Christentum in Iran

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Das im Jahr 66 nach Christus errichtete Kloster Sankt Thaddäus in der Provinz West-Aserbaidschan, Nordwest-Iran
Russische Kirche in Qazvin

Die Christen im Iran repräsentieren zwischen 0,4 und 0,8 % der Landesbevölkerung und waren bereits vor der Ankunft des Islam im Land verbreitet. Heute stellen sie nur noch eine kleine Minderheit im mehrheitlich schiitisch-islamisch geprägten Land. Die christlichen Gemeinden des Iran gehören zu den ältesten christlichen Gemeinschaften weltweit.

Geschichte und Rechtslage[Bearbeiten]

Das Christentum hat im Iran eine lange Geschichte hinter sich, es existiert im Land bereits aus den sehr frühen Jahren des Glaubens. Das iranische Christentum hatte in der Vergangenheit eine wesentlich größere Präsenz als heute. Christen im Iran haben einst eine bedeutende Rolle in der Geschichte der christlichen Mission gespielt - heute ist das Missionieren bei Strafe verboten, und kann mit dem Tode bestraft werden. Auch können Muslime, die zum Christentum übertreten, hingerichtet werden. Es gibt etwa 600 Kirchen im Iran.[1][2]

Nach der Einführung eines parlamentarischen Systems durch die Konstitutionelle Revolution im Jahre 1906 erhielten die iranischen Juden, Zoroastrier und Christen feste Sitze im iranischen Parlament und wurden als Minderheitsreligionen anerkannt. Die verfassungsmäßige Anerkennung der Minderheitsreligionen wurde auch nach der Islamischen Revolution im Jahr 1979 beibehalten. So waren christliche Eheschließungen auch nach 1979 weiter möglich.[3] In anderen Bereichen des Lebens waren die Christen durch die Islamisierung des zuvor säkular ausgerichteten Rechtssystems dem islamischen Recht unterworfen, weshalb in den 80er und 90er Jahren viele das Land verließen.

Konfessionen[Bearbeiten]

Die Christen im Iran sind eine religiöse Gruppe, die aus etwa 110.000 bis 250.000 Armeniern, 15 bis 30.000 Assyrern und einer kleinen Zahl von Katholiken, Anglikanern und weiteren Protestanten, die nur zu einem sehr geringen Anteil Konvertiten aus dem 19. Jahrhundert sind, besteht. Neben den historisch verwurzelten Kirchen gibt es im Iran zunehmend inoffizielle Gemeinden iranischstämmiger Christen mit evangelikalem Hintergrund. Aufgrund dieser neueren Entwicklung schätzt die christliche Hilfsorganisation "Open doors" die Gesamtzahl der Christen im Iran auf 450.000.[4] Unabhängig von der tatsächlichen Größe dieser inoffiziellen Gemeinden wird ihre Bedeutung inzwischen auch vom iranischen Staat wahrgenommen, wenn auch nur als Bedrohung, wie u.a. der Bericht des UNO-Sonderberichterstatters über die Menschenrechte im Iran aus dem Jahr 2014 feststellt.[5]

Kirchen des Armenischen Ritus[Bearbeiten]

Es gibt eine Gemeinschaft von 180.000 armenisch-apostolischen Christen im Iran. Andere Quellen geben die Zahl mit 150.000 armenischstämmige Christen an.[6] Die Armenier sind mittlerweile überwiegend in städtischen Regionen konzentriert, vor allem in Teheran und Isfahan; kleinere Gemeinden gibt es in Täbris, Arak und anderen Städten. Im Jahre 2004 gab es unter den rund 70 Millionen Einwohnern des Iran schätzungsweise 110.000 bis 250.000 Angehörige der Armenischen Apostolischen Kirche,[3][7] der größten christlichen Gemeinschaft im Iran.

Kirchen des Syrischen Ritus[Bearbeiten]

Es gibt eine kleine Gemeinschaft von nur noch 15.000 Assyrern. Eine Mehrheit auch der Assyrer sind städtisch geprägt, obwohl es immer noch mehrere assyrische Dörfer in der Gegend des Urmia-Sees gibt.

Es gibt im Iran zudem etwa 25.000 chaldäische Christen, also Angehörige der rom-unierten assyrischen Kirche.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ahmadinejad: Religious minorities live freely in Iran (PressTV, 24 Sep 2009)
  2. Citation date: February 2010
  3. a b Massoume Price: A Brief History of Christianity in Iran Dezember 2002 (englisch)
  4. [http://www.opendoors.de/verfolgung/laenderprofile/iran Länderprofil Iran (Stand Januar 2015). opendoors.de. Abgerufen am 26. August 2015.
  5. „Iranian authorities at the highest levels have designated house churches and evangelical Christians as threats to national security“; Report of the Special Rapporteur on the situation of human rights in the Islamic Republic of Iran, Seite 10 ([1])
  6. swiss-persian.ch: - Bericht von swiss-persian.ch, Dezember 2013(deutsch)
  7. In Iran, 'crackdown' on Christians worsens, April 2009 (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]