Deutscher Tierschutzbund

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Deutscher Tierschutzbund e.V.
Deutscher Tierschutzbund Logo.svg
Zweck: Tierschutz, Tierschutzrecht, Naturschutz, Umweltschutz, Lobbyarbeit[1]
Vorsitz: Thomas Schröder
Gründungsdatum: 1881
Mitgliederzahl: 800.000[1]
Sitz: Bonn
Website: www.tierschutzbund.de
Bundesgeschäftsstelle Deutscher Tierschutzbund

Der Deutsche Tierschutzbund e.V. wurde im Jahre 1881 als Dachorganisation der Tierschutzvereine und Tierheime in Deutschland gegründet mit Sitz in Bonn. Er verfolgt den Tierschutzgedanken und setzt sich gegen den Missbrauch von Tieren ein. Er ist als Interessenverband in der Lobbyliste des Deutschen Bundestages registriert (Nr. 1076).[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste deutsche Tierschutzverein wurde vermutlich 1837 von dem evangelischen Pfarrer Albert Knapp in Stuttgart gegründet. In rascher Folge entstanden entsprechende Vereine im Gebiet des übrigen Deutschen Bundes. 1881 (nach anderen Angaben 1884[2]) wurde der „Verband der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches“ gegründet, der als Dachverband und »Zentralorgan« der deutschen Tierschutzvereine, auch im Ausland, dienen sollte. Der Verband konnte bis 1913 immerhin 222 der 413 deutschen Tierschutzvereine als korporative Mitglieder gewinnen.[3] Von seiner Gründung bis zu seinem Tod 1927 war der Kölner Kaufmann Otto Hartmann Vorsitzender. Der Verband bezeichnete sich zeitweise auch als „Otto Hartmann-Bund“.

Im Reichsstrafgesetzbuch vom 15. Mai 1871 (§ 360 Nr. 13) wurde nur als Übertretung mit Strafe bedroht, wer „öffentlich oder in Ärgernis erregender Weise Tiere boshaft quält oder misshandelt.“ Geschützt wurde also nur das Empfinden der Menschen, nicht das Tier an sich. Die Tierschutzvereine forderten daher eine weitere Verstärkung des Tierschutzes und insbesondere auch eines Verbots der Vivisektion. 1885 wurden in Preußen mit dem „Gossler-Erlass“ die vorhandenen Bestimmungen zur Vivisektion neu formuliert und moderat verschärft. Erst 1930 kam es mit dem sogenannten „Grimme-Erlass“ des preußischen Innenminister Adolf Grimme zu einer weiteren Verschärfung der Vorschriften, die aber dem Verband der Tierschutzvereine bei weitem nicht genügte.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde am 24. November 1933 das Reichstierschutzgesetz verabschiedet, das wesentlich durch die Vorarbeiten der deutschen Tierschutzvereine geprägt war. Es gehörte zu den zentralen frühen Gesetzgebungsmaßnahmen der Anfangszeit des Regimes und wurde auch intensiv propagandistisch begleitet. Tierschutz wurde von den Verbandsvertretern teilweise antisemitisch (vgl. Schächten) und biologistisch begründet, was zu einer ideologischen Nähe des nun als „Reichstierschutzbund“[4] bezeichneten Verbandes zu den Nationalsozialisten führte. [5] Ab 1938 war der Reichstierschutzbund gesetzliche Spitzenvertretung des Deutschen Tierschutzes, der Leiter des Reichstierschutzbundes musste Vereinsgründungen auf lokaler Ebene bewilligen.[6] 1945 wurde der Reichstierschutzbund aufgelöst.

