Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V.
(Helmholtz-Gemeinschaft)
Logo der Helmholtz-Gemeinschaft
Zweck: Großforschung
Vorsitz: Otmar Wiestler (Präsident)
Gründungsdatum: 1995 [1]
Sitz: Bonn
Website: www.helmholtz.de

Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e. V. (auch Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, kurz HGF) ist eine deutsche Organisation zur Förderung und Finanzierung der Forschung.

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namenspatron Hermann von Helmholtz (1894)
Gespräch über die Geschichte der Helmholtz-Gemeinschaft von Holger Klein mit Angela Bittner und Dieter Hoffmann anlässlich des 20-jährigen Jubiläums im Jahr 2015.[2]

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist ein Mitgliedsverbund aus 18 unabhängigen naturwissenschaftlich-technisch und biologisch-medizinisch ausgerichteten Forschungszentren mit zusammen rund 37.000 Beschäftigten, davon sind 15.169 Wissenschaftler, 6.789 Doktoranden und 1.657 Auszubildende (Stand 2015). Das Budget beträgt derzeit 3,99 Milliarden Euro (2015).[3] Erklärtes Ziel ist es, „große und drängende Fragen von Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft zu beantworten“.

Gut zwei Drittel des Budgets werden im Rahmen der Grundfinanzierung durch die öffentliche Hand finanziert, während der Rest (über 30 %) von den Mitgliedern als Drittmittel eingeworben wird[4]. Die Grundfinanzierung wird zu 90 % vom Bund und zu 10 % von den Ländern getragen. Planungssicherheit durch kontinuierliche Etatsteigerungen ist mit dem Pakt für Forschung und Innovation gegeben.

Grundstein der Wissenschaftsgemeinschaft war 1958 der „Arbeitsausschuss für Verwaltungs- und Betriebsfragen der deutschen Reaktorstationen“, gegründet von den Forschungszentren Karlsruhe (seit Oktober 2009 Karlsruher Institut für Technologie) und Jülich, der damaligen Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt (heute Helmholtz-Zentrum Geesthacht Zentrum für Material- und Küstenforschung) und von den Kernforschungsinstituten einiger Universitäten. In den folgenden Jahren kamen weitere Forschungszentren zu dem losen Verbund hinzu. 1970 entstand daraus die Arbeitsgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen (AGF).[5]

1995 bekam diese Arbeitsgemeinschaft ihren heutigen Namen: Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, nach dem deutschen Physiologen und Physiker Hermann von Helmholtz. 2001 folgte schließlich die Umwandlung in einen eingetragenen Verein rechtlich selbständiger Mitglieder.

Seit 1. September 2015 ist Otmar Wiestler Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft. Er trat die Nachfolge von Jürgen Mlynek an, der von 2005 bis 2015 Helmholtz-Präsident war. Geschäftsführerin der Helmholtz-Gemeinschaft ist Franziska Broer.

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage der Helmholtz-Zentren in Deutschland

Mitglieder der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren sind:

Helmholtz-Institute gemeinsam mit Universitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Helmholtz-Institute bezeichnen eine Partnerschaft zwischen einem Helmholtz-Zentrum und einer Universität. Das Helmholtz-Zentrum gründet dabei eine Außenstelle auf dem Campus der Universität. Die Helmholtz-Gemeinschaft fördert Helmholtz-Institute mit drei bis fünf Mio. Euro pro Jahr, die leitenden Wissenschaftler werden gemeinsam mit der Partneruniversität berufen. Aktuell gibt es die folgenden Helmholtz-Institute:[6]

  • Helmholtz-Institut Mainz: Kooperation zwischen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, als erstes Helmholtz-Institut im Juni 2009 gegründet. Das Institut hat sich der Erforschung der Struktur, Symmetrie und Stabilität von Materie und Antimaterie verschrieben.
  • Helmholtz-Institut Jena: Gemeinsames Institut der Friedrich-Schiller-Universität in Jena und dem Deutschen Elektronen-Synchrotron sowie dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung, gegründet im Juni 2009. Das Institut bringt die Kompetenzen der Universität Jena auf dem Gebiet der Hochleistungs-Laserphysik mit der Expertise in der Beschleuniger-, Laser- und Röntgentechnologie bei DESY und GSI zusammen.
  • Helmholtz-Institut Saarbrücken: Gemeinsame Einrichtung der Universität des Saarlandes und des Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, gegründet im August 2009. Am Helmholtz-Institut Saarbrücken sollen neue Wirkstoffe zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten identifiziert und für die pharmazeutische Anwendung weiterentwickelt werden.
  • Helmholtz-Institut Ulm: Kooperation der Universität Ulm und des Karlsruher Instituts für Technologie, gegründet im Januar 2011. Das Institut beschäftigt sich mit der Erforschung und Entwicklung von elektrochemischen Batteriekonzepten.
  • Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie: Gemeinsame Einrichtung der TU Bergakademie Freiberg und des Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, gegründet im Sommer 2011. Das Institut hat das Ziel, innovative Technologien für die Wirtschaft zu entwickeln, um mineralische und metallhaltige Rohstoffe effizienter bereitzustellen und zu nutzen sowie umweltfreundlich zu recyceln.

