Conrad Ansorge

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Photographie von Ansorge in Spemanns Goldenem Buch der Musik, 1904
Lovis Corinth: Porträt des Pianisten Conrad Ansorge (1903), Öl auf Leinwand, 141 × 125 cm, München, Städtische Galerie im Lenbachhaus.
Max Slevogt: Conrad Ansorge am Klavier (1912), Öl auf Leinwand, 60,5 × 81 cm, in Privatbesitz.
Wohnhaus Conrad Ansorges in der Nussbaumallee 27 in Berlin-Westend.
Grab Conrad Ansorges auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend, Trakehner Allee 1, (Gräberfeld: 19-G-21/22/23).

Conrad (auch: Konrad) Ansorge (* 15. Oktober 1862 in Buchwald bei Liebau, Landkreis Landeshut i. Schles.; † 13. Februar 1930 in Berlin) war ein deutscher Pianist, Komponist und Musikpädagoge.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansorge studierte 1880 bis 1882 am Leipziger Konservatorium, lebte von 1883 bis 1885 in Weimar und war dort 1885 Schüler von Franz Liszt. Anschließend unternahm er zahlreiche Konzertreisen durch ganz Europa und in Amerika. Ansorge ließ sich 1893 in Weimar nieder und lebte dann ab 1895 in Berlin. Von 1898 bis 1904 und erneut von 1916 bis zu seinem Lebensende war er Lehrer am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium. Seit 1920 war er Leiter der Meisterklasse für Klavier an der Deutschen Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Prag. 1918 erhielt er die Ernennung zum königlichen Professor.

Ansorge schrieb zahlreiche Orchester- und Kammermusikwerke, Sonaten, Klavierstücke und Lieder sowie Bearbeitungen, die heute bis auf wenige Ausnahmen vergessen sind. Als Pianist zeichnete er sich besonders durch seine tiefgründigen Interpretationen der Werke Beethovens, Schuberts, Schumanns und Liszts aus, wobei die Technik völlig im Dienste der musikalischen Darstellung stand.

Zu Conrad Ansorges Schülern gehörten u. a. Alice Herz-Sommer, Selim Palmgren, James Simon, Wilhelm Furtwängler, Eduard Erdmann, Mina Tobler, Rudolf Müller-Chappuis, Eta Harich-Schneider und Herwarth Walden.

Ansorge war seit 1891 mit der Pianistin Margarete Wegelin (1872–1944) verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Joachim Ansorge (1893–1947) war ebenfalls Pianist und Lehrer am Institut für Schul- und Kirchenmusik in Königsberg (Preußen), von 1939 bis 1945 Professor für Klavier an der Hochschule für Musik in Berlin. Ihr zweiter Sohn Arnulf Ansorge († 1955) war ebenfalls Professor; er war mit der Malerin Dorothea geb. Lippisch verheiratet. Der Schauspieler und Synchronsprecher Joachim Ansorge (1939–1980) war ein Enkel von Conrad Ansorge.

Conrad Ansorges Grab befindet sich auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend, es war bis 2013 ein Ehrengrab der Stadt Berlin. In der Nußbaumallee 27, Berlin-Westend, dem Wohnsitz Ansorges, konnte eine geplante Gedenktafel nicht angebracht werden, weil der jetzige Eigentümer seine Einwilligung verweigerte.

