Dargol

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Dieser Artikel befasst sich mit der Gemeinde Dargol, zum gleichnamigen Fluss siehe Dargol (Fluss).
Landgemeinde Dargol
Landgemeinde Dargol (Niger)
Landgemeinde Dargol
Landgemeinde Dargol
Koordinaten 13° 54′ N, 1° 11′ O13.9038888888891.1827777777778Koordinaten: 13° 54′ N, 1° 11′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Tillabéri
Departement Gothèye
Höhe 261 m
Fläche 4080 km²
Einwohner 116.843 (2010)
Dichte 28,6 Ew./km²

Dargol (auch: Darghol) ist eine Landgemeinde im Departement Gothèye in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Dargol liegt in der südlichen Sahelzone am Fluss Niger und grenzt im Südosten an den Nachbarstaat Burkina Faso. Die Nachbargemeinden in Niger sind Kokorou im Nordwesten, Sinder im Norden, Gothèye im Nordosten, Torodi im Südosten sowie Diagourou und Téra im Westen. Das Gemeindegebiet ist in 42 administrative Dörfer, 15 traditionelle Dörfer und 116 Weiler gegliedert.[1] Der Hauptort der Landgemeinde ist das administrative Dorf Dargol.[2]

Dargol ist von einer Steppenlandschaft geprägt. Hier gedeihen Akazien, Wüstendatteln und Grasarten wie Andropogon gayanus und Cenchrus biflorus.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Untergang des Songhaireichs 1591 gehörte Dargol, zunächst unter dem Namen Sonhey, zu jenen Orten im heutigen Niger, an denen sich Songhai-Flüchtlinge unter einem Nachkommen der ehemaligen Herrscherdynastie Askiya niederließen. Dies galt auch für die Orte Bangoutara, Garbougna, Guériel und Kossogo, die heute als administrative Dörfer zum Gemeindegebiet von Dargol zählen.[4] Im 19. Jahrhundert hielten die Songhai-Herrscher von Dargol ihre Bündnisse mit anderen Songhai-Gebieten aufrecht und versuchten sich zugleich mit den feindlichen Fulbe und Tuareg zu arrangieren.[5] Der deutsche Afrikaforscher Heinrich Barth beschrieb in den 1850er Jahren, ohne die Lage des Orts bestimmen zu können, die Einwohner als „sehr kriegerisch, bewaffnet mit Schild, Schwert und Speer“[6]. Von Dargol zu Hilfe gerufen, zerstörte der Zarma-Herrscher Issa Korombé aus Karma den Ort Lamordé und nahm Kollo ein.[7] Der Herrscher Oumarou Bani, der 1891 in Dargol an die Macht kam, schloss ein Bündnis mit den Tuareg, während er unter der Hand weiterhin andere von Tuareg unterdrückte Songhai-Gebiete unterstützte. Bei der Ankunft der Franzosen gab sich Oumarou Bani entsprechend seinem Bündnis mit den Tuareg als Unterstützer des Widerstands, während eine Abordnung aus Dargol unter Gueydou Ouankoy die Franzosen begrüßte.[5]

1899 gelangte Dargol als Teil des neu geschaffenen Kreises Sinder unter französische Militärverwaltung. 1905 wurde der Ort in das neue Militärterritorium Niger eingegliedert.[8] Die französische Kolonialverwaltung richtete in Dargol einen Kanton ein, der 1956 dem Autonomen Kreis Téra, dem späteren Departement Téra, angeschlossen wurde.[9] Im Zuge einer landesweiten Verwaltungsreform im Jahr 2002 wurde der Kanton Dargol in die Landgemeinde Dargol umgewandelt. Bei der Hungerkrise in Niger 2005 gehörte die Landgemeinde zu den am stärksten betroffenen Orten. Hier hatte die Bevölkerung weniger als eine Mahlzeit am Tag zur Verfügung.[10] Bei Überschwemmungen im Jahr 2008 erlitten 147 Personen materiellen Schaden. 17 Häuser wurden völlig zerstört.[11] Bei der Flutkatastrophe in West- und Zentralafrika 2010 wurden 1225 Einwohner von Dargol als Katastrophenopfer eingestuft.[12] Seit 2011 gehört Dargol nicht mehr zum Departement Téra, sondern zum neugegründeten Departement Gothèye.[13]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2001 hatte Dargol 88.329 Einwohner. Für das Jahr 2010 wurden 116.843 Einwohner berechnet.[14] Die Bevölkerung setzt sich aus Songhai, Tuareg, Fulbe und Wogo zusammen.[3]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die wirtschaftlichen Eckpfeiler der Gemeinde sind der Ackerbau und der grenzüberschreitende Handel mit Burkina Faso. In Dargol gibt es acht Wochenmärkte. Für den Eigenbedarf werden Hirse und Sorghum angebaut. Der Anbau von Augenbohnen, Erderbsen, Erdnüssen, Okra und Sesam dient vor allem Handelszwecken. Besonders in Flussnähe wird Bewässerungsfeldwirtschaft für Reis betrieben. Im Gemeindegebiet sind außerdem mehrere Bodenschätze vorhanden, darunter Gold.[3] Dargol liegt an der Nationalstraße 4, die den Ort mit den Nachbargemeinden Gothèye und Téra verbindet.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 22. Januar 2011.
  2. Republik Niger: Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux (Online-Version; PDF; 108 kB).
  3. a b c Présentation de la commune de Dargol. Website der ANIYA Coopération Décentralisée Niger-France, veröffentlicht im Januar 2007, abgerufen am 27. Januar 2012.
  4. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 74.
  5. a b Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 76.
  6.  Heinrich Barth: Reisen und Entdeckungen in Nord- und Central-Afrika. Fünfter Band, Justus Perthes, Gotha 1858, S. 733.
  7. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 95.
  8. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 234–235.
  9. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 238.
  10. OCHA: Niger Food Crisis 2005: Humanitarian Situation Report No. 1 (Online-Version), veröffentlicht am 26. Juli 2005, abgerufen am 16. Januar 2012.
  11. Situation des dégâts causés par les inondations (2008). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 18. November 2008, abgerufen am 31. März 2012.
  12. Situation des besoins des populations victimes d’inondations (2010). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 23. September 2010, abgerufen am 31. März 2012.
  13.  Une nouvelle loi sur le redécoupage administratif. In: L’Arbre à Palabres. Nr. 13, 11. August 2011, S. 2 (PDF-Datei, abgerufen am 28. Januar 2014).
  14. Institut Nationale de la Statistique du Niger (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendance du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF; 3,1 MB), S. 56.