Im Oktober 2016 hat der Senat der Helmholtz-Gemeinschaft die Gründung von zwei weiteren Helmholtz-Instituten beschlossen:[7]

Programmstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arbeiten der Zentren werden in Programmen kategorisiert, die in sechs Forschungsbereiche eingeteilt sind. Pro Forschungsbereich ist angegeben, welche Mitgliedszentren der Helmholtz-Gemeinschaft beteiligt sind:

Die Zusammenarbeit der Helmholtz-Zentren in diesen sechs Forschungsbereichen wird durch die Programmorientierte Förderung (POF) strukturiert, der forschungspolitische Vorgaben von Bund und Ländern zu Grunde liegen. Ein Gutachten des Wissenschaftsrates (WR) kommt zu dem Ergebnis, dass die Programmorientierte Förderung stärker an strategischen Themen ausgerichtet werden sollte. Durch eine systematische Öffnung für den Dialog mit gesellschaftlichen Akteuren könne die HGF dem Anspruch noch besser gerecht werden, Beiträge zur Lösung gesellschaftlicher Probleme zu leisten.[8]

Vergabe von Wissenschafts-Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1999 vergibt die Helmholtz-Gemeinschaft gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den Erwin-Schrödinger-Preis für herausragende interdisziplinäre Forschung.

Seit 2013 verleiht die Helmholtz-Gemeinschaft in allen sechs Forschungsbereichen den Helmholtz-Doktorandenpreis. Dieser ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert. Zusätzlich werden jedem Preisträger 12.000 Euro für einen Auslandsaufenthalt von bis zu sechs Monaten an einer internationalen Forschungseinrichtung freier Wahl zur Verfügung gestellt.[9]

Nobelpreise in der Helmholtz-Gemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nobelpreis für Medizin 2008

Harald zur Hausen

Harald zur Hausen wurde im Jahr 2008 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Zur Hausen hat am Deutschen Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft untersucht, wie Gebärmutterhalskrebs durch Virusinfektionen ausgelöst wird. Seine Forschung hat es ermöglicht, einen Impfstoff gegen die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen zu entwickeln. Zur Hausen erhielt die Hälfte des Nobelpreises, die andere Hälfte ging an Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung des HI-Virus, der die AIDS-Erkrankung auslöst.

Nobelpreis für Physik 2007

Peter Grünberg

Der Nobelpreis für Physik ging im Jahr 2007 an den Festkörperphysiker Peter Grünberg vom Helmholtz-Forschungszentrum in Jülich. Grünberg erhielt die Auszeichnung zusammen mit seinem französischen Kollegen Albert Fert (Universität Paris-Süd) für die Entdeckung des Riesen-Magnetwiderstands. Beide Wissenschaftler hatten diesen Effekt unabhängig voneinander im Jahr 1988 entdeckt.

Friedensnobelpreis 2007

Das Nobelpreiskomitee hat im Jahr 2007 das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und Albert A. Gore mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Forscher erhielten den Preis für ihre Anstrengungen, die Öffentlichkeit über die Ursachen des globalen Klimawandels zu informieren. Unter den über 2000 Wissenschaftlern, die am IPCC-Report mitgearbeitet haben, sind zahlreiche Wissenschaftler aus der Helmholtz-Gemeinschaft. Als koordinierender Hauptautor verantwortete Peter Lemke vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven das Kapitel Beobachtete Änderungen in Schnee, Eis und Permafrost.

Andere deutsche außeruniversitäre Forschungsorganisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Helmholtz-Gemeinschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmholtz-Gemeinschaft: [1]
  2. Resonator-Podcast der Helmholtz-Gemeinschaft: 20 Jahre Helmholtz-Gemeinschaft (Folge 62, 19. Juli 2015)
  3. Helmholtz-Gemeinschaft: Zahlen und Fakten
  4. Zahlen und Fakten - Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. In: www.helmholtz.de. Abgerufen am 27. Mai 2016.
  5. Helmholtz-Gemeinschaft: In vier Jahrzehnten von einem losen Verbund zur Gemeinschaft
  6. Helmholtz-Institute. Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, abgerufen am 7. Februar 2017.
  7. Neue Helmholtz-Institute in Würzburg und Oldenburg. Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, 13. Oktober 2016, abgerufen am 7. Februar 2017.
  8. Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Programmorientierten Förderung der Helmholtz-Gemeinschaft. Bielefeld 2015 (Drs. 4900-15). Abgerufen am 6. November 2015.
  9. Helmholtz-Doktorandenpreis