Jutta Winkelmann

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Jutta Winkelmann bei Das Blaue Sofa, 2008

Jutta Winkelmann, geb. Schmidt (* 3. April 1949 in Kassel; † 23. Februar 2017 in München) war eine deutsche Regisseurin und Autorin. Wie ihre Zwillingsschwester Gisela Getty wurde sie als Vertreterin der 68er-Bewegung bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1967 besuchte sie in ihrer Heimatstadt die Waldorfschule, studierte an der Hochschule für bildende Künste in Kassel und besuchte mehrere Semester lang eine Schauspielschule sowie die Hochschule für Fernsehen und Film München. Gemeinsam mit ihrem damaligen Mann, dem Filmemacher Adolf Winkelmann, und ihrer Schwester gründete sie das Kasseler Filmkollektiv. Zusammen mit ihrer Zwillingsschwester Gisela Getty bildete Jutta Winkelmann das It-Girl-Paar der deutschen 68er-Bewegung. Wobei es ihr mehr darum ging, sich selber als die Gesellschaft zu verändern. Sie wendete sich Buddha zu. In der „Kommune 1“ praktizierte Winkelmann als Gast die freie Liebe mit Rainer Langhans und anderen. Anschließend lebte sie in Rom.

Als der Enkel des amerikanischen Multimillionärs J. Paul Getty, John Paul Getty III 1973 entführt wurde, den ihre Schwester Gisela im gleichen Jahr in Italien kennengelernt hatte, wurden die Zwillingsschwestern vorübergehend als Tatverdächtige verhaftet.[1] 1974 heiratete ihre Schwester John Paul Getty III. Der aus dieser Ehe stammende Balthazar Getty (* 22. Januar 1975) ist ihr Neffe. Jutta Winkelmann spielte in dem 1974 erschienenen satirischen Spielfilm In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod von Alexander Kluge und Edgar Reitz eine Hauptrolle. Mitte der Siebziger traf sie in Rom Bommi Baumann. Statt fürs Kino entschied sich Jutta Winkelmann fürs Leben, „das war noch fantastischer“. Der italienische Produzent Carlo Ponti bot ihnen einen Fünfjahresvertrag an, den sie jedoch ablehnte. Federico Fellini hatte die „Zwillinge aus Deutschland“ für einen Film gecastet. Die Rollen bekamen sie nicht, weil sie kein Telefon besaßen, weil sie nur ihre Freiheit haben wollte. Jutta Winkelmann wollte ein Leben führen, das so spannend war, dass sie am Ende ein Buch darüber schreiben konnte.[2]

Jutta Winkelmann gründete Anfang der 1976 mit Rainer Langhans, der Fotografin Anna Werner und dem Fotomodell Brigitte Streubel in München den sogenannten „Harem“, eine überwiegend spirituell ausgerichtete Lebensgemeinschaft von insgesamt fünf Frauen um Langhans, zu der 1978 auch Christa Ritter und 1991 ihre Zwillingsschwester hinzustießen und die bis heute existiert.[3] In Los Angeles lernten sie Timothy Leary kennen. Der Harvard-Dozent Timothy Leary widmete sich vor allem der Erforschung psychedelischer Drogen. In den 1990er Jahren wurde der Umgang mit dem Tabuthema Tod zu seiner neuen Mission. Die Zwillingsschwestern und Filmemacherinnen Gisela Getty und Jutta Winkelmann begleiteten ihn mit dem Umgang mit dem Tod 1994 für einen Dokumentarfilm mit der Kamera.

