Drittmittel

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Als Drittmittel bezeichnet man im Wissenschaftsbetrieb jene Anteile an der Finanzierung von konkreten Forschungsvorhaben, die nicht aus dem Etat der vom zuständigen Ministerium für die Hochschulen bereitgestellten Mittel stammen (diese Mittel sind dann die Erstmittel). Drittmittel stammen nicht nur aus der Privatwirtschaft, sondern auch aus öffentlichen Forschungsförderungen bestimmter Forschungsprojekte wie z. B. der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) oder dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). In der Schweiz ist der Schweizerische Nationalfonds (SNF) der bedeutendste öffentliche Vergeber von Drittmitteln. Auch Stiftungen, wie die Volkswagen-Stiftung vergeben Drittmittel in bedeutendem Ausmaß. Drittmittel für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern vergibt in Deutschland der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). Auch die Europäische Union gewinnt mit diversen Programmen zunehmend Bedeutung für die Vergabe von Drittmitteln[1]. CORDIS, der Forschungs- und Entwicklungsinformationsdienst der EU, bietet entsprechende Übersichten. Der Anteil der Drittmittel am Gesamtetat der Hochschulen (ohne die medizinischen Einrichtungen) beträgt in Deutschland mittlerweile knapp 20 %.

Ursprünglich scheint sich die Bezeichnung Drittmittel nur darauf zu beziehen, dass die Mittel für eine Forschung von „Dritten“ außerhalb der Beziehung „einzelner Forscher - Universität“ stammen. Teilweise wird noch zwischen Zweitmitteln und Drittmitteln unterschieden: Zweitmittel sind dann Mittel staatlicher Stellen bzw. Stiftungen, etwa der DFG oder des SNF, während Drittmittel aufgrund von Verträgen mit anderen Auftraggebern, z. B. der Industrie, fließen.[2]

Problematisch an Drittmitteln kann eine mögliche Einflussnahme der Geldgeber auf die Forschungsfreiheit sein, insbesondere wenn sie Anreize für angewandte und ergebnisorientierte Forschung bieten. Hierfür ist zwischen der ergebnisunabhängigen Finanzierung von Projekten (z. B. durch Stiftungen) und einer reinen Auftragsforschung zu unterscheiden, wo bestimmte Problemstellungen im Auftrage Dritter (z. B. Industrie) gelöst werden sollen und der Auftraggeber ein direktes Interesse am Ergebnis des Projektes hat. Letztere sind bezüglich einer Einflussnahme stärker gefährdet.

Insbesondere in den vergangenen Jahren steigt u.a. die Kritik an der Verteilung der Drittmittel aus der freien Wirtschaft. So werden in den Natur- und Ingenieurwissenschaften besonders viele Drittmittel eingeworben. So machten bspw. in der Mathematik und den Naturwissenschaften Mittel aus dem nicht öffentlichen Bereich im Jahr 2011 einen Anteil von 18,7 Prozent aus, während bei der Finanzierung aus dem nicht-öffentlichen Bereich nur 5,8 Prozent der Humanmedizin und 4,3 Prozent der Kunstwirtschaft zugute kamen.[3]

Die Drittmitteleinwerbung ist an vielen Hochschulen ein wichtiges Ziel und das Engagement bzw. der Erfolg der Drittmitteleinwerbung durch die Mitarbeiter ein Kriterium für das berufliche Fortkommen. In der Schweiz wird z. B. vom Bund den Universitäten ein Anteil der Erstmittel bezüglich der Höhe danach zugewiesen, wie viele Drittmittel akquiriert worden sind. Ferner ist zu beachten, dass durch die höhere Einnahme von Drittmitteln auch der Etat für die Universität steigt, welcher von dem zuständigen Ministerium des Bundeslandes zugewiesen wird (im Rahmen der leistungsorientierten Mittelvergabe nach dem Matthäus-Prinzip). Viele Universitäten haben spezielle Abteilungen eingerichtet, die Forscher bei der Antragstellung unterstützen.

Im Jahr 2010 standen den deutschen Hochschulen Drittmittel in Höhe von 5,9 Milliarden Euro zur Verfügung.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fürsen, Cay: Drittmitteleinwerbung und -forschung im Spiegel des Strafrechts unter besonderer Berücksichtigung der Problematik industrienah kooperierender Hochschulmedizin, Hamburg 2005, ISBN 3830019300
  • Tag, Tröger, Taupitz (Hrsg.): Drittmitteleinwerbung - Strafbare Dienstpflicht?, Berlin 2004, ISBN 3540209999
  • „Einwerbung privatwirtschaftlicher Drittmittel in der Medizin“ In: Der Anaesthesist, Bd. 51 (2002), 1, S. 47–48
  • „Drittmittel und Grundmittel der Hochschulen 1993–1998“. Köln: Geschäftsstelle d. Wissenschaftsrates, 2000
  • „Forschungsförderungsinformationen für die Berliner Universitäten: Fakten und Hinweise zu Drittmittel-Einwerbung, Fördereinrichtungen, Antragsverfahren“. Berlin: FU, 1997- (Zeitschrift)
  • „Drittmittel der Hochschulen 1970–1990“ Köln: Geschäftsstelle d. Wissenschaftsrates, 1993

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://cordis.europa.eu/eu-funding-guide/home_de.html
  2. DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung, Ausgabe 2007/2 (Abgerufen am 9. September 2008)
  3. Drittmittel sind ungleich verteilt. In: ZEIT ONLINE. 18. Februar 2014, abgerufen am 19. Februar 2014.
  4. Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes