Haus Stuart

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Wappen des Hauses Stuart

Das Haus Stuart (ursprünglich Stewart) war eine Herrscherdynastie, die seit 1371 die Könige Schottlands stellte und – mit Unterbrechungen – von 1603 bis 1714 in Personalunion England regierte. Die 1714 durch das Haus Hannover auf dem britischen Thron abgelöste königliche Hauptlinie starb 1807 im Mannesstamm aus. Ältere Seitenlinien und Bastardlinien existieren jedoch bis heute.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stuarts, bis Maria in der Schreibweise Stewart, gingen aus der bretonischen Familie FitzAlan hervor und hatten am schottischen Königshof das erbliche Amt des Truchsessen (englisch: steward) inne.

Die Familie stammt aus der Stadt Dol-de-Bretagne. In der dortigen Abtei fungierte ein Bischof und daneben gab es auch einen weltlichen Herrn, der neben dem Kirchenfürsten aber kein zweiter Fürst sein konnte, sondern nur Seneschall. Die ersten nachweisbaren Mitglieder der Familie sind die Brüder Alan und Flaad. Alan beteiligte sich 1097 am ersten Kreuzzug und sein Bruder übernahm das Amt des Seneschall von ihm. Der Sohn von Flaad le Sénéchal, Alan der Jüngere, verließ die Bretagne und begab sich an den Hof König Heinrichs I. von England. Alan erhielt vom König neben der Herrschaft Mileham auch eine Baronie in Norfolk.

Von den drei Söhnen Alans kehrte der älteste Simon wieder in die Bretagne zurück, der zweite, William, erhielt Mileham und ist Stammvater der Earls of Arundel. Der dritte Sohn, Walter, ging nach Schottland und wurde dort 1. Steward des Königs David I. von Schottland. Walter erhielt Ländereien in Renfrewshire und begründete 1163 die Abtei Paisley.

James Stewart, der 5. Great Steward of Scotland, wurde 1286 als einer der sechs Regenten von Schottland gewählt. Sein Sohn Walter III. kommandierte in der Schlacht von Bannockburn den linken Flügel und trug damit wesentlich zum Sieg über die Engländer bei. Er heiratete Marjorie, die Tochter des Königs Robert Bruce. Nach dessen Tod pilgerte James Douglas ins Heilige Land, um dort das Herz von Robert Bruce zu bestatten, während Walter Stewart das Reich verwaltete.

Mit seinem Sohn bestieg 1371 Robert II. als erster Stewart den schottischen Thron. Jakob I., sein Enkel kämpfte den einheimischen Adel nieder, ermordete z. T. eigenhändig seine Rivalen und ordnete das Land neu. Mit Jakob V. starb die Hauptlinie der Stewarts 1542 im Mannesstamm aus. Nur acht Stewartkönige wurden älter als 50 Jahre, und nur fünf von den siebzehn Herrschern der Familie starben eines natürlichen Todes.

Die Linie wurde durch seine Tochter Maria Stuart (ihren Mann Henry Stuart, Lord Darnley, der einer Nebenlinie entstammte, und ihren Halbbruder, ebenfalls ein Stewart, James Stewart, 1. Earl of Moray) fortgeführt, die als Frau des französischen Königs Franz II. den Namen von Stewart auf die französische Schreibweise Stuart änderte. Maria Stuarts Sohn, Jakob VI., wurde 1603 nach dem Tode Elisabeths I. als Jakob I. englischer König. Sein Sohn Karl I. unterlag im englischen Bürgerkrieg den Truppen des Parlaments und wurde auf Betreiben Oliver Cromwells 1649 nach einem Hochverratsprozess enthauptet.

Holyrood Palace in Edinburgh, königlich schottische Residenz seit 1660

Im Zuge der Stuart-Restauration im Jahr 1660 kehrte Karl II. aus dem Exil zurück, 1688 jedoch wurde sein Bruder und Nachfolger, der katholische Jakob II. in der Glorious Revolution gestürzt. Jakob, der letzte männliche Stuart-König, lebte bis 1701 im französischen Exil. Seine Töchter Maria II. und Anne regierten noch bis 1694 bzw. 1714, ehe das englische Parlament im Act of Settlement (1701) die protestantische Erbfolge unter Umgehung der Hauptlinie der Stuarts gesetzlich festschrieb und damit das Haus Hannover auf den Thron berief. Restaurationsversuche der Thronprätendenten (siehe Jakobiten) Jakob III. in den Jahren 1708 und 1715 und seines Sohnes Charles Edward Stuart (besser bekannt als Bonnie Prince Charlie) 1745/46 blieben erfolglos.

Mit Henry Benedict Stuart, dem Kardinal von York, starb das exilierte Königshaus Stuart 1807 in der männlichen Hauptlinie aus und die "jakobitischen Thronansprüche" fielen über die weibliche Linie an das Haus Savoyen und später über das Haus Habsburg-Lothringen an das Haus Wittelsbach. Über Elisabeth Stuart, die Tochter Jakobs I. und Vorfahrin des Hauses Hannover, stammen bis heute auch alle regierenden britischen Monarchen in direkter weiblicher Linie von den Stuarts ab.

Oberhäupter des Hauses Stewart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tartan der Familie Stuart aus dem Vestiarium Scoticum

Truchsesse von Dol[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

High Stewards of Scotland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schottische Monarchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des ersten schottisch-englischen Stuartkönigs Jakob VI./I. ab 1603

Schottisch-englische Monarchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karl I. von England und Schottland (1625–1649), Porträt von Anthonis van Dyck

Jakobitische Prätendenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charles Edward Stuart (1766–1788), als Thronprätendent Karl III. oder "Bonnie Prince Charlie"

Nebenlinien des Hauses Stewart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dukes of Albany[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Duke of Albany war ein erblicher Adelstitel, der - zur Peerage of Scotland gehörend - zwischen 1398 und 1660 sechsmal an jüngere Söhne des schottischen Königshauses Stuart verliehen wurde (die siebte und letzte Verleihung ging dann an einen Angehörigen des Hauses Sachsen-Coburg und Gotha).

Stewart of Darnley[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Henry Stewart, Lord Darnley und seine Gemahlin Königin Maria Stuart

Die Familie Stewart of Darnley ist eine Nebenlinie des Hauses Stewart, die von John Stewart, Lord of Bonkyl, einem jüngeren Sohn des 4. High Steward Alexander Stewart begründet wurde. Der Name leitet sich aus der Baronie Derneley in Renfrewshire ab, die 1356 an Sir John Stewart verliehen wurde.

John of Derneley, der 1429 in der Schlacht der Heringe fiel, heiratete 1392 Isabel, Tochter des Duncan, 8. Earl of Lennox. 1488 wurde sein Enkel John Stewart, Lord Darnley zum 1. Earl of Lennox ernannt.

Matthew Stewart, 4. Earl of Lennox heiratete Margaret Douglas, Nichte König Heinrichs VIII. und rückte seine Nachkommen damit nah an den englischen Thron. Sein Sohn Henry Stewart, Lord Darnley heiratete Maria Stuart und in beider Sohn Jakob vereinigte sich die Linie Darnley wieder mit dem königlichen Haus Stuart. Ein jüngerer Bruder des 4. Earl of Lennox wurde französischer Staatsbürger und begründete die Linie der Herzöge von Lennox. Die Familie Darnley benutzte sowohl den Namen Stewart, wie auch die französische Namensform Stuart.

Weitere Linien des Hauses Stuart und des Clans Stewart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Clan Stuart of Bute geht auf John, einen jüngeren Sohn des ersten Stewart-Königs Robert II. zurück, den sein Vater zum Sheriff der Isle of Bute, der Isle of Arran und der Isle of Cumbrae machte. Seine Nachfahren wurden 1703 zu Earls of Bute und 1796 zum Marquess of Bute erhoben. Heutiger Clanchef ist John Colum Crichton-Stuart, 7. Marquess of Bute, genannt Johnny Dumfries (* 1958). Familiensitz ist Mount Stuart House.

