Rhenus

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Rhenus SE & Co. KG

Rechtsform SE & Co. KG
Gründung 1912
Sitz Holzwickede, Deutschland Deutschland
Leitung
  • Tobias Bartz
  • Egbert Bernsmeister
  • Karsten Obert
  • Stephan Peters
  • Andreas Stöckli
  • Marco Schröter, Aufsichtsratsvorsitzender[1]
Mitarbeiterzahl 37.500 (2021)[2]
Umsatz 7,0 Mrd. EUR (2021)[2]
Branche Waren- und Personenverkehr
Website www.rhenus.group
Stand: 31. Dezember 2021

Die Rhenus SE & Co. KG ist ein internationaler Logistikdienstleister mit Sitz im westfälischen Holzwickede. Alleiniger Gesellschafter ist die Rethmann-Gruppe.

Sattelauflieger von Rhenus für den Einsatz im Warenverkehr

Firmengeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rhenus im Nordhafen von Wilhelmshaven

Gründung und Entwicklung bis 1998[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rhenus Transport GmbH wurde am 13. November 1912 als gemeinschaftliches Unternehmen der Badischen Aktiengesellschaft für Rheinschifffahrt und Seetransport und der Rheinschiffahrts Actiengesellschaft gegründet. Der Name ist die lateinische Bezeichnung des Flusses Rhein. Der Sitz des Unternehmens war Frankfurt am Main. Es wurden Filialen in Mannheim, Mainz, Groß-Gerau, Antwerpen (Belgien) und Rotterdam (Niederlande) errichtet. Der Geschäftszweck war die Rheinschifffahrt. Vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise schlossen sich 1929 die Badische Actiengesellschaft, die Rheinschiffahrts Actiengesellschaft, die Rhenus und weitere Unternehmen zu einer Interessengemeinschaft zusammen. 1934 erwarb die Hibernia Bergwerksgesellschaft, ein Tochterunternehmen der VEBA, die Mehrheit der Interessengemeinschaft.

Bei der Umstrukturierung der VEBA 1969 wurde Rhenus von der Hugo Stinnes AG übernommen. Die Binnenschifffahrts-Aktivitäten wurden um Duisburg in der Fendel-Stinnes-Schifffahrt AG gebündelt. Die Rhenus Gesellschaft für Schifffahrt, Spedition und Lagerei wurde in die Rhenus AG mit Sitz in Mannheim umgewandelt.

Ein Hängerzug der Rhenus-WTAG auf der Bundesautobahn 61 (1981)

Eine weitere Umfirmierung erfolgte 1976 bei der Bildung einer Interessengemeinschaft von Rhenus AG, Fendel-Stinnes-Schifffahrt AG und der Westfälischen Transport-Actien-Gesellschaft (WTAG). Die neue Gesellschaft hieß nun Rhenus-WTAG AG und hatte ihren Hauptsitz in Dortmund. Gleichzeitig wurde die Tochtergesellschaft CCS Combined Container Service GmbH & Co. KG gegründet. 1984 verschmolzen WTAG AG und Rhenus-WTAG AG zur Rhenus AG. Die Rhenus AG verfügte nun über 100 Standorte in Deutschland und weiteren 80 im Ausland.

1988 bildete Rhenus drei Betriebsführungs-Aktiengesellschaften: Die Rhenus Weichelt AG betrieb den Straßengüterverkehr, die Rhenus Lager und Umschlag AG übernahm die Bereiche Lagerei, Umschlag und Binnenschifffahrt und die Rhenus Transport International war für die internationale Spedition und Luftfracht zuständig. Im Zuge der Übernahme von Schenker durch Stinnes wurde 1991 die Rhenus Weichelt AG mit der Schenker Eurocargo AG fusioniert und die Aufgaben der Rhenus Transport International AG wurden durch die neu gegründete Schenker International AG übernommen. Die Rhenus Lager und Umschlag AG behielt ihren Geschäftsbereich und firmierte wieder unter Rhenus AG.