Werke (Auswahl) [1][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke mit Opuszahlen
  • op. 1 Sonate für Klavier Nr. 1 f-Moll.
  • op. 2 Waldeslieder von Oskar v. Redwitz.
  • op. 3 Traumbilder (Dream Pictures) für Pianoforte.
  • op. 4 Ballade für Pianoforte d-Moll.
  • op. 5 Symphonie „Orpheus“.
  • op. 6 Valse – Impromptu für Clavier.
  • op. 7 Zwei Lieder.
  • op. 8 Traumbilder (Neue Folge) für Clavier.
  • op. 9 Streichsextett.
  • op. 10 Acht Lieder für eine Singstimme und Clavier.
  • op. 11 Sieben Gesänge für eine Singstimme und Clavier.
  • op. 12 Vigilien – Stanislaus Przybyzewski (am 13. Juni 1897 fertiggestellt).
  • op. 13 Quartett As-Dur, „Vigilien nach Stanislaus Przybyzewski“.
  • op. 14 Fünf Gesänge nach Dichtungen von Stefan George.
  • op. 15 Fünf Lieder.
  • op. 16 Weidenwald, für eine Singstimme und Klavier, Umdichtung von Stefan George nach Dante Gabriel Rossetti
  • op. 17 Fünf Lieder nach Dichtungen von Richard Dehmel.
  • op. 18 Erntelieder – Franz Evers.
  • op. 19 „Urworte“ und andere Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe.
  • op. 20 Zweites Streichquartett A-Dur.
  • op. 21 Sonate für Klavier Nr. 2 e-Moll.
  • op. 22 Lieder und Gesänge für eine Singstimmen mit Begleitung des Pianoforte.
  • op. 23 Sonate Nr. 3 A-Dur für Pianoforte A-Dur.
  • op. 24 Sonate für Violoncell und Pianoforte.
  • op. 25 „Aussöhnung“, Requiem für Männerchor, Tenorsolo und Orchester.
  • op. 26 Lieder für Singstimme und Klavier.
  • op. 27 Traumbilder für Pianoforte.
  • op. 28 Klavierkonzert F-Dur.
  • op. 29 Lieder.
  • op. 30 Lieder.
Werke ohne Opuszahlen
  • Zwei Gesänge für eine Singstimme mit Clavierbegleitung. Licht & Meyer, Leipzig 1885.
  • Romanze es-Moll für Klavier (1887 ?).
  • Vier Gesänge für eine Singstimme mit Clavier (vor 1906).
  • „Der Zug des Todes“. Symphonische Dichtung für großes Orchester (vor 1895, noch ungedruckt).
  • „So ich traurig bin...“ Gesang mit Klavier (1896).
  • Klavierstück über Richard Dehmel: „Am Ufer“ (1899).
  • Kinderlieder (1902).
  • Skizzen zu „Eros“ (Philipp Witkop) „Eine Gesangsszene“ (1910).
  • „Sie wandeln durch des Gartens Grün“ (Mombert) (1910).
  • Skizzen zu „Empedokles“, Gesang und Orchester (1927).
Bearbeitungen und Editionen
  • Polnische Tänze für Klavier zu 2 Händen, frei bearb. von Conrad Ansorge
  • Toccata, Adagio und Fuge von Johann Sebastian Bach. Für Klavier übertragen von Conrad Ansorge.
  • Im Ullstein-Verlag gab Ansorge von 1923 bis 1927 in der Reihe der Tonmeister-Ausgaben die wichtigsten Klavierwerke Franz Schuberts heraus.

Tonaufzeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

IN BEARBEITUNG

Aufnahmen auf Notenrollen für Reproduktions-und Kunstspielklaviere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Da die Angaben an Rollenetiketten oft unvollständig bzw. fehlerhaft sind, werden Namen und die Titel der Musikstücke in der heute üblichen Form angegeben. Die Angaben des Aufnahmejahres muss nicht immer mit dem Erscheinungsjahr identisch sein).

Welte (Welte-Mignon) [2]
  • Conrad Ansorge: Ballade für Klavier d-Moll op. 4 (Rolle Nr. 286, Aufnahme: 1905).
  • Conrad Ansorge: Traumbilder op. 8 (Rolle Nr. 289, Aufnahme: 1905).
  • Johann Sebastian Bach/Conrad Ansorge: Toccata C-Dur (Rolle Nr. 288, Aufnahme: 1905).
  • Ludwig van Beethoven: Sonate für Klavier Nr. 30 E-Dur op. 109. 3. Satz: Andante (Rolle Nr. 290, Aufnahme: 1905).
  • Franz Schubert/Franz Liszt: Frühlingsglaube. Aus: 12 Lieder von Schubert, R 243, S. 558. Transkription von Franz Schubert: Frühlingsglaube D 686, (Rolle Nr. 291, Aufnahme: 1905).
  • Franz Schubert/Franz Liszt: Du bist die Ruh. Aus: 12 Lieder von Schubert, R 243, S. 558. Transkription von Franz Schubert: Du bist die Ruh D 776, (Rolle Nr. 292, Aufnahme: 1905, 1909).
  • Franz Schubert: Impromptus op. 90/D 899. Nr. 1 c-Moll. (Rolle Nr. 287, Aufnahme: 1905).
Hupfeld (Phonola) [3]
  • Conrad Ansorge: Sonate op. 1, Adagio. (Rolle Nr. 55694, 12626).
  • Conrad Ansorge: Traumbilder op. 8 Nr. 2, Nr. 4. (Rolle Nr. 52339, 12627).
  • Ludwig van Beethoven: Sonate für Klavier c-Moll op. 13 „Pathétique“. (Rolle Nr. 50023, 12628).
  • Ludwig van Beethoven: Sonate für Klavier e-Moll op. 90. (Rolle Mr. 52355, 12629).
  • C. Bürgel Arietta op. 25. (Rolle Nr. 58095, 12631).
  • Frédéric Chopin: Nocturne cis-Moll op. 27 Nr. 1. (Rolle 52709, 12632).
  • Frédéric Chopin: Sonate b-Moll op. 35, 1. Satz. (Rolle 55794, 12633).
  • Franz Liszt: Ungarische Rhapsodie Nr. 14. R. 106, S. 244. (Rolle 53799, 12635).
  • Franz Liszt: Liebesträume – 3 Notturnos, Nr. 1 Hohe Liebe. R. 211, S. 541. (Rolle 53793, 12634).
  • Franz Schubert/Franz Liszt: Frühlingsglaube. Aus: 12 Lieder von Schubert, R 243, S. 558. Transkription von Franz Schubert: Frühlingsglaube D 686. (Rolle Nr. 53992, 12640).
  • Felix Mendelssohn Bartholdy: Lied ohne Worte F-Dur op. 53 Nr. 4. (Rolle 50618, 12636)

