Tiertransport

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Transport von Polizeipferden
Hundetransportbox für internationale Flüge
Dreistöckiger Viehtransporter
Verladen von Ferkeln (ca. 30 kg) für Transport zum Mastbetrieb
In Entwicklungsländern gelten oft weniger strenge Tiertransportbestimmungen als in der Europäischen Union.
Kambodscha, Transport lebender Schweine Richtung Siem Reap
Lebend-Schweinetransport auf Timor (um 1970)

Unter einem Tiertransport versteht man den Vorgang zur Beförderung mindestens eines lebenden Tieres; eine Begriffsverwendung im Sinne einer Beförderung durch Tiere (wie Lastesel oder Brieftaube) ist wenig gebräuchlich. Oft wird der Begriff gleichbedeutend mit dem engeren Begriff Viehtransport gebraucht, also einer Beförderung von Vieh.

Die deutsche Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) definiert den Begriff nicht[1]; sie knüpft an Definitionen der für die EU geltenden Verordnung (EG) Nr. 1/2005[2] an, deren Durchführung die TierSchTrV dient. Für diese Zwecke ist "Transport" definiert als: jede Bewegung von lebenden Wirbeltieren in einem oder mehreren Transportmitteln sowie alle damit zusammenhängenden Vorgänge, einschließlich des Verladens, Entladens, Umladens und Ruhens, bis zum Ende des Entladens der Tiere am Bestimmungsort[3]; der Begriff ist nicht auf gewerbliche Transporte beschränkt.

Allgemeine Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anlässe für einen Tiertransport können unterschiedlich sein: Es kann sich um Zucht-, Mast-, Sport-, Schlacht-, Zoo-, Zirkustiere oder um Tiere handeln, die für Tierversuche bestimmt sind, mit Privatpersonen reisen oder im Onlineshop gekauft mit der Post verschickt werden.

Das Schienenverkehrsunternehmen DB Cargo stellte zum 1. April 2001 den Transport lebender Tiere auf der Schiene ein.[4] Die Begründung war, man wolle bei diesem sensiblen Thema keinen öffentlichen Prügelknaben spielen. Zudem war es im Jahr 2000 durch BSE-Fälle sowie MKS zu einem deutlichen Rückgang der Transporte gekommen, sodass man den Zeitpunkt für richtig befand.[5]

Tiertransporte über See finden an Bord spezialisierter Schiffe, sogenannter Tiertransporter statt. Das europäische wie deutsche Tiertransportrecht kennt diesen Begriff nicht, sondern nur das "Tiertransportschiff"[6].

Grenzüberschreitende Lebendtransporte (Deutschland)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einfuhr nach Deutschland:

  • Rinder: 150 Tausend Tiere
  • Schweine: 13,9 Millionen Tiere (überwiegend Ferkel)
  • Schlachtschweine: 4,6 Millionen (Anzahl von Tieren, die zur Schlachtung nach Deutschland gebracht wurden, 2011)[7]
  • Geflügel: 202 Millionen Tiere

Ausfuhr aus Deutschland:

  • Rinder: 667 Tausend Tiere
  • Schweine: 2 Millionen Tiere
  • Schlachtschweine: 973 Tausend Tiere (Anzahl von Tieren, die zur Schlachtung aus Deutschland ausgeführt wurden, 2011)[8]
  • Geflügel: 264 Millionen Tiere

(Stand 2010 bre. 2011)[9]

Gründe für Transporte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wirtschaftlichkeit

Unter dem Kostendruck, den die Verbraucher in ihrem Verlangen nach billigstem Fleisch erzeugen[10], sowie zur Gewinnsteigerung von Lebensmittelunternehmern werden Standorte in der Produktionskette dorthin verlagert, wo das Lohnniveau (zum Beispiel für Zerleger) geringer, der Sozial- und Arbeitsschutzstandart niedriger, die Durchsetzung von Tierschutz- oder Hygieneregeln lockerer und ein Sanktionsrisiko geringer ist und damit ein Wettbewerbsvorteil sowie ein rein wirtschaftliches Kalkül lockt. In Relation zu den zurückgelegten Wegen sanken die Beförderungskosten[11] durch insoweit verbesserte Transportmittel und Infrastruktur sowie zunehmende Spezialisierung und Zentralisierung stark, was etwa Flugreisen mit Sportpferden oder Haushunden oder lange Beförderungen von Schlachtvieh erst attraktiv erscheinen ließ.