Der Deutsche Tierschutzbund e.V. in seiner heutigen Form wurde dann 1948 gegründet. Auf personeller Ebene blieb man dabei dem Vorgänger Reichstierschutzbund verbunden.[7] Tierschutz wurde auf Basis einer moralischen Verpflichtung im Hinblick auf das menschliche Gegenüber betrieben. Mit dem Aufkommen der Tierrechtsbewegung in Deutschland bildeten sich daher seit den 1980er Jahren zahlreiche neue Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen, die teilweise einen deutlich radikaleren Ansatz in Bezug auf Tierrechte haben.[8]

Selbstverständnis, Aufgaben und Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Selbstverständnis fasst der Verband so zusammen:[9]

„Jedes Mitgeschöpf hat Anspruch auf Unversehrtheit und ein artgerechtes Leben. Wir wollen, dass dieser Anspruch für alle Tiere verwirklicht wird – in der Wirtschaft, der Forschung, im Privathaushalt und wo immer der Mensch mit Tieren Umgang hat. Wir wollen, dass Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen geschützt werden. Tier-, Natur- und Artenschutz sind für uns untrennbar miteinander verbunden. Der praktische Einsatz zum Wohl aller Tiere und die Förderung des Tier- und Naturschutzgedankens sind zentrale Aufgaben des Deutschen Tierschutzbundes.“

Hauptaufgaben sind die Pflege und Förderung des Tier- und Naturschutzgedankens, die Fortentwicklung des nationalen und internationalen Tier- und Naturschutzrechtes und die tierschutzgerechte Weiterentwicklung von Wissenschaft und Forschung. Weitere Aufgaben und Ziele finden sich in der Satzung des Deutschen Tierschutzbundes[10]. Ein Schwerpunkt der Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes ist der kontinuierliche Lobbyismus. Inhaltlich gesehen fordert der Deutsche Tierschutzbund Alternativen zur industrialisierten Massentierhaltung, wirbt für eine artgerechte Haltung von Tieren in der Landwirtschaft, Haustieren und Wildtieren.

Der Tierschutzbund gibt ein Tierwohllabel heraus.

Rückblickend schreibt sich der Deutsche Tierschutzbund aufgrund seiner Aktivitäten folgende rechtliche Veränderungen als seine Erfolge in Deutschland zu:

Struktureller Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Derzeitiger Präsident des Verbandes ist Thomas Schröder. Sein Vorgänger war Wolfgang Apel, der von 2011 bis zu seinem Tod 2017 das Amt des Ehrenpräsidenten innehatte.

Die Verbandszentrale befindet sich in Bonn. Bei ihr sind unter anderem die Mitgliederbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit sowie Findefix, das Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes angesiedelt. Mit mehr als 740 angeschlossenen örtlichen Tierschutzvereinen in 16 Landesverbänden und über 550 vereinseigenen Tierheimen vertritt der Verband mehr als 800.000 Tierschützer.

Fachliche Grundlagen der Tierschutzarbeit bearbeitet die Akademie für Tierschutz in Neubiberg bei München. Sie unterhält ein Forschungslabor zur Weiterentwicklung tierversuchsfreier Methoden, beheimatet verschiedene Fachrefereate für die Bereich Heimtiere, Landwirtschaft, Tierversuche, Artenschutz, Tierheime und Recht und bietet Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen an.

Um stärker auf die Tierschutzpolitik Einfluss zu nehmen, besitzt der Verband seit 2008 zusätzlich ein Büro in Berlin.

Tier-, Natur- und Jugendzentrum Weidefeld

Darüber hinaus ist der Verband auch an weiteren Standorten tätig. Dazu gehört das Tier-, Natur- und Jugendzentrum in Weidefeld bei Kappeln in Schleswig-Holstein, dessen Mitarbeiter sich unter anderem um nicht artgerecht gehaltene Tiere und um in Not geratene Wildtiere kümmern. Diesbezüglich unterhält er verschiedene Auffangeinrichtungen wie das Lissi-Lüdemann-Haus für notleidende und hilfsbedürftige Hunde. Dem Tierschutzzentrum Weidefeld angeschlossen ist das Tier-, Natur- und Artenschutzzentrum auf Sylt mit beispielsweise einer Erstaufnahmestation für verletzte oder verölte Seevögel und einem Informationszentrum für Tier- und Artenschutz. Auf einem 25.000 m² großen Waldgelände bei Anholt am Niederrhein nahe der niederländischen Grenze betreibt der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit der International Bear Federation eine Auffangstation für Großbären. In Odessa (Ukraine) unterhält er außerdem ein Tierschutz- und Kastrationszentrum, das in Osteuropa Modellcharakter genießt.

Der Verband ist vernetzt mit verschiedenen Partnerorganisationen auf nationaler und internationaler Ebene.

