Brennstoffzellenheizung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ein Brennstoffzellen-Heizgerät, auch kürzer Brennstoffzellenheizung oder auch „stromerzeugende Heizung“ genannt, dient der Gebäudeheizung, z. B. von Wohnhäusern, und gleichzeitig zur Stromversorgung des Gebäudes und des damit verbundenen Netzes. Es nutzt eine Brennstoffzelle, um die chemische Energie von Brennstoffen in Wärme und elektrische Energie zu wandeln. Brennstoffzellenheizungen sind in der Anschaffung deutlich teuer als herkömmliche Anlagen. Ihr Einbau wird aber in Deutschland und in Japan staatlich subventioniert und in der EU gefördert. Die Betriebskosten sind aufgrund der guten Energieeffizienz und der möglichen Erlöse beim Einspeisen ins Netz vergleichsweise gering. Die Gesamteffizienz (Strom und Wärme) bei der Nutzung der Energie der Brennstoffe liegt bei 85 bis 95 % und ist damit relativ hoch[1]. Brennstoffzellenheizungen werden vor allem in Japan verwendet: Dort wurden aufgrund der langjährigen Subventionen bis zum April 2019 etwa 305.000 solcher Systeme installiert.[2] Gemessen an der Zahl der eingesetzten Systeme ist die Brennstoffzellenheizung daher seit einigen Jahren die bedeutendste Anwendung von Brennstoffzellen.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei herkömmlicher Kraft-Wärme-Kopplung wird durch die kontrollierte Verbrennung von Brennstoffen zunächst Wärme erzeugt. Diese thermische Energie wird dann in mechanische und schließlich elektrische Energie gewandelt, und die Restwärme wird ebenfalls genutzt. Eine Brennstoffzelle erhält elektrische Energie aus der Energie der zugeführten Gase ohne den Umweg über thermische und mechanische Energie und kann daher hohe Wirkungsgrade erreichen. Bei Brennstoffzellenheizungen liegt der Wirkungsgrad bezogen auf die erhaltene elektrische Energie bei 60 %.[3] Durch die Nutzung der Wärmeenergie können für den Gesamtwirkungsgrad Werte über 95 % erreicht werden.[3][4]

Brennstoffzellenheizungen sind – wie auch andere Anwendungen von Brennstoffzellen – leise und zuverlässig (Einsatzbereitschaft 99 %, keine verschleißanfälligen mechanischen Teile)[1]. Sie gelten als „sauber“[1], da sie nicht nur weniger Kohlenstoffdioxid CO2 abgeben als herkömmliche Heizungen, sondern auch keine Partikel (Feinstaub), Kohlenstoffmonoxid oder Schwefeldioxid emittieren, wie dies z. B. bei herkömmlichen Öl- oder Holzheizungen der Fall ist. Hauptnachteil der Systeme ist der hohe Anschaffungspreis.[1][5]

Gase und Gasbehandlung, Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gesamtsystem wird zumeist mit Erdgas gespeist. Auch die Verwendung von Flüssiggas (LPG, von engl. Liquefied Petroleum Gas) ist bei geeigneter Auslegung möglich.[6] Erdgas oder andere Kohlenwasserstoffe werden mittels Dampfreformierung innerhalb des System so umgesetzt, dass Wasserstoff für den Betrieb der Brennstoffzelle erhalten wird. Brenngase wie Erdgas müssen vor der Verwendung entschwefelt werden; dies erfolgt inzwischen wartungsfrei.[1] Brennstoffzellenheizungen haben z. B. einen integrierten Erdgaskessel, der einen erhöhten Wärmebedarf (vor allem im Winter) durch herkömmliche Verbrennung deckt.[7]

Förderung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland werden Brennstoffzellensysteme im Rahmen des „Anreizprogramms Energieeffizienz“ über die KfW mit bis zu 28.200 Euro bezuschusst.[8]

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Forschung zur Hausversorgung mittels Brennstoffzellen begann in den 1990er Jahren in Japan, Deutschland und Großbritannien mit starker staatlicher Unterstützung.[9]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste praktische Anwendung von Brennstoffzellen war die Weltraumfahrt der 1960er und 1970er Jahre. Die ersten Geräte kamen wegen der begrenzten Dauer der Missionen (im Gemini-Programm z. B. nur wenige Stunden oder Tage, im Apollo-Programm weniger als zwei Wochen) auf nur wenige Betriebsstunden. Erst für das Space Shuttle (Erstflug 1981) mussten die Brennstoffzellen-Stromversorgungen nicht nur leistungsstark, sondern auch sehr langlebig sein und wurden dementsprechend entwickelt, getestet und zum Einsatz gebracht. Erst danach wurde die Brennstoffzellen auch für kommerzielle und nichtmilitärische Anwendungen interessant.

