Liturgisches Orgelspiel

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Der Artikel beschreibt quasi nur die Situation auf protestantischer Seite. Es fehlen hinsichtlich katholischer Liturgie Ausführungen z. B. zur Intonation für den Gregorianischen (!) Choral (im Gegensatz zum protestantischen, ebenfalls [!] als Choral bezeichneten Gesang), dessen eventuelle (eigentlich aber nicht vorgesehene) Begleitung oder Improvisationen über Gregorianik während des Gottesdienstes und zu dessen Abschluss; aber auch Parallelen zum protestantischen Gottesdienst hinsichtlich Verwendung muttersprachlicher Lieder; sowie allgemein zur Situation im nichtdeutschsprachigen Ausland.
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Das liturgische Orgelspiel umfasst alle Orgelmusik, die im direkten Zusammenhang mit dem liturgischen Geschehen im Gottesdienst und dem Gemeindegesang steht. In der Regel wird im liturgischen Orgelspiel über ein geistliches Lied oder einen liturgischen Gesang improvisiert. Auch die Begleitung des Gemeindegesangs gehört zum liturgischen Orgelspiel.

Liturgisches Orgelspiel ist eines der Hauptfächer in der Ausbildung der Organisten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit der karolingischen Zeit fand das Orgelspiel mit dem Bau von Orgeln beziehungsweise ihrer frühen Vorläufer nach und nach Eingang in die abendländischen Kirchen. Improvisiertes Orgelspiel diente dem Aus- und Einzug, der Einleitung der Gesänge von Schola oder Gemeinde sowie der Alternatimspraxis. Die Begleitung des Gemeindegesanges wurde erst im Laufe des 18. Jahrhunderts üblich.

Im Zeitalter des Barock war die Improvisation die einzige Disziplin bei Organistenprüfungen (Organistenprobe). Dem Kandidaten wurden Choräle, Fugenthemen und Generalbässe zur Ausführung vorgelegt. Das Spiel nach Noten („Handstücke“) war streng verpönt und führte gegebenenfalls zur Disqualifikation.

Choralspiel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Choralspiel ist die Grunddisziplin in allen Ausbildungsgängen. Die Kenntnisse der Harmonielehre und des Kontrapunkts finden hier eine praktische Anwendung. Die Choralsätze werden in der Regel vierstimmig ausgesetzt; zur Auflockerung werden auch drei- und zweistimmige Sätze praktiziert.

Bei vierstimmigen Sätzen ist es üblich, die drei oberen Stimmen entweder auf einem Manual und den Bass mit dem Pedal zu spielen, oder aber die Melodie (Cantus firmus) auf einem separaten Manual vorzutragen, die Mittelstimmen werden dabei mit der linken Hand auf einem leiser registrierten Manual gespielt und der Bass mit den Füßen auf dem Pedal ausgeführt (sogenanntes „obligates“ oder „Triomäßiges Orgelspiel“). In den Studiengängen für hauptamtliche Kirchenmusiker werden auch Choralsätze mit der Melodie im Bass, Tenor oder Alt (Melodie im Pedal auf 4'-Basis) gepflegt.

Der Choralsatz in allen seinen Varianten (4 Stimmlagen, 2- bis 5-stimmig) ist kompositorische Grundlage für alle größeren Formen.

Intonationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgabe der Intonation ist es, die Gemeinde durch einige kurze Takte auf das Lied vorzubereiten. Die Intonation deutet die Melodie, Tonart und das Tempo an. Als Formen sind einfache akkordische Sätze oder Imitationen üblich.

Choralbearbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Choralbearbeitung ist eine komponierte oder improvisierte Bearbeitung eines Kirchenliedes für Orgel mit der Funktion, den Gemeindegesang auf das Lied vorzubereiten und das Kirchenlied kunstvoll darzubieten. Choralbearbeitungen werden auch Choralvorspiel genannt – unabhängig davon, ob das Werk im Gottesdienst als Vorspiel zum Gemeindegesang dient oder im Rahmen eines Konzerts aufgeführt wird.

  • Beim Orgelchoral wird dabei die ganze Choralmelodie einmal ohne Unterbrechung durchgeführt.
  • Beim Orgelricercar (auch Orgelmotette oder „Pachelbel-Form“) werden die einzelnen Choralzeilen nacheinander imitierend verarbeitet.
  • Die Choralfantasie variiert die einzelnen Choralzeilen abschnittsweise mehrfach in verschiedenen Techniken.
  • Die Choralfuge verwendet meist die erste Zeile als Fugenthema.
  • Die Choralvariation kombiniert mehrere Techniken zu einer Variationsreihe (Choralpartita).

Die Überlieferung beginnt im 15. Jahrhundert in Italien und Deutschland (Paumann-Schule). Ihre Blütezeit erreicht die Choralbearbeitung im 17. Jahrhundert im protestantischen Deutschland durch Samuel Scheidt, Johann Pachelbel, Heinrich Scheidemann, Dietrich Buxtehude, J. S. Bach und andere. Danach liefern erst Johannes Brahms und Max Reger wieder bedeutende Gattungsbeiträge. Die Stilkopie dieser Komponisten und Kompositionen ist ein wesentlicher Bestandteil der Orgelimprovisation.[1]

Modulation und Transposition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der liturgischen Musik folgen oft ganz verschiedene Grundtonarten aufeinander. Zum Beispiel kann ein Choralvorspiel in einer anderen Tonart komponiert sein als das Kirchenlied aus dem Gesangbuch, das die Gemeinde unmittelbar danach singen soll. Deshalb muss der Organist in der Lage sein, improvisierend den Übergang herzustellen und schnell die Tonart zu wechseln, um zur neuen Grundtonart zu gelangen (Modulation).

Es kommt auch vor, dass eine im Gesangbuch notierte Tonart geändert wird, wenn es die Situation erfordert. Die Fähigkeit zur Transposition gehört deshalb ebenfalls zu den Anforderungen an den Organisten.

Freie Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den choralgebundenen Formen des liturgischen Orgelspiels werden auch freie Formen gepflegt wie etwa Meditationsmusiken, Improvisationen während der Austeilung der Kommunion beziehungsweise des Abendmahls (sub communione) sowie improvisierte Orgelvor- und nachspiele.

Internationaler Wettbewerb für Orgelimprovisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Orgelimprovisation gibt es in Schwäbisch Gmünd seit 1989 den Internationalen Wettbewerb für Orgelimprovisation, der alle zwei Jahre im Rahmen des Festivals Europäische Kirchenmusik stattfindet. Er gilt als der einzige ständige Wettbewerb dieser Art in Deutschland.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Choralbearbeitung. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Bärenreiter Kassel 1989, S. 1303–1323.