Rhenus stärkte ihre Logistiksparte 1993 durch den Bau eines Logistikzentrums mit 60.000 m² Lagerfläche in Berlin. Weitere Zentren folgten in Langgöns, Gießen, Mannheim, Stuttgart, Hannover und Prag. Zur Bündelung aller Logistikaktivitäten des Stinnes-Konzerns wurde 1996 die Schenker-Rhenus AG gebildet. In ihr wurden die drei 1991 gebildeten Geschäftsbereiche vereinigt. Im Vorfeld waren die Binnenschifffahrts-Aktivitäten aller Stinnes-Tochterunternehmen in der RS PartnerShip gebündelt und zusammen mit der Midgard Deutsche Seeverkehrs-AG in die Rhenus-Gruppe integriert worden.

Entwicklung seit 1998[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Speichersilo von Rhenus am Basler Rheinhafen
Rhenus Logistics in Krems an der Donau

Rhenus wurde 1998 von der Rethmann-Gruppe übernommen und trat danach als Komplettanbieter für logistische Dienstleistungen auf. Vorstandsvorsitzender wurde Hermann Niehues. In den Folgejahren erweiterte Rhenus ihren Bestand an Logistikzentren in Europa und kaufte verschiedene Unternehmen der Logistikbranche. Rhenus straffte die Unternehmensstruktur im Jahr 2002. Die in Rhenus AG & Co. KG umfirmierte Führungsgesellschaft hat mehrere Geschäftsfelder:

  • Contract Logistics (Kontraktlogistik)
  • Hafenlogistik (Full-Service-Provider für See- und Binnenhäfen)
  • Intermodal (Umschlag und Transport im Containerverkehr), Contargo

Mit dem Einstieg bei Iwanter im Jahr 2004 legte Rhenus den Grundstein für das neue Geschäftsfeld Home Delivery und weitete damit ihre Aktivitäten in der Handelslogistik für die Endkundenbelieferung sowie Montage von Möbeln und Großgeräten aus.[3] 2006 übernahm Rhenus die Interspe Hamann Group (IHG) und verfügte damit über deren europäisches Landverkehrsnetz und weltweite Frachtdienstleistungen. Weitere europäische Warehouse-Standorte wurden hinzugewonnen. Rhenus war damit ein integrierter europäischer Logistikdienstleister.

Rhenus erwarb im Juli 2007 die Transport Management International Holding (TMI) mit Sitz in Hoofddorp (Niederlande). TMI ergänzte in der Sparte Freight Logistics das europäische Netz der Rhenus IHG, insbesondere in den Benelux-Staaten, und brachte weitere Contract-Logistics-Standorte ein. Darüber hinaus führte das Management der TMI den Ausbau der internationalen Luftfracht- und Seefracht-Geschäfte in der Rhenus-Gruppe durch. TMI gehörte in den Niederlanden und Belgien mit 35 Standorten und den Unternehmen Road Air, Copex und Transmarcom zu den bedeutenden Logistikunternehmen und wuchs in den vergangenen Jahren auf rund 400 Millionen Euro Umsatz. Im Oktober 2007 übernahm Rhenus 50 Prozent der Anteile an der Swintrans Bevrachting, Zwijndrecht (Niederlande). Die Swintrans-Gruppe verfügte über ihren Gesellschafterkreis zu der Zeit über zehn moderne Koppelverbände, 16 weitere Koppelverbände waren in Auftrag gegeben bzw. in Bau. Die Übernahme stand noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. Die Rhenus-Gruppe übernahm zum Jahreswechsel 2007/2008 die Hamann International GmbH Spedition + Logistik mit Sitz in Hamburg. Hamann International war eine Spedition mit den Schwerpunkten internationale Landverkehre, See- und Luftfracht. Mit diesem Zusammenschluss erweiterte die Rhenus-Gruppe ihr internationales Freight-Logistics-Netz in Norddeutschland und verstärkte sich im Bereich der Land-, Luft- und Seetransporte.

Im September 2008 starb Hermann Niehues nach einem Reitunfall. Klemens Rethmann wurde neuer Vorstandsvorsitzender. 2010 startete Rhenus die Xpress-Sparte für Ad-hoc-Transporte im Geschäftsfeld Home Delivery.[4] 2010 erwarb Rhenus eine Mehrheitsbeteiligung an der Pro-Log-Gruppe, um das eigene Netzwerk in Asien zu verdichten. Rhenus und der Mierka Donauhafen Krems vereinbarten eine strategische Partnerschaft zum Ausbau der Donau-Aktivitäten, die 2013 zum Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung führte.[5] 2018 erfolgte die komplette Übernahme und die Umbenennung in „Rhenus Donauhafen Krems“.[6] Die Thüringer Verlagsauslieferung (TVA) in Gotha wechselte von der Langenscheidt Verlagsgruppe in den Besitz der Rhenus Medien Logistik. Rhenus übernahm die Speditionen Weckerle GmbH Spedition + Logistik, IFS Inter Freight System Internationale Spedition GmbH und Grossmann Sea & Air logistics.

