David Ancillon der Ältere

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David Ancillon („der Ältere“ zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen Sohn; * 17. März 1617 in Metz; † 3. September 1692 in Berlin) war ein französischer, später preußischer reformierter Theologe und Pfarrer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ancillon war ein Sohn des Juristen Abraham Ancillon, der trotz seines reformierten Bekenntnisses Mitglied des Parlaments von Metz wurde. Nach dem Studium an der Universität Genf ab 1633 wurde er 1641 Pfarrer in Meaux. 1653 kehrte er als Pfarrer in seine Geburtsstadt zurück und war neben der Gemeindearbeit auch publizistisch tätig. So verfasste er gegen Richelieu eine Apologie Luthers, Zwinglis, Calvins und Bezas sowie eine Biographie von Guillaume Farel. Auch eine öffentliche Disputation mit dem römisch-katholischen Bischof Pierre Bédacier verschaffte ihm großes Ansehen.[1]

Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes floh er 1685 mit einem großen Teil seiner Gemeinde nach Frankfurt am Main und fand schnell eine Anstellung als Prediger im benachbarten Hanau. Im folgenden Jahr wurde er vom Großen Kurfürsten, der die Ansiedlung der französischen Protestanten in Brandenburg stark förderte, zum Prediger der Hugenottengemeinde in Berlin berufen. Als besonderes Ehrenzeichen ernannte der Kurfürst ihn auch zum Hofprediger.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Ancillons Ehe mit Marie Machard gingen unter anderem der preußische Jurist und Diplomat Charles Ancillon, der die erste Biographie seines Vaters schrieb, und der Theologe David Ancillon der Jüngere (1670–1723), der seinem Vater als Pfarrer und Hofprediger nachfolgte, hervor. Auch weitere Nachkommen erlangten hohe Stellen im preußischen Staat; so wurde der Ururenkel Jean Pierre Frédéric Ancillon Erzieher des späteren Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und Außenminister.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Apologie De Luther, de Zwingle, de Calvin, & de Beze: Où Response Au Chapitre dixiéme du second Livre de la Methode de Monsieur le Cardinal de Richelieu. Lasché, Hanau 1666.
  • L’idée du fidele Ministre de Jesus Christ, ou la vie de Guillaume Farel Ministre. Jean Garrel, Amsterdam 1691.
  • Mélange critique de littérature recueilli des conversations de feu Monsieur Ancillon ... Eman & König, Basel 1698 (Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Charles Ancillon: Discours sur la vie de feu Monsieur Ancillon et ses dernières heures. Eman & König, Basel 1698 (Anhang zur Mélange critique).
  • Adolf Brecher: Ancillon, David. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 419 f.
  • Otto Michaelis: David Ancillon und der Zusammenbruch der alten Metzer Hugenottenkirche. In: Die evangelische Kirche in Lothringen in Vergangenheit und Gegenwart. Scriba, Metz 1917, S. 45–50.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Ancillon, David. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 0–0.
  • Ancillon, David, reformierter Theologe. In: Bernd Moeller, Bruno Jahn: Deutsche Biographische Enzyklopädie der Theologie und der Kirchen. Bd. 1. Saur, München 2005, S. 40.
  • Julien Léonard: De Metz à Berlin. La vie de David Ancillon (1617–1692), pasteur réformé en France et dans le Refuge. Diss. Université de Metz, 2005.
  • Julien Léonard: David Ancillon, une figure méconnue de pasteur idéal pour les protestants du XVIIe siècle. In: Chrétiens et sociétés 13 (2006), S. 71–87 (Online-Fassung).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Julien Léonard: Un épisode méconnu des controverses confessionnelles messines du XVII siècle. Les conférences entre David Ancillon et Pierre Bédacier (1657). In: Bulletin de la Société de l'Histoire du Protestantisme Français 153 (2007), S. 359–370.