Delitz am Berge

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Delitz am Berge
Koordinaten: 51° 25′ 0″ N, 11° 54′ 0″ O
Höhe: 97 m
Fläche: 7,89 km²
Einwohner: 840 (31. Mrz. 2015)
Bevölkerungsdichte: 106 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2008
Postleitzahl: 06246
Vorwahl: 0345
Delitz am BergeKlobikauMilzauSchafstädtBad LauchstädtSaalekreisKarte
Über dieses Bild
Lage von Delitz am Berge in Bad Lauchstädt
Kirche

Delitz am Berge ist ein Ortsteil der Stadt Bad Lauchstädt im Saalekreis in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Delitz am Berge liegt südwestlich von Halle (Saale) am Rand der Querfurter Platte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In das germanisch besiedelte Gebiet drangen im Frühmittelalter Slawen vor, etwa bis zur Saale. Delitz war eine Siedlung slawischer Ackerbauern. Erstmals wurde die Gemeinde in dem zwischen 881 und 899 entstandenen Hersfelder Zehntverzeichnis genannt. Im 11. Jahrhundert hieß sie „Delitz im Hosgau“. Die Kirche wurde als ursprünglich romanische Wehrkirche im 12. Jahrhundert errichtet. 1542 wurde Delitz durch die Reformation evangelisch. Der Dreißigjährige Krieg brachte Verwüstungen des Ortes mit sich, auch im Siebenjährigen Krieg hatte Delitz zu leiden. Dazwischen gab es 1728 ein verheerendes Saale-Hochwasser.

Delitz am Berge gehörte zum Rittergut Benkendorf,[1] das bis 1815 zum hochstiftlich-merseburgischen Amt Lauchstädt gehörte. Dieses war seit 1561 unter kursächsischer Hoheit und gehörte zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg.[2] Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam der Ort zu Preußen und wurde dem Kreis Merseburg[3] im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1952 gehörte. In diesem Jahr kam der Ort zum Kreis Merseburg im Bezirk Halle, der 1994 im Landkreis Merseburg-Querfurt und 2007 im Saalekreis aufging. Neben den bäuerlichen Höfen hatte das Dorf ein Rittergut, dessen Besitzer u.a. der Hofrat und Mediziner Carl August von Madai war. Der Gutsherr von Zimmermann ließ 1911 für seine Landarbeiter eine „Kinderverwahranstalt“ errichten. In den 1930er Jahren baute man eine „Reichsheimstättensiedlung“. Nach der „Wende“ entstanden viele Wohnbauten im Ort. Seit dem 1. Januar 2008 ist die ehemals selbständige Gemeinde Ortsteil der Stadt Bad Lauchstädt.[4]

Am 1. Januar 2008 wurde Delitz am Berge nach Bad Lauchstädt eingemeindet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dorfkirche ist eine spätromanisch/frühgotische Saalkirche des 12./13. Jahrhunderts, ursprünglich eine Wehrkirche. 1945 wurde ihr Breitturm von amerikanischer Artillerie durchschossen. 1951 brannte die Kirche aus. Dabei wurde auch die Holztonne aus dem 17. Jahrhundert vernichtet. Der Wiederaufbau 1953/54 erfolgte vereinfacht mit Flachdecke.

Auf dem Friedhof befinden sich die Grabstätten für eine unbekannte Russin und ihre drei kleinen Kinder sowie eine unbekannte Polin, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Ortsbürgermeister ist Jörg Homann.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt in unmittelbarer Nähe der Bundesautobahn 38, die Ausfahrt Bad Lauchstädt (23) ist ca. 2 Kilometer entfernt.

Delitz am Berge besaß einen Bahnhof an der „Zwiebelbahn“ von Bad Lauchstädt nach Schlettau (1936 zu Angersdorf, heute Teil von Teutschenthal). Mit dem Bau der Bahnstrecke Merseburg–Halle-Nietleben und der damit einhergehenden Neutrassierung Strecke, die seitdem nördlich an Delitz vorbeiläuft, verlor der Bahnhof jedoch seine Funktion. Die nächstgelegenen Personenbahnhöfe befinden sich seitdem in Merseburg und Angersdorf.

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Delitz am Berge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Delitz am Berge im Buch „Geographie für alle Stände“, S. 691
  2. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0;S. 84 f.
  3. Der Landkreis Merseburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  4. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2008