2011 unterzeichnete Rhenus einen Vertrag zur Übernahme der europäischen Aktivitäten der Wincanton-Gruppe und stärkte mit dem Kauf ihre Aufstellung in der Kontraktlogistik und bei multimodalen Transporten. Durch den Zukauf avancierte Rhenus mit dem neuen Geschäftsfeld High Tech zum europäischen Marktführer für technische Distributions- und Installationsleistungen[7]. Die Aktivitäten wurden zunächst in der Gesellschaft Rhenus Midi Data geführt[8] sowie seit 2019 in der Rhenus High Tech.[9] Im Hafen Rotterdam erwarb das Unternehmen einen 20 ha großen Tiefsee-Terminal.

2012 übernahm Rhenus im Geschäftsfeld Home Delivery 100 Prozent der Anteile am Möbellogistikspezialisten Inntralog Innovation-Transport-Logistik.[10] 2014 übernahm Rhenus die Lagerlogistik des Automobilherstellers BMW im Werk Regensburg-Neutraubling sowie die Mehrheit am Schweizer Güterverkehrsunternehmen Crossrail.[11] Im gleichen Jahr wurde der Rheinhafen Rheinfelden saniert. Im Juni 2015 erwarb die Rhenus-Gruppe 50 Prozent der Anteile an der LTE Logistik- und Transport von dem bisherigen Alleingesellschafter Graz-Köflacher Bahn. Dieses Eisenbahnverkehrsunternehmen wird dem Geschäftsfeld Rhenus Rail zugeordnet.[12] 2016 erweiterte die Rhenus ihr Engagement für die Automobilbranche mit der Übernahme der Ferrostaal Automotive.[13] 2017 übernahm Rhenus die Spedition O’Brien Customs and Forwarding Pty Ltd und ist damit auch in Australien mit einer eigenen Landesgesellschaft, der Rhenus Logistics Australia, vertreten.[14] Im selben Jahr trat das Unternehmen mit der Übernahme von Network 4 Home Delivery in die Endkundenbelieferung von Möbel, weißer und brauner Ware in Großbritannien ein.[15] 2018 baute Rhenus das brasilianische Standortnetz mit dem Kauf des Unternehmens Pirâmide SeaAir Comércio Exterior aus. Zudem erwarb der Logistikdienstleister im Geschäftsfeld Home Delivery die niederländische Spedition Jos Dusseldorp Vastgoed B.V. mit mehr als 90 Mitarbeitern und stärkte ihre Position in Westeuropa.[16] Seit August 2018 ist der Logistiker auch in Neuseeland für seine Kunden vor Ort.[17] 2019 übernahm Rhenus die Beteiligung an den Niederrheinischen Verkehrsbetrieben von seinem Tochterunternehmen Rhenus Veniro,[18] bevor dieses mit der deutschen Tochter von Transdev fusioniert wurde. Ebenfalls 2019 übernahm Rhenus den südafrikanischen Speditions- und Logistikanbieter World Net Logistics (WNL) mit Sitz in Johannesburg und ist seither auf allen fünf Kontinenten vertreten.[19] Im gleichen Jahr kaufte Rhenus die MTS Medizinischer Transport-Service GmbH mit Sitz in Krefeld, um ihre Medical-Sparte in der High Tech auszubauen[20]. 2020 übernahm die Rhenus-Gruppe mehrheitlich die Deutsche Binnenreederei von der polnischen Kapitalgruppe OT Logistics und dem Hamburger Unternehmen Carl Robert Eckelmann.[21][22] Zudem erwarb Rhenus 100 Prozent der Anteile an der Simon Hegele Hightech Transport & Service, einem Tochterunternehmen der Simon Hegele Gruppe.[23] Außerdem übernahm die Rhenus-Gruppe die operativen Gesellschaften der neuseeländischen Malcolm Total Logistics Group.[24]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Rhenus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. DVZ – Deutsche Logistik-Zeitung, 21. Oktober 2019.
