Institut für Auslandsbeziehungen

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Im „Alten Waisenhaus“ am Stuttgarter Charlottenplatz ist seit 1925 der Sitz des ifa. Er hatte unter dem Vorgänger DAI den Namen Haus des Deutschtums, im Mai 2010

Das Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) ist eine deutsche Mittlerorganisation für den internationalen Kulturaustausch mit Sitz in Stuttgart und in Berlin. Als älteste deutsche Mittlerorganisation für Auswärtige Kulturpolitik engagiert sich das ifa weltweit für Kunstaustausch, den Dialog der Zivilgesellschaften und die Vermittlung außenkulturpolitischer Informationen. Handlungsziele des Vereins sind ein Dialog verschiedener Kulturen auf Augenhöhe, Gewinnschöpfung aus kultureller Vielfalt und Friedensförderung.

Ziele und Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Slogan „Kulturen verbinden“ fasst das Institut für Auslandsbeziehungen seine primären Aufgaben zusammen, die laut Satzung aus der "Förderung der Völkerverständigung, des interkulturellen Dialogs und des Verständnisses für Deutschland im Ausland, insbesondere durch internationale Zusammenarbeit auf den Gebieten der Kunst und Kultur, der Medien, der Friedensförderung sowie der Information, Forschung und Fortbildung im Bereich der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik" bestehen.

Im Kulturbereich arbeitet das Institut auf der Grundlage der Konzeption zur Auswärtigen Kulturpolitik des Auswärtigen Amts, insbesondere in den Bereichen Kunst und Kultur, Bildung, Erziehung, Wissenschaft, Information und Dokumentation.

Umsetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut für Auslandsbeziehungen betreibt Forschung und veröffentlicht Studien zum Themengebiet der Auswärtigen Kulturpolitik und zum interkulturellen Dialog. Die Homepage, Studien und die Fachbibliothek in Stuttgart stellen wissenschaftlich aufbereitete, sowie aktuelle Informationen bereit. Im vierteljährlichen Rhythmus gibt das Institut die Zeitschrift "KULTURAUSTAUSCH" heraus.

Als Mittlerorganisation mit Schwerpunkt im Bereich Kunst zeigt das Institut für Auslandsbeziehungen zahlreiche Tourneeausstellungen deutscher Kunst weltweit und gibt in den ifa-Galerien Stuttgart und Berlin Einblicke in die zeitgenössischen Kunst, Architektur und Design aus Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika.

Mit verschiedenen Förder- und Stipendienprogrammen unterstützt das Institut für Auslandsbeziehungen junge Berufstätige im Kunst- und Kulturbereich, den Dialog mit der islamisch geprägten Welt, Projekte von nicht-staatlichen Akteuren in Krisenregionen sowie deutsche Minderheiten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa und den GUS-Staaten.

Teil des Bildungsangebots des ifa sind die Kurse "Deutsch als Fremdsprache", die von der ifa-Deutschschule angeboten werden.

Bei der Umsetzung der Projekte kooperiert das ifa mit zahlreichen internationalen Partnern wie Stiftungen und internationalen Organisationen auf den Gebieten der Kultur, der Medien im Ausland und der Friedensförderung.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organe des Vereins sind die Mitgliederversammlung, das Präsidium und der Generalsekretär. Seit September 2008 ist Ronald Grätz Generalsekretär. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete und Botschafterin Ursula Seiler-Albring war Präsidentin des Instituts von 2006 bis Juni 2017.

Das ifa wird vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart finanziert .Zusätzlich gibt es einen Förderverein, durch dessen Mitgliederbeiträge Projekte realisiert werden können.[1]

Tätigkeitsfelder der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Kompetenzzentrum der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik vernetzt das Institut für Auslandsbeziehungen Zivilgesellschaft, kulturelle Praxis, Kunst, Medien und Wissenschaft.[2]

Das Leitbild ist geprägt durch die folgenden Fokusse:

  • Das ifa initiiert den interkulturellen Dialog: Es befördert den Kultur- und Kunstaustausch in Ausstellungs-, Begegnungs-, Dialog-  und Konferenzprogrammen: Es trägt zum Friedenserhalt durch zivile Konfliktbearbeitung und zur kulturellen Vielfalt durch die Förderung kultureller Minderheiten bei
  • Das ifa ist Kompetenzzentrum der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik: Es vernetzt Themen aus der Praxis mit Wissenschaft und Medien. Es initiiert, analysiert, moderiert und dokumentiert Diskussionen und Fragen der internationalen Kulturbeziehungen
  • Das ifa fördert das Interesse an Deutschland im Ausland: Es vermittelt innovative Positionen aus Deutschland durch Austauschprogramme, Ausstellungen, Publikationen, Vortragsreisen und Besucherprogramme

Wissenschaft, Forschung und Information[3][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut für Auslandsbeziehungen bietet umfassende Informationen zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) und zum interkulturellen Dialog. Internet-Portal, Synergiestudien und die Fachbibliothek in Stuttgart stellen wissenschaftlich aufbereitete, sowie aktuelle Informationen bereit und sind somit wichtige Dokumentationsstellen der AKP. Die vom Institut herausgegebene Zeitschrift "KULTURAUSTAUSCH" thematisiert ebenfalls verschiedene Bereiche Auswärtiger Kulturpolitik. Sie erreicht mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren Menschen in 146 Ländern.

Das Informationsportal "Kultur und Außenpolitik" bietet einen nach Themen und Ländern sortierten Überblick über relevante, außenkulturpolitische Belange. Für das Forschungsprogramm "Kultur und Außenpolitik" arbeiten Experten und Expertinnen zentrale Fragestellungen zu Themen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik (AKBP) auf. Häufig sind Handlungsempfehlungen in die drei- bis sechsmonatigen Arbeiten integriert. Mittlerorganisationen, Wirtschafts- sowie Medienpartner und Universitäten kooperieren mit dem ifa zur Expertenbetreuung, bei Fachtagungsorganisationen und Publikationen der wissenschaftlichen Beiträge. Um eine Verstärkung der Präsenz von Außenkulturpolitik in Studium, Forschung und Lehre kümmert sich WIKA ("Wissenschaftlicher Initiativkreis Kultur und Außenpolitik")[4].

Der Bereich der Dialogforen leitet Begegnungs-, Dialog- und Konferenzprogramme in die Wege. Themenschwerpunkte bilden auch hier ein Dialog der Zivilgesellschaft und die Kommunikation deutscher Politik und Kultur im Ausland,  und zwischen Staat und Gesellschaft vermittelt. In Deutschland wird die Veranstaltungsreihe "Außenpolitik live – Diplomaten im Dialog" angeboten, wo sich deutschen Diplomaten zu aktuellen Schwerpunkten der Außenpolitik äußern.[5] Auf internationaler Ebene fungiert  das Vortragsprogramm der Bundesregierung, das deutsche Experten zu Vorträgen in verschiedene Länder schickt[6].

Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Kunstmittler zeigt das Institut für Auslandsbeziehungen weltweit zahlreiche Tourneeausstellungen zeitgenössischer deutscher Kunst, Architektur und Designs. Zahlreiche namhafte Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland haben sich an monographischen oder Gruppenausstellungen des Instituts beteiligt, unter ihnen Günther Uecker, Rebecca Horn, Rosemarie Trockel, Sigmar Polke oder Marcel Odenbach.[7]

Die ifa-Galerien in Stuttgart und Berlin stellen Plattformen für lebendigen, kreativen und offenen Austausch, Diskurs und Netzwerk dar. Innerhalb Deutschlands werden Schwerpunkte auf Kunst aus Asien, Afrika, Mittelosteuropa und der islamisch geprägten Welt gelegt, die aktuelle kultur- und gesellschaftspolitische Entwicklungen aufgreift und verarbeitet. Begleitend zu allen Ausstellungen veranstaltet das ifa ein vielseitiges, in der Regel kostenloses Rahmenprogramm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Förderung von Kunst- und Kulturaustausch in Ausstellungs-, Dialog- und Konferenzprogrammen ist Teil des Engagements des ifa zur Förderung von interkulturellem Verständnis und friedlichem Zusammenleben.

Seit 1971 koordiniert das ifa den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig.[8] Bis 2009 betreute es zudem administrativ deutsche Länderbeiträge bei den Biennalen in Sydney und São Paolo.

Bibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als weltweit einzige wissenschaftliche Spezialbibliothek zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik und zum internationalen Kulturaustausch hat die ifa-Bibliothek eine tragende Rolle als Fachinformationsquelle. Sie ist amtliche Dokumentationsstelle zur Auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland und bildet somit den Informationsdienstleister für den Bundestag, das Auswärtige Amt sowie die Bundes- und Landesministerien. Darüber hinaus richtet sich das Angebot an Wissenschaftler, Nachwuchsforscher, Studierende sowie an interessierte Leser. Mit ihren über 430000 Bänden und 1000 Zeitschriften ist sie an den nationalen und internationalen Leihverkehr angeschlossen. Sie stellt außenkulturpolitische Grundlagentexte aller Art bereit. Ihre Sammelgebiete umfassen Auswärtige Kulturpolitik und internationale Kulturbeziehungen, deutschsprachige Bevölkerungsgruppen im Ausland, interkulturelle Kommunikation und Austauschforschung, kulturelle Länderkunde, nationale Stereotype, Minderheiten- und Migrationsforschung. Neben einer der vollständigsten Sammlungen zu deutschsprachiger Presse im Ausland bewahrt die ifa-Bibliothek Exemplare aller Publikationen des Goethe-Instituts.[9]

Zivile Konfliktbearbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm zivik (zivile Konfliktbearbeitung) setzt Impulse der zivilen Konfliktbearbeitung zu Friedensprojekten in Krisenregionen. Es berät diesbezüglich auch das Auswärtige Amt und Nichtregierungsorganisationen. Die Methoden reichen in verschiedenen Stadien von Ausbildung zu gewaltfreier Konfliktlösung über Vermittlung zwischen Konfliktparteien bis hin zu Traumaverarbeitung. Gewaltpotential soll möglichst frühzeitig und langfristig abgebaut werden, dabei liegen die Aufgaben des ifa neben der Projektunterstützung in der Evaluation und Nachbearbeitung der Projekte.[10]

Interkultureller Dialog[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Programm CrossCulture Praktika ermöglicht jungenberufstätigen Menschen aus Deutschland und der islamisch geprägten Welt über Praktika im Ausland in einen interkulturellen Dialog zu treten und professionelle sowie kulturelle Erfahrungen zu sammeln. CrossCulture Plus richtet sich gezielt an Menschen aus den Transformationsländern Ägypten, Tunesien, Jemen, Libyen, Jordanien und Marokko.[11]

Vor allem deutsche Minderheiten in Mittel-, Ost-, Südosteuropa und in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) finden durch den Bereich Integration und Medien Unterstützung bei positiver gesellschaftlicher Positionierung. Verschiedene Entsendeprogramme schicken deutsche Fachkräfte in Institutionen deutscher Minderheiten, um interethnischen Dialog zu unterstützen und ein modernes Deutschlandbild zu vermitteln. Erfahrungsaustausch und Professionalisierungsmehrwert sollen außerdem über das Kulturassistentenprogramm erzielt werden, indem sich Nachwuchskräfte im Rahmen des Programms praktisch in Institutionen deutscher Minderheiten engagieren.[12]

Teil des Bildungsangebots des ifa sind des Weiteren die Kurse "Deutsch als Fremdsprache", die von der ifa-Deutschschule angeboten werden. Zusätzlich zu den Niveaustufen von A1.1 bis C1.1 gibt es thematisch spezifische Kurse wie "Deutsch für Mediziner". Prüfungsvorbereitungen sowie -abnahmen von TELC und TestDaF ergänzen das Programm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschlands älteste Mittlerorganisation für auswärtige Kulturbeziehungen wurde im Ersten Weltkrieg, am 10. Januar 1917, als „Werk des Friedens inmitten des Kriegs“ gegründet.[13] Nach einer intensiven Aufbauphase in der Weimarer Republik, der Zweckentfremdung und Gleichschaltung während des Nationalsozialismus und der Neugründung in der jungen Bundesrepublik versteht sich das ifa heute als ein Kompetenzzentrum für internationale Kulturbeziehungen und künstlerische Diskurse.

Die Gründung (1917)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. Januar 1917 wurde in Stuttgart der Vorläufer des heutigen Instituts für Auslandsbeziehungen gegründet. Das Museum und Institut zur Kunde des Auslanddeutschtums und zur Förderung deutscher Interessen im Ausland, das noch im selben Jahr in Deutsches Ausland-Institut (DAI) umbenannt wurde, ging vor allem auf die Idee und den Einsatz des Stuttgarter Unternehmers Theodor Wanner (1875–1955) zurück. Das Institut wurde gemeinsam vom Deutschen Reich, vom Königreich Württemberg und der Stadt Stuttgart getragen.[14]

Nachkriegszeit und Weimarer Republik: die Aufbauphase (1918 bis 1933)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Kriegsende 1918 war das DAI bemüht, das ruinierte Ansehen Deutschlands in der Welt und die soziale Stellung der Auslandsdeutschen zu verbessern. So war das Institut in der Folge vor allem für die Beratung von Auswanderungswilligen, für die Betreuung von Auslandsdeutschen, aber auch für die Organisation von Ausstellungen und die Herausgabe einer Zeitschrift verantwortlich. Der wissenschaftliche Charakter des Instituts wurde darüber hinaus durch eine auslandskundliche Fachbibliothek, den Presse- und Nachrichtendienst sowie sein umfangreiches Archiv gestärkt. Geleitet wurde das DAI in dieser Zeit von Theodor Wanner und dem Staatswissenschaftler und Publizisten Fritz Wertheimer (1884–1968). Letzterer wurde am 1. Oktober 1918 als Generalsekretär eingesetzt. In der Zeit der Weimarer Republik wurde das DAI in mehrere, nach Regionen und Zuständigkeitsbereichen unterteilte, Sachabteilungen gegliedert. 1926 entstand außerdem ein Nordamerika-Referat. In den Jahren 1926/1927 hatte das Institut etwa 50 Angestellte. Untergebracht war das DAI seit dem Frühjahr 1925 in einem ehemaligen, vom Architekten Paul Schmitthenner umgebauten, Waisenhaus am Stuttgarter Charlottenplatz. Das Gebäude wurde 1924 als „Haus des Deutschtums“ eingeweiht. Neben den Räumlichkeiten für die verschiedenen Abteilungen umfasste der Komplex ein Rundfunkstudio. Dieses nutzten Wanner und Wertheimer, um eigene DAI-Rundfunkbeiträge zu produzieren, die meist über den Südfunk ausgestrahlt wurden. Darüber hinaus erschienen im DAI neben der von Wertheimer herausgegebenen Halbmonatsschrift Der Auslandsdeutsche einige Buchreihen und wissenschaftliche Handbücher. Ab 1928 hatte das DAI mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. In der Folge mussten vor allem die Ausstellungsaktivitäten eingeschränkt werden. Doch wurde die Arbeit des Instituts auch von den politischen Unsicherheiten und Unruhen im Land beeinträchtigt. So sah sich die Geschäftsführung des DAI bspw. immer wieder Angriffen von Seiten der aufstrebenden rechtsradikalen Kräfte ausgesetzt.

