Chemiker

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Chemiker in einem Labor (1950)
Chemiker bei der Vorbereitung von Proben für eine q-PCR-Analyse

Ein Chemiker ist ein Naturwissenschaftler, der sich mit Themen aus der Chemie befasst. Die Tätigkeitsbezeichnung Chemiker ist nicht geschützt. Hingegen ist der akademische Grad Diplom-Chemiker (Dipl.-Chem.) staatlich geschützt und setzt ein Hochschulstudium mit erfolgreich bestandenem Diplom voraus. Mit der Abschaffung der Diplomstudiengänge im Zuge des Bologna-Prozesses ersetzt der Bachelor- bzw. der Master-Grad den Diplom-Grad bei neu erworbenen Abschlüssen als Berufsbezeichnung zunehmend.

Ausbildung zum Chemiker in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Chemiestudium

In der Bundesrepublik Deutschland ist an etwa 50 Hochschulen das Studium der Chemie möglich. Diplomstudiengänge beginnen mit einem viersemestrigen Grundstudium, das mit der nicht berufsqualifizierenden Vordiplom-Prüfung abgeschlossen wird. An das Grundstudium schließt das Hauptstudium an. Es folgen die meist mündlichen Diplomprüfungen und die sechs- bis neunmonatige Diplomarbeit. Das Studium besteht aus Vorlesungen, Seminaren und Übungen, Klausuren und mündlichen Prüfungen sowie den regelmäßigen lehrveranstaltungsbegleitenden Praktika an der Universität. In den Praktika werden handwerkliche Fähigkeiten und das wissenschaftliche, systematische Arbeiten erlernt. Die Leistungsnachweise (Scheine) werden vor allem durch Klausuren, die mündliche Prüfungen und die Testate für bestandene Praktika erbracht.

Im Zuge des Bologna-Prozesses werden bestehende Diplomstudiengänge nach und nach in sechssemestrige Bachelor-Studiengänge mit anschließendem, optionalem viersemestrigem Master-Studium übergehen. Dieser Prozess soll bis 2018 abgeschlossen sein. Daneben haben sich mehrere Ingenieurstudiengänge mit Schwerpunkt Chemie etabliert.

Promotion der Chemiker in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Universitätsabschluss kann nach einer meist mehrjährigen Doktorarbeit die Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) erfolgen. Bei technischer Ausrichtung des Promotionsthemas und einer entsprechend absolvierten Universitätsausbildung ist auch der Doktor der Ingenieurwissenschaften (Dr.-Ing.) möglich. Die Promotion wird von der Mehrheit der in einem Absolventenjahrgang in Deutschland diplomierten Chemiker begonnen.

Die Dauer richtet sich vor allem danach, ob der Doktorand während seiner Tätigkeit nur seine Promotionsziele verfolgen kann oder durch zusätzliche Verpflichtungen eingebunden wird, wie z. B. die Einbeziehung in das Schreiben von Drittmittelanträgen für neue Projekte, den Einsatz in der Lehre an der Universität oder die Übernahme von Verwaltungsaufgaben am Lehrstuhl des betreuenden Professors. Schwer vergleichbar wird die Promotionsdauer auch dadurch, dass ein Teil der Doktoranden die erfolgreichen Aufgabenstellungen von vorherigen Doktoranden nach deren Promotion weiterbearbeitet und dabei Konzept und Aufbau ihrer Vorgänger weiterbenutzt, während ein anderer Teil der Doktoranden absolut neue Themen erstmals zu bearbeiten versucht. Die Bezahlung des Doktoranden erfolgt in der Regel nach dem TVöD bei nicht voller wöchentlicher Arbeitszeit (meist 50 % oder 2/3) oder durch ein Stipendium.

Zweck und Ziele der Promotion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die abgeschlossene Promotion soll den Nachweis zur selbständigen Forschungstätigkeit, also der wissenschaftlichen Erarbeitung und Bearbeitung eines Themas erbringen. Das beinhaltet eine weitestgehend individuelle Versuchsplanung, den Versuchsaufbau und die Versuchsdurchführung einschließlich der Ergebnisauswertung bis zur Ergebnispublikation (Dissertationsschrift) mit Einordnung in den wissenschaftlichen Kontext.

Die Promotion ist erforderlich für Tätigkeiten in der Forschung an Universitäten, in der Industrie oder in Forschungsinstituten wie z. B. der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, der Max-Planck-Gesellschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft oder auch der Leibniz-Gemeinschaft.

