Daimonion

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Das Daimonion (auch Dämonion) bezeichnet in der griechischen Antike einen persönlichen Schutzgeist, der Teil des Ichs ist und über das Schicksal wacht. Vereinzelt wird die Auffassung vertreten, das Daimonion könne den Menschen von seiner Schicksalsbestimmung befreien.

Das Daimonion wurde von Sokrates als eine innere Stimme von göttlichem Ursprung erklärt. Diese innere Stimme warnte ihn in entscheidenden Augenblicken und hielt ihn von der Ausführung einer unrechten Absicht ab. Nach Platon[1] und Xenophon[2] warnte das Daimonion peri - tôn adêlôn, hopôs an apobêsoito. Er verstand es als eine Gegeninstanz zum Logos, die das erkennt, was der Vernunft verborgen bleibt, und vom Falschen abrät, jedoch zu nichts zurät. Sein Daimonion schätzte Sokrates so hoch ein, dass er ihm auch gegen seine rationale Einsicht gehorchte. Da er es auch über die Götter stellte, wurde ihm vorgeworfen, es als einen neuen Gott einführen zu wollen.

Ausführlich wird das sokratische Daimonion von Plutarch in der Schrift Über das Daimonion des Sokrates (griechisch Perí tu Sokrátus daimoníu, lateinisch De genio Socratis) beschrieben. Weitere Hinweise finden sich bei Seneca, Marc Aurel, Apuleius und in den Schriften der Neuplatoniker.

Die politische Philosophin Hannah Arendt bezieht sich auf die innere Stimme bei Sokrates.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Pierre Destrée: The Daimonion and the Philosophical Mission, in: Apeiron Bd. 38.2, 2005.
  • Mark Joyal: To Daimonion and the Socratic Problem, in: Apeiron Bd. 38.2, 2005.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Platon, Apologie 31d, 41d.
  2. Xenophon, Memorabilia 1,1,6.