Der Augensammler

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Der Augensammler ist der sechste Psychothriller des deutschen Schriftstellers Sebastian Fitzek aus dem Jahr 2010 und hat die Taten eines grausamen Serienmörders zum Thema.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Berliner Polizist Alexander Zorbach tötet eine psychisch kranke Frau mit einem Kopfschuss, als sie gerade ihr Kind über ein Brückengeländer werfen will, und wird daraufhin aus dem Polizeidienst entlassen. Zorbach, der eine neue Anstellung als Reporter bei einer Boulevardzeitung findet, wird von dem Psychiater Dr. Martin Roth behandelt, um sein Trauma zu verarbeiten. Zorbach ist mit Nicci verheiratet und hat mit ihr seinen Sohn Julian. Als Nicci ihm eröffnet, dass sie sich von ihm scheiden lassen will, sucht Zorbach einen Swingerclub auf, in dem er die schöne Charlie kennenlernt. Zur gleichen Zeit wird Berlin von einer unheimlichen Mordserie in Angst und Schrecken gehalten. Ein Serienmörder, der von der Presse „Augensammler“ genannt wird. Sein Modus Operandi ist, der Mutter das Genick zu brechen und das Kind zu entführen. Hinterbliebende und Polizei bekommen vom Täter 45 Stunden Zeit, um das entführte Kind zu finden. Verstreicht die Frist, so wird das Kind ertränkt und ihm das linke Auge herausgeschnitten. Mit diesen Taten zerreißt der Mörder ganze Familien, die bereits vorher schon innerlich zerrüttet waren. Dem „Augensammler“ werden bis dato Morde an drei Frauen und ihren Kindern Karla, Melanie und Robert zugeschrieben. Durch Abhören des Polizeifunks wird Zorbach auf die Spur eines neuen Falls geführt. Zorbach macht sich selber verdächtig, da sein Portemonnaie am Tatort gefunden wurde und er mit der Opferfamilie bekannt ist. Lucia Traunstein wurde im Garten ihrer Villa getötet und ihre beiden Zwillingskinder Tobias und Lea entführt. Die Ermittlungen leitet der Chef der Mordkommission Philipp Stoya. Die blinde Psychotherapeutin Alina Gregoriev macht eine Aussage, der man keinen Glauben schenkt. Sie glaubt, dem „Augensammler“ am Vortag begegnet zu sein. Zorbach und Alina fahren zur Villa der Familie Traunstein, wo sie beobachten, dass Thomas Traunstein gerade einen Pornofilm konsumiert. Dies irritiert die beiden, da der betrunkene Mann vor Kurzem seine Ehefrau verloren hatte. In dem Pornofilm wird Lucia beim Sex mit einem Fremden im Bad gezeigt. Zorbach erkennt in Lucia Charlie, seine flüchtige Bekanntschaft aus dem Swingerclub. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen den Männern. Traunstein wird gefesselt und in Zorbachs Auto gebracht. Der Reporter informiert Stoya, dass sie Zorbach in Gewahrsam genommen haben. Doch die Polizei glaubt ihnen nicht und Traunstein kommt wieder frei. Zorbach und Alina kommen bei seiner Suche auf die Spur eines Bungalows, in dessen Keller sie eine mit Folie eingewickelte, schwer zugerichtete und halb verweste Frau finden, die an lebenserhaltende Systeme angeschlossen ist und dennoch noch lebt, beziehungsweise im Sterben liegt. Als Zorbach und Alina den Raum betreten, fällt die Tür zu und sie sind eingeschlossen. Sie haben die Möglichkeit eine Notfallnummer auf dem dort befindlichen Telefon zu wählen. Zorbach wählt die Nummer und erreicht einen Studenten in einer Karaoke-Bar, der ihm eine E-Mail mit dem Titel „Denk an Deine Mutter“ vorliest. Alina entdeckt, dass sich die Kellertür öffnet, wenn sie den Finger der sterbenden Frau aus dem photoelektrischen Pulsmesser nimmt. Im Laufe der Geschichte wird Nicci vom Augensammler getötet und Julian entführt. Es kommt heraus, dass der „Augensammler“ Katharina Vanghal für den Dekubitus seiner Großmutter verantwortlich gemacht hat und sie daher bei lebendigem Leib im Bungalow verfaulen ließ. Er sieht seine Taten als Spiel, um die Liebe der Väter zu ihren Kindern auf die Probe zu stellen.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alexander Zorbach: Journalist, ehemaliger Verhandlungsführer bei der Berliner Polizei
  • Frank Lahmann: Volontär bei Zorbachs Zeitung und der „Augensammler“
  • Alina Gregoriev: Psychotherapeutin
  • Philipp Stoya: Chef der Berliner Mordkommission

Sprachstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Er spielt das älteste Spiel der Welt: Verstecken. Er spielt es mit deinen Kindern. Er gibt dir 45 Stunden, sie zu finden. Doch deine Suche wird ewig dauern. Erst tötet er die Mutter, dann verschleppt er das Kind und gibt dem Vater 45 Stunden Zeit für die Suche. Das ist seine Methode. Nach Ablauf der Frist stirbt das Opfer in seinem Versteck. Doch damit ist das Grauen nicht vorbei: Den aufgefundenen Kinderleichen fehlt jeweils das linke Auge. Bislang hat der „Augensammler“ keine brauchbare Spur hinterlassen. Da meldet sich eine mysteriöse Zeugin: Alina Gregoriev, eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, durch bloße Körperberührungen in die Vergangenheit ihrer Patienten sehen zu können. Und gestern habe sie womöglich den Augensammler behandelt ...“

Sebastian Fitzek: Klappentext aus Der Augensammler. Droemer, München 2010, ISBN 3-426-19851-7.

„Denn der Mann, der am Höhepunkt seiner Qualen erkennen musste, dass das Sterben erst begonnen hat - dieser Mann bin ich.“

Sebastian Fitzek: Der Augensammler. Droemer, München 2010, ISBN 3-426-19851-7. S. 438

Fitzek verwendet eine flüssige und sehr direkte Sprache. Seine Beschreibungen sind weniger detailliert, sondern benutzen eher sehr treffende Worte,[1] um bestimmte Bilder zu erzeugen. Die Perspektive ist aus der 1. Person des Alexander Zorbach geschrieben. Die Aufforderung „Lesen Sie nicht weiter!“ auf Seite 442 bewirkt genau das Gegenteil beim Leser, dass er jetzt erst recht die Geschichte lesen möchte.

Rezensionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Thriller beginnt mit dem Satz, „Es gibt Geschichten, die sind wie tödliche Spiralen und graben sich mit rostigen Widerhaken tiefer und tiefer in das Bewusstsein dessen, der sie sich anhören muss.“[2]. Die Erzählstränge sind nicht chronologisch aufgebaut und dienen am Ende einem dramatischen Countdown. Die Geschichte beginnt mit dem Epilog und endet mit dem Prolog[3], was auch mit dem Zitat „It's the end where I begin.“, deutlich gemacht wird. Daher zählt auch die Seitennummerierung rückwärts. Die ekelerregenden Szenen des Buches erinnern an die Saw-Horrorfilmreihe.

Fitzek beschreibt mit dem "Protokoll des Grauens"[4] die Geschichte eines psychopathischen Serienmörders, der Trophäen seiner Opfer sammelt, wie es sich schon andere Autoren wie Jeffery Deaver (The Bone Collector, 1997) oder Sabine Thiesler (Der Kindersammler, 2006)[4] behandelt haben.

Der Autor arbeitet mit einem hohen Spannungsbogen und straightem Plot, der durch zahlreiche Cliffhanger[4], gekoppelt mit Perspektiv- und Szenenwechseln, aufrecht erhalten wird. Fitzek benutzt dabei starke Übertreibungen. Jürgen Priester von KrimiCouch bemängelt, dass Fitzek mit den üblichen Klischees des Serienmörder-Themas arbeitet und die üblichen und abgenutzten Biographien wie traumatische Kindheit, Bettnässen, Dominanz eines kranken Egos[4] und Tierquälerei heranführt. Dem Leser werden die wahren Motive des Täters dabei aber verschleiert. Der Schwerpunkt der Handlung[4] basiert auf der Suche nach den noch lebenden Opfern im Wettlauf mit der Zeit.

Einordnung in das Werk des Autors[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es sind zwei Bände, die sich mit dieser Thematik beschäftigen, beginnend mit Der Augensammler aus dem Jahr 2010 und der Fortführung Der Augenjäger 2011. Auf der SPIEGEL-Bestsellerliste erreichte Der Augensammler Platz 3[5].

Textausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Augensammler (Sebastian Fitzek); Band 1. Leser-Welt. Das Literaturportal
  2. Grässliche Gewissheit. Der Spiegel. 5 Juli 2010
  3. Thriller und Krimis. Sebastian Fitzek – Der Augensammler auf buchwurm.org
  4. a b c d e Krimi Couch: Der Augensammler. Praline oder Schokoriegel? Buch-Rezension von Jürgen Priester. Dezember 2009
  5. Bestseller-Autor Sebastian Fitzek: „Man wird etwas schizophren“. Westdeutsche Zeitung. 28. Juni 2010