Der Circle

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Der Circle (Originaltitel: The Circle) ist ein 2013 erschienener Bestseller-Roman von Dave Eggers. Im Mittelpunkt der Dystopie steht eine mächtige Internet-Firma, die durch umfassende Transparenz und Überwachung zunehmend soziale Kontrolle erzeugt. Der Circle erschien 2014 in deutscher Übersetzung.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman porträtiert das fiktive, weltweit dominierende Internet-Unternehmen Circle, das die Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter vereint.

Erzählt wird die Geschichte von Maebelline „Mae“ Holland, einer College-Absolventin, die eine Stelle bei The Circle antritt - einer mächtigen IT-Firma, die von den so genannten „Drei weisen Männern“ geführt wird. Mae verdankt ihre Anstellung ihrer besten Freundin und früherer Zimmergenossin zu College-Zeiten, Annie, die auch eine der 40 einflussreichsten Personen der Firma ist. Mae beginnt bei „Customer Experience“, der Kundenbetreuung des Unternehmens, steigt aber schnell in der Hierarchie des Unternehmens auf. Von Beginn an ist Mae von den Annehmlichkeiten des Circles beeindruckt, zum Beispiel dem Zugang zu erstklassiger Technik, eigenen Wohnheimen, Fitnessstudios, sonstigen Erholungsmöglichkeiten und Partys. Maes erster Tag beim Circle endet mit einer Party, auf der sie Francis trifft, mit dem sie fortan eine Liebesbeziehung eingeht. Im späteren Verlauf begegnet Mae einem mysteriösen Kollegen namens „Kalden“ und fühlt sich auch zu ihm hingezogen, obwohl sie es nicht schafft, seinen Status bei der Firma, oder auch nur seinen Nachnamen zu erfahren.

In der Zwischenzeit fährt der Circle fort, eine Reihe von hoch entwickelten Technologien zu entwickeln, darunter „SeeChange“: Leichte, tragbare Kameras, die mit minimalem Aufwand Videos in Echtzeit an jeden beliebigen Ort übertragen. Letztendlich werden die „SeeChange“ Kameras rund um die Uhr von Politikern getragen, die gerne „transparent“ sein möchten, und somit der Öffentlichkeit erlauben jederzeit zu sehen, was sie tun.

Eine weitere Nebenhandlung betrifft die Multiple-Sklerose-Diagnose von Maes Vater. Diese führt letzten Endes dazu, dass Mae ihre Eltern über ihre eigene Krankenversicherung des Circles ebenfalls versichert - die im Gegenzug dafür aber deren Wohnung mit SeeChange Kameras ausstattet. Nach einem kurzen Zwischenfall mit der Polizei stimmt Mae schließlich zu, ebenfalls eine SeeChange-Kamera am Körper zu tragen und somit auch „transparent“ zu werden. Dadurch verkörpert sie ihre zunehmend wichtiger werdende Rolle in der Firma, was auch durch eine öffentliche Rede versinnbildlicht wird, in der sie auf den Aussagen „Geheimnisse sind Lügen“, „Wer teilt, nimmt Anteil“ und „Privatsphäre ist Diebstahl“ besteht. Ihr Job besteht nun zum größten Teil daraus, als „Botschafterin“ über den Firmencampus zu laufen und Kunden zukünftige Produkte zu zeigen. Jegliche Andeutungen, dass sie selbst Zweifel in Bezug auf (fehlende) Privatsphäre hat, nehmen nun ab – im Gegensatz zu ihrem früheren Freund Mercer, der schließlich darauf besteht, „von der Landkarte zu verschwinden“, um dem ständig wachsenden und weitreichenden Einfluss des Circles und dessen Technologien zu entfliehen. Kalden meldet sich bei Mae und warnt sie, dass der Circle gestoppt werden muss, doch sie weigert sich, diesem Gedanken zu folgen.

In der Zwischenzeit wird Annie auf Maes Erfolg neidisch und meldet sich freiwillig, die erste Testperson für „PastPerfect“ zu werden, um ihren Status innerhalb des Unternehmens zu festigen. „PastPerfect“ bereitet, mit Hilfe aller online zur Verfügung stehenden Informationen, eine komplette Historie der Familie einer beliebigen Person auf. Im Rahmen dieses Vorgangs kommen auch verstörende Dinge, die Annies Familie betreffen, ans Tageslicht. Schließlich wird die psychische Belastung Annies aufgrund dieser Enthüllungen so groß, dass sie in ein Koma fällt. Bloßgestellt sowohl durch das Misstrauen ihrer Eltern gegenüber der Überwachung ihrer Wohnung durch SeeChange und auch durch das Verhalten ihres Exfreundes Mercer – jeweils durch Maes Körperkamera für deren Millionen „Follower“ öffentlich sichtbar – wird Mae mehr und mehr verärgert. Als sie live ein neues Programm demonstriert, mittels dessen man binnen Minuten flüchtige Kriminelle fassen kann, nutzt sie dieses auch, um Mercer zu finden. Dieser versucht, der Videoverfolgung zu entfliehen und begeht, mittlerweile durch Drohnen verfolgt und ohne Chance zu „entkommen“, durch einen absichtlichen Sturz von einer Brücke Selbstmord. Obwohl sie dadurch anfangs niedergeschlagen ist, versucht Mae schon bald, mit Hilfe des charismatischen „Weisen Mannes“ Eamon Bailey ihre Niedergeschlagenheit aufgrund Mercers Tod wegzudiskutieren. So kommt sie zu dem Schluss, dass er ein sehr depressiver, asozialer Mensch war, der es abgelehnt habe, von der Gemeinschaft Hilfe anzunehmen, und vergleicht sein Handeln mit dem einer Person, die in dem Moment durch einen Sprung aus dem Fenster Selbstmord begeht, wenn der Arzt zur Visite erscheint.

Kalden stellt sich als der schwer fassbare „Weise Mann“ Ty Gospodinov heraus, dem ursprünglichen Erfinder und Gründer des Circles. Mae stimmt zu, sich mit ihm im Geheimen zu treffen und er erzählt ihr von seiner Sorge, dass schon bald ein totalitäres Regime entstehen wird, gleich einer „Überwachungsgesellschaft“, sofern nichts dagegen unternommen wird. Er legt den Bedarf der Privatsphäre in einem digitalen Zeitalter dar und bittet sie, ihn bei der Zerstörung des Circles zu helfen, da er das nicht alleine tun könne. Mae ist der Meinung, dass Ty verrückt sei, gibt aber vor, ihn zu unterstützen – doch dann betrügt sie ihn, indem sie den anderen Gründern des Circles verrät, was geschehen ist. Diese stellen sicher, dass Ty zum Schweigen gebracht wird. Das Buch endet damit, dass Mae im Krankenhaus Annie anblickt und sich dabei selbst fragt, wann die Zeit wohl kommen wird, dass Gedanken von Menschen sichtbar und zum öffentlichen Gut gemacht werden, da die Welt ein Recht dazu habe.

Deutschsprachige Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman wurde im deutschsprachigen Feuilleton außergewöhnlich häufig und intensiv besprochen, deshalb wundert es Gerrit Bartels nicht, dass er schon zwei Wochen nach Erscheinen der deutschen Übersetzung an den Spitzen der Bestsellerlisten stand.[1] In den Buchbesprechungen wird durchweg die literarische Qualität des Romans bemängelt, die dystopische Vision aber für beachtenswert gehalten.[2] Manche Rezensenten, wie Gerrit Bartels,[3] halten den Roman für polemisch. Sascha Lobo nennt ihn „ein lesenswertes, mit klug konstruierten Mini-Dystopien durchsetztes Buch“. Er betreibe aber auch eine kontraproduktive Dämonisierung der Internetkonzerne, der die Argumente fehlen, und werde dadurch polemisch.[4]

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten an einer Verfilmung des Romans unter der Regie von James Ponsoldt begannen am 11 September 2015. Emma Watson spielt hierin die Mae Holland und Tom Hanks die Rolle des Eamon Bailey. Die Rolle des Kalden/Ty spielt John Boyega.[5]

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dave Eggers: The Circle, New York: Alfred A. Knopf, 2013, ISBN 978-0-385-35139-3
  • Dave Eggers: Der Circle, aus dem amerikanischen Englisch von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014, ISBN 978-3-462-04675-5
  • Dave Eggers: Der Circle, Tonträger, gekürzte Lesung, gelesen von Torben Kessler. Aus dem Amerikanischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2014, ISBN 978-3-89903-898-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerrit Bartels: Dave Eggers' "The Circle" stürmt die Bestsellerlisten. Roman für analoge Anachronisten und Internet-Hasser, Der Tagesspiegel, 21. August 2014.
  2. Rezensionsnotizen bei Perlentaucher
  3. Gerrit Bartels: Dave Eggers' "The Circle" stürmt die Bestsellerlisten. Roman für analoge Anachronisten und Internet-Hasser, Der Tagesspiegel, 21. August 2014.
  4. Sascha Lobo: Dämonisierte Digitalkonzerne. In: Spiegel Online. Netzwelten. 27. August 2014.
  5. The Circle auf moviepilot.de