Auf die Promotion aufbauende Qualifikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Promovierte Diplom-Chemiker mit dem Berufsziel des Hochschullehrers schließen in der Regel eine bis zu sechs Jahren andauernde Juniorprofessur oder eine Habilitation an die Promotion an. Eine weitere Möglichkeit zum Erlangen von zusätzlichen Erfahrungen und zur Erweiterung der Publikationsliste bieten Post-Doc-Stellen im Inland und im Ausland. Sie dienen vor allem dem Sammeln der von den Einstellenden der Industrie gewünschten „Auslandserfahrung“ und zum „Sprachkenntnis-“ und „Flexibilitätsnachweis“ oder schlicht zum Überbrücken der Arbeitslosigkeit nach der Promotion bei schlechter Stellenlage.

Chemiker-Gesellschaften im deutschsprachigen Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), die Fachorganisation der Chemiker in Deutschland, hat über 27.000 Mitglieder. Die Gesellschaft Österreichischer Chemiker (GÖCH) verfügt über etwa 1.900 Mitglieder. Die Schweizerische Chemische Gesellschaft (SCG) hatte Anfang 2016 2700 Mitglieder.

Historisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Bezeichnungen für den Chemiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für diejenigen, die sich mit der Chemie beschäftigten, die früher auch Chymie genannt wurde, wurden verschiedene Begriffe nebeneinander und synonym verwendet: Im 17. Jahrhundert waren das die Bezeichnungen Chymicus, Chemicus, Chemiker und Chemist.[1] Auch im 18. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden die Begriffe Chymicus, Chymiker, Chymist, Chemicus und Chemist benutzt und in der Regel mit „Misch- und Scheidekünstler“ erklärt.[2][3] Johann Wolfgang von Goethe nutzte die Begriffe Chemist, Chemiker und – seltener – Chemicus;[4] ebenso verwendete Johann Bartholomäus Trommsdorff abwechselnd Chemiker oder Chemist/Chemisten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts setzte sich die Bezeichnung „Chemiker“ durch. Das hängt auch damit zusammen, dass sich in vielen analogen Fällen (wie Akademiker und Botaniker) die Bildungen mit der Endung -iker durchgesetzt haben und dass bei den -ist-Bildungen eine Endbetonung vorliegt, während die -iker-Form auf der vorletzten Silbe betont wird.[4]

Herausbildung des Chemikerberufs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland führte Johann Bartholomäus Trommsdorff nach 1800 einen systematischen Chemieunterricht durch,[5] der sich aber vor allem an Pharmazeuten richtete. 1824 erhielt Justus Liebig eine Professur in Gießen und bildete dort systematisch Chemiker aus.

1877 erschien in Deutschland die erste Ausgabe der Chemiker-Zeitung, 1887 in Österreich die Österreichische Chemiker-Zeitung,[6] was zeigt, dass der Beruf des Chemikers zu diesem Zeitpunkt etabliert war.

Bedeutende Chemiker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chemists – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma
 Wiktionary: Chemiker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Dateikategorie Dateien: Chemiker – lokale Sammlung von Bildern und Mediendateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klara Hechtenberg: Fremdwörterbuch des siebzehnten Jahrhunderts. B. Behr, Berlin 1904, S. 29 (online im Internet Archive [abgerufen am 14. Februar 2016] Stichwort Chymici).
  2. Johann Gottfried Sommer: Neuestes wort- und sacherklärendes Verteutschungswörterbuch. aller jener aus fremden Sprachen… Ein höchstnützliches Handbuch. 2. Aufl. Johann Gottfried Calve, Prag 1819, S. 92, Sp. rechte (online bei Google Books [abgerufen am 14. Februar 2016] Stichwort „Chymicus, Chymiker, Chemist“).
  3. Jacob Heinrich Kaltschmidt: Sprachvergleichendes Wörterbuch der deutschen Sprache. worin die hochdeutschen Stammwörter… Hinrichs, Leipzig 1839, S. 223 (online im Internet Archive [abgerufen am 14. Februar 2016] Stichwort „Die Chemie, Chymie“).
  4. a b Stefanie Stricker: Konkurrenzen im Wortbildungssystem um 1800. Aufgezeigt an der Wortbildung Goethes. In: Mechthild Habermann, Peter O. Müller, Horst Haider Munske (Hrsg.): Historische Wortbildung des Deutschen (= Germanistische Linguistik, herausgegeben von Helmut Henne et al.). Band 232, Max Neimeyer Verlag/Walter de Gruyter, Tübingen 2002, II Wortbildung in historischen Epochen des Deutschen,, S. 315–339 (online bei Google Books [abgerufen am 14. Februar 2016]).
  5. Wilhelm Strube: Der historische Weg der Chemie. Von der Urzeit bis zur wissenschaftlich-technischen Revolution. Aulis, Köln 1989, ISBN 3-7614-1180-4, S. 243.
  6. Wilhelm Strube: Der historische Weg der Chemie. Von der Urzeit bis zur wissenschaftlich-technischen Revolution. Aulis, Köln 1989, ISBN 3-7614-1180-4, S. 314.