jahre nach der Annexion durch das Deutsche Reich – wurde die Stadt der im Altreich gültigen Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 unterstellt, welche die Durchsetzung des Führerprinzips auf Gemeindeebene vorsah. Am 1. April 1942 wurde Lissa (Wartheland) um die Gemeinden Zaborowo, Gronowo und Strzyżewice (nur vorübergehend) vergrößert. 1945 kam die Stadt wieder an Polen. 1975 wurde Leszno Sitz der Wojewodschaft Leszno. 1999 wurde ihr dieser Status aufgrund der Gebietsreform in Polen wieder genommen. 2000 erhielt Leszno den Preis The Golden Star of Town Twinning der Europäischen Kommission.

Stadtteile[Bearbeiten]

Name deutscher Name
(1815–1919 und 1939–45)
Centrum Stadtmitte
Gronowo Grune
Grzybowo Pilzvorwerk
Leszczynko Wolfsruhm
Nowe Miasto Antonshof
1939–45 Antonienhof
Podwale  ?
Przylesie Schießwerder
Zaborowo Zaborowo
1939–45 Dornfeld
Zatorze Feuersche Ziegelei

Partnerstädte[Bearbeiten]

Die Partnerstädte

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

In Leszno ist der Speedwayverein Unia Leszno beheimatet. Der Verein trägt seine Rennen in der höchsten polnischen Liga aus.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 354–360.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leszno – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 28. November 2014.
  2. Website der Stadt, Władze miasta, abgerufen am 16. Februar 2015.
  3. a b c d e f g h Zdzisław Moliński, Przewodnik po Lesznie i okolicy, Leszno 1999 S: 12–15, ISBN 83-918904-6-5.
  4. Mirosław Komolka, Stanisław Sierpowski, Leszno – Zarys Dziejów, Poznań 1987, S. 11, ISBN 83-210-0641-8.
  5. a b c Valentin Krasinski: Geschichte des Ursprungs, Fortschritt und Verfalls der Reformation in Polen und ihres Einflusses auf den politischen, sittlichen und literarischen Zustand des Landes. Leipzig 1841, S. 280.
  6. Website der Stadt Leszno, Historia, abgerufen am 13. Februar 2013.
  7. Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 354–360.
  8. Meyers Konversationslexikon, Lissa, Vierte Auflage, 1885–1892, 10. Band: Königshofen–Luzon, S. 828
  9. L. v. J.: Die polnische Insurrektion in Posen im Frühjahr 1848. Glogau 1849, S. 41.