Computerunterstützte Gruppenarbeit

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Als computerunterstützte oder rechnergestützte Gruppenarbeit (eng. Computer Supported Cooperative Work, kurz CSCW), wird ein interdisziplinäres Forschungs- und Anwendungsgebiet aus Informatik, Soziologie, Psychologie, Anthropologie, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftswissenschaften, Medienwissenschaft und verschiedenen weiteren Disziplinen bezeichnet, das sich mit IT-gestützter Gruppenarbeit und Zusammenarbeit befasst.[1]

Das Ziel der computerunterstützten Gruppenarbeit ist es mit Hilfe von Informations- und Kommunikationstechnologien die Flexibilität und Effizienz der Zusammenarbeit von Menschen zu erhöhen. Durch die Vereinfachung der Koordination von Gruppenmitgliedern und geringerem Personal- bzw. Zeitaufwand können Durchlaufzeiten reduziert und Prozesse beschleunigt werden. Folglich bleibt mehr Zeit für produktive Arbeit.

Die Werkzeuge dafür lassen sich grundlegend in zwei Klassifizierungsmöglichkeiten aufteilen. Im ersten Klassifizierungsansatz werden diese nach zeitlicher und räumlicher Verteilung unterschieden. Bei der zweiten Möglichkeit setzen sich die Werkzeuge aus Bereichen des Workgroup-Computings (Fokus liegt auf der Gruppe und der Kooperationsbeziehung) und Workflow-Computings (Fokus liegt auf arbeitsteiligen Prozessen und aufeinanderfolgende Tätigkeiten) zusammen.

Raum-Zeit-Matrix[Bearbeiten]

Die Zeit-Raum-Matrix (CSCW-Matrix nach Johansen) stellt den ersten Klassifizierungsansatz der CSCW-Werkzeuge dar. Sie ist die bekannteste Einteilung und verdeutlicht die unterschiedlichen Herausforderungen, die durch die computergestützte Gruppenarbeit bewältigt werden können. Dies gilt im Hinblick auf Raum und Zeit: Findet die Kooperation an einem Ort statt oder befinden sich die Teilnehmer an verschiedenen Orten bzw. arbeiten die Teilnehmer synchron (zur selben Zeit) oder asynchron (zu unterschiedlichen Zeiten).[2]

Die Raum-Zeit-Matrix

Befinden sich die Gruppenmitglieder zur selben Zeit am gleichen Ort spricht man von einer Face-to-Face Interaktion. Unterstützt werden kann diese Art der Interaktion beispielsweise durch computerunterstützte Sitzungsmoderation, Präsentationssoftware oder einen Beamer.

Es kann durch zeitlich versetzte Arbeit kontinuierlich gearbeitet werden. Hierbei kann ein Gruppentermin-Kalender oder ein Projektmanagementsystem unterstützend wirken.

Arbeitet das Team allerdings zur selben Zeit an verschiedenen Standorten zusammen können Werkzeuge, wie z. B. Instant Messaging und Screen-Sharing verwendet oder eine Telefon-/Videokonferenz aufgesetzt werden.

Befinden sich die Teammitglieder an verschiedenen Standorten und arbeiten zu unterschiedlichen Zeiten werden beispielsweise E-Mail-Systeme, Blogs, Bulletin Boards, Versionsverwaltungen oder Wikis verwendet, um kommunizieren und koordinieren zu können.

Workgroup- und Workflow-Computing[Bearbeiten]

Die zweite Klassifizierungsmöglichkeit stellt die Unterscheidung von Workgroup-Computing und Workflow-Computing dar. Die nachfolgende Tabelle zeigt ein Überblick über die Charakteristika und Unterschiede der beiden Einsatzkonzepte.[3]

Workgroup-Computing Workflow-Computing
Koordinationsmodell Lösung eines gemeinsamen Problems Aufteilung und Lösung von Teilproblemen
Anzahl der Beteiligten Niedrig Hoch
Räumliche Verteilung der Beteiligten An einem Ort/an verschiedenen Orten An einem Ort/an verschiedenen Orten
Zeitliche Verteilung Zur gleichen Zeit/zu unterschiedlichen Zeiten Bisher: zu unterschiedlichen Zeiten
Strukturierungsgrad der Aufgaben Mittel/gering Bisher: hoch
Wiederholungsfrequenz Mittel/gering Bisher: hoch
Bedeutung organisatorischer Regeln Niedrig Hoch
Organisatorischer Bezug Gruppe Organisationsweite Prozesse
Einbindung in Gesamtorganisation Bisher: gering Ja
Anbindung an betriebliche Informationsverarbeitung Bisher: nein Zum Teil
Primäres Ziel Bisher: Flexibilität Bisher: Effizienz
Aktive Steuerung und Verfolgung des Arbeitsfortschritts Bisher: nein Ja

Bei diesem Klassifizierungsansatz muss allerdings beachtet werden, dass trotz der theoretischen Trennung in Workgroup- und Workflow-Computing beide Konzepte sehr eng verknüpft sind.

Workgroup-Computing[Bearbeiten]

Unter Workgroup-Computing versteht man die Unterstützung von Team- bzw. Gruppenarbeit, die ein hohes Maß an Kooperation erfordert. Die Kommunikation, Koordination und das gemeinsame Bearbeiten von Herausforderungen für die Erfüllung einer Aufgabe stehen dabei im Vordergrund. Die Gruppenmitglieder können dabei geographisch und zeitlich unabhängig voneinander arbeiten. Um dies zu ermöglichen werden spezielle Werkzeuge benötigt. Diese Werkzeuge werden im Allgemeinen als Groupware bezeichnet. Für internetbasierte Groupware wird auch häufig der Begriff Social Software verwendet.

Groupware umschreibt die Kombination verschiedener Software, die die computergestützte Gruppenarbeit ermöglichen. Dabei liegt nicht die Arbeitsteilung, sondern die gemeinsame Leistungserstellung im Fokus. So können zum Beispiel mehrere Personen gleichzeitig ein gemeinsames Dokument erstellen. Die Software übernimmt hierbei die Koordination der Gruppenmitglieder.[4]

Das Workgroup-Computing unterstützt drei grundlegende Bereiche: Computerunterstützte Sitzungen, Telekooperation und das Information Sharing.

Computerunterstützte Sitzungen[Bearbeiten]

Ziel der computerunterstützten Sitzungen ist es die Effizienz von Sitzungen zu erhöhen. Es wird das Potential der Zusammenarbeit besser ausgeschöpft und somit eine höhere Produktivität erreicht. Erreicht wird dies durch verschiedene Möglichkeiten, die die virtuelle Arbeit mit sich bringt. Zum Beispiel können Beiträge zu einer gemeinschaftlichen Lösung anonymisiert werden. Eine solche Anonymität führt in hierarchischen Organisationen in der Regel zu einer erhöhten Offenheit.

Außerdem kann durch den Einsatz von computerunterstützten Sitzungen parallel gearbeitet werden, was die Produktivität einer großen Gruppe deutlich erhöht. Es können also deutliche Zeitverkürzungen gegenüber herkömmlichen Sitzungen erreicht werden, zudem werden größere Gruppen ermöglicht, da alle Mitglieder gleichzeitig an einem Dokument arbeiten können. Gleichzeitig werden eine höhere Partizipation und demokratischere Entscheidungsprozesse erzielt.[5]

Telekooperation[Bearbeiten]

Unter dem Begriff Telekooperation wird das Unterstützen der Zusammenarbeit von Personen, unabhängig von deren Standort, verstanden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Zusammenarbeit synchron oder asynchron abläuft. Die standortunabhängige Kooperation kann beispielsweise durch E-Mail-Dienste, Telefon- und Videokonferenzen oder Virtuelle Communities ermöglicht werden.[6]

Information Sharing[Bearbeiten]

Ein weiterer wichtiger Baustein des Workgroup-Computings ist das Information Sharing. Es bietet die Möglichkeit Informationen und Daten austauschen und teilen zu können. Die beteiligten Gruppenmitglieder greifen dabei auf eine gemeinschaftlich nutzbare Umgebung zu. Es ist hierbei nicht nur möglich Informationen auszutauschen, sondern diese auch gemeinschaftlich zu erstellen bzw. bearbeiten. Bekannte Beispiele aus dem Alltag sind Google Drive, Dropbox oder private Wikis.[7]

Workflow-Computing[Bearbeiten]

Workflow-Computing stellt den Arbeitsfluss als solchen in den Mittelpunkt der computerunterstützten Gruppenarbeit. Das Konzept beschreibt die Koordination arbeitsteiliger Aktivitäten und den dynamischen Ablauf von Prozessen. Hier liegt der Schwerpunkt folglich nicht bei der Lösung einer gemeinsamen Aufgabe, sondern vielmehr bei der Koordination der aufeinanderfolgenden Teilaufgaben. Also erfolgt die technische Unterstützung nicht bei der Interaktion einer Gruppe, sondern bei Arbeitsprozessen und dem damit verknüpften Informationsfluss. Dadurch werden Durchlaufzeiten von digitalen Gütern oder allgemeinen Vorgängen verringert. Durch Workflow-Computing kann der Arbeitsfortschritt automatisiert und vor allem auch gesteuert werden. Deshalb gestaltet sich die Abwicklung von Prozessen schneller, zuverlässiger und medienbruchfrei.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bächle, M.; Kolb, A. (2010): Einführung in die Wirtschaftsinformatik; Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München
  • Gabriel, R.; Knittel, F.; Taday, H.; Reif-Mosel, A. (1994): Computerunterstützte Informations- und Kommunikationssysteme in der Unternehmung; Physica-Verlag, Heidelberg
  • Hasenkamp, U.; Syring, M. (1994): CSCW (Computer Supported Cooperative Work) in Organisationen – Grundlagen und Probleme
  • Häckelmann, H.; Petzold, H. J.; Strahringer, S. (2000): Kommunikationssysteme – Technik und Anwendungen; Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York
  • Schwarzer, B.; Krcmar, H. (2010): Wirtschaftsinformatik; Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clarence A. Ellis (1991): Groupware: some issues and experiences. New York.
  2. Heiko Häckelmann, Hans Joachim Petzold, Susanne Strahringer (2000): Kommunikationssysteme – Technik und Anwendungen; S. 485f; Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York.
  3. Ulrich Hasenkamp, Michael Syring (1994): CSCW (Computer Supported Cooperative Work) in Organisationen – Grundlagen und Probleme; S. 13
  4. Michael Bächle, Arthur Kolb (2010): Einführung in die Wirtschaftsinformatik; S. 30; Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München.
  5. Bettina Schwarzer, Helmut Krcmar (2010): Wirtschaftsinformatik; S. 242-245; Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart.
  6. Bettina Schwarzer, Helmut Krcmar (2010): Wirtschaftsinformatik; S. 250f; Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart.
  7. Bettina Schwarzer, Helmut Krcmar (2010): Wirtschaftsinformatik; S. 246f; Schäffer-Poeschel Verlag, Stuttgart.
  8. Roland Gabriel, Friedrich Knittel, Holger Taday, Ane-Kristin Reif-Mosel (1994): Computerunterstützte Informations- und Kommunikationssysteme in der Unternehmung; S.139-141; Physica-Verlag, Heidelberg.