Gisela Getty

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gisela Getty bei das blaue sofa, 2008

Gisela Martine Getty, geborene Schmidt, geschiedene Büttenbender, geschiedene Zacher, (* 3. April 1949 in Kassel) ist eine deutsche Fotografin und Autorin. Wie ihre Zwillingsschwester Jutta Winkelmann wurde sie als Vertreterin der 68er-Bewegung bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit ihrer Schwester Jutta besuchte sie in Kassel die Waldorfschule.[1] Von 1966 bis 1970 studierte sie Grafik, Film und Fotografie an der Kasseler Kunstakademie. Mit ihrer Schwester und deren damaligem Ehemann, dem Regisseur Adolf Winkelmann, gründete sie das Kasseler Filmkollektiv. 1969 gewann es auf den Westdeutschen Kurzfilmtagen Oberhausen einen Grand Prix. Ihr Film zeigt 31 Minuten lang – ohne Schnitt – den Arbeiter Heinrich Viel am Fließband.

Bekannt wurden Gisela Getty und Jutta Winkelmann als Teilnehmer der 68er-Bewegung in West-Berlin und Bekannte von Rainer Langhans. Nach kurzen Ehen mit dem Regisseur Gerhard Büttenbender und dem Schauspieler Rolf Zacher, mit dem sie eine Tochter, Anna (* 25. Oktober 1972), hat, lernte sie Anfang 1973 in Italien den jungen John Paul Getty III kennen. Dieser wurde Mitte 1973 in Rom entführt, woraufhin Gisela Getty und ihre Schwester vorübergehend unter Verdacht der Mittäterschaft verhaftet wurden.[2] 1974 heirateten Gisela und John Paul Getty. Mit ihm hat sie einen Sohn, Balthazar Getty (* 22. Januar 1975). Gisela Getty lebte in dieser Zeit in Los Angeles und San Francisco und zog 1981 zurück nach München.[3] Die Ehe mit Getty wurde 1993 geschieden. Zu ihren prominenten Bekannten in den 1970er Jahren zählten unter anderem Dennis Hopper, Leonard Cohen, Bob Dylan, Carlo Ponti und Federico Fellini.[4][5]

Ihre Schwester Jutta gründete 1976 mit Rainer Langhans, der Fotografin Anna Werner und dem Fotomodell Brigitte Streubel in München den sogenannten „Harem“, eine überwiegend spirituell ausgerichtete Lebensgemeinschaft von insgesamt fünf Frauen um Langhans, zu der 1978 auch Christa Ritter und 1991 Getty hinzustießen und die bis heute existiert.[6]

Der Harvard-Dozent Timothy Leary widmete sich vor allem der Erforschung psychedelischer Drogen. In den 1990er Jahren wurde der Umgang mit dem Tabuthema Tod zu seiner neuen Mission. Die Zwillingsschwestern und Filmemacherinnen Gisela Getty und Jutta Winkelmann begleiteten ihn 1994 für einen Dokumentarfilm mit der Kamera.

Das Buch Die Zwillinge oder Vom Versuch, Geld und Geist zu küssen, das sie gemeinsam mit ihrer Schwester und dem Autor Jamal Tuschick schrieb, erzählt die Lebensgeschichte der beiden Schwestern vor dem Hintergrund der 68er-Generation. Das Buch stieß überwiegend auf negative Kritiken,[7] der Rezensent der NZZ bezeichnete es als „historisches Dokument eines verblendeten Narzissmus“ und als „eitles, selbstgefälliges Buch“.[8] Matthias Matussek schrieb jedoch im Spiegel: „Ein teuflischer Cocktail aus Drogendelirien, Gangster-Irrsinn und Sex in Künstlerbetten.“ und „Die Zwillinge haben ein sexuelles Gangstertum, ein sadomasochistischem Raffinement, das auch auf den zweiten Blick noch spannend bleibt.“[9]

Das 2013 erschienene Buch Unter dem Cherrytree wird in einer Rezension der Tageszeitung Die Welt als „eine Privatmythologie […], halb japanischer Manga, halb indische Mythologie, Apokalypse und ewig rollendes Lebensrad“ beschrieben.[10]

Sie lebt als Fotografin und Autorin in Schwabing.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unter dem Cherrytree (gemeinsam mit Jutta Winkelmann), BoD Norderstedt, Edition Bildstein, Leipzig, Dresden 2013, ISBN 978-3732246-30-4.
  • The Twins (gemeinsam mit Jutta Winkelmann), Blumenbar, Berlin 2010, ISBN 978-3-936738-72-8.
  • Die Zwillinge oder Vom Versuch, Geld und Geist zu küssen, (gemeinsam mit Jutta Winkelmann und Jamal Tuschick), weissbooks.w, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-940888-01-3.
  • Future-Sex (gemeinsam mit Jutta Winkelmann), Metropolitan-Verlag, Düsseldorf, München 1996, ISBN 3-89623-017-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilde Zwillinge der 70er über Drogen und Sex, Welt Online, 6. Februar 2010.
  2. Ikonen der Hippie-Ära, stern.de, 1. März 2008
  3. Die Zwillinge der Revolte, bild.de, 18. Juli 2010
  4. "Wir wollten einfach intensiv leben", tagesspiegel.de, 28. April 2010
  5. Wilde Zwillinge und ihre Nacht mit Bob Dylan, welt.de, 20. Februar 2008
  6. Im Harem ist die Hölle los, tagesspiegel.de, 30. März 2003
  7. Rezensionsnotizen zu Die Zwillinge, oder: Vom Versuch, Geist und Geld zu küssen bei perlentaucher.de
  8. Rainer Moritz: Offenbarung am Strand – Götterlieblinge erinnern sich. In: „Neue Zürcher Zeitung“ vom 9. September 2008.
  9. Matthias Matussek: Zweimal Exzess, bitte! In: spiegel.de. Abgerufen am 10. März 2008.
  10. Matthias Matussek: Logbuch einer Abenteuerreise ins Ungewisse. In: welt.de. Abgerufen am 5. März 2014.