Entwicklung in Japan[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1987 hatte eine Unternehmenskooperation mehrerer Firmen (Osaka Gas, Tokyo Gas und die US-amerikanische Westinghouse Electric Company) ein 3-kW-SOFC-Modul getestet. 1992 wurde dann ein 25-kW-System mit Wärme-Kopplung in Betrieb genommen, das mit einem alterungsbedingten Abbau von 0,1 % pro 1000 Betriebsstunden ein für damalige Verhältnisse relativ stabiles Betriebsverhalten zeigte.[10] Im Zeitraum von 1992 bis etwa 2000 wurde mit Grundlagenforschung zu PEM-Brennstoffzellen eine Basis für die folgende Entwicklung geschaffen.[11] 2001 bis 2004 wurde die Forschung und Entwicklung der Zellstapel und Systeme auch im Hinblick auf Verringerung der Kosten und der Haltbarkeit vorangetrieben.[11] In den Jahren von 2005 bis 2008 liefen Demonstrationsprojekte, bei denen verschiedene Brennstoffe und Lastverläufe im japanischen Markt getestet wurden. Ab 2009 erfolgte der kommerzielle Verkauf der Systeme.[11] Ebenfalls 2009 gab der japanische Premierminister bekannt, bis 2020 eine Reduktion der CO2-Emissionen um 25 % gegenüber 1990 anzustreben.[12]

Nach dem Tōhoku-Erdbeben am 11. März 2011 kam es zur Nuklearkatastrophe von Fukushima. Daraufhin wurden die anderen Kernkraftwerke Japans auf ihre Sicherheit überprüft und dazu abgeschaltet. In dieser Situation kam es auch zu Knappheit in der Versorgung mit elektrischer Energie.[13] Deshalb war die effiziente Nutzung der Primärenergie in Brennstoffzellen besonders willkommen, und die mit Brennstoffzellenheizung ausgestatteten Gebäude milderten die Folgen der Stromausfälle und Stromabschaltungen.[4] Bis September 2015 waren in Japan über das ENE-Farm-Programm 120.000 Brennstoffzellenheizungen installiert.[14] Die Kosten entsprechender Systeme gingen in den Jahren 2011 bis 2016 deutlich zurück (von 2,44 auf 1,35 Millionen Yen).[15]

Entwicklung und Vertrieb in Europa und den USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heizsystem Vitovalor 300-P von Viessmann mit Brennstoffzelle von Panasonic zur kombinierten Strom- und Wärmegewinnung

Das deutsche Unternehmen Vaillant stellte 1998 Brennstoffzellen für Hausheizungen vor, die in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem US-amerikanischen Unternehmen Plug Power entstanden waren[16]. 2002 installierten sie ein System, das 4 kW elektrisch und 9 kW Wärme lieferte; Plug Power lieferte das Brennstoffzellenmodul, Vaillant integrierte es in das Gesamtsystem.[17] Zur weiteren Verbesserung ihrer HT-PEM-Systeme erhielten sie zusammen 2006 eine Förderung durch die Europäische Kommission und durch das US Department of Energy, das 3,6 Millionen Dollar beisteuerte.

Die erste kommerzielle Brennstoffzellen-Heizung für den deutschen Markt wurde von Viessmann angeboten, wobei die PEMFC kommt vom japanischen Hersteller Panasonic kam[18]. Das Gerät nutzt Erdgas, das im Gerät entschwefelt und reformiert wird[1].

2014/2015 lieferte eine Reihe von Herstellern Brennstoffzellenheizungen, darunter auch Baxi Innotech (PEMFC), Buderus (SOFC), Elcore (PEMFC), Junkers (SOFC), SOLIDpower (SOFC), Vaillant (SOFC) und Vissmann.[1] Im Rahmen des von der Europäischen Kommission unterstützten Projekts „ene.field“ wurden im Zeitraum von 2011 bis 2017 1046 Brennstoffzellenheizungen installiert.[5] Das Nachfolgeproject „PACE“ will in 10 europäischen Ländern 2800 solcher Systeme in Betrieb nehmen.[19]

Seit dem 1. August 2016 werden stationäre Brennstoffzellenheizungen in Deutschland durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWi gefördert[20].

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Lukas Weber: Die Kraft kommt aus dem Keller. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung > Technik & Motor > Technik > Effizient, sauber, teuer: Brennstoffzellen-Heizungen. Frankfurter Allgemeine Zeitung FAZ.NET, 12. November 2014, abgerufen am 27. April 2019.
  2. FuelCellsWorks: FCW Exclusive: Tokyo Fuel Cell Expo 2019 – 300,000 Ene-Farms. In: FuelCellsWorks > News. FuelCellsWorks, 18. April 2019, abgerufen am 27. April 2019.
  3. a b Bart Biebuyck, Mirela Atanasiu: The benefits of Fuel Cell micro-Cogeneration and its role in contributing to the EU’s climate and energy targets. Abgerufen am 27. April 2019.
  4. a b Jeremy Williams: Why have I never heard of the Ene-Farm? In: Energy. Make Wealth History, 11. August 2017, abgerufen am 27. April 2019.
  5. a b Eva Ravn Nielsen, Carsten Brorson Prag: Learning points from demonstration of 1000 fuel cell based micro-CHP units. In: ene.field Reports. ene.field, COGEN Europe, 12. Februar 2018, abgerufen am 27. April 2019: „significantly more expensive than traditional heating technologies […] a total number of 1046 units“
  6. Fuel Cell micro-Cogeneration. In: www.pace-energy.eu. PACE, c/o COGEN Europe, 2019, abgerufen am 28. April 2019.
  7. So funktioniert eine Brennstoffzellen-Heizung. In: Heizung > Brennstoffzelle. energie-experten.org Robert Doelling, 19. Dezember 2018, abgerufen am 27. April 2019.
  8. Energieeffizient Bauen und Sanieren – Zuschuss Brennstoffzelle. In: Förderprodukte. KfW, abgerufen am 27. April 2019.
  9. History. In: Fuel Cell Today > History. Fuel Cell Today Limited (FCT), Johnson Matthey plc, abgerufen am 27. April 2019.
  10. History of the development of the SOFC system. In: Technology > By technology classification > Co-generation system for residential use > Osaka Gas' residential solid oxide fuel cell (SOFC) system. Osaka Gas Co., abgerufen am 28. April 2019.
  11. a b c Michio Hashimoto: Japan’s Hydrogen Policy and Fuel Cells Development in NEDO. In: Introduction to Fuel Cells, Outreach Event > Japan Highlights, NEDO. EE Energy Engineers GmbH, 23. April 2015, abgerufen am 27. April 2019.
  12. Justin McCurry: Japan's new prime minister promises ambitious greenhouse gas cuts. In: The Guardian > News > Environment > Climate Change. The Guardian, Guardian News & Media Limited, 7. September 2009, abgerufen am 27. April 2019.
  13. Japan’s post-Fukushima energy descent. In: Energy. Make Wealth History, 19. April 2012, abgerufen am 27. April 2019.
  14. Hydrogeit: ENE-FARM installed 120,000 residential fuel cell units. Hydrogeit Verlag, Sven Geitmann, 21. September 2015, abgerufen am 27. April 2019.
  15. Sales price of ENE-FARM systems for solid oxide fuel cells (SOFC) in Japan in fiscal years 2011 to 2016 (in million Japanese yen). In: Statista > Energy & Environmental Services > Energy & Environmental Technology. Statista, abgerufen am 27. April 2019.
  16. Peter Kurzweil: Brennstoffzellentechnik. Grundlagen, Komponenten, Systeme, Anwendungen. 2. Auflage. Springer Vieweg, Wiesbaden 2013, ISBN 978-3-658-00084-4, S. 120, doi:10.1007/978-3-658-00085-1 (springer.com).
  17. Plug Power Announces Europe PEM Fuel Cell Installation. In: Batteries and Portable Power. PowerPulse, Opportunity Media Inc., 29. Januar 2002, abgerufen am 28. April 2019.
  18. Panasonic and Viessmann to Sell Europe's First Fuel Cell Cogeneration System for Homes. In: Panasonic Newsroom TOP > Press Release Headquarters News. Panasonic Corporation, Viessman Group, 10. September 2013, abgerufen am 27. April 2019.
  19. Pathway to a Competitive European Fuel Cell micro-Cogeneration Market. In: www.pace-energy.eu. PACE, c/o COGEN Europe, 2019, abgerufen am 27. April 2019.
  20. Ergänzende Informationen zum Förderprogramm Brennstoffzellen-Heizung. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, abgerufen am 27. April 2019.