Deutsche Binnenreederei

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Die Deutsche Binnenreederei bereedert rund 800 Binnenschiffe. Sie entstand im Jahre 1957 durch die Umbenennung der Deutschen Schiffahrts- und Umschlagsbetriebszentrale (DSU) als volkseigener Betrieb und gehört inzwischen mehrheitlich der polnischen Gesellschaft OT Logistics S.A.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Gründung der Deutschen Schiffahrtsunion (DSU)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges befand sich besonders der Osten Deutschlands in einem Zustand schlimmer Zerstörung. Noch während der Kämpfe unternahmen die in den östlichen Gebieten Deutschland operierenden Binnenschifffahrtsunternehmen alle Anstrengungen, ihre Schiffe in weiter westlich gelegene Gebiete abzusetzen. Sie hofften damit den Kämpfen zu entgehen und auch ihre Schiffsflotten „vor den Russen“ zu retten. Vor allem im Berliner Raum waren die Zerstörungen besonders verheerend, gab es fast keine funktionierende Straßen und Bahnbrücke mehr. Zur Versorgung der besetzten Gebiete setzte die sowjetische Militärverwaltung in erster Linie auf die Binnenschifffahrt und erließ entsprechende Befehle. Bis zum Kriegsende 1945 gab es in Berlin noch zahlreiche Reedereien bzw. deren Vertretungen, Genossenschaften und private Schiffseigner. Deren einsatzfähige Flotte wurde durch die sowjetische Besatzungsmacht beschlagnahmt und sortiert auf den Teil, der als Reparationsleistung in die UdSSR zu verbringen war. Diese Einheiten erhielten durch die Sowjetischen Beauftragten eine Kennzeichnung durch ein weißes Dreieck mit rotem Stern oder Hammer und Sichel und wurden über die Ostsee in die Sowjetunion geschleppt. Die Besatzungsmacht regierte die von ihnen eingesetzten deutschen Behörden mit Befehlen, über deren Ausführung in der Regel nicht diskutiert werden konnte.

Zur Überführung der Binnenschiffe in staatlichen bzw. volkseigenen Besitz wurde 1946 die Arbeitsgemeinschaft Binnenschiffahrt als Reederei gegründet mit dem Ziel, alle Binnenschiffstransporte der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) durchzuführen 1949 erfolgte die Auflösung bzw. Umbenennung in Deutsche Schiffahrts- und Umschlagbetriebe (DSU) und 1956/1957 eine Verzweigung der DSU in mehrere Unternehmen wie regionalen VEB Binnenhäfen, die VEB Deutsche Binnenreederei (DBR), VEB Fahrgastschiffahrt und Reparaturwerft Dresden und andere. Als Gründungstag für die Deutsche Binnenreederei wird der 1. Oktober 1949 angesehen. An diesem Tag wurde die volkseigene Binnenschifffahrt in der sowjetischen Besatzungszone deklariert.

Die VEB Deutsche Binnenreederei Berlin, später nur VEB Binnenreederei Berlin genannt, führte ab dieser Zeit fast alle Binnenschiffstransporte der DDR durch. Ab 1965 wurden erste Erfahrungen mit der Schubschifffahrt gesammelt, zuerst mit dem Schubprahm vom Typ KSP 33 und dem Schubboot vom Typ KSS 190 Z für die Kanalfahrt und bald darauf auch mit den Stromschubschiffen.[1] Damit wurde ein umfangreiches Neubauprogramm von Schubschiffen und Prahmen in Gang gesetzt. Von 1965 bis 1988 wurden insgesamt 139 Schubschiffe und 1331 Prahme abgeliefert.[2]

Die nach der Deutschen Wiedervereinigung unternommenen Privatisierungsbemühungen der Treuhandanstalt, in deren Besitz sich der ehemalige Monopolist der DDR befand, scheiterten. Die Reste des Betriebes und die verbliebene Flotte wurden unter Anschubfinanzierung des Bundesverbandes der Selbständigen Anfang 1993 als Mittelständische Binnenreederei – und Spedition GmbH von der Treuhand erworben und nannte sich dann weiter Deutsche Binnenreederei – Binnenschifffahrt Spedition, Logistik GmbH.

2007 Verschmelzung mit der Odratrans S. A.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 2001 erfolgte eine Neuorganisation und Umwandlung aus einer GmbH in eine Aktiengesellschaft. 2007 wurde die Deutsche Binnenreederei AG von der polnischen Odratrans S. A., heute OT Logistics S. A., übernommen. Durch diese Verschmelzung entstand mit rund 800 Schiffen bzw. Schubeinheiten und einer summierten Tragfähigkeit von rund 400.000 DTW eine der größten Binnenschifffahrtsreedereien von Europa. Neben den eigentlichen Transporten, Lagerungs- und Umschlagsarbeiten werden auch Wasserbauprojekte und Baumaßnahmen zum Erhalt und Ausbau der Wasserstraßen durchgeführt.

Die Deutsche Binnenreederei AG hat sich zu einem Transport- und Logistikunternehmen entwickelt, das auf den Binnenwasserstraßen von Zentral- und Westeuropa Transporte von Containern, trockenen Massengütern, Flüssigladungen und von Sonder- und Gefahrgütern durchführt. Unter anderem werden jährlich etwa 120.000 Tonnen flüssiges Frachtgut und bis zu 162.000 Containereinheiten (TEU) transportiert.

Der Hauptaktionär der Deutschen Binnenreederei AG ist mit rund 81 Prozent die Gesellschaft OT Logistics S. A.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dünner, Hans-Wilhelm; Knoll, Horst-Christin: 50 Jahre Deutsche Binnenreederei. – vom ostdeutschen Binnenschiffahrtsunternehmen zum europäischen Logistikdienstleister. 1. Auflage. Koehlers Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg 1999, ISBN 3-7822-0757-2.
  • Schönknecht, Rolf; Gewiese, Armin: Binnenschiffahrt zwischen Elbe und Oder. Das andere deutsche Fahrtgebiet 1945–1995. Busse Seewald/DSV-Verlag, Hamburg 1996, ISBN 978-3-88412-218-1.
  • Heidbrink, Ingo: Technological revolution or evolution? The introduction of the pushed-tow system in East and West Germany. In: International Journal of Maritime History, Vol. XX, 26 2014, No. 2, 304–321.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Binnenreederei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. D. Strobel: Schiffbau zwischen Elbe und Oder. 1. Auflage. Koehler, 1993, S. 176.
  2. Private Webseite über die Binnenschifffahrt während der DDR-Zeit abgerufen am 10. Januar 2016