Carl Vinnen

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Carl Vinnen, Holzstich 1899

Carl Vinnen (* 28. August 1863 in Bremen; † 16. April 1922 in München) war ein deutscher Kunstmaler. Er führte als Schriftsteller das Pseudonym Johann Heinrich Fischbeck.

Leben[Bearbeiten]

bis 1886[Bearbeiten]

Gutshaus Vinnen in Beverstedt-Osterndorf
Birkenhain im Herbst, 1891–1893
Weg ins Moor, 1900
Grabplatte des Urnengrabs auf dem Friedhof in Osterndorf

Carl Vinnen wurde am 28. August 1863 als Sohn des Reeders Johann Christoph Vinnen und dessen erster Frau Jenny Friederike, geb. Westenfeld in Bremen geboren. Seine Mutter starb bereits 1870. Sein fünf Jahre jüngerer Bruder war der Reeder und Politiker Adolf Vinnen. Nach der Schulzeit war Vinnen einige Zeit im Unternehmen seines Vaters kaufmännisch tätig.

1886 bis 1893[Bearbeiten]

Im Alter von 23 Jahren begann Carl Vinnen an der Kunstakademie Düsseldorf zu studieren, ab 1888 setzte er das Studium in Karlsruhe fort. Carl Vinnen wurde bei seiner Motivauswahl durch seinen Lehrer Arnold Böcklin geprägt, er konzentrierte sich auf melancholische Landschaftsmalerei.

In Düsseldorf lernte Vinnen in der Künstlerverbindung „Tartarus“ Fritz Mackensen und Otto Modersohn kennen. Im Sommer 1889 besuchten ihn die beiden einige Wochen auf dem von Vinnen bewohnten väterlichen Gut in Osterndorf (heute ein Ortsteil von Beverstedt). Mackensen und Modersohn gründeten zu dieser Zeit die etwa 25 Kilometer von Osterndorf entfernt liegende Künstlerkolonie Worpswede. Vinnen schloss bei späteren gegenseitigen Besuchen in Worpswede und Osterndorf auch Bekanntschaft mit Hans am Ende, Fritz Overbeck (1892) und Heinrich Vogeler (1894). Neben den Freundschaften zu den gleichaltrigen Malerkollegen pflegte Vinnen auch den Kontakt zu dem schon betagten Schriftsteller Hermann Allmers. Tagebuchaufzeichnungen von Otto Modersohn belegen Auseinandersetzungen über künstlerische Standpunkte zwischen Vinnen und Modersohn in dieser Zeit.

1893 bis 1908[Bearbeiten]

Obwohl Carl Vinnen seinen Wohnsitz nie in Worpswede hatte, wurde und wird er als Mitglied der Worpsweder Künstlergemeinschaft wahrgenommen. Vinnen und seine Worpsweder Kollegen gründeten 1894 die Künstlervereinigung Worpswede, um ihre Kunst besser in der Öffentlichkeit präsentieren und vermarkten zu können. Nun wurde in der Bremer Kunsthalle sein großformatiges (280 × 200 cm) Ölgemälde Ruhe an einem Vorfrühlingstage in einer gemeinsamen Ausstellung der Worpsweder gezeigt. Diese Ausstellung in Bremen brachte aber nur Kritik und wenig Anerkennung für die Worpsweder Künstlergemeinschaft. 1895 wurde er von einem Kritiker anlässlich der großen Ausstellung der Münchner Sezession im Münchner Glaspalast lobend als „Führer der jungen Künstlerschar aus Worpswede“ bezeichnet; dabei konnte Vinnen an der Ausstellung wegen eines Reitunfalls gar nicht teilnehmen. Auffällig ist die Vorliebe Vinnens für große Bildformate und besonders leuchtende Farben in seinen Landschaftsbildern. Aber nicht allen Worpsweder Kollegen gefiel Vinnens Stil; zum Beispiel äußerte sich 1894 Fritz Overbeck in einem Brief an Otto Modersohn sehr kritisch über Vinnens Bild Ruhe an einem Vorfrühlingstage. Andererseits wurde Vinnens Methode, im Vordergrund seiner Gemälde angeschnittene Birkenstämme zu zeigen, auch von seinen Worpsweder Freunden in ihren eigenen Bildern aufgegriffen.

Er gehörte zur bevorzugten Auswahl zeitgenössischer Künstler, die das „Komité zur Beschaffung und Bewertung von Stollwerckbildern“ dem Kölner Schokoladeproduzent Ludwig Stollwerck zur Beauftragung für Entwürfe vorschlug. [1]

Auf dem Gutshof der Familie in Osterndorf besaß Carl Vinnen ein Atelier. Um auch im Winter bequem Schneelandschaften malen zu können, ließ Vinnen sich einen beheizbaren Atelierwagen mit großen Fenstern bauen; für das Malen von Tieren richtete er auf dem Gutshof einen Tiermodellstall mit Pferden und Rindern ein. In der Umgebung von Osterndorf, damals eine Heidelandschaft, malte er aber nicht nur, er ritt und jagte auch. Materiell bestand kein Mangel, Carl Vinnen konnte es sich leisten zu reisen: In Europa nach Skandinavien, Frankreich, Spanien, Holland, Belgien und Italien aber auch nach Asien und Afrika. Während eines Aufenthalts an der belgischen Küste wurde Carl Vinnen auch durch belgische Landschaftsmaler zu einem noch mutigeren Einsatz intensiver Farben inspiriert. Der Einsatz von kräftigem Kobaltblau zum Beispiel, war charakteristisch für Vinnens Nachtlandschaften.

Der Dichter Rainer Maria Rilke verfasste 1902 ein Buch mit Monografien Worpsweder Künstler. Rilke wollte neben Mackensen, Modersohn, am Ende, Overbeck und Vogeler auch Vinnen in seinem Werk beschreiben. Carl Vinnen lehnte aber ein Essay über sich, trotz Bitten von Rilke, ab. Vinnen sah die Worpsweder Künstler nicht mehr auf der früher dagewesenen Höhe und in literarischen Besprechungen die Gefahr einer „kritiklosen Bewunderung“. Rilke konnte Vinnen nicht überzeugen und so erschien das Buch nur mit Monografien von Künstlern, die auch in Worpswede wohnten. 1903 erhielt Vinnen auf der Großen Berliner Kunstausstellung eine kleine Goldmedaille.

1908 bis 1912[Bearbeiten]

Carl Vinnen löste sich immer mehr von der Worpsweder Künstlergemeinschaft. Nachdem Overbeck und Modersohn Worpswede verlassen hatten, entschloss sich Vinnen 1908 von Osterndorf nach Cuxhaven umzuziehen. Jetzt standen maritime Motive im impressionistischen Stil im Vordergrund. 1911 unterzeichnete Carl Vinnen zusammen mit vielen anderen deutschen Künstlern einen Protest gegen die angebliche Überfremdung deutscher Kunstsammlungen mit französischer Kunst. Anlass war der Erwerb des Bildes Das Mohnblumenfeld[2] von Vincent van Gogh durch den Museumsdirektor Gustav Pauli für die Kunsthalle Bremen. In einem Mahnwort, das in den Bremer Nachrichten veröffentlicht wurde, wandte sich Vinnen gegen eine „große Invasion französischer Kunst“, den deutschen Künstlern gingen dadurch auf dem deutschen Kunstmarkt, so Vinnens Meinung, große Summen verloren. Vinnen wandte sich gegen die französische Avantgarde, gegen den Fauvismus und bezeichnete die Expressionisten als dekadent und minderwertig. Ebenda wandte er sich auch gegen die Wiederentdeckung El Grecos und dessen Neubewertung durch Meier-Graefe. Vinnens Artikel wurde zur Einleitung der als Kampfschrift aufgenommenen [3] Veröffentlichung „Ein Protest deutscher Künstler. Mit Einleitung von Carl Vinnen“ im Jahr 1911. Als Antwort erschien im Juli 1911 bei Piper „Im Kampf um die Kunst“. Die Kontroverse wurde bekannt als Bremer Künstlerstreit.

1912 bis 1922[Bearbeiten]

Noch vor dem Ersten Weltkrieg zog Carl Vinnen ganz nach München, wo er schon lange einen Zweitwohnsitz hatte. 1919 erlitt er einen Schlaganfall, am 16. April 1922 starb er in München. Seine Urne liegt auf dem privaten Friedhof der Familie Vinnen in Osterndorf.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Gemälde[Bearbeiten]

  • Ruhe an einem Vorfrühlingstage (1893)
  • Birkenhain im Herbst (1893)
  • Weg ins Moor (1900)

Druckerzeugnisse[Bearbeiten]

  • Unter dem Pseudonym Johann Heinrich Fischbeck: Eine Nathurgeschichte oder kurzgefaßte Lebensabrisse der hauptsächlichsten wilden Thiere im Herzogthum Bremen; Verlag Eugen Diederichs, Jena 1899
  • Quousque tandem in: Ein Protest deutscher Künstler. Mit Einleitung von Carl Vinnen, S. 2-16, Eugen Diederichs Jena 1911 DNB.

Literatur[Bearbeiten]

  • Almuth Sayk zu Jeddeloh: Carl Vinnen. Katalog zur Ausstellung im Barkenhoff Worpswede, 1995 Hrsg.: Barkenhoff-Stiftung Worpswede. Lilienthal : Worpsweder Verl. ISBN 3-89299-150-2
  • Almuth Sayk zu Jeddeloh: Studien zu Leben und Werk von Carl Vinnen (1863 - 1922) unter besonderer Berücksichtigung des "Protestes deutscher Künstler" von 1911. Bonn, Univ., Diss., 1986
  • Im Kampf um die Kunst: die Antwort auf den Protest deutscher Künstler, MIT BEITRÄGEN DEUTSCHER KÜNSTLER • GALERIELEITER SAMMLER UND SCHRIFTSTELLER R. PIPER & CO. VERLAG, München, 1911. auch: digilit und als Text [1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Vinnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lorenz, Detlef: Reklamekunst um 1900. Künstlerlexikon für Sammelbilder, Reimer-Verlag, 2000.
  2. siehe Abbildung bei commons
  3. Franz Marc an August Macke 12. April 1911
  4. Bild mit Bremen-Panorama (HTML) In: Lasdin. Senatskanzlei Bremen. Abgerufen am 15. März 2010.