Canarie

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Der Canario (ital.) oder die Canarie (franz.) ist ein Tanz, der im 16. und 17. Jahrhundert vor allem in Italien verbreitet gewesen ist. Der Tanz soll sich ursprünglich in Spanien entwickelt haben und aus dem gleichnamigem, im 16. Jahrhundert von kanarischen Sklaven auf das spanische Festland gebrachten Volkstanz der Ureinwohner der kanarischen Inseln hervorgegangen sein. Beim kanarischen, bis ins 20. Jahrhundert getanzten Canario standen sich zwei Tänzerreihen gegenüber, welche sich einander näherten und entfernten und dabei kleine Sprünge machten.[1] Daher rührt der aus lateinisch „Saltatio Canariensis“[2] verkürzte Name.

Der Canario ist ein bewegter, der Gigue ähnlicher Tanz im 3/8- oder 6/8-Takt, der aus zwei Reprisen besteht[2] und sich durch zahlreiche Sprünge auszeichnet. Während andere Tänze wie die Gaillarde und die Courante in der späten Renaissancezeit durch allgemein übliche Schrittfolgen geprägt waren, durfte beim Canario weitgehend frei improvisiert werden.

Choreographien für den Canario sind in den Büchern der italienischen Tanzmeister Cesare Negri, Fabritio Caroso und Livio Lupi di Caravaggio überliefert. Auch der Franzose Thoinot Arbeau beschreibt diesen Tanz in seiner Orchésographie. Vom Anfang des 18. Jahrhunderts sind einige Canarie-Choreographien in der Notation von Raoul-Auger Feuillet überliefert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Volker Saftien: Ars saltandi. Der europäische Gesellschaftstanz im Zeitalter der Renaissance und des Barock. Hildesheim 1994. ISBN 3-487-09876-8 S. 213-217

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. José Carlos Delgado Díaz: Die Folkore-Musik der Kanaren. Publicaciones Turquesa, Santa Cruz de Tenerife 2004, ISBN 84-95412-29-2, S. 19 und 133
  2. a b Johann Gottfried Walther: Musicalisches Lexicon [...]. Wolffgang Deer, Leipzig 1732, S. 132