  2. a b Rhenus Gruppe im Überblick. Rhenus SE & Co. KG, 2022, abgerufen am 14. März 2022.
  3. Ein Fluss als Pate – die Rhenus-Story. Rhenus SE & Co.KG, 2. Februar 2020, abgerufen am 11. November 2021.
  4. Ein Fluss als Pate – die Rhenus-Story; S. 16. Rhenus SE & Co.KG, 2. Februar 2020, abgerufen am 11. November 2021.
  5. Monika Hauleitner: Kremser Donauhafen – die Metamorphose einer Donaumetropole. Krems Kultur, 3. März 2016, abgerufen am 30. September 2020.
  6. Rhenus übernimmt Mierka Donauhafen Krems. In: binnenschifffahrt-online.de. 14. Dezember 2017, abgerufen am 2. Oktober 2020.
  7. logistik-express: Rhenus: Grünes Licht für Erwerb von Wincanton-Sparten logistik-express, 23. Dezember 2011, abgerufen am 12. November 2021
  8. verkehrsrundschau.de: Wincanton High-Tech-Bereich firmiert künftig als Rhenus Midi Data verkehrsrundschau.de, 1. Februar 2012, abgerufen am 12. November 2021
  9. online-handelsregister.de: Rhenus High Tech GmbH online-handelsregister.de, abgerufen am 12. November 2021
  10. Ein Fluss als Pate – die Rhenus-Story; S. 16. Rhenus SE & Co.KG, 2. Februar 2020, abgerufen am 11. November 2021.
  11. Rhenus Gruppe übernimmt Mehrheit an Crossrail AG. nzz.ch / Neue Zürcher Zeitung, 22. Dezember 2014, abgerufen am 21. Oktober 2019.
  12. Rhenus Gruppe verstärkt Geschäftsfeld Rail mit LTE-Anteilen. In: dvz.de / Deutsche Verkehrs Zeitung. dvz.de / Deutsche Verkehrs Zeitung, 22. Dezember 2017, abgerufen am 21. Oktober 2019.
  13. Rhenus übernimmt Ferrostaal Automotive. verkehrsrundschau.de, 2. Mai 2016, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  14. László Dobos: Dienstleistung: Rhenus expandiert in Australien. logistik-heute.de, 8. Juli 2017, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  15. Rhenus kauft Network 4 Home Delivery. In: verkehrsrundschau.de. 17. Februar 2017, abgerufen am 11. November 2021.
  16. Rhenus Home Delivery übernimmt Jos Dusseldorp. verkehrsrundschau.de, 9. Juli 2018, abgerufen am 12. November 2021.
  17. Rhenus übernimmt brasilianisches Unternehmen Pirâmide SeaAir. pressebox.de, 12. Januar 2018, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  18. Moderner Verkehrsdienstleister mit Tradition. In: niag-online.de. Niederrheinische Verkehrsbetriebe, abgerufen am 28. Oktober 2020.
  19. Rhenus baut mit Zukauf von World Net Logistics eigenes Netzwerk in Südafrika auf. hafen-hamburg.de/, 21. März 2019, abgerufen am 30. Oktober 2019.
  20. online-handelsregister.de: MTS Medizinischer Transport-Service GmbH online-handelsregister.de, abgerufen am 12. November 2021
  21. Rhenus darf Deutsche Binnenreederei übernehmen. In: verkehrsrundschau.de. 13. Juli 2020, abgerufen am 14. September 2020.
  22. Rhenus unterzeichnet Kaufvertrag zur Übernahme der Mehrheitsanteile an Deutscher Binnenreederei. In: pressebox.de. Abgerufen am 14. September 2020.
  23. verkehrsrundschau.de: Rhenus übernimmt Hightech-Bereich verkehrsrundschau.de, 3. März 2020, abgerufen am 12. November 2021
  24. Benjamin Klare: Rhenus erwirbt Malcolm Total. In: Täglicher Hafenbericht vom 4. März 2020, S. 13

Koordinaten: 51° 30′ 49,8″ N, 7° 36′ 46,5″ O