Mit dem zweistufigen Tierschutzlabel "Für Mehr Tierschutz" des Verbandes werden Produkte tierischen Ursprungs gekennzeichnet. Seit Anfang 2013 ist das Tierschutzlabel auf dem Markt und inzwischen sind Schweinefleisch- und Hühnerfleisch-Produkte sowie Eier und Milchprodukte mit dem Tierschutzlabel im Handel erhältlich.[13][14]

Der Deutsche Tierschutzbund finanziert seine als gemeinnützig anerkannte Arbeit aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen, Erbschaften und Kapitalerträgen. Er erhält keine staatliche Unterstützung. Er ist Gründungsmitglied im Deutschen Spendenrat und hat sich im Rahmen dieser Mitgliedschaft zur transparenten Mittelverwendung und Einhaltung ethischer Standards in der Spendenwerbung verpflichtet. Seit dem Jahr 2007 wird er vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) geprüft. Seitdem wurde dem Deutschen Tierschutzbund das DZI-Spendensiegel jährlich zuerkannt.

Tierschutzjugend[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusätzlich ist dem Verband das der Tierschutzjugend angeschlossen. Dies ist ein Angebot für Kinder und Jugendliche und soll junge Menschen für den Tierschutz interessieren. Es gibt unter anderem kindgerechte Informationsmaterialien, ein Jugendportal mit Themen rund um den Tierschutz und Mitmachaktionen. Ferner finden Kooperationen mit diversen Schulen statt. Es ist auch möglich, eine Weiterbildung als Tierschutzlehrer zu absolvieren. Die Akademie für Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes vergibt seit 2001 alle zwei Jahre den Adolf-Hempel-Jugendtierschutzpreis, um junge Tierschützer für ihr Engagement auszuzeichnen. Weiterhin gibt der Deutsche Tierschutzbund die Mitgliederzeitschrift du und das tier heraus.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutscher Tierschutzbund – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Ständig aktualisierte Fassung der öffentlichen Liste über die Registrierung von Verbänden und deren Vertretern (PDF; 5,85 MB) Deutscher Bundestag. 28. Januar 2011. Abgerufen am 5. Februar 2011.
  2. Satzung des Verbandes der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches e.V. (Otto Hartmann-Bund), gegründet am 24. September 1884. Ausgabe 1930.
  3. Herwig Grimm, Carola Otterstedt: Das Tier an sich: Disziplinenübergreifende Perspektiven für neue Wege im wissenschaftsbasierten Tierschutz. ISBN 9783525404478
  4. Camillo Schaufuß: Der Verband der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches. Kurzer Abriß der Geschichte des Tierschutzes und des Deutschen Reichstierschutzes vom 24. Nov. 1933.
  5. Edeltraud Klueting: Die gesetzlichen Regelungen der nationalsozialistischen Reichsregierung für den Tierschutz, den Naturschutz und den Umweltschutz. In: Joachim Radkau, Frank Uekötter (Hg.): Naturschutz und Nationalsozialismus, Frankfurt/New York (Campus Verlag) 2003, S. 104f.
  6. Reichs-Gesetzblatt - Band 1, Teil 2, Seite 1004.
  7. Madeleine Martin: Die Entwicklung des Tierschutzes und seiner Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik und dem deutschsprachigen Ausland. Dissertation. Freie Universität Berlin, 1989, S. 30.
  8. Mieke Roscher: Tierschutz- und Tierrechtsbewegung - ein historischer Abriss. Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ), 9-10/2012. Online
  9. Aufgaben und Ziele der Organisation
  10. Satzung des Deutschen Tierschutzbundes e.V. Abgerufen am 23. März 2018.
  11. EU verabschiedet Tierversuchsverbot für Kosmetika. ORF, abgerufen am 25. Dezember 2013.
  12. Chronologie: Kampf für das Käfigverbot. Deutscher Tierschutzbund, abgerufen am 29. März 2018.
  13. SWR vom 19. Januar 2017: Label für Fleisch - Wie lässt sich Tierschutz messen?
  14. Bayerischer Rundfunk vom 23. Januar 2014: Tiergerechte Haltung - Beobachtungen in Ställen und an Verkaufstheken (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive)