Delaware-Effekt

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Der Delaware-Effekt bezeichnet einen Effekt aufgrund des Gesellschaftsrechts der Vereinigten Staaten, bei dem es zu einem Wettlauf um das liberalste Unternehmensrecht eines US-Bundesstaates in den USA kam.

Nach einem Urteil des Supreme Court war es den Einzelstaaten in den USA nicht gestattet, auf den zwischenstaatlichen Verkehr von Unternehmen Einfluss zu nehmen. Daraus folgte, dass Unternehmen ihre Niederlassung in den USA frei wählen konnten, da sie im Hinblick auf Geschäfte innerhalb der USA keine gesetzlichen Einschränkungen zu befürchten hatten.

Infolgedessen traten mehrere Staaten in einen Wettbewerb darüber, welcher die liberalsten Gesetze für eine Unternehmensgründung in den USA habe und folglich die meisten neuen Unternehmen anziehen würde. Dabei taten sich insbesondere Maine, New Jersey und Delaware hervor. Ab 1967 scheint Delaware den Wettbewerb um das liberalste Unternehmensrecht mit dem Delaware General Corporation Law in den USA gewonnen zu haben. Infolgedessen waren 2008 etwa 50 % der börsengehandelten US-Unternehmen und 63 % der Fortune 500 in Delaware ansässig.[1]

In der EU ist durch die Entscheidungen des EuGH Centros, Überseering und Inspire Art der Wettbewerb der Gesellschaftsrechte eröffnet. In Deutschland konkurriert seitdem hauptsächlich die britische Gesellschaftsform Limited in Form einer Scheinauslandsgesellschaft mit der deutschen GmbH. Als Reform der GmbH wurde im Zuge des Gesetzes zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt) eingeführt, um im Wettbewerb um die attraktivste Unternehmensform auf dem europäischen Binnenmarkt konkurrenzfähig zu bleiben. Parallel dazu soll die Europäische Privatgesellschaft (lateinisch Societas Privata Europaea, SPE) als Rechtsform einer europäischen Kapitalgesellschaft für kleine und mittlere Unternehmen eingeführt werden.

Innerhalb Deutschlands oder Österreichs ist ein derartiger Wettlauf im Augenblick ausgeschlossen, da es durch das Handels- bzw. das Unternehmensgesetzbuch ein einheitliches Unternehmensrecht gibt und die Bundesländer keine Wahlrechte dabei haben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Delaware Division of Corporations