Der Harem

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Der Harem (Münchner Harem) ist die virtuelle Kommune von fünf Frauen und dem Ex-Kommunarden Rainer Langhans.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der „Harem“, Königsplatz in München, 2000

Der Harem bestand zunächst aus Anna Werner, Brigitte Streubel, Jutta Winkelmann und Rainer Langhans. 1978 kam Christa Ritter hinzu, 1991 Juttas Zwillingsschwester Gisela Getty. Der Begriff „Harem“ wurde von den Medien erfunden und von den Frauen angenommen, aber bis heute nicht geliebt, denn das Credo des Münchner Harems lautet: „Nicht ein Mann hat fünf Frauen, sondern fünf Frauen haben einen Mann.“

Der Harem startete ein Lebensexperiment von Frauen, denen Beziehungen, Ehe und Karriere zu begrenzte Erfahrungsmöglichkeiten waren. Sie wollten sich einer neuen Herausforderung stellen, die bisher ungelebt geblieben war: ihr selbstbestimmtes Leben. Zum Zweck solcher Suche schien ihnen der Kommune-I-erfahrene Rainer Langhans, der eben das Ende seiner großen Liebe mit Uschi Obermaier erlebt und einen spirituellen Weg eingeschlagen hatte, sehr geeignet.

Die Frauen zogen alle nach Schwabing in die Nähe von Langhans. Jede Frau bezog eine eigene Wohnung. Anfangs traf man sich täglich, tauschte alle Ereignisse und sich selbst so offen und auch ungeschönt wie möglich aus. Anfang der 1980er Jahre folgten erste Kontaktversuche mit der Welt draußen: mit den Grünen. Die Frauen produzierten ein Fanzine mit dem Titel „!“. Es wurde mit Video experimentiert, in Eigenproduktion entstand das Buch „Die Mitte der Dunkelheit“. Christa Ritter drehte mit Rainer Langhans später Fernsehdokumentationen und auch der Harem experimentierte mit Videotechnik. Probleme wie Eifersucht, Mobbing, Neid und Selbstverachtung wurden allerdings auch Teil dieses alternativen Zusammenlebens.

Der Harem versteht sich als „offenes und virtuelles Experiment“, als ein „langer Marsch“ durch die eigenen inneren Institutionen.[1]

Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Anna Werner (* 1941 in München), Fotografin. Sie tourte mit ihrer Schwester mit Gitarre und Hackbrett durch die USA und Mexiko und erlebte den „Summer of Love“ in San Francisco. Dort traf sie den Vater ihrer Tochter Janna Ji Wonders. 2008 entstand über sie der Film „Hippie mit Hackbrett“ von Gabriele Dinsenbacher in der BR-Reihe Lebenslinien.
  • Rainer Langhans (* 1940 in Oschersleben) ist Mitbegründer der legendären Kommune I und gilt als einer der 68er-Aktionisten und -Theoretiker. Seine Beziehung mit Uschi Obermaier und deren mediale Präsenz prägte die sogenannte Sexuelle Revolution.
  • Jutta Winkelmann (1949–2017), Autorin, Journalistin und Webdesignerin. Kunststudium und kurze Ehe mit dem Regisseur Adolf Winkelmann. In den Anfängen des Harem wurde sie Mutter von Severin und Karline.
  • Brigitte Streubel (* 1950 in Unterfranken, aufgewachsen in Hagen), Fotomodell in Paris, Mailand, London u BRD, Schauspielerin („Der zweite Frühling“), Regie-Assistenz, Produktionsleitung, Kamerafrau, Dokus für die Münchner Kunst-u. Kulturszene, Filmbeiträge für Fernsehen und Verlage, Yogalehrerin.
  • Christa Ritter (* 1942 in Berlin), Journalistin und Filmemacherin. Anfangs Verlagsfrau, Art-Buyer in Werbeagentur, Agentin für internationale Fotografen wie Peter Lindbergh, Regie-Assistentin. Bei den Dreharbeiten zum Road-Movie „Die Hamburger Krankheit“ 1978 lernte sie Langhans, dann auch die anderen Frauen kennen. Fernsehdokumentationen mit Rainer Langhans: „Von wegen Liebe – das schönste Paar der APO“ (WDR, Grimme-Nominierung), „Schneeweißrosenrot“ (WDR, Grimme-Preis/besonders wertvoll), „Fisch mit Fahrrad“ (ZDF, Grimme-Nominierung).
  • Gisela Getty (* 1949 in Kassel), Fotografin. Kunststudium, Ehen mit Schauspieler Rolf Zacher (Tochter Anna). 1973 lernte sie in Rom mit ihrer Zwillingsschwester den Milliardärs-Enkel John Paul Getty III kennen. Nach dessen Entführung durch die Mafia heiratete sie ihn. Sie zogen nach Los Angeles und bekamen den Sohn Balthazar Getty. Scheidung. Lebt seit über 10 Jahren vor allem in Österreich. Foto-Ausstellungen: Frank Gallery, Los Angeles 2001

„Heavy German Accent“, Lukas und Hoffmann/Köln 1994 “The Long Way Up, The Short Way Down”. Dokus mit Jutta Winkelmann: „Der Tod steht ihnen gut“ für Spiegel TV und „Timothy Leary’s last Trip“ USA. Theaterstück „Alles wird anders“ Kampnagel/Hamburg 2008–2009. Fotoausstellung ‚Liquid TimesGalerie‘ im Einstein/Berlin und The Twins/A Visual Journey in den Deichtorhallen Hamburg (1. April bis 22. Mai 2011) mit einem Fotobuch: ‚The Twins‘ Blumenbar.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Langhans: Ich bin’s – die ersten 68 Jahre. Autobiographie, Originalausgabe, 1. Auflage, Blumenbar, München 2008. ISBN 978-3-936738-34-6.
  • Rainer Langhans: Theoria Diffusa, aus Gesprächen mit drei Frauen. Infektionen zu Schattenarbeit im Reich der Lichthelden. Greno, Nördlingen 1986. ISBN 389-1-900-20-1.
  • Rainer Langhans, Fritz Teufel (Hrsg.): Klau mich. StPO der Kommune I. Edition Voltaire, Frankfurt am Main, Berlin 1968. In: Voltaire-Handbücher, Band 2 (hrsg. von Bernward Vesper), ISBN 3-88167-022-X (unveränderter Nachdruck bei Trikont, München 1977 und 1978).
  • Petra Bruns, Werner Bruns, Rainer Böhme: Die Altersrevolution. Wie wir in Zukunft alt werden. Aufbau, Berlin 2007. ISBN 978-3-351-02644-8.
  • Martin Klimke, Joachim Scharloth (Hrsg.): 1968. Ein Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung. Metzler, Stuttgart 2007. ISBN 978-3-476-02066-6.
  • Jutta Winkelmann: Das Harem-Experiment. Begegnungen mit Rainer Langhans, dem letzten APOnauten. In: Heyne-Bücher, Band 13, Sphinx bei Heyne 3021, Esoterische Psychologie. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-13284-X

Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Langhans, Teufel und die Frauen“ für SPIEGEL TV
  • „Camille Paglia: Eine Frau sieht Rot“ (SAT1)
  • „Fatima Mernissi: Die Macht der Hüfte“
  • „Wollen Sie das 4. Reich?“
  • „R-Evolution“

Fernsehauftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

u.a.:

  • „Einspruch“ mit Uli Meyer auf SAT1 am 20. Juli 1993
  • „Ready to Ruck“ 3 Tage Generation Mix in Berlin 28.-30. August 1998
  • „Kommune“ Dreiwöchige Reality Show täglich auf TV-München und TV-Berlin Frühjahr 2003 (mehrfach wiederholt)
  • „Beckmann“ (11. Februar 2008)
  • „Sex im Alter“ VIVO 3Sat (13. Februar 2010)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Petra Bruns, Werner Bruns, Rainer Böhme: Die Altersrevolution. Wie wir in Zukunft alt werden. Aufbau, Berlin 2007. ISBN 978-3-351-02644-8.
  • Martin Klimke, Joachim Scharloth (Hrsg.): 1968. Ein Handbuch zur Kultur- und Mediengeschichte der Studentenbewegung. Metzler, Stuttgart 2007. ISBN 978-3-476-02066-6.
  • Jutta Winkelmann: Das Harem-Experiment. Begegnungen mit Rainer Langhans, dem letzten APOnauten. In: Heyne-Bücher, Band 13, Sphinx bei Heyne 3021, Esoterische Psychologie. Heyne, München 1999, ISBN 3-453-13284-X

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 'Das ist eine utopische Situation', In: Die Welt am 6. November 2000. abgerufen am 12. Januar 2010, (online).