In der Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1943)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Machtübertragung an die Nationalsozialisten hatte für das DAI tiefgreifende Konsequenzen. Am 7. März 1933 wurde der Sitz des Instituts von der SA besetzt. Das DAI wurde gleichgeschaltet. Fritz Wertheimer, der 1938 nach Brasilien emigrierte, wurde aufgrund seiner jüdischen Abstammung abgesetzt. Und auch der Gründer und Vorstandsvorsitzende Theodor Wanner wurde seines Amtes enthoben. Ihn ersetzte der Stuttgarter NSDAP-Oberbürgermeister Karl Strölin (1890–1963). Zum Institutsleiter wurde Richard Csaki (1886–1943) ernannt, der sein Amt allerdings schon 1941 an den Nationalsozialisten Hermann Rüdiger (1889–1946) abgab. Unter der neuen Führung wurde das Institut zweckentfremdet. Die Aufgaben und Zuständigkeiten wandelten sich grundlegend. Sie wurden 1934 in der Broschüre Neue Aufgaben des Deutschen Ausland-Instituts beschrieben. Demnach sollte sich das Institut in Zukunft vor allem darum kümmern, die nationalsozialistische Weltanschauung unter den Auslandsdeutschen zu verbreiten und sie ggf. zu Soldaten des Dritten Reichs auszubilden. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich das DAI zu einem Planungszentrum der Volkstumspolitik des Hitler-Regimes. Auf dem Programm standen die Propagierung der deutschen »Rassenpolitik« und die »Eindeutschung« ausländischer Gebiete. So war das DAI u. a. an der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Umsiedlungen in den eroberten osteuropäischen Gebieten beteiligt. Es bestanden eine enge Zusammenarbeit und ein reger Informationsaustausch mit der Gestapo, der NSDAP und dem Außenpolitischen Amt der NSDAP. Wie wichtig das DAI für die neuen Machthaber war, zeigt die stetige Vergrößerung, die das Institut unter der Herrschaft der Nationalsozialisten erfuhr. Zählte das DAI 1926/1927 noch etwa 50 Angestellte, so stieg diese Zahl bis zum Kriegsausbruch 1939 auf 157 an. Gleichzeitig wurde auch der Etat kontinuierlich erhöht. Zu den Geldgebern zählte ab 1935 auch das Propagandaministerium.[15]

Das DAI und der Zweite Weltkrieg (1939 bis 1943)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs weitete das DAI seine Aktivitäten aus, vor allem unterstützte es die nationalsozialistische, rassistische Propaganda. Darüber hinaus nahm das Institut auch unmittelbar Einfluss auf das Kriegsgeschehen. Das DAI stellte Karten bereit, die über die Verteilung der Bevölkerungsgruppen in Osteuropa Auskunft gaben und somit wesentliche Informationen für Umsiedlungsaktionen und Deportationen in den besetzten Gebieten lieferten. Es entwickelte sich eine intensive Zusammenarbeit mit der SS. Immer wieder wurden außerdem unliebsame Ratsuchende denunziert. Durch den erfolgreichen Vormarsch der Alliierten wurde die Arbeit des DAI in den folgenden Jahren immer weiter eingeschränkt. 1943 endete sie vorübergehend.[16]

Nachkriegszeit und Neugründung (1949 bis 1951)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das DAI war im Dritten Reich keineswegs unbelastet geblieben. Dennoch waren die Alliierten gegenteiliger Ansicht und ließen das Institut fortbestehen. Sie waren durch Leumund-Bekundungen und geschönte Darstellungen ehemaliger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getäuscht worden. Am 5. Juli 1949 wurde die Neugründung beschlossen. Das Deutsche Auslands-Institut wurde in Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) umbenannt. 1951 erfolgte die offizielle Wiederaufnahme der Tätigkeiten des Instituts. Bundespräsident Theodor Heuss bezeichnete das Institut in einer Rede, die er anlässlich der Wiedereröffnung hielt, als »Elementarschule für den Verkehr mit dem Ausland«, einem »Umschlagplatz« im kulturellen Geben und Nehmen. Franz Thierfelder (1896–1963) sollte den Neuanfang als Generalsekretär des ifa in die Wege leiten.  Doch war der Kulturpolitiker aufgrund seiner ideologischen Schriften zur Zeit des Dritten Reiches umstritten. Tatsächlich aber legte Thierfelder, der die Entnazifizierung unbeschadet überstanden hatte, seine alten Vorstellungen ab. Nach seiner Vorstellung sollte sich das Institut von nun an vor allem dafür einsetzen, »Fremdes« verständlich zu machen und dem Ausland die eigene Kultur näher zu bringen. Die vom Institut propagierte Abkehr von der Vergangenheit wurde im Auswärtigen Amt positiv aufgenommen und mit finanzieller Unterstützung honoriert. Dies sicherte das langfristige Fortbestehen des ifa.[17]

Der Neuanfang (1951 bis 1989)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neuanfang des ifa gestaltete sich schwierig. Der Ruf des Instituts war nach der NS-Zeit lädiert; viele Kontakte, zum Beispiel nach Osteuropa, waren weggebrochen; es begann die Zeit des Kalten Krieges. Hinzu kamen die Konkurrenz zu anderen Mittlerorganisationen wie dem Goethe-Institut, ein geringerer finanzieller Spielraum als zuvor und die eingeschränkte Sichtbarkeit im Ausland, die auch auf die damalige Außenpolitik zurückzuführen war, die der Kultur kaum Bedeutung zumaß. Der Wirkungsgrad des ifa blieb in dieser Zeit entsprechend begrenzt. Die Tätigkeiten des Instituts bestanden in der Auswandererberatung, der Herausgabe einer eigenen Zeitschrift (1951–1962 Mitteilungen, ab 1962 Zeitschrift für Kulturaustausch und seit 2006 Kulturaustausch – Zeitschrift für internationale Perspektiven), dem Ausbau der hauseigenen Bibliothek, dem Auslandsversand von Büchergaben und der Organisation von Ausstellungen. Erst nach und nach wurden die Beziehungen zu anderen Ländern wieder enger, der gesellschaftliche Einfluss des ifa steigerte sich. Mit der eigenen Position während des Nationalsozialismus begann sich das Institut allerdings erst ab den 1960er-Jahren auseinanderzusetzen. Im Mai 1971 wurde die spätere ifa-Galerie in Stuttgart, 1980 die ifa-Galerie in Bonn eröffnet. Anfang der siebziger Jahre ging außerdem die Vermittlung von Ausstellungen deutscher Kunst ins Ausland in die alleinige Verantwortung des ifa über.

Das ifa und der Mauerfall (1989/1990)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mauerfall und die deutsch-deutsche Einigung zogen auch für das ifa bedeutende Veränderungen nach sich. Aufmerksamkeit erregte dabei vor allem die Übernahme der DDR-Kunstsammlung des ehemaligen ZfK (Zentrum für Kunstausstellungen) durch das ifa. In der Zeit der innerdeutschen Teilung stellte das ZfK das ostdeutsche Pendant zum ifa dar. Es war u. a. für die Organisation von Ausstellungen im In- und Ausland und den Kulturaustausch der DDR verantwortlich. Die Kunstsammlung des ZfK umfasste Druckgrafiken, Papierarbeiten, Fotografien und Malereien zahlreicher ostdeutscher Künstlerinnen und Künstler. Als das Zentrum Ende 1990 aufgelöst wurde, besaß es etwa 10.500 Werke. Diese sollten nun, gemäß den Vereinbarungen der Einheitsverträge, in den Bestand des ifa übergehen. Doch stieß der Plan in den Gebieten der ehemaligen DDR auf großen Widerstand. Empört äußerten sich ostdeutsche Medien über die »feindliche Übernahme« durch das Stuttgarter Institut. In der Folge forderte ein Zusammenschluss mehrerer ostdeutscher Museen die Übergabe diverser Kunstwerke in die eigenen Sammlungen. Unter dem Druck der Museen und der Medien wurden einen Monat vor der Übernahme des ehemaligen ZfK-Bestandes 219 museumswürdige Kunstwerke an mehrere ostdeutsche Museen übergeben.

Nach der Wiedervereinigung (1991 bis 2017)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung weitete das ifa seine Aktivitäten auch auf die neuen Bundesländer aus. So bemühte man sich konsequent um den Ankauf von Kunstwerken ostdeutscher Künstlerinnen und Künstler und um deren Ausstellung. Darüber hinaus wurde 1991 eine ifa-Galerie in Berlin eröffnet. Außerdem arbeitete das ifa intensiv daran, seine Sichtbarkeit im Ausland und im außenpolitischen Gefüge Deutschlands zu verbessern. Dies konnte auch mit Hilfe diverser Förderprogramme (u. a. zivik – Zivile Konfliktbearbeitung, das CrossCulture Programm, und Kunstförderung), mehrerer Tourneeausstellungen, eines Forschungsprogramms, der Fachbibliothek für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, der Zeitschrift Kulturaustausch sowie zahlreicher Publikationen erreicht werden. Die Transformationsprozesse innerhalb Europas nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ hatten auch für das ifa Konsequenzen. Es begann sich verstärkt für den Schutz von Minderheiten und für die Stärkung des europäischen Einigungsprozesses einzusetzen. Außerdem rückten die Intensivierung des europäisch-islamischen Dialogs und die Förderung internationaler Friedensprojekte sowie humanitärer Hilfe in den Fokus. Ausdruck fanden die neuen Bestrebungen auch im Theodor-Wanner-Preis, der im Jahr 2009 vom ifa ins Leben gerufen wurde, um Persönlichkeiten und Organisationen zu würdigen, die sich in herausragender Weise für den Dialog der Kulturen, für Frieden und Völkerverständigung engagieren. Heute sieht sich das ifa als international agierender »Kulturmittler«, als Kompetenzzentrum für internationale Zusammenarbeit und Kunstaustausch. Mit seinen Tätigkeiten, Fördermaßnahmen und zahlreichen Projekten stellt sich das Institut den Herausforderungen der heutigen, globalisierten, sich stetig verändernden Welt.

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theodor-Wanner-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2009 verleiht das ifa den Theodor Wanner-Preis an Personen mit herausragendem Einsatz für den Dialog der Kulturen. Preisträger engagieren oder engagierten sich wissenschaftlich, sozial, gesellschaftspolitisch, künstlerisch, unternehmerisch oder finanziell. Seine Verleihung geht auf die Initiative des Fördervereins für das Institut für Auslandsbeziehungen zurück, individuelle und außergewöhnliche Leistungen für den interkulturellen Dialog mit einer feierlichen Preisverleihung zu würdigen und dem Kulturdialog auf diese Weise eine öffentliche Bühne zu geben. Schirmherr des Theodor Wanner-Preises ist der Bundesaußenminister.

Die Auszeichnung erinnert an ihren Namensgeber, Theodor Wanner (1875–1955), auf dessen Initiative 1917 das Deutsche Ausland-Institut (DAI), das heutige ifa, gegründet wurde.

Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro fließt direkt zweckgebunden in ein vom Preisträger ausgewähltes, kultur- und friedensstiftendes Projekt. Die Preisträger werden in einem Festakt gewürdigt.[18]

Liste der Preisträger:

  • nicaraguanischer Theologe, Kulturpolitiker und Dichter Ernesto Cardenal (2014)
  • Künstlerin, Musikerin und Aktivistin Yoko Ono (2013),
  • ehemaliger Präsident der Europäischen Kommission Dr. h. c. Jaques Delors (2011)
  • ehemalige Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag und Botschafterin der Schweiz a.D. Carla del Ponte (2010)
  • Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden Berlin und Gründer des West-Eastern Divan Orchestra Dr. h. c. Daniel Barenboim (2009)

ifa-Forschungspreis Auswärtige Kulturpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut für Auslandsbeziehungen zeichnet mit dem ifa-Forschungspreis "Auswärtige Kulturpolitik" jährlich eine herausragende und die Forschung in besonderem Maße vorwärts bewegende Magister- Magister-, Diplom-, Masterarbeit oder Dissertation aus. Gleichzeitig soll ein Anreiz gegeben werden, in den Themengebieten der Auswärtigen Kulturpolitik zu forschen. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

Intercultural Film Award[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem "IFA", dem "Intercultural Film Award", der im Rahmen des Festivals AROUND THE WORLD IN 14 FILMS verliehen wird, zeichnet das ifa seit 2009 jeweils einen Film aus, der in inhaltlich wie ästhetisch besonderer Weise die Themen Dialog der Kulturen, Kulturaustausch oder interkulturellen Dialog behandelt. Diese Themen sind Ziele und somit Basis des Instituts.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • KULTURAUSTAUSCH – Zeitschrift für internationale Perspektiven
  • Ausstellungskataloge
  • Kulturreport / EUNIC-Jahrbuch
  • Studien und Dokumentationen
  • Edition "Portraits"
  • Edition "Medienkulturen"
  • Edition "Perspektive Außenkulturpolitik"

Quelle[19]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Seckendorf: Deutsches Auslandswissenschaftliches Institut. In: Michael Fahlbusch und Ingo Haar: Handbuch der völkischen Wissenschaft: Personen – Institutionen – Forschungsprogramme – Stiftungen. München 2008, S. 140-149.
  • Michael Fahlbusch, Ingo Haar: Handbuch der völkischen Wissenschaft: Personen – Institutionen – Forschungsprogramme – Stiftungen. Saur, München 2008, ISBN 978-3-598-11778-7.
  • Michael Fahlbusch: Wissenschaft im Dienst der nationalsozialistischen Politik? Die „Volksdeutschen Forschungsgemeinschaften“ von 1931–1945. Nomos, Baden-Baden 1999, ISBN 3-7890-5770-3.
  • Katja Gesche: Kultur als Instrument der Außenpolitik totalitärer Staaten. Das Deutsche Auslands-Institut 1933–1945. Böhlau, Köln 2006, ISBN 978-3-412-01206-9 (Zugleich Dissertation an der Universität Stuttgart).
  • Grant Grams: German Emigration to Canada and the Support of its Deutschtum during the Weimar Republic. The Role of the Deutsches Auslands-Institut, Verein für das Deutschtum im Ausland and German-Canadian Organisations. Lang, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-631-37345-7 (= Europäische Hochschulschriften: Reihe 3, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Vol. 889, zugleich Dissertation an der Universität Marburg 2000).
  • Institut für Auslandsbeziehungen (Hrsg.): Institut für Auslandsbeziehungen. Ein Sonderthema der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten, 17. Januar 2007.
  • Institut für Auslandsbeziehungen (Hrsg.): 75 Jahre Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart: 1917 bis 1992. In: Zeitschrift für Kulturaustausch 42, 1992, S. 141–154.
  • Institut für Auslandsbeziehungen (Hrsg.): 75 Jahre Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart. Reden beim Festakt 10. Januar 1992 Stuttgart Neues Schloß. Stuttgart 1992.
  • Sebastian Körber: Vorreiter im Kulturdialog – das Institut für Auslandsbeziehungen: Stärkung der Zivilgesellschaft durch Kulturdialog. Stuttgart 2006.
  • Ritter, Ernst: Das deutsche Ausland-Institut in Stuttgart 1917–1945. Ein Beispiel deutscher Volkstumsarbeit zwischen den Weltkriegen. Wiesbaden 1976 (Frankfurter historische Abhandlungen 14).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Organisationsstruktur. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  2. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Leitbild. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  3. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: AKBP kompakt. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  4. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: WIKA. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  5. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Außenpolitik live. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  6. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Über das Vortragsprogramm. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  7. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Kunst. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  8. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Biennalen. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  9. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Bibliothek. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  10. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: zivik – Zivile Konfliktbearbeitung. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  11. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: CrossCulture Programm. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  12. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Minderheiten. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  13. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: 1917-1932. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  14. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: 1917-1932. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  15. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: 1933-1945. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  16. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Das ifa nach 1945. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  17. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Das ifa nach 1945. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  18. Institut für Auslandsbeziehungen e.V.: Preise und Auszeichnungen. Abgerufen am 26. Januar 2018.
  19. ifa Publikationen. Abgerufen am 26. Januar 2018.