Das Glas Wasser

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Dieser Artikel behandelt das Drama. Siehe auch: Das Glas Wasser (1960) und Ein Glas Wasser, Filme.

Das Glas Wasser (vollständiger Titel: Das Glas Wasser, oder: Ursachen und Wirkungen, Titel des frz. Originals: Le verre d’eau ou Les effets et les causes) ist ein Lustspiel in fünf Akten des französischen Schriftstellers Eugène Scribe.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stück spielt am Hofe der letzten Stuart-Königin Anne von Großbritannien. Es ist das 18. Jahrhundert zur Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges – Anna jedoch ist keine starke Herrscherin, sondern steht unter dem Einfluss der Herzogin von Marlborough. Die Königin ist um Frieden bemüht, die Herzogin dagegen verspricht sich Gewinn vom Krieg, da ihr Ehemann Oberbefehlshaber der britischen Armee ist.

Der größte Feind der Herzogin ist Lord Bolingbroke, der den Frieden möchte, um die Familie Marlborough auszuschalten und Premierminister von England zu werden. Um das zu erreichen, bedient sich der Lord eines jungen Offiziers der königlichen Garde, in den sowohl Königin Anna als auch die Herzogin verliebt ist, und nutzt so die Gefühle der Damen für seine Hofintrige.

Als Feinde gegenüber stehen sich somit eine Figur (Lord Marlborough), die mit undurchschaubarer Willkür die englischen Regierungsgeschäfte führt und einen unnötigen und teuren Krieg gegen Louis XIV zu verantworten hat, und eine Hauptfigur (Lord Bolingbroke), die nach der Maxime handelt: „Die unbedeutendsten Dinge können oft die größte Wirkung haben. Sie glauben vielleicht, wie alle Welt, daß die politischen Katastrophen, die Revolutionen, der Fall eines Reiches, von ernsten, tiefen, wichtigen Ursachen herrühren. Weit gefehlt! Die Staaten werden durch Helden, durch große Männer unterjocht oder vertheidigt, aber jene großen Männer werden durch kleine Leidenschaften, Capricen, Eitelkeiten geleitet.“ (I. Akt, 4. Szene).[1]

Scribes Das Glas Wasser ist ein Musterbeispiel einer Pièce bien faite, in der alle Handlungsmotive so ineinander verzahnt sind, dass die Handlung an jeder Stelle von einer geradezu positivistischen Folgerichtigkeit geprägt ist. Die politischen und historischen Abläufe, die das Thema der Komödie bilden, wirken vollkommen logisch und folgerichtig. Zudem verweist der Untertitel des Stücks, “Ursachen und Wirkungen”, deutlich auf ein solches für das mittlere 19. Jahrhundert typisches Geschichtsverständnis und Fortschrittsdenken.

Aufführungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Uraufführung fand am 17. November 1840 in Paris im Théâtre-Français statt. Das Stück wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt (ins Deutsche bereits 1841 durch Alexander Cosmar) und wird auch heute noch oft aufgeführt.

Hörspielfassungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ORF produzierte im Jahr 1951 eine Hörspielfassung mit Mitgliedern des Wiener Burgtheaters (Ursendung am 21. September 1951). Raoul Aslan sprach Lord Bolingbroke, Maria Eis die Herzogin und Alma Seidler Königin Anna. Darüber hinaus hörte man Eva Gold als Abigail und Erich Auer als Arthur Masham.

Zwischen 1926 und 1959 entstanden in Deutschland, einschließlich des Saarlandes mindestens 11 Hörspielfassungen, darunter einige so genannte Sendespiele aus der Zeit der Weimarer Republik, die seinerzeit noch „Live ohne Aufzeichnung“ ausgestrahlt wurden.

Übersicht:

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1960 verfilmte Helmut Käutner den Stoff. Liselotte Pulver ist als Königin Anna zu sehen, Hilde Krahl als Herzogin und Gustaf Gründgens als Lord Bolingbroke. Horst Janson spielt den jungen Offizier Arthur, der als Herzensbrecher zwischen die Fronten von Gefühl und Politik gerät. Er und Sabine Sinjen als Hofdame geben das Buffopaar. Sinjens populär gewordenes Chanson von Bernhard Eichhorn ist: Es muss an Arthur selber liegen, / dass alle Frauen auf ihn fliegen

Ein Glas Wasser ist eine deutsche Verfilmung aus dem Jahre 1923 von Ludwig Berger.

Fernsehfassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus dem Jahr 1977 stammt eine Fernsehfassung des ZDF: O. W. Fischer ist in der Rolle des Lord Bolingbroke zu sehen, Maria Becker als Herzogin und Susanne Uhlen als Königin Anna. Außerdem spielen Sylvia Manas als Abigail, Oliver Tobias als Masham und Romuald Pekny als Marquis de Torcy. Regie führt Wolfgang Glück.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Übersetzung von Alexander Cosmar, ca. 1840. Zit. nach Andreas Münzmay: Musikdramaturgie und Kulturtransfer. Eine gattungsübergreifende Studie zum Musiktheater Eugène Scribes. Schliengen 2010, S. 304f.