  • Spezialisierung

In der Lebensmittelerzeugung spezialisieren sich Tierhalter zunehmend wie etwa in der Schweinehaltung auf reine Zucht- oder Masttätigkeit oder auf begrenzte Produktions- bzw. Altersstufen.

  • Zentralisierung

Großschlachthöfe oder Großtierhändler für besondere Tierarten (wie Reptilien) entstehen, gegen die kleinere regionale Betriebe kaum konkurrieren können. Das verlängert Transportwege.

  • Sonstige

Eröffnung einer Möglichkeit des Schlachtens nach örtlichen religiösen oder traditionellen Riten (Schächten).
Es werden auch Masttiere in Länder transportiert (z. B. Spanien), in denen Haltungsformen erlaubt sind, die in Ländern mit strengeren Vorschriften verboten sind (z. B. Deutschland).
Einfuhr exotischer Tierarten, eventuell aus Wildfängen.

Gesetzliche Bestimmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für die Mitgliedsstaaten der EU gilt die Richtlinie 91/496/EWG[12]. Diese Richtlinie sieht eine Höchstdauer je Transport von acht Stunden vor, die jedoch unter bestimmten Bedingungen (Spezialfahrzeuge, Pausen-/Versorgungsintervalle) unbegrenzt verlängert werden kann. 1997 wurde die EU-Richtlinie in Deutschland als Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV) umgesetzt. Je nach Tierart dürfen die Fahrzeuge eine bis fünf Ladeebenen haben: z. B. Pferde einstöckig, Rinder zweistöckig, Schafe und Kälber dreistöckig und Jungtiere (Lämmer, Kälber, Ferkel) vier- oder fünfstöckig. Tiergruppen dürfen nur bis zu einer bestimmten Stückzahl zusammen transportiert werden. So dürfen zum Beispiel nur 25 Kälber zusammengesetzt werden. Sollen mehr Tiere mit einem Transporter bewegt werden, so müssen sie durch eine feste Abtrennung getrennt werden.

Unmittelbar, also ohne dazu nötige Umsetzung durch nationales Recht regelt in der EU nun vor allem die Verordnung (EG) Nr. 1/2005 vom 22. Dezember 2004[2] die Tiertransporte; sie verschafft unter anderem der vorgenannten Richtlinie Geltung. Der Durchführung der EU-Verordnung in Deutschland dient die weitgehend auf sie verweisende aktuelle TierSchTrV[1] mit wenigen nationalen Sonderregeln zum Beispiel zum Nachnahmeversand[13]. Diese Verordnungen gelten nicht für Transporte, die "nicht in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Tätigkeit" oder auf Anleitung eines Tierarztes direkt in eine oder aus einer Tierarztpraxis durchgeführt werden[14], und nur eingeschränkt für Landwirte mit eigenen Transportmitteln, die Tiere in Wanderhaltung oder ihr eigenes Tier im Umkreis von weniger als 50 km um ihren Betrieb befördern[15].

Dauer der Transporte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liegen der Versandort und der Bestimmungsort im Inland darf laut Verordnung (EG) Nr. 1/2005 der Transport zu einem Schlachtbetrieb höchstens acht Stunden betragen. Abweichungen sind möglich, soweit die Transportdauer aus unvorhersehbaren Umständen überschritten wird oder wenn der Transport auf einem speziellen Fahrzeug nach der Verordnung Nr. 411/98/EG stattfindet. Während Transporte von bis zu acht Stunden in Normalfahrzeugen erlaubt sind, sind für längere Transportzeiten Spezialfahrzeuge mit Tränkesystem und Ventilatoren vorgeschrieben. In der nicht der EU angehörenden Schweiz ist die Transportdauer auf sechs Stunden limitiert.

