Corporation Trust Center

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Corporation Trust Center (CT Corporation), Wilmington, Delaware

Das Corporation Trust Center ist ein einstöckiges Haus in der 1209 North Orange Street in Wilmington, Delaware, USA. Das Haus fungierte 2012 infolge des Delaware-Effekts als „Sitz“ von über 285.000[1] Unternehmen, darunter auch ein Großteil der an Börsen der USA gehandelten Konzerne,[2] die hier Briefkastenfirmen unterhalten.[3][4]

CT Corporation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebäude wird von der CT Corporation (CT Corp) betrieben. Sie vertritt ihre Klienten durch sogenannte Registered Agents[5] und ist eine der größten Anbieter solcher On- und Offshore-Firmendienstleistungen in den USA.[6] Die CT Corporation selbst hat ihren Stammsitz in New York City und ist eine Tochtergesellschaft des niederländischen Konzerns Wolters Kluwer.[7]

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den im Corporation Trust Center firmierenden Unternehmen gehören unter anderem Allianz SE, Adidas, American Airlines, Apple, Coca-Cola, General Motors, Google, Kentucky Fried Chicken, Lufthansa, Daimler AG, Verizon und Volkswagen. Volkswagen hat hier mehr als zehn Tochterfirmen registriert.[4] Die Deutsche Bank unterhält hier etwa 430 ihrer über 2000 Zweckgesellschaften.[3][8]

Die durch CT Corp in ihrem Corporation Trust Center vertretenen Briefkastenfirmen repräsentieren beinahe ein Drittel aller in Delaware ansässigen Unternehmen. Insgesamt sollen mehr als die Hälfte der großen Unternehmen weltweit in Delaware Dependancen unterhalten.[1] Für viele dieser Unternehmen ist der Bundesstaat eine Steueroase.[9] Zwar fallen auch hier Abgaben an, viele Arten von finanziellen Einnahmen, insbesondere Royaltys, sind in Delaware (aber auch in Nevada, Wyoming und Oregon) jedoch steuerbefreit. Dies führt zu einer Generierung solcher, in den Ursprungsstaaten steuermindernden Betriebsausgaben der Stammunternehmen zugunsten ihrer in Delaware gegründeten Dependancen.[1]

Allein durch deren große Zahl nahm Delaware im Jahr 2011 dennoch ca. 860 Millionen Dollar an Steuern von den im Staat ansässigen Briefkastenfirmen ein, was einem Viertel seines gesamten Haushalts entsprach. Der damit einhergehende Verlust an Steuereinnahmen allein der anderen US-Bundesstaaten – und entsprechend die Steuerersparnis der beteiligten Unternehmen – soll gleichzeitig mehr als das zehnfache betragen und wird auf 9,5 Milliarden Dollar beziffert.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Leslie Wayne: How Delaware Thrives as a Corporate Tax Haven, New York Times, 30. Juni 2012
  2. Claus Hulverscheidt: Warum denn in die Ferne schweifen?, Süddeutsche Zeitung, 8. April 2016
  3. a b Andrew Clark: Welcome to tax-dodge city, USA. In: The Guardian. 10. April 2009, abgerufen am 6. Januar 2014.
  4. a b Video Flucht in die Karibik - Die Steuertricks der Konzerne, ZDFzoom, 6. März 2013 in der ZDFmediathek, abgerufen am 20. April 2016. (Dokumentation online verfügbar bei YouTube, hier ab Minute 21)
  5. Die Stellungnahme von Mossack Fonseca. Auf panamapapers.sueddeutsche.de (abgerufen am 9. April 2016)
  6. Julia Glum: Why Aren’t More Americans In The Panama Papers? Secrecy, Tax Laws In Nevada, Other States Provide Havens, International Business Times, 5. April 2016
  7. Organization – Governance, Risk & Compliance. Auf wolterskluwer.com (abgerufen am 9. April 2016)
  8. Michael Houben: Rückschau: Banken - Im Schatten der Kontrollen (Memento vom 18. August 2012 im Internet Archive)
  9. Lynnley Browning: Critics Call Delaware a Tax Haven. In: New York Times. 29. Mai 2009, abgerufen am 6. Januar 2014.

Koordinaten: 39° 44′ 54,4″ N, 75° 32′ 51,7″ W