WIRD FORTGESETZT

Philipps (Duca) [4]

Aufnahmen auf Schallplatten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Parlophone (Odeon, Decca)
Vox

Übertragungen auf CD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Walter Niemann: Meister des Klaviers. Die Pianisten der Gegenwart und der letzten Vergangenheit. 1.–8. Auflage. Schuster & Löffler, Berlin 1919.
  • Conrad Ansorge — Mein Meister. In: Rudolf Müller-Chappuis: Aufsätze, Erinnerungen, Tagebuchblätter. Selbstverlag, Mannheim 1967. S. 49.
  • Hochschule der Künste Berlin, Wolfgang Rathert, Dietmar Schenk (Hrsg.): Pianisten in Berlin. Klavierspiel und Klavierausbildung seit dem 19. Jahrhundert (= HdK-Archiv, Bd. 3). Hochschule der Künste Berlin, Presse- und Informationsstelle, Berlin 1999, ISBN 3-89462-068-4.
  • Elke Rathgeber, Christian Heitler, Manuela Schwartz (Hrsg.): Conrad Ansorge 1862–1930. Ein Pianist des Fin de siècle in Berlin und Wien (= Wiener Veröffentlichungen zur Musikgeschichte hrsg. von Markus Grassl und Reinhard Kapp, Bd. 12). Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2017, ISBN 978-3-205-20307-0.
  • Philipp Heitmann: Intertextualität als Weltanschauung und Ästhetik des Epigonalen : das Instrumentalwerk Conrad Ansorges(= Diskordanzen, Bd. 16). Georg Olms Verlag, Hildesheim, New York 215, ISBN 978-3-478-15255-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Conrad Ansorge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christian Heitler: Werkverzeichnis (mit Aufführungsdaten). In: Elke Rathgeber, Christian Heitler, Manuela Schwartz (Hrsg.): Conrad Ansorge 1862–1930. Ein Pianist des Fin de siècle in Berlin und Wien (= Wiener Veröffentlichungen zur Musikgeschichte hrsg. von Markus Grassl und Reinhard Kapp, Bd. 12). Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2017, ISBN 978-3-205-20307-0. S. 655–678.
  2. Angaben nach Gerhard Dangel, Hans-W. Schmitz: Welte-Mignon Klavierrollen / Welte-Mignon Piano Rolls. Gesamtkatalog der europäischen Aufnahmen 1904–1932 für das Welte-Mignon Reproduktionspiano / Complete Library of the European Recordings 1904–1932 for the Welte-Mignon Reproducing Piano. Eigenverlag der Autoren, Stuttgart 2006, ISBN 3-00-017110-X.
  3. Angaben nach Animatic 1921 : Hauptkatalog. Ludwig Hupfeld, Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig 1921.
  4. sammlungen.uni-frankfurt.de
    Hans-Wilhelm Schmitz: Der Philipps-Aufnahmeflügel und die Duca-Aufnahmen. In: Das mechanische Musikinstrument. 12. Jg. 1986, Nr. 40, Seite 16-22.