Christentum in Saudi-Arabien

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Die öffentliche Ausübung des Christentums ist in Saudi-Arabien verboten.

Rechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einfuhr, der Druck und der Besitz nicht islamisch-sunnitischen religiösen Materials, wie z. B. Bibeln sind verboten. Es ist bei Strafe verboten, einen christlichen Gottesdienst zu feiern, die Sakramente zu empfangen, sowie christliche Symbole und Devotionalien (z. B. ein Kreuz, eine Bibel, einen Rosenkranz oder ähnliches) mit sich zu führen. Kirchen, Synagogen oder andere nichtislamische Gebetshäuser gibt es nicht und ihre Errichtung ist verboten.[1] Nach der Interpretation der Staatsreligion darf sich auf dem Land, auf dem sich die beiden heiligen Stätten befinden, kein nichtislamisches Gotteshaus befinden. Auf Apostasie (Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion) steht die Todesstrafe, die auch vollstreckt wird.

Bei der Bestrafung von Christen wegen Verstößen gegen diese Gesetze kann das Strafmaß je nach Nationalität unterschiedlich ausfallen. Staatsangehörige westlicher Verbündeter (z. B. Vereinigte Staaten, Frankreich, Deutschland oder Österreich) werden meist „diskret“ des Landes verwiesen, während Missionare aus anderen und, aus der Sicht Saudi-Arabiens, „unbedeutenderen“ Ländern (etwa die Philippinen, Kenia) inhaftiert und manchmal auch hingerichtet werden.[2] In dem Weltverfolgungsindex für Christen wurde Saudi-Arabien mehrere Jahre unter den zehn Ländern geführt, in denen Christen aufgrund ihres Glaubens am stärksten verfolgt werden, aufgelistet.[3] Inzwischen nimmt es Platz 14 ein, was aber nicht bedeutet, dass sich dort die Lage verbessert hat, vielmehr hat sich die Lage der Christen in anderen Ländern (etwa Syrien oder Eritrea) verschlechtert.[4]

Im März 2012 forderte der Großmufti des Landes in einem Gutachten die Zerstörung aller Kirchen auf der arabischen Halbinsel.[5][6]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach vorsichtigen Schätzungen beträgt der christliche Bevölkerungsanteil in Saudi-Arabien vier Prozent. Damit leben etwa 1,5 Millionen Christen in Saudi-Arabien, darunter etwa 800.000 Katholiken. Eine besonders große Gruppe machen die im saudischen Königreich arbeitenden Filipinos aus. Viele Christen in Riad und am Golf sind Asiaten oder Kopten. Am Roten Meer leben äthiopische oder eritreeische Christen. Daneben gibt es in Saudi-Arabien protestantische Christen verschiedener Denominationen.

Die Katholische Kirche in Saudi-Arabien ist Teil der weltweiten römisch-katholischen Kirche. Saudi-Arabien ist Teil des Gebiets des römisch-katholischen Apostolischen Vikariats Nördliches Arabien. Papst Benedikt XVI. hat 2007 mit dem König über die Lage der Christen in Saudi-Arabien gesprochen.

Weblinks und Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Welt: Christliche Minderheiten - Das Kreuz in den Ländern des Halbmondes (4. Dezember 2009)
  2. Archivlink (Memento vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)
  3. Weltverfolgungsindex 2013 (Memento vom 23. Januar 2013 im Internet Archive) (pdf)
  4. 2013 belegte Saudi-Arabien mit 75 von 100 Punkten Platz 2, 2016 mit 76 Punkten Platz 14.
  5. Die Welt: Selbstbild als ewiges Opfer des respektlosen Westens, vom 20. September 2012, abgerufen am 20. September 2012
  6. Saudi-Arabien: Großmufti gegen Kirchen, Artikel des Internetauftritts von Radio Vatikan vom 29. September 2013, abgerufen am 3. Oktober 2013