Danziger Goldwasser

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Flasche Original polnisches Goldwasser

Das Danziger Goldwasser ist ein Gewürzlikör, der von der Likörfabrik Der Lachs zu Danzig hergestellt wurde, seine Geschichte lässt sich bis in das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Der niederländische Einwanderer Ambrosius Vermöllen hatte 1598 die Fabrik gegründet und den Likör unter dem Namen Der Lachs vertrieben. Die Herstellung wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Danzig aufgegeben, jedoch gelangte das Rezept an die Hardenberg-Wilthen AG in Nörten-Hardenberg, die das Goldwasser nach altem Rezept neu herausbrachte und es europaweit vertreibt. Der klare und würzig-süße Likör, in dem kleine Blattgoldflocken schwimmen, hat einen Alkoholgehalt von 40 % Vol.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der technischen Weiterentwicklung der Destillation nahm im 17. Jahrhundert die Produktion von Alkoholika auf Basis von Kräutern und Gewürzen zu. Gelegentlich wurden diesen Alkoholika auch Gold- und Silberblättchen zugegeben – möglicherweise um (entsprechend den Ansichten der damals sehr verbreiteten alchemistischen Medizin) die Heilwirkung der Kräuterextrakte zu verstärken, vielleicht aber auch, um Reichtum zu demonstrieren. Gold als Arzneizutat findet sich in dem vom Mittelalter bis in die Neuzeit angebotenen aurum potabile (trinkbares Gold, Goldtinktur, Güldenwasser), welches aus in Essig, Pflanzenöl oder (alkoholisches) aqua vitae eingelegten, dünn gehämmerten Goldplättchen bestand[1] und als Lebenselixier galt. Im Mittelalter gab es jedoch auch schon das Elixier aqua auri (Goldwasser) als (gemäß Kopp)[2] ursprünglich goldfarbiges oder goldwertiges und später erst goldhaltiges Arzneimittel.

Eine weitere Theorie über die Entstehung von Goldwasser geht auf die Technik des Vergoldens zurück, für die vor allem spezialisierte Kunsthandwerker in Danzig berühmt gewesen sein sollen. Im Grundsatz erfolgt das Vergolden von Möbeln, Spiegel- oder Bilderrahmen durch das Auftragen hauchdünn ausgewalzter Goldfolien. Das geschieht mit Hilfe von verschieden breiten, den Flächen angepassten Pinseln unterschiedlicher Härte. Der Vergolder muss die extrem dünne Goldfolie aufnehmen und auf das Holz auftragen – dazu taucht er den Pinsel in Alkohol, streicht erst eine Stelle im Holz damit ein und taucht danach den Pinsel erneut in den Alkohol: So kann er durch die Adhäsion die Folie problemlos am Pinsel kleben lassen und auftragen. Auf dem Holz drückt der Vergolder die Folie fest. Der Alkohol hat dafür gesorgt, dass das Holz für die kurze verbleibende Arbeitszeit adhäsiv wirkt, diffundiert aber danach durch die restlichen Holzporen aus, lässt das Möbelstück oder den Rahmen also nicht unter dem Gold „schwitzen“. Der verwendete Alkohol wird nach einiger Zeit erneuert, weil er mit feinstem Holzstaub und Schmutz verunreinigt ist und damit eine glatte Goldoberfläche verhindern kann. Weil die Vergolder beim Wiedereintauchen der Pinsel immer wieder Stückchen Gold vom Pinsel im Alkohol zurückließen, entstand die glitzernde Flüssigkeit, die nur noch auf Trinkstärke verdünnt und mit Gewürzzugaben schmackhaft gemacht worden sein soll.

Hauptbestandteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf die oben dargestellte Historie ist das Danziger Goldwasser zurückzuführen, das u. a. Destillate von Kardamom, Koriander, Zitronen- und Pomeranzenschalen, Wacholderbeeren, Kümmel, Lavendel, Zimt, Selleriesamen und Macis enthält.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Danziger Goldwasser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Friedrich Dobler: Conrad Gessner als Pharmazeut. Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation, Zürich 1955, S. 50 und 61.
  2. Hermann Kopp: Geschichte der Chemie. 4 Bände, Braunschweig 1843–1847; Neudruck Hildesheim 1966, Band 1, S. 66.