Tiertransporte in der ökologischen Landwirtschaft sind ebenfalls gesetzlich auf acht Stunden begrenzt. Die ökologischen Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter verpflichten sich selbst aber dazu, Tiertransporte auf vier Stunden und möglichst nicht mehr als 50 km zu begrenzen.[16]

Probleme und Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tierschützer beklagen, dass selbst bei Einhaltung der geltenden gesetzlichen Bestimmungen die Tiere während der Transporte große Qualen ertragen müssten. Sie litten während der Transporte an Erschöpfung, Dehydratation und Stress. Bei sommerlichen Temperaturen würden die Transportbedingungen besonders qualvoll.[17]

Die Regelungen zum Tiertransport würden nur bei Transporten in Verbindung mit einer wirtschaftlichen Tätigkeit greifen.[18] Private Transporte von Heimtieren seien nicht geregelt, wenn von allgemeinen Bestimmungen des Tierschutzes und der Straßenverkehrsordnung abgesehen werde.
Im Zusammenhang mit privaten Transporten von Heimtieren spielen Tiertransportboxen eine Rolle; für den Transport gemäß VO (EG) Nr. 1/2005 enthält die deutsche TierSchTrV für solche Behältnisse – außer bei Luftversand – besondere Anforderungen zu Größe und Höchstzahl etwa bei Hunden, Katzen, Kaninchen oder Vögel (zum Beispiel im Kabinenexpress)[19].

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Tiertransport – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Tiertransporte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Tierschutztransportverordnung
  2. a b Verordnung (EG) Nr. 1/2005 das Rates vom 22. Dezember 2004 über den Schutz von Tieren beim Transport und damit zusammenhängenden Vorgängen sowie zur Änderung der Richtlinien 64/432/EWG und 93/119/EG und der Verordnung (EG) Nr. 1255/97 (PDF; 26,4 MB)
  3. zitiert nach Artikel 2 a und w der VO (EG) Nr. 1/2005
  4. Meldung Aktuelles in Kürze. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 5/2001, ISSN 1421-2811, S. 198.
  5. Hintergrund zur Einstellung von Bahntransporten in Deutschland
  6. Definition Artikel 2 l der VO (EG) Nr. 1/2005: "Schiffe, ausgenommen Ro-Ro-Schiffe und ausgenommen Schiffe, die Tiere in beweglichen Behältern transportieren,die zum Transport von Hausequiden, Hausrindern, Hausschafen, Hausziegen oder Hausschweinen verwendet werden oder verwendet werden sollen".
  7. Bundesministerium für Landwirtschaft, Einfuhr von Schlachtschweinen und Schweinefleisch nach Ländern 5. März 2013 (PDF; 12 kB)
  8. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ausfuhr von Schlachtschweinen und Schweinefleisch nach Ländern 5. März 2013 (PDF; 13 kB)
  9. Kleine Anfrage an die Bundesregierung, Export und Import von tierischen Erzeugnissen und Futtermitteln, 17. Januar 2012 (für die Schweineproduktion siehe eigene Einzelnachweise; PDF; 329 kB)
  10. s. NDR (Claus Hesseling) 29. September 2015. Schweinefleisch zu Dumpingpreisen
  11. so von unter 3,50 EUR je Mastschwein (Stand 2013) ermittelt durch Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Betriebswirtschaftliche Richtwerte Schweinemast, S. 4 und S. 9; dort allerdings für überwiegend regionale Schlachthöfe; von 4–6 EUR je Mastschwein für Norddeutschland nach stärkerer Konzentration, dh. weitere Wege Hamburger Abendblatt 18. März 2014: Im Norden gibt es zu wenig Schlachtkapazitäten
  12. Richtlinie 91/628/EWG des Rates vom 19. November 1991 über den Schutz von Tieren beim Transport sowie zur Änderung der Richtlinien 90/425/EWG und 91/496/EWG (PDF; 1,3 MB)
  13. § 8 TierSchTrV
  14. Artikel 1 Absatz 5 der VO (EG) Nr. 1/2005
  15. Artikel 1 Absatz 2 der VO (EG) Nr. 1/2005
  16. Was wir essen, Transport von Schlachtvieh
  17. Hitzewellen und Tiertransporte, Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, 3. August 2013
  18. Schutz von Tieren beim Transport
  19. Anhang 1 zu § 6 Tierschutztransportverordnung, so in Ziff. 3 für Brieftauben.