Ebenfalls von König Robert II. stammen die Stewarts of Balquhidder ab, deren Begründer Sir William Stewart of Baldorran (ca. 1440 – ca. 1500) ein Urenkel von Murdoch Stewart, 2. Duke of Albany, war. Sie spalteten sich später in die Stewarts von Ardvorlich, Glen Buckie, Gartnafuaran, und Annat. Als deren Hauptlinie wird der bis heute auf Ardvorlich House bei Comrie ansässige Zweig angesehen, dessen gegenwärtiges Oberhaupt Alexander Stewart, 15th Laird of Ardvorlich ist.

Auf Murdoch Stewart, 2. Duke of Albany, führt sich auch die im Jahre 1800 in der Peerage of Ireland zu Earls of Castle Stewart erhobene Linie zurück, die heute durch Arthur Patrick Avondale Stuart, 8th Earl Castle Stewart (* 1928) repräsentiert wird.

Einige weitere schottische Nebenlinien des Clan Stewart, in der alten Schreibweise, existieren ebenfalls bis heute, haben sich aber schon vor der schottischen Thronbesteigung von 1371 abgespalten und folglich nie regiert. Die nicht-königlichen Stämme waren die seit dem 14. Jahrhundert in den schottischen Highlands - unter anderem auf Castle Stalker - ansässigen Stewarts of Appin (heutiger Chief ist Andrew Francis Stewart of Lorn, 17th of Appin and 12th of Ardsheal) und die Stewarts of Atholl der achten Verleihung des Titels Earl of Atholl (siehe unten). Als die heutige Hauptlinie des Clan Stewart werden die Earls of Galloway angesehen, die von John Stewart, Lord of Bonkyl (* vor 1269; † 1298) abstammen. Deren Oberhaupt ist Randolph Stewart, 13. Earl of Galloway (* 1928).

Earls of Atholl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen der Earls of Atholl

Der Titel eines Earl of Atholl war schon mehrfach an Mitglieder des Hauses Stewart vergeben worden. So führten ihn König Robert II. von Schottland vor seiner Thronbesteigung, dessen Sohn Walter Stewart, 1. Earl of Atholl, David Stewart, 1. Duke of Rothesay und auch Robert Stewart, 1. Duke of Albany.

Die achte Verleihung des Titels fiel an eine Nebenlinie des Hauses Stewart, die von John Stewart, Lord of Bonkyl, abstammt. Dessen Urenkel Robert Stewart of Durisdeer († 1403), heiratete die Erbin der Lords of Lorne. Sein Bruder und Erbe John wurde 1407 zum Baron of Lorne ernannt. Sein ältester Sohn Robert heiratete eine Tochter des Robert Stewart, 1. Duke of Albany. Beider Sohn John, 2. Lord of Lorne, wurde 1463 ermordet, seine Tochter und Erbin Isabel brachte Lorne an das Haus Campbell. Roberts jüngerer Sohn Walter war Stammvater der Lords of Innermeath, die John Stewart, 6. Earl of Atholl, beerbten und Earls of Atholl in der neunten Verleihung wurden.

Johns, Baron of Lorne, jüngerer Sohn war James, der Schwarze Ritter von Lorne, der die schottische Exkönigin Joan Beaufort heiratete und Vater des John Stewart, 1. Earl of Atholl, ist:

Nach dem Tod des fünften Earl der Stewart-Linie ging der Titel des Grafen von Atholl auf den Sohn der Erbin, John Murray, Master of Tullibardine, über, dessen Nachfahren bis heute den ihnen 1703 verliehenen Titel Duke of Atholl führen.

Bastardlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferner existieren einige "Bastardlinien" der königlichen Stuarts bis heute im Mannesstamm, so die Familien Lennox (Herzöge von Richmond und Gordon), Scott (Herzöge von Buccleuch und Queensberry), FitzRoy (Herzöge von Grafton), Beauclerk (Herzöge von St. Albans) oder die katholischen, von Jakob II. abstammenden und mit ihm ins französische und später auch ins spanische Exil gegangenen Fitz-James (Herzöge von Berwick, Herzöge von Alba usw.)

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: House of Stuart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien