Caroline Y. Robertson-von Trotha

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Caroline Y. Robertson-von Trotha

Caroline Y. Robertson-von Trotha (* 22. Februar 1951 in Glasgow, Schottland) ist eine schottische Soziologin und Kulturwissenschaftlerin, die in Deutschland arbeitet.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Robertson-von Trotha beendete im Jahr 1967 ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau und kam zwei Jahre später nach Deutschland. Sie studierte Soziologie, Philosophie und Geschichte in Heidelberg und Karlsruhe. Mit Unterstützung eines Stipendiums der Peter-Fuld-Stiftung promovierte sie im Jahr 1990 zum Thema „Ethnische Identität und politische Mobilisation“.

Im Jahr 2004 erfolgte ihre Habilitation an der Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften der Universität Karlsruhe zum Thema „Dialektik der Globalisierung“. Im Jahr 2007 wurde sie vom Rektor des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), vormals Universität Karlsruhe (TH), zur apl. Professorin ernannt.

Im Jahr 1989 war sie Gründungsmitglied und von 1990 bis 2002 Geschäftsführerin des Interfakultativen Instituts für Angewandte Kulturwissenschaft der Universität Karlsruhe (TH). Seit 2002 leitet sie als Gründungsdirektorin dessen Nachfolgeinstitution, das ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Sie ist mit Klaus von Trotha verheiratet, der von 1991 bis 2001 Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg war.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Robertson-von Trothas Forschungs- und Tätigkeitsschwerpunkten gehören die Themenfelder Globalisierung und kultureller Wandel, Multikulturalität und Integrationspolitik, Kulturerbe sowie Theorie und Praxis der Öffentlichen Wissenschaft. In den Eröffnungsreden der Karlsruher Gespräche von 1997[1][2] und 1998[3] entwarf sie einen Begriff der ‚Öffentlichen Wissenschaft‘ als Synonym einer interdisziplinären und dialogbasierten Wissenschaftskommunikation.[4][5] In der Folge bettete sie das Konzept in den historisch-soziologischen Kontext ein[6][7] und führte im Jahr 2012 eine erste von mehreren Analysen „im Spiegel der Web 2.0-Kultur“[8] durch.[9] Zugleich etablierte sie als Gründungsdirektorin des ZAK in Karlsruhe ihre Konzeption der ‚Öffentlichen Wissenschaft in Theorie und Praxis‘ auch institutionell: Neben der Forschung und der Lehre bildet diese eine der drei gleichberechtigten Säulen, auf denen das Zentrum basiert.[10][11]

Zudem ist sie Mitglied des Fachausschusses Kultur der Deutschen UNESCO-Kommission und seit 2013 Vorsitzende des Wissenschaftlichen Initiativkreises Kultur und Außenpolitik (WIKA) am Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), und im Jahr 2009 war sie Mitglied der impromptu EU Focus Working Group on Science and Culture.

Wirkungsfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Direktorin des ZAK ist ihr ein Hauptanliegen, die Wissenschaft an die Öffentlichkeit zu bringen und dabei einen Austausch im Sinne einer Bürgergesellschaft zu ermöglichen. Forschung und Lehre, fachübergreifendes Studium Generale und Öffentliche Wissenschaft sind Grundlage der Programmatik, die unter anderem in Veranstaltungen wie den Karlsruher Gesprächen eine Umsetzung erfährt. Ein zweiter Schwerpunkt liegt im Bereich der Internationalisierung und der interkulturellen Verständigung.

Ihr Engagement im Bereich Integration drückt sich in wissenschaftlicher, politischer und sozialer Form aus: Im Jahr 2001 war sie maßgeblich am Strategiepapier Bündnis für Integration des Stadtrats Stuttgart beteiligt. Sie ist Mitglied im Netzwerk Integrationsforschung des Landesministeriums für Integration Baden-Württemberg und seit 2012 obliegt ihr die Koordination des deutschen Netzwerkes der Anna Lindh-Stiftung, die den Dialog der Kulturen im und mit dem Mittelmeerraum fördert.

Ferner ist sie seit 2009 Mitglied (Kompetenzfeldsprecherin) des Lenkungsgremiums im KIT-Schwerpunkt „Mensch und Technik“, und weiter engagiert sie sich als Sprecherin des KIT-Kompetenzbereichs „Technik, Kultur und Gesellschaft“ und darin wiederum als Sprecherin des KIT-Kompetenzfeldes „Kulturerbe und sozialer Wandel“.

