Catch-22 (Dilemma)

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Catch-22 (auch (klassische) Catch-22-Situation[1][2]) ist ein geflügeltes Wort im englischen Sprachraum. Es beschreibt eine Zwickmühle,[3] im Original auch manchmal beschrieben als ein Dilemma, aus dem ein Individuum aufgrund widersprüchlicher Regeln nicht entkommen kann.[4]

Der Begriff wurde 1961 vom US-amerikanischen Autor Joseph Heller geprägt und ist gleichzeitig Titel seines Buches Catch-22 sowie dessen Verfilmung Catch-22 – Der böse Trick.[5][6]

Herkunft und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Buch Catch-22 beschriebene Situation ist die, dass man aus dem Kriegsdienst aussteigen kann, wenn man geisteskrank ist. Für den Austritt muss ein Antrag gestellt werden. Ein Antrag wird als Zeichen offensichtlicher geistiger Gesundheit gesehen, weil es normal ist, vor dem Kriegsdienst Angst zu haben. Logischer Schluss: Ein Aussteigen ist nicht möglich.[7]

Im Laufe des Romans erscheinen verschiedene Formulierungen von „Catch-22“. Der Begriff wird auf verschiedene Schlupflöcher und Macken des Militärsystems angewendet, immer mit der Implikation, dass Regeln unzugänglich und gegen diejenigen gerichtet sind, die in der Hierarchie niedriger stehen. In Kapitel 6 wird Yossarian gesagt, dass Catch-22 ihn dazu verpflichte, alles zu tun, was sein Kommandant ihm sagt, egal ob diese Befehle den Befehlen des Offiziers widersprechen.[7]

Allgemeines Beispiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Wie soll ich Erfahrungen für einen Job sammeln, wenn ich ständig wegen mangelnder Erfahrung für diesen Job abgelehnt werde!?[8]

Bedeutung der Nummer „22“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich wollte Heller die Phrase, und damit das Buch, durch andere Zahlen ausdrücken, aber sein Verleger und er einigten sich schließlich auf „22“. Ausschlaggebend hierfür war wohl die Euphonie der Zahl und hat sonst keine weitere Bedeutung. Anfänglich arbeitete Heller noch mit dem Titel Catch-18, verwarf diesen aber, nachdem kurz zuvor die Novelle Mila 18 von Leon Uris erschienen war.[9][10]

Logik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die archetypische Catch-22-Situation, wie von Heller formuliert, beinhaltet den Fall von John Yossarian, einem US-Armee-Luftwaffe-Kampfflieger, der aus dem Kampfflug-Einsatz entlassen werden möchte. Dies geschieht nur, wenn er vom Flugarzt des Geschwaders begutachtet wird und als „untauglich zum Fliegen“ befunden wird. „Untauglich“ wäre jeder Pilot, der bereit ist, solche gefährlichen Missionen zu fliegen, da man ja schon „verrückt sein müsse“, um sich für einen möglichen Tod freiwillig zu melden (Himmelfahrtskommando, Kamikaze). Um begutachtet zu werden, muss der Pilot allerdings zuvor einen Antrag auf Begutachtung stellen – eine Handlung, die als hinreichender Beweis für die Anerkennung als „tauglich“ gilt. Diese Bedingungen machen es unmöglich, als „untauglich“ eingestuft zu werden.

Der Catch-22 ist, dass „jeder, der aus der Kampfpflicht herauskommen will, nicht wirklich verrückt ist“.[11] Daher sind Piloten, die eine Bewertung der geistigen Fitness beantragen, gesund und müssen daher im Kampf fliegen. Wenn andererseits aber eine Begutachtung vom Piloten nicht angefordert wird, wird er niemals eine erhalten und kann somit niemals als verrückt eingestuft werden, was bedeutet, dass er im Kampf fliegen muss.

Daher sorgt ein Catch-22 dafür, dass kein geisteskranker Pilot jemals entlassen werden kann, auch wenn er es ist.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Philosoph Laurence Goldstein argumentiert, dass das „Flieger-Dilemma“ logisch nicht einmal eine Bedingung ist, die unter keinen Umständen wahr ist. Es ist „sinnlos bikonditional“ und letztendlich bedeutungslos. Goldstein schreibt:[12]

„Das Dilemma ist: Was aussieht wie eine Aussage über die Bedingungen, unter denen ein Flieger entschuldigt werden kann, um gefährliche Missionen zu fliegen, reduziert sich nicht auf die Aussage.“

(I) Ein Flieger kann entschuldigt werden, gefährliche Missionen zu fliegen, wenn und nur wenn inhaltlich, wobei der Inhalt ein Widerspruch an sich ist (was eine gemeine Art sein könnte, eine unangenehme Wahrheit zu verschleiern), nur eine wertlose, leere Aussage ist.

(II) Ein Flieger kann entschuldigt werden gefährliche Missionen zu fliegen, wenn und nur wenn es nicht der Fall ist, dass er entschuldigt werden kann, gefährliche Missionen zu fliegen.

Wenn es ein Dilemma (I) wäre, wäre das nicht so schlimm – ein Flieger würde zumindest feststellen können, dass er unter keinen Umständen die Kampfhandlungen vermeiden könnte. Aber Catch-22 ist schlimmer – eine Flut von Worten, die nichts bedeuten. Es ist ohne Inhalt, es vermittelt überhaupt keine Information.

Der österreichisch-amerikanische Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Soziologe und Philosoph Paul Watzlawick schreibt: „Zugegeben, das Beispiel ist fiktiv, und es gibt den Catch-22 in der amerikanischen Luftwaffe nicht. Es handelt sich um eine Art Karikatur militärischer Logik, doch wie bei jeder guten Karikatur wird der Kern der Sache getroffen: Die Wirklichkeit des Kriegs oder jede andere, auf totalitärer Gewalt beruhende Wirklichkeit ist von einem Wahnwitz, dem sich niemand entziehen kann, und in dieser Wirklichkeit wird Normalität zum Ausdruck von Wahn oder Heimtücke umgedeutet.“[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kurzlehrbuch Pädiatrie. Georg Thieme Verlag, 2012, ISBN 978-3-13-170311-8, S. 88.
  2. Christiane Schlote: Bridging cultures: latino- und asiatisch-amerikanisches Theater in New York City. Edition Reichenberger, 1997, ISBN 978-3-931887-12-4, S. 169.
  3. catch-22 im Lexikon dict-leo
    catch-22 im Lexikon Pons (originaler Pons-Eintrag - nicht bloß ein Benutzereintrag)
  4. Ursprung und Definition von Catch-22. Random House Dictionary, 2012, abgerufen am 21. Juni 2017 (englisch).
  5. Definition Catch-22 (Logik). Cambridge Dictionary, abgerufen am 20. Juni 2017 (englisch).
  6. Beispiel und Definition Catch-22. Oxford Learners Dictionary, abgerufen am 21. Juni 2017 (englisch).
  7. a b Margot A. Henriksen: Dr. Strangelove's America: Society and Culture in the Atomic Age. University of California Press, 1997, ISBN 0-520-08310-5, S. 250 (google.de).
  8. Steven John Rothberg: The Last Job Search Guide You'll Ever Need: How to Find and Get the Job Or Internship of Your Dreams!. CollegeRecruiter.com, September 2002, ISBN 978-0-9726552-3-1, S. 202.
  9. John W. Aldridge: The Loony Horror Of It All- 'Catch-22' Turns 25. New York Times, 26. Oktober 1986, abgerufen am 21. Juni 2017 (englisch).
  10. A classic by any other name. The Telegraph (GB), 18. November 2007, abgerufen am 21. Juni 2017 (englisch).
  11. Joseph Heller: Catch-22; A Novel. Simon and Schuster, ISBN 978-0-684-86513-3, S. 2011-01–09.
  12. Laurence Goldstein: The Barber, Russell's paradox, catch-22, God, contradiction and more: A defence of a Wittgensteinian conception of contradiction. The law of non-contradiction: new philosophical essays. Graham Priest, Jc Beall & Bradley Armour-Garb; Oxford University Press, 2004, abgerufen am 21. Juni 2017 (englisch).
  13. Paul Watzlawick: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? Wahn – Täuschung – Verstehen. Piper Verlag, München 1976, ISBN 3-492-04515-4, S. 38.