Ein von Winkelmann gemeinsam mit ihrer Schwester und dem Autor Jamal Tuschick verfasstes Buch Die Zwillinge oder Vom Versuch, Geld und Geist zu küssen erzählt die Lebensgeschichte der beiden Schwestern vor dem Hintergrund der 68er-Generation. Das Buch stieß auf überwiegend schlechte Kritiken,[4] der Rezensent der NZZ bezeichnete es als „historisches Dokument eines verblendeten Narzissmus“ und als „eitle[s], selbstgefällige[s] Buch“.[5] Matthias Matussek schrieb jedoch im Spiegel: „Ein teuflischer Cocktail aus Drogendelirien, Gangster-Irrsinn und Sex in Künstlerbetten.“ und „Die Zwillinge haben ein sexuelles Gangstertum, ein sadomasochistisches Raffinement, das auch auf den zweiten Blick noch spannend bleibt.“[6]

Das 2013 erschienene Buch Unter dem Cherrytree wird in einer Rezension der Tageszeitung Die Welt als „eine Privatmythologie […], halb japanischer Manga, halb indische Mythologie, Apokalypse und ewig rollendes Lebensrad“ beschrieben.[7]

2014 machte Jutta Winkelmann ihre Erkrankung an Knochenmetastasen[8] eines zurückliegenden Brustkrebses öffentlich. Ihren Kampf gegen den Krebs dokumentierte Winkelmann in dem Ende 2016 erschienenen Buch Mein Leben ohne mich. Der letzte Eintrag in ihrem Blog trägt den Titel no haiku und beginnt mit „lange werde ich hier nicht mehr sein / möglich, sagt mein gott / wahrscheinlich, denke ich“.[9]

Sie lebte als Regisseurin, Fotografin und Autorin in München-Schwabing.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mein Leben ohne mich, Weissbooks.w, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-86337-112-8.
  • Unter dem Cherrytree (gem. mit Gisela Getty), BoD Norderstedt, Edition Bildstein, Leipzig, Dresden 2013, ISBN 978-3-7322-4630-4.
  • Die Zwillinge oder Vom Versuch, Geld und Geist zu küssen, (gem. mit Gisela Getty und Jamal Tuschick), weissbooks.w, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-940888-01-3.
  • Living in freedom, (Bildtonträger, Film), Kamphausen, Bielefeld 2000, ISBN 3-933496-47-0.
  • Das Harem-Experiment: Begegnungen mit Rainer Langhans, dem letzten APOnauten, Heyne-Verlag, München 1999, ISBN 978-3-453-13284-9.
  • Future-Sex (gem. mit Gisela Getty), Metropolitan-Verlag, Düsseldorf/München 1996, ISBN 3-89623-017-4.

Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • The Twins A visual journey by Gisela Getty & Jutta Winkelmann, Deichtorhallen Hamburg 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jutta Winkelmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Irmgard Hochreither: Ikonen der Hippie-Ära. stern.de, 1. März 2008, abgerufen am 3. März 2017.
  2. Christian Schröder: Jutta Winkelmann ist verstorben. tagesspiegel.de, 23. Februar 2017, abgerufen am 3. März 2017.
  3. Barbara Nolte: Im Harem ist die Hölle los. tagesspiegel.de, 30. März 2003, abgerufen am 3. März 2017.
  4. Rezensionsnotizen zu Die Zwillinge, oder: Vom Versuch, Geist und Geld zu küssen bei perlentaucher.de
  5. Rainer Moritz: Offenbarung am Strand – Götterlieblinge erinnern sich. In: Neue Zürcher Zeitung, 9. September 2008, abgerufen am 3. März 2017.
  6. Matthias Matussek: 68er-Ikonen Getty und Winkelmann: Zweimal Exzess, bitte! Spiegel Online, 10. März 2008, abgerufen am 3. März 2017.
  7. Matthias Matussek: Logbuch einer Abenteuerreise ins Ungewisse. Die Welt, 5. März 2014, abgerufen am 25. Februar 2017.
  8. Ulrich Feld: TV-Kritik: „Was am Ende wirklich zählt“: Leben mit Todesurteil. Frankfurter Neue Presse, 25. November 2015, abgerufen am 26. Februar 2017.
  9. Christian Schröder: It-Girl der 68er-Bewegung. tagesspiegel.de, 23. Februar 2017, abgerufen am 26. Februar 2017.