Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure

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Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V.
(BSI)
Zweck: Lobbyverband für die deutsche Spirituosenbranche
Vorsitz: Präsident: Christof Queisser (Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien), Stand: Juli 2015
Gründungsdatum: 5. Dezember 1974
Mitgliederzahl: 45 Unternehmen,
36 Fördermitglieder,
4 angeschlossene Landesverbände mit 68 außerordentlichen Mitgliedern[1]
Sitz: Bonn
Website: www.spirituosen-verband.de

Der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI) ist ein Lobbyverband der deutschen Spirituosenbranche.

Nach außen vertritt der 1974 gegründete Verein die wirtschaftspolitischen Interessen von Spirituosen-Herstellern, Verarbeitern, Importeuren und Vertriebsfirmen gegenüber Parlament, Regierung und Behörden auf Bundes- und Landesebene, in der EU sowie international und betreibt Öffentlichkeitsarbeit. Für seine Mitgliedsunternehmen bietet er Rechtsberatung und weitere Dienstleistungen an. Der Verband unterhält eine Geschäftsstelle in Bonn und seit 1998 ein Büro in Brüssel und ist in der amtlichen Liste der beim Bundestag registrierten Lobbyverbände verzeichnet.[2]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über seine überwiegend mittelständischen Mitgliedsunternehmen repräsentiert der BSI nach eigenen Angaben rund 90 % des Umsatzes auf dem deutschen Spirituosenmarkt.[3] Der Bundesverband hat 45 Unternehmensmitglieder und betreut vier Landesverbände: den Landesverband der Bayerischen Spirituosenindustrie e. V., den Verband der Spirituosenhersteller Hamburg/Schleswig-Holstein e. V., den Verband der mitteldeutschen Spirituosenindustrie e. V. (VSI) und die Landesgruppe der Westdeutschen Spirituosenhersteller mit insgesamt weiteren ca. 70 außerordentlichen Mitgliedern. Darüber hinaus sind 36 Unternehmen, die der Spirituosenindustrie nahestehen, wie Glashersteller oder Logistikpartner, als Fördermitglieder verzeichnet.[1] Der BSI ist seinerseits Mitglied in zahlreichen weiteren Dachverbänden, darunter der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie, dem Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde, dem Markenverband, dem Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft sowie im europäischen Dachverband Spirits Europe (vormals European Spirits Organisation – CEPS).

Öffentlichkeitsarbeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der jährlich erscheinenden Publikation Daten aus der Alkoholwirtschaft stellt der Verband aktuelle Statistiken über die Branche und zum Alkoholkonsum in Deutschland und der EU zur Verfügung. Dabei weist der BSI stets auf die deutlich höhere Besteuerung von Spirituosen (Branntweinsteuer, ggf. auch Alkopop-Steuer) im Vergleich zu Bier (Biersteuer) und vor allem Wein hin, der überhaupt keiner Verbrauchssteuer unterliegt (anders als Sekt, für den wiederum eine Schaumweinsteuer erhoben wird).

