Eva-Maria Hagen

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Eva-Maria und Nina Hagen, 2013

Eva-Maria Hagen (* 19. Oktober 1934 in Költschen, Landkreis Oststernberg, heute Woiwodschaft Lebus, Polen als Eva-Maria Buchholz) ist eine deutsche Schauspielerin, Sängerin, Malerin und Autorin.

Leben[Bearbeiten]

Die Tochter pommerscher Landarbeiter wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs mit ihrer Familie nach Perleberg in der Prignitz im Brandenburgischen vertrieben. Nach einer Lehre zur Maschinenschlosserin im Bahnbetriebswerk Wittenberge begann sie 1952 ein Schauspielstudium in Ost-Berlin, wo sie 1953 unter der Leitung von Bertolt Brecht im Berliner Ensemble im Stück Katzgraben von Erwin Strittmatter spielte. 1954 heiratete sie den Drehbuchautor Hans Oliva-Hagen. Aus der fünfjährigen Ehe ging die 1955 geborene Tochter Catharina hervor, die später unter dem Namen Nina Hagen als Schauspielerin und Sängerin bekannt wurde. 1956 setzte Eva-Maria Hagen ihr Schauspielstudium an der Fritz-Kirchhoff-Akademie in West-Berlin fort. 1957 begann ihre Karriere als Schauspielerin in der DEFA-Filmkomödie Vergeßt mir meine Traudel nicht unter Kurt Maetzig. Von 1957 bis 1965 wirkte sie in etwa 50 Film- und Fernseh-Produktionen mit. 1958 erhielt Eva-Maria Hagen ein Engagement am Maxim-Gorki-Theater in Berlin. Von Natur aus dunkelhaarig, musste sie meist in die Rollen von busenbetonten Blondinen schlüpfen, weshalb sie bald als „Brigitte Bardot der DDR“ galt. Sie war unter anderem beim Filmfestival in Karlovy Vary als Stargast anwesend. 1961 war sie das erste Mitglied bei Gründung des Schauspiel-Ensembles des Fernsehfunks Berlin-Adlershof.

1965 begegnete sie dem Liedermacher Wolf Biermann, der ein halbes Jahr später durch das 11. Plenum der SED ein Auftritts- und Publikationsverbot erhielt. Hagen fand Zugang zu Biermanns kritischem Geist und seinem Liedgut. Beide waren von 1965 bis 1972 Lebenspartner. Während Biermanns Auftrittsverbot bestritt sie dessen Krankenversicherungsbeiträge und geriet zunehmend in die Schusslinie der DDR-Führung. Gegen sie wurde ein Prozess wegen „Staatsverleumdung“ geführt und ihre Engagements fanden vornehmlich in Provinztheatern statt. Ihr späteres Buch Eva und der Wolf wird als sehr offenes Bekenntnis zu ihrer Beziehung bezeichnet und beinhaltet ihren regen Briefverkehr mit Wolf Biermann, der ein Vorwort beitrug. Den Berichten Hagens ist zu entnehmen, dass die Beziehung zu Biermann insbesondere an dessen wiederholten Versuchen, aus seiner Eva eine Frau nach seiner damaligen Idealvorstellung zu formen, gescheitert sein könnte.

Ende 1976 wurde sie aufgrund ihres Protestes gegen die kurz zuvor erfolgte Ausbürgerung Biermanns fristlos aus ihrer Arbeit entlassen. Ihr erging es dabei ähnlich wie zahlreichen anderen Künstlern der DDR. 1977 wurde sie aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassern und siedelte zusammen mit ihrer Tochter Nina in die Bundesrepublik Deutschland über. Ihre künstlerische Karriere und ihre Bekanntheit wurden durch die Ausbürgerung zwar zurückgesetzt, aber sie blieb dennoch ihrem Fach treu. Es schlossen sich außerdem bald wieder Engagements in kleinen Theatern und Fernsehrollen an. Sie wirkte auch bei Musikauftritten an der Seite von Wolf Biermann mit, unter anderem im November 1989 kurz nach dem Mauerfall in einer Halle der Leipziger Messe, und schuf außerdem eigene Musikaufnahmen. Hagen lebte zeitweise mit dem Regisseur Matti Geschonneck, später mit dem Pianisten Siegfried Gerlich zusammen, ist heute alleinstehend und lebt in Hamburg, Berlin und der Uckermark.

1997 erhielt sie aufgrund ihrer musikalischen Brecht-Hommage von den Goethe-Instituten in Irland, Schottland, England, Schweden und der Ukraine Einladungen für Konzerte. 1998 ging sie in 50 deutschen Städten auf Lesung mit ihrem Buch Eva und der Wolf. Weiterhin spielte sie im Fernsehfilm Ein Mann für gewisse Sekunden mit. 1999 gab es einen Auftritt mit Brecht-Bezug im Rahmen der Hamburger Kammerspiele.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Theaterrollen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 19??: Can-Can (Theater) in Annaberg, zusammen mit Tochter Nina
  • 19??: Professor Unrat, Original: Der blaue Engel (Theater)
  • 19??: My fair Lady (Theater) Musical, Dessau
  • 1977: Die Kameliendame (Theater) Düsseldorf
  • 197?: Woyzeck (Theater) Tournee
  • 197?: Die Ehe des Herrn Mississippi (Theater) Tournee
  • 1994: Medea (Theater)
  • 19??: Mutter Courage (Theater)
  • 2006: „Cabaret – Das Musical“, Rolle des Fräulein Schneider, Bar jeder Vernunft, Berlin

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Gesang zum Defa-Film Jahrgang 45 (1966) – wurde nach Begutachtung des Rohschnitts verboten, 1990 neu montiert, 2005 durch die ARD ausgestrahlt
  • LP Nicht Liebe ohne Liebe (1979) – Russische Romanzen, Balladen, Zigeunerlieder – ins Deutsche gebracht von Wolf Biermann
  • LP Ich leb' mein Leben (1981) – Lieder von Wolf Biermann – begleitet von der italienischen Gruppe Ensemble Havadia di Milano
  • CD Das mit den Männern und den Frau'n (1995) – arrangiert und begleitet von Siegfried Gerlich
  • Michael, Michael (1985)
  • CD Wenn ich erstmal losleg… (1996) – Lieder von Wolf Biermann nach baltischen Motiven
  • CD Joe, mach die Musik von damals nach (1997) – eine Hommage zum 100. Geburtstag von Bertolt Brecht
  • CD Eva-Maria Hagen singt Wolfslieder (1999)
  • CD Eine Reise durchs Abenteuerland (2008) – 13 Hörgeschichten + Song

sowie diverse Konzert-Touren mit Chansons. Insbesondere ab 1977 Erfolge als Liedersängerin im In- und Ausland (Schweiz, Österreich, Niederlande, Schweden, Frankreich, Italien …).

  • CD Eva und der Wolf (2001) Econ Verlag, Hörbuch
  • CD Eine Reise durchs Abenteuerland (2008) Formart.Media, Hörgeschichten

Malerei[Bearbeiten]

  • Traumbilder in Öl (1999) Templin/Uckermark, danach als Teil einer internationalen Erotikausstellung in Schloss Auerstedt und Bad Windsheim zu sehen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 18. Januar 1999: Carl-Zuckmayer-Medaille in Mainz für Verdienste um die deutsche Sprache

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Eva-Maria Hagen – Sammlung von Bildern