Darüber hinaus hat sie die Leitung verschiedener Forschungsprojekte inne, dazu zählen das DFG-Projekt „Öffentliche Wissenschaft in Sonderforschungsbereichen“ und das interdisziplinäre Center of Digital Tradition (CODIGT).

Sie ist seit 2015 Gründungsmitglied der Kulturwissenschaftlichen Gesellschaft e.V. - KWG.

Sie ist Herausgeberin von drei Schriftenreihen: Kulturwissenschaft interdisziplinär (Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden), Problemkreise der Angewandten Kulturwissenschaft sowie Kulturelle Überlieferung – digital (KIT Scientific Publishing Karlsruhe).

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dialektik der Globalisierung. Kulturelle Nivellierung bei gleichzeitiger Verstärkung kultureller Differenz, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-86644-359-4.
  • Ethnische Identität und politische Mobilisation. Das Beispiel Schottland, Baden-Baden 1991, ISBN 978-3-7890-2540-2.

Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Öffentliche Wissenschaft im Spiegel der Web 2.0-Kultur, in: dies./Jesús Muñoz Morcillo (Hrsg.): Öffentliche Wissenschaft und Neue Medien. Die Rolle der Web 2.0-Kultur in der Wissenschaftsvermittlung, Karlsruhe 2012, S. 19–35, ISBN 978-3-86644-844-5.
  • Rechtsextremismus in Deutschland und Europa. Einleitende Anmerkungen, in: dies. (Hrsg.): Rechtsextremismus in Deutschland und Europa. Rechts außen – Rechts ‚Mitte‘? (= Kulturwissenschaft interdisziplinär, Bd. 7), Karlsruhe 2011, S. 11–18, ISBN 978-3-8329-5817-6.
  • Europe: Insights from the Outside. An Introduction, in: dies. (Hrsg.): Europe: Insights from the Outside (= Kulturwissenschaft interdisziplinär/Interdisciplinary Studies on Culture and Society, Bd. 5), Karlsruhe 2011, S. 9–17, ISBN 978-3-8329-5583-0.
  • Cultural Heritage: Dilemmas of Preservation in the Midst of Change, in: Oliver Parodi/Ignacio Ayestaran/Gerhard Banse (Hrsg.) – Sustainable Development – Relationships to Culture, Knowledge and Ethics. (= Karlsruher Studien Technik und Kultur Bd. 3), Karlsruhe 2011, S. 175–186, ISBN 978-3-86644-627-4.
  • Kulturerbe – Dilemmata des Bewahrens im Wandel, in: Oliver Parodi/Gerhard Banse/Axel Schaffer (Hrsg.): Wechselspiele: Kultur und Nachhaltigkeit. Annäherungen an ein Spannungsfeld, Berlin 2010, S. 263–274, ISBN 978-3-89404-585-2.
  • Ist der Tod bloß der Tod? Tod und Sterben in der Gegenwartsgesellschaft – ein thematischer Umriss. In: Schulmagazin 5-10, 11, 2009, 77. Jg., S. 7–9, ISSN 0947-2746.
  • Schlüsselqualifikationen revisited. Ein altes Thema in Zukunftskontexten, in: dies. (Hrsg.): Schlüsselqualifikationen für Studium, Beruf und Gesellschaft. (= Problemkreise der Angewandten Kulturwissenschaft, Bd. 14), Karlsruhe 2009, S. 17–58, ISBN 978-3-86644-375-4.

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Celebrity Culture. Stars in der Mediengesellschaft (= Kulturwissenschaft interdisziplinär, Bd. 9), Baden-Baden 2013, ISBN 978-3-8329-6998-1.
  • Organised Crime. Dark Sides of Globalisation (= Kulturwissenschaft interdisziplinär/Interdisciplinary Studies on Culture and Society, Bd. 8), Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-8329-5818-3.
  • (zusammen mit Jesús Muñoz Morcillo): Öffentliche Wissenschaft und Neue Medien. Die Rolle der Web 2.0-Kultur in der Wissenschaftsvermittlung., Karlsruhe 2012, ISBN 978-3-86644-844-5.
  • (zusammen mit Robert Hauser): Neues Erbe. Aspekte, Perspektiven und Konsequenzen der digitalen Überlieferung (Kulturelle Überlieferung – digital 1), Karlsruhe 2011, ISBN 978-3-86644-737-0.
  • Rechtsextremismus in Deutschland und Europa. Rechts außen – Rechts ‚Mitte‘? (= Kulturwissenschaft interdisziplinär, Bd. 7), Karlsruhe 2011, ISBN 978-3-8329-5817-6.
  • 60 Jahre Studium Generale und 20 Jahre Angewandte Kulturwissenschaft an der Universität Karlsruhe (TH), Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-86644-439-3.
  • Tod und Sterben in der Gegenwartsgesellschaft. Eine interdisziplinäre Auseinandersetzung (= Kulturwissenschaft interdisziplinär, Bd. 3), Baden-Baden 2008 Die Dialektik der Globalisierung. Kulturelle Nivellierung bei gleichzeitiger Verstärkung kultureller Differenz, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-8329-3171-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Glaser, Hermann (Hrsg.)/Robertson, Caroline Y. (Red.) (1997): Problemkreise der Angewandten Kulturwissenschaft. Aspekte aus Wissenschaft und Praxis, Bd. 1, Karlsruhe.
  2. Robertson-Wensauer, Caroline Y. (1997): Karlsruher Gespräche 1997 STADT-ANSICHTEN - Ein Vorwort -. In: Glaser, Hermann (Hrsg.): Problemkreise der Angewandten Kulturwissenschaft. Aphorismen zu Stadtansichten. Karlsruher Gespräche 1997, Bd. 2. Karlsruhe, S. 1–2.
  3. Robertson-Wensauer, Caroline Y. (1998): Karlsruher Gespräche 1998: (Ohn)Macht der Politik - Ein Grußwort. In: Glaser, Hermann/dies. (Hrsg.): Problemkreise der Angewandten Kulturwissenschaft. (Ohn)Macht der Politik. Karlsruher Gespräche 1998, Bd. 1. Karlsruhe, S. 12–17.
  4. Robertson-Wensauer, C. Y. (1999): Einleitung. Wozu ‚Angewandte Kulturwissenschaft‘ an einer technischen Hochschule? In: dies. (Hrsg.). Interfakultatives Institut für Angewandte Kulturwissenschaft. Universität Karlsruhe (TH). 1989‐1999 Zehn Jahre interdisziplinäre Institutsarbeit. Karlsruhe, S. 19–23.
  5. Interfakultatives Institut für Angewandte Kulturwissenschaft der Universität Karlsruhe (TH) [= IAK] (1998): Öffentliche Wissenschaft. In: iak newsletter, Jg. 1, Heft 1, S. 3–4.
  6. Robertson-von Trotha, C. Y. (2007): ‚Öffentliche Wissenschaft‘ – ein notwendiger Dialog. In: Klaus, J./Vogt, H. (Hrsg.): Wissensmanagement und wissenschaftliche Weiterbildung. Dokumentation der Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium an der Universität Karlsruhe (TH). Hamburg, S. 7–20.
  7. Vergara Gomez, Silke (2011): Erfolgsfaktoren von Weiterbildungsstudiengängen: eine empirische Analyse. Kasseler Management Forum Band 6. Kassel, S. 31–32.
  8. Robertson-von Trotha, C. Y. (2012): Öffentliche Wissenschaft im Spiegel der Web 2.0-Kultur. In: dies./Jesús Muñoz Morcillo (Hrsg.): Öffentliche Wissenschaft und Neue Medien. Die Rolle der Web 2.0-Kultur in der Wissenschaftsvermittlung. Karlsruhe, S. 19–35.
  9. Robertson-von Trotha, C. Y. (zusammen mit Jesús Muñoz Morcillo) (2014): Öffentliche Wissenschaft in Sonderforschungsbereichen: Inside Science. Erweiterter Abschlussbericht des DFG-Pilotprojekts SFB 588 TP Ö. Berichtszeitraum vom 1. Juni 2010 bis 30. Dezember 2013. In: EVA STAR, Karlsruher Institut für Technologie.
  10. Orgeldinger, Sibylle (2002): Zentrum an der Uni fördert den Dialog der Wissenschaften. Institut für Kulturwissenschaft fusioniert mit Studium generale [sic]. In: Badische Neueste Nachrichten, 16. Juli 2002.
  11. Rümmele, Klaus (2002): Schwer auf ZAK. In: UNIKATH, 33. Jahrgang, Heft 4, S. 40–41.