In der Öffentlichkeit plädieren der BSI und die meisten seiner Mitgliedsunternehmen für maß- und genussvollen Alkoholkonsum, seit 2009 unterstützt durch das Logo „Maßvoll genießen“. 82 % der Mitgliedsunternehmen binden entsprechende Verbraucherschutzhinweise in ihre Werbung ein.[4] Seit mehreren Jahren tritt der BSI vor allem mit Präventionskampagnen gegen Alkoholmissbrauch in Erscheinung, um dem wachsenden Druck auf die Branche zu begegnen. Insbesondere auf EU-Ebene verstärkten sich Mitte der 2000er Jahre die Bemühungen, im Rahmen der bis 2012 angelegten „Anti-Alkohol-Strategie“ weitreichende Beschränkungen für die Alkoholwirtschaft durchzusetzen, darunter Werbeverbote, Promillegrenzen, Warnhinweise auf Flaschen und Steuererhöhungen. Einem Spiegel-Bericht zufolge befürchteten die Hersteller, die „Alkoholbranche könnte heute da stehen, wo auch die Zigarettenindustrie mal vor drei Jahrzehnten stand: am Anfang eines langen Trecks in die Verbannung.“[5] Vor diesem Hintergrund gründete der BSI 2005 den Arbeitskreis Alkohol und Verantwortung (kurz AAuV). Das Gremium entwickelt eigenen Angaben zufolge „nachhaltige Präventions- und Selbstregulierungsmaßnahmen zum verantwortungsvollen Umgang mit alkoholhaltigen Getränken“.[3] Dazu gehört eine Selbstverpflichtung der Mitgliedsunternehmen, ihre Werbemaßnahmen nicht auf Jugendliche auszurichten, beispielsweise, indem sie gemäß den Regeln des europäischen Dachverbands CEPS auf Werbung mit Models unter 25 Jahren verzichten (seit 2009), bestimmte Verpackungen wie Tuben oder Sprays nicht anbieten (seit 2010) oder Werbemaßnahmen nur noch in Medien bzw. einem Umfeld platzieren, bei dem mehr als 70 % der Konsumenten Erwachsene sind (seit 2010). Weitere Maßnahmen sind die 2005 gestartete Kampagne Klartext reden! für Familien sowie Leitfäden für den Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft und den Umgang mit Alkoholproblemen am Arbeitsplatz. Die frühere Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, hob die Kampagnen des BSI lobend hervor.[6]

Eine schärfere Regulierung des deutschen Spirituosenmarktes, nach Angaben von BSI-Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pieck immer noch der liberalste in Europa,[7] lehnt der BSI jedoch strikt ab. Gesetzliche Werbebeschränkungen, Warnhinweise auf Spirituosenverpackungen (ähnlich den Warnhinweisen auf Tabakprodukten), die weitere Verteuerung alkoholhaltiger Produkte oder Trinkverbote an öffentlichen Orten seien nicht geeignet, missbräuchlichen Alkoholkonsum zu verhindern, dessen Anteil vom Verband auf 15 % des Gesamtverbrauchs geschätzt wird.[8] So positionierte sich der Verband gegen nächtliche Verkaufsstopps für Spirituosen an Tankstellen, wie sie Baden-Württemberg 2012 eingeführt hat. Vielmehr sollten die Mitarbeiter von Verkaufsstellen besser geschult und darin unterstützt werden, bestehende Jugendschutzvorschriften einzuhalten. Der BSI hatte dazu bereits 2007 eine „Schulungsinitiative Jugendschutz“ ins Leben gerufen[9] und sich seinerzeit auch von „Flatrate“- oder „All-you-can-Drink“-Partys deutlich distanziert. Die Mitgliedsunternehmen des BSI verpflichteten sich, auf Gastronomie und Diskotheken einzuwirken, solche zum Missbrauch verleitenden Angebote zu unterbinden.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Unsere Mitglieder: Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e. V. (BSI). In: spirituosen-verband.de. Abgerufen am 25. Juli 2015.
  2. Öffentliche Liste über die beim Bundestag registrierten Verbände und deren Vertreter (PDF; 7,0 MB), Amtliche Fassung vom Mai 2012, abgerufen am 13. Oktober 2012.
  3. a b Info-Faltblatt Der BSI stellt sich vor, Stand: 15. Juni 2012.
  4. www.massvoll-geniessen.de, abgerufen am 27. März 2014.
  5. Jürgen Dahlkamp, Simone Kaiser, Udo Ludwig: Lobbyisten: Die erste Scheibe der Salami In: Der Spiegel 40/2006 vom 2. Oktober 2006, abgerufen am 26. Oktober 2012.
  6. Pressemitteilung des BSI vom 2. Oktober 2010, abgerufen am 26. Oktober 2012.
  7. BSI-Geschäftsführerin Angelika Wiesgen-Pick am 11. Oktober 2012 auf der Bar- und Spirituosenmesse Bar Convent Berlin.
  8. Daten und Fakten zur Alkoholpolitik, offizielle Website des BSI, abgerufen am 27. März 2014.
  9. Spirituosen-Industrie formiert sich gegen Verkaufsstopps. Online-Portal Der Westen vom 19. Juni 2012, abgerufen am 13. Oktober 2012.