Comes Africae

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Heerführer der Comitatenses und Limitanei im 5. Jahrhundert n. Chr.
Notitia Dignitatum: Die Kastelle unter dem Kommando des Comes Africae: Thamalensis, Montensis, Bazensis, Gemellensis, Tubuniensis, Zabensis, Tubusubditani, Thamallomensis, Balaretani, Columnatensis, Tablatensis, Caputcellensis, Tillibarenses, Tangenses, Bidenses, Badenses
Die Provinzen der Diözese Africa zu Beginn des 5. Jahrhunderts
Porträt Gratianus des Älteren (16. Jahrhundert)
Münzportrait des Bonifatius Comes Africae von 422–431[1]

Der Comes Africae (auch Comes militaris rei per Africam) war ein hoher Offizier in der spätrömischen Armee des Westens und Inhaber einer der höchsten Kommandostellen im Aufgebot der nordafrikanischen Provinzen des 4. bis 5. Jahrhunderts n. Chr. Das Amt wurde vermutlich unter Konstantin I. oder um 345 eingerichtet, war aber wohl nicht vor 368 dauerhaft besetzt. Vorher hatte (seit der Herrschaft des Diokletian) ein Dux per Africam et Numidiam Maurataniamque den Oberbefehl über die dort stationierten Truppen inne.[2]

Namentlich bekannte Amtsinhaber sind:

  • Gratianus der Ältere (320)
  • Gaius Annius Tiberianus? (Comes (Africae), 325–327, ob er tatsächlich den Titel eines Comes rei militaris trug ist unklar)
  • Taurinus (Comes per Africam, 321?-345)
  • Romanus (ca. 364–373)
  • Flavius Victorianus (375–376)
  • Gildo (386–398)
  • Bathanarius (401–408)
  • Heraclianus (408–412)
  • Flavius Gaudentius (5. Jahrhundert)
  • Bonifatius (422–431)

Der römische Amts- und Ehrentitel Comes bezeichnete in der Spätantike in der Regel die höchste Rangklasse des Adels (vir spectabilis) bzw. Mitglieder des Kronrats am kaiserlichen Hof. Beim Militär wurde dieser Titel in der Regel an die Kommandeure der mobilen Feldarmeen in den Provinzen oder an hohe Offiziere für zeitlich begrenzte Sonderkommandos verliehen. Ein Comes rei militaris war dem gegenwärtigen Magister Peditum praesentalis (OB Infanterie) und dem Magister Equitum praesentalis (OB Kavallerie) verantwortlich.[3]

Der Comes Africae war zusammen mit dem

einer der drei ranghöchsten Offiziere und Unterstatthalter der Provinzen der spätrömischen Diocesis Africa. Sein Amtssitz befand sich wahrscheinlich in der Stadt Karthago. Der Zuständigkeitsbereich (tractus) des Comes erstreckte sich auf den größten Teil des Gebietes zwischen dem heutigen Algerien und Libyen, insbesondere aber auf die für die Getreideversorgung der Stadt Rom wichtigen Provinzen Numidia, Byzacena und Africa (intra Africam). Als vir spectabilis zählte er zur höchsten Rangklasse des Reichsadels.

Verwaltungsstab[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Officium (Verwaltungsstab) des Comes umfasste folgende Ämter:[4]

  • Principem ex officiis magistrorum militum praesentalium,
    uno anno a parte peditum, alio a parte equitum
    (Kanzleileiter, der vom Magister militum für ein Jahr bestellt wurde).
  • Cornicularium (Sekretär und Proviantmeister).
  • Adiutorem (Assistent).
  • Commentariensem ex officiis magistrorum
    militum praesentalium alternis annis
    (Buchführer und Rechtskundiger aus den Reihen der Armee).
  • Numerarios duos ex utrisque officiis
    magistrorum militum praesentalium singulos (zwei Zahlmeister aus dem Stab des Heermeisters).
  • Subadiuvam (untergeordnete Helfer).
  • Regerendarium (Verwalter).
  • Exceptores (Juristen).
  • Singulares et reliquos officiales (Leibwächter und sonstige Beamte).

In seinem Stab findet sich auch ein Cornicularis. Dieser war für gewöhnlich für die Verproviantierung der Einheiten verantwortlich. Solche Amtsträger finden sich in der Notitia nur noch bei fünf anderen Comes und Duces. In der Spätantike fiel diese Aufgabe in die Verantwortung der Zivilverwaltung der Provinz. Möglicherweise konnte der Comes in Krisenzeiten eigenmächtig über die Versorgungsgüter aus den öffentlichen Speichern verfügen.[5]

Truppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Truppenliste des Comes Africae wurde in der Notitia Dignitatum überliefert. Bemerkenswert ist, dass keine Limitaneiverbände namentlich angegeben werden, sondern nur 16 Limesabschnitte und den Rang der befehlshabenden Offiziere (praepositus limites) an denen sie stationiert waren. Dem Comes standen insgesamt 12 Infanterie-, 19 Kavallerie-Einheiten der Comitatenses sowie 16 Einheiten der Limitanei zur Verfügung.[6] An mobilen Truppen werden 31 Regimenter aufgelistet, die wohl zwischen 15.000 bis 22.000 Mann umfasst haben dürften. Diese hohe Anzahl an Reitern dürfte auf die ständige Bedrohung der Grenzen durch berittene Wüstenstämme zurückzuführen sein. Die 22 Infanterieeinheiten verteilten sich auf Garnisonen von Tripolitanien bis Mauretanien und zählten wahrscheinlich rund 10.000 Mann.[7] Die Angaben in der Notitia dignitatum stellen vermutlich eine Momentaufnahme der Truppenstärke des Comes um das Jahr 420 dar. Ob einige der Limitaneiverbände mit den Comitanses unter dem Kommando des Comes identisch sind, kann nicht beantwortet werden, da in der Notitia nur Angaben über ihre Stationierungsorte vorliegen.[7]

Offiziere/Einheiten/Kastelle Bemerkung Abbildung
Infanterie Palasttruppen (palatini)
Celtae iuniores (auxilia)
Armigeri propugnatores seniores (legio)
Schildzeichen der Armigeri propugnatores seniores
Armigeri propugnatores iuniores (legio)
Schildzeichen der Armigeri propugnatores iuniores
Cimbriani (legio) Die Truppe zählte noch zu den comitatenses, als die erste Fassung der westlichen Notitia dignitatum zusammengestellt wurde. Später wurden sie zu einer Palatini-Einheit befördert und in die Gardeverbände der afrikanischen Feldarmee eingegliedert. In der Notitia erscheinen sie somit auch in der Truppenliste des Magister Peditum. Bei über der Hälfte der 12 bekannten Palatinilegionen des Westreiches wurde nach den großen Barbareneinfall von 406 so verfahren.
Schildzeichen der Cimbriani
Infanterie Feldheer (comitatenses)
Secundani Italiciani Die Einheit ging aus der norischen Hauslegion, der Legio II Italica hervor, seit dem zweiten Jahrhundert n. Chr. stationiert in Lauriacum (heute Enns in Oberösterreich). In der ND scheint die Stammtruppe in der Liste des Dux Pannoniae Primae et Norici Ripensis auf. Andere Vexillationen der Legion dürften die Lanciarii Lauriacenses sein, pseudocomitatenses unter dem Comes Illyrici. Die Secundani, sie standen in der Armee des Magister Militum per Illyricum, die Divitenses seniores in der Italienarmee des Magister peditum und die Divitenses Gallicani in der Feldarmee des Magister Militum per Thracias.
Schildzeichen der Secundani Italiciani
Primani Die Truppe ging aus der Legio I Flavia Pacis hervor. Wahrscheinlich wurde um 389 eine Vexillation nach Britannien verlegt. In der ND scheint unter dem Befehl des Dux Britanniarum ein Praefectus numeri Pacensium[8] stationiert in Magis (?) auf. 407–413 kehrte sie wieder auf den Kontinent zurück und als Pacenses in das Lager von Saletio (Seltz im Elsass) verlegt. Sie wurden dort von einem Praefectus militum unter dem Oberbefehl des Dux Mogontiacensis[9] kommandiert. Weiters scheint die Prima Flavia Pacis in der ND als comitatenses in den Listen des magister peditum auf.[10]
Schildzeichen der Prima Flavia Pacis
Secundani Die Einheit ging aus der Legio II Flavia Virtutis hervor und scheint in der Notitia Dignitatum auch in den Listen des magister peditum auf.[11] Möglicherweise ging aus der Legion auch die secunda Flavia hervor, die in der civitas Vangionum (bei Worms) stationiert waren und von einem Praefectus militum, unter dem Oberbefehl des Dux Mogontiacensis,[12] kommandiert wurden. Diese Zuordnung gilt jedoch als unsicher.
Schildzeichen der Secundani
Tertiani Die Einheit ging aus der Legio III Flavia Salutis hervor. Sie scheint in der ND auch in den Listen des magister peditum auf.[13]
Schildzeichen der Tertiani
Constantiniani (Legio II Flavia Constantiniana)
Tertio Augustani (legio) Bei dieser Truppe handelte es sich um den Überrest der Legio III Augusta, eine der alten Stammlegionen in Nordafrika, die ab 30 v. Chr. im Legionslager von Lambaesis stationiert war. In der ND scheint sie noch in den Listen des Magister Peditum Praesentalis und dem Magister Equitum per Gallias auf.[14]
Schildzeichen der Tertio Augustani
Fortenses (legio) Die beiden in der Notitia dignitatum angegebenen Legionseinheiten der Fortenses zählen zu den comitatenses und sind mit unterschiedlichen Schildzeichen versehen. Sie werden in der Truppenliste des Magister Peditum geführt, stehen dort aber noch in Hispanien. Fortenses standen auch in der Armeen des Magister Militum Praesentalis I, Fortenses auxiliarii (pseudocomitatenses) unter dem Magister Militum per Orientem, die Dalmatae Fortenses (cuneus), Dalmatatinische Reiter in der Armee des Dux Daciae ripensis, Fortenses (numerus) beim Comes litoris Saxonici per Britanniam und die Fortenses (ein cuneus Reiter) in der Armee des Dux Valeriae ripensis. Die afrikanischen Fortenses sind vermutlich dieselben wie die Milites Fortenses unter dem Dux provinciae Tripolitanae. Die Männer unter dem Befehl des Praepositus limitis Fortensis unter den Dux et praeses provinciae Mauretania et Caesariensis könnten ebenfalls aus den Fortenses herausgezogen worden sein.
Schildzeichen der Fortenses
Constantiaci (pseudocomitatenses) Nach Ansicht Otto Seecks war diese Einheit eine Vexillation aus der Einheit der Flavia victrix Constantina, die ebenfalls den comitatenses angehörten. Ihre Position in der Liste würde auch besser zu einer comitatensischen Einheit passen als zu Pseudocomitatenses; ihr genauer Status blieb aber bis heute ungeklärt.
Kavallerie
Equites stablesiani Italiciani (vexillation)
Equites scutarii seniores (vexillation)
Equites stablesiani seniores (auch Equites stablesiani Africani/vexillation)
Equites Marcomanni (vexillation)
Equites armigeri seniores (vexillation)
Equites clibanarii (auch Equites sagittarii clibanarii, vexillation)
Equites sagittarii Parthi seniores (vexillation)
Equites cetrati seniores (vexillation)
Equites primo sagittarii (vexillation)
Equites secundo sagittarii (vexillation)
Equites tertio sagittarii (vexillation)
Equites quarto sagittarii (vexillation)
Equites Parthi sagittarii iuniores (auch Equites sagittarii oder Parthi iuniores/vexillation)
Equites cetrati iuniores (vexillation)
Equites promoti iuniores (vexillation)
Equites sagittarii iuniores (vexillation)
Equites Honoriani iuniores (vexillation)
Equites scutarii iuniores scolae secundae (auch Equites secundi scutarii iuniores/vexillation)
Equites armigeri iuniores (vexillation)
Infanterie Grenztruppen (limitanei)
Praepositus limitis Thamallensis
Praepositus limitis Montensis in castris Leptitanis
Praepositus limitis Bazensis
Praepositus limitis Gemellensis
Praepositus limitis Tubuniensis
Praepositus limitis Zabensis
Praepositus limitis Tubusubditani
Praepositus limitis Thamallomensis
Praepositus limitis Balaretensis
Praepositus limitis Columnatensis
Praepositus limitis Tablatensis
Praepositus limitis Caputcellensis
Praepositus limitis Secundaeforum in castris Tillibarensibus
Praepositus limitis Taugensis
Praepositus limitis Bidensis
Praepositus limitis Badensis

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. CNG Coins [1]
  2. A. H. M. Jones, The Later Roman Empire, 284–602, S. 1424. Konrad Staude 2010, S. 149.
  3. Konrad Staude 2010, S. 149, Roger Tomlin 1973, S. 3..
  4. Officium autem habet idem vir spectabilis comes hoc modo
  5. Konrad Staude 2010, S. 133 und 153.
  6. Sub dispositione viri spectabilis comitis rei militaris per Africae
  7. a b Peter Heather: 2011, S. 313, Notitia dignitatum, occ. XXV, Konrad Staude 2010, S. 150.
  8. Notitia Dignitatum Occ. XL.
  9. Notitia Dignitatum Occ. XLI.
  10. Notitia Dignitatum Occ. V.
  11. Notitia Dignitatum Occ. V.
  12. Notitia Dignitatum Occ. XLI.
  13. Notitia Dignitatum Occ. V.
  14. Notitia Dignitatum in partibus Occidentis, V und XXXVI.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Heather: Der Untergang des Römischen Weltreiches. 2. Auflage, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2011, ISBN 978-3-499-62665-4.
  • Arnold Hugh Martin Jones: The Later Roman Empire, 284-602. A Social, Economic and Administrative Survey. Nachdruck: 2 Bde., Johns Hopkins University Press, Baltimore 1986, ISBN 0-8018-3285-3.
  • Konrad Stauner: Der cornicularius in den Büros der comitalen und ducalen Kommandeure in der Notitia dignitatum, Tyche, Verein zur Förderung der Alten Geschichte in Österreich, Beiträge zur Alten Geschichte, Papyrologie und Epigraphik, Band 25, Holzhausen Verlag 2010. PDF
  • Roger S. Tomlin: The Emperor Valentinian